Das Lied „Haju Lejlot“ – Es waren Nächte…

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Wohl wenige Lieder lösen derart Emotionen aus oder rufen so intensiv Erinnerungen an geliebte Menschen hervor wie „Haju Lejlot“. Die Melodie vermag in Verbindung mit ihrem gemütvollen Text melancholische Stimmungen herbeizuführen und sogar zu Tränen zu rühren, während sie zugleich tröstend und versöhnend wirkt. Das gilt ganz besonders, wenn „Haju Lejlot“ von Künstlern wie der unvergleichlichen Esther Ofarim gesungen wird. Dieser Beitrag widmet sich dem Textdichter, dem Komponisten, dem Liedtext und den Interpreten von „Haju Lejlot“.

Von Robert Schlickewitz
Bild oben: Jaakov Orland und Mordechai Zeira

Hinter einem Lied stehen gewöhnlich neben den Vortragenden noch ein Textdichter und ein Komponist. So auch in diesem Fall, wobei es zu einer ganz besonders gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Autoren gekommen ist, denn die verband bereits seit einiger Zeit erfolgreiches gemeinsames Schaffen.

Der Textdichter

… hieß Yaakov Orland und wurde nach dem einen Kalender am 30. Juni, nach dem anderen am 14. Juli, des Jahres 1914 in Tetijiw (ukrainisch Тетіїв; russisch Тетиев Tetijew), einem kleinen Ort südlich von Kiew, als Sohn von Eliezer and Batya Orland geboren.

Im Frühjahr und im Sommer 1919 sowie im März 1920, also als Yaakov fünf Jahre alt war, ereigneten sich am Ort jene Massaker, die als „Pogrome von Tetijiw“ unrühmliche Bekanntheit erlangen sollten. Christliche Ukrainer überfielen ihre jüdischen Mitbürger und erschlugen einen Großteil von ihnen, darunter zehn Familienmitglieder des hier Gewürdigten. Noch Jahre danach sollte er sich erinnern:

«Я спрятался в деревянной бочке и через трещины видел все происходящее. На моих глазах убивали мою семью. Десять человек. Голова моего деда покатилась как футбольный мяч. Тетя и дядя были убиты. Две их дочери — 13 и 14 лет — изнасилованы. А потом погромщики подожгли синагогу. Когда кто-то пытался бежать из нее, его убивали»

Alte Urkunden belegen, dass 1897 etwa 95 %  der Einwohner Tetijiws Juden gewesen waren. Neueren Erkenntnissen zufolge wurden allein im März 1920 drei Viertel der jüdischen Bevölkerung des Ortes, geschätzt etwa 4000 Menschen, ermordet, während sich 1500 noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

Zu dem was hier geschah, und zum Hintergrund lohnt ein Blick in die Geschichte…

„… einer Geschichte, die mehrere Jahrhunderte zurückreichte und in der es immer wieder massive und besonders mörderische Pogrome gegeben hatte: so die Tötungen unter der Führung von Bogdan Chmelnicki im 17. Jahrhundert, die Aktionen der Haidamaken im 18. Jahrhundert und diejenigen Symon Petljuras in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Der traditionelle Haß zwischen Ukrainern und Polen, Ukrainern und Russen, Polen und Russen fügte den Einstellungen dieser Gruppen zu den Juden seine eigenen verschärfenden Elemente hinzu, insbesondere in Gebieten wie Ostgalizien, wo Ukrainer, Polen und Juden Seite an Seite in großen Kommunen nebeneinander lebten, zunächst unter habsburgischer Herrschaft, dann, nach dem Ersten Weltkrieg, unter polnischer Hoheit und schließlich von 1939 bis 1941 unter den Sowjets.

Die traditionelle christliche Judenfeindschaft wurde in der Ukraine dadurch verschärft, daß häufig Juden als Gutsverwalter beim polnischen Adel beschäftigt waren und somit als Repräsentanten (und Vollstrecker) der polnischen Herrschaft über die ukrainische Bauernschaft auftraten. Im Hinblick auf diese Feindschaft beschuldigten ukrainische Nationalisten die Juden, sie hätten sich nach dem Ersten Weltkrieg in umkämpften Gebieten wie Ostgalizien auf die Seite der Polen geschlagen (während die Polen … den Juden vorwarfen, sie hätten mit den Ukrainern gemeinsame Sache gemacht) und während der gesamten Zwischenkriegszeit je nach Region durchweg als Träger entweder der bolschewistischen Unterdrückung oder der polnischen Maßnahmen gegen die ukrainische Minderheit fungiert“

(Saul Friedländer: Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden. Zweiter Band. 1939-1945. München 2006. S. 241)

„Schon in der Kosakenzeit waren nicht nur polnische Adlige, sondern auch Juden (die oft im Dienst polnischer Herren standen) bevorzugte Opfer von Massakern während der Aufstände gegen Polen. ‚Schlage den Polen, schlage den Juden!‘, war damals einer der Schlachtrufe der Kosaken, jüdische Schankwirte und Pächter wurden stellvertretend für die verhaßten polnischen Grundbesitzer massakriert, derer die Aufständischen meist nicht habhaft wurden. In der späteren Zarenzeit, vor und nach der Jahrhundertwende, kam es wiederholt zu Pogromen in Städten der Ukraine, verursacht durch klerikale und zaristisch-nationalistische antisemitische Propaganda: In den Bürgerkriegsjahren 1918-1920 wurden Juden von den verschiedenen, sich gegenseitig bekämpfenden Gruppen verfolgt.“

(Ernst Lüdemann: Ukraine. München 2001. 2. Aufl. S. 77)

„Durch ihre religiöse und kulturelle Besonderheit waren die Juden seit alten Zeiten Objekte des christlichen Antisemitismus, der aus vielfältiger Verschuldung und Abhängigkeit ukrainischer und polnischer Bauern heraus leicht zu aktualisieren war. Als akademisch und industriell führende Schicht aber eigneten sich die Juden auch als Sündenböcke eines konservativen Antikapitalismus. Es entstand eine antisemitische rechtsradikale Bewegung, besonders in der Ukraine, die – nicht selten mit Billigung der Behörden – Pogrome veranstaltete und in Krisensituationen immer wieder versuchte, Schuld auf die Juden zu wälzen. Die Juden antworteten zum Teil durch die Auswanderung nach Amerika, zum Teil, indem sie sich in revolutionären Parteien engagierten – wo sie deutlich überrepräsentiert waren – , zum Teil, indem sie sich der Idee zuwandten, daß auch das Volk Israel eine moderne Nation mit einem eigenen Territorium werden müsse, der Idee des Zionismus. Der größte Teil allerdings ertrug Bedrohung und Benachteiligung in Geduld oder auch in der Hoffnung der Chassidim auf den ‚verborgenen Gerechten‘. “

(Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Rußlands. Stuttgart 2003. S. 149f)

Die Überlebenden der Familie Orland zogen weg, zunächst nach Bessarabien, dem heutigen Moldawien, und nachdem auch dort Pogrome drohten, 1921 weiter nach Palästina.

Dort wurde Kfar Giladi zu ihrer ersten Station, wo Ya’akovs Eltern für zwei Jahre Dienst in jenen Arbeitsbrigaden leisteten, die die Infrastruktur des sich im Aufbaustadium befindlichen Judenstaates schufen. 1923 zog man nach Jerusalem um und Vater Orland nahm eine Stelle als Steinbrecher und Steinmetz beim Unternehmen Hotzvim an, das von dem späteren Generalmajor und Palmach-Mitbegründer Yitzhak Sadeh (1890-1952) geleitet wurde.

1928 besuchte Yaakov Orland das Tachkemoi und anschließend das Hebräische Gymnasium „Rehavia“.

Seinen ersten Liedtext, eine Ode an die neue Heimat, schrieb er 1930 zu einer Komposition seines Freundes David Zehavi (1910-1977), der als Tonkünstlers der leichten Muse (u.a. „HeHalil“) bekannt werden sollte und damals Angehöriger der Arbeiterjugendbewegung war. Orlands erstes Gedicht „Migdal Schel Schririm“ (Turm der Muskeln) druckte wenig später die Zeitschrift Ma’aleh ab, die von dem aus Bessarabien stammenden Lyriker Z(e)rubavel Gilad (1912-1988) herausgegeben wurde. Etwa um die selbe Zeit begann Yaakov Orland sein Studium an der Hebräischen Universität.

Bedeutend für seinen weiteren Lebensweg war 1932 die Begegnung mit dem zionistischen Literaten Nathan Alterman (1910-1970), mit dem ihn eine ebenso fruchtbringende wie schwierige Freundschaft verband. 1933 begann sich Orland intensiver mit Dramaturgie zu beschäftigen und er organisierte Leseabende, bei denen er in erster Linie eigene Übersetzungen aus der englischsprachigen Lyrik vortrug.

Die Jahre ab 1936 verbrachte der junge  Poet in England, wo er seine Theaterstudien an der  Royal Academy of Drama in London fortsetzen konnte. In diese Periode fällt auch die Fertigstellung seiner ersten Gedichtsammlung „Ilan Baruach“ (Baum im Wind). 1939 nach Palästina heimgekehrt, veröffentlichte er den Sammelband „Alim Miginat Hastav“ (Herbstgartenlaub) und ebenfalls 1939 gedachte er in einem Gedicht seiner Kindheit:

В тех давних странных снах, холодных и немых,
Те годы усыпив и прошлое рассеяв,
Мы будем ждать, пока, признав нас за своих,
Оно нам вновь не бросится на шею.

Im September 1939 brach, wie allgemein bekannt, in Europa der Zweite Weltkrieg aus. Dieses und die kommenden Ereignisse wurden besonders in Palästina aufmerksam verfolgt, denn viele der Bürger des Mandatsgebietes hatten Verwandte und Freunde in ihren jeweiligen Herkunftsländern leben und sorgten sich verständlicherweise um deren Schicksal.

Für die Menschen in der Sowjetunion begann der Krieg am 22. Juni 1941.

„Die deutsche Besetzung der Ukraine artete in eine von der Bevölkerung traumatisch durchlebte Schreckensherrschaft aus…

Die Hoffnungen der ukrainischen Nationalisten, mit deutscher Hilfe einen eigenen Staat zu erringen, wurden sofort enttäuscht: Galizien wurde dem polnischen ‚Generalgouvernement‘ zugeschlagen, Bukowina, Bessarabien und Transnistrien dem rumänischen  Verbündeten Deutschlands gegeben, der Rest als ‚Reichskommissariat Ukraine‘ von Deutschen verwaltet. Geiselerschießungen waren an der Tagesordnung…

Am schlimmsten litt natürlich die jüdische Bevölkerung der Ukraine unter der Nazi-Herrschaft. Massenerschießungen und Deportationen in Vernichtungslager versetzten dieser Gruppe … einen fürchterlichen Schlag, dezimierten das Judentum dort so, daß es von einem der demographisch wichtigsten Elemente zu einer Randgruppe reduziert wurde…

SS-Einsatzgruppen hatten den Befehl, gleich nach der Eroberung sowjetischer Ortschaften die jüdischen Einwohner zusammenzutreiben und möglichst viele von ihnen nicht erst in Ghettos zu verbringen, sondern an Ort und Stelle zu erschießen. Nach einigen Monaten waren auf diese Weise bereits ca. 850 000 jüdische Menschen umgebracht worden…

Kollaboration mit den deutschen Behörden, antisemitische Traditionen und Mitwirkung von Ukrainern an Judenpogromen und am Holocaust haben in der Nachkriegszeit oft den Pauschalvorwurf gegen die Ukrainer aufkommen lassen, ein Volk von Kollaborateuren zu sein…

Zweifellos wirkten Ukrainer … an den nazistischen Greueltaten mit. Der extreme Flügel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (die Bandera-Anhänger) hatte ein deutlich faschistisches Gepräge. Ukrainische Freiwillige dienten in der Waffen-SS als besondere Division im Kampf gegen die vorrückende Rote Armee…“

(Ernst Lüdemann: Ukraine. München 2001. 2. Aufl. S. 76 ff)

„… im ehemaligen Ostpolen, in Regionen, wo Ukrainer die Bevölkerungsmehrheit stellten, appellierten die Deutschen an den ukrainischen Nationalismus. Hier gaben sie den Juden die Schuld an der sowjetischen Unterdrückung der Ukraine. In Kremenz, wo man über 100 ermordete Häftlinge fand, wurden 130 Juden bei einem Pogrom umgebracht. In Luzk, wo 2800 Gefangene mit Maschinengewehren erschossen worden waren, töteten die Deutschen 2000 Juden und nannten das die Rache für das Unrecht, das den Ukrainern durch jüdische Kommunisten geschehen sei. In Lviv (Lwow, Lemberg), wo man rund 2500 tote Gefangene im NKWD-Gefängnis fand, organisierten die Einsatzgruppe C und die einheimische Miliz ein tagelanges Pogrom. Die Deutschen stellten diese Toten als ukrainische Opfer jüdischer Geheimpolizisten dar. In Wirklichkeit waren darunter auch Polen und Juden (und die meisten Geheimpolizisten wahrscheinlich Russen und Ukrainer). Ein Angehöriger einer anderen Einsatzgruppe schrieb am 5. Juli 1941 in sein Tagebuch: ‚Hunderte von Juden mit blutüberströmten Gesichtern, Löchern in den Köpfen, gebrochenen Händen und heraushängenden Augen laufen die Straßen entlang.‘ In den ersten Kriegstagen töteten einheimische Milizen mit und ohne deutsche Hilfe und Ermutigung etwa 19 655 Juden bei Pogromen.“

(Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. München 2013. S. 206f.)

„Da die deutsche Armee das gesamte traditionelle Siedlungsgebiet der Ostjuden eroberte, überlebten nur jene, die illegal vor oder legal nach der Aufhebung des Ansiedlungsrayons weiter nach Osten gezogen waren, denen die Flucht vor der Wehrmacht gelang oder die im Lande die Besatzungszeit überstanden. Anfang 1939 hatten etwa 3,1 Millionen Juden in der UdSSR gelebt, 1,8 Millionen kamen in den annektierten Westgebieten hinzu, und 200 000 flohen nach der Teilung Polens über den Bug, so daß am 22. Juni 1941 etwa 5,1 Millionen in der UdSSR lebten. Etwa 2,7 Millionen sowjetischer Juden kamen in deutsche Gewalt, von diesen haben etwa 100 000 überlebt: vielleicht 20 000 als Partisanen in den Wäldern und Sümpfen Westrußlands, wo es auch Familienlager gab, und vielleicht 80 000 in den Konzentrationslagern in Deutschland. Etwa 2,6 Millionen Juden sind also zwischen 1941 und 1943 von Deutschen in der UdSSR ermordet worden; fast die Hälfte der Gesamtzahl der Opfer des Holocaust. Etwa 300 000 sind als Soldaten der Roten Armee gefallen oder in den Hungersnöten hinter der Front ums Leben gekommen…“

„Menschen anderer Ethnizität und anderen Glaubens wurden in Rußland nicht mit solcher Radikalität vertrieben wie in Westeuropa. Gewiß, das Wort ‚Pogrom‘ stammt aus dem Russischen, aber Spanien ’säuberte‘ das Land vollständig von den Muslimen, und Deutschland rottete die Juden aus, soweit seine Macht reichte.“

(Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Rußlands. Stuttgart 2003. S. 257, 462)

Yaacov Orlands ukrainischer Geburtsort Tetijiw wurde am 17. Juli 1941 von deutschen Truppen  erobert und bis zum 3. Januar 1944 von diesen besetzt gehalten. In Kämpfen und bei Pogromen verloren insgesamt 3300 Ortsbewohner ihr Leben.

1941 war auch für Yaakov Orland ein bedeutsames Jahr, denn einmal ging er damals die Ehe mit seiner Frau Bat-El Axelsrod ein und zum zweiten, trat er seinen Dienst bei der Britischen Armee an. Diese brachte ihn in ihrer Abteilung für (kulturelle) Truppenbetreuung unter. In der neuen Umgebung traf Orland auf eine Persönlichkeit, mit der er auch in den folgenden Jahre produktiv zusammenarbeiten sollte, auf den Komponisten Mordechai (Mitya) Zeira (siehe unten). Das von der „Königin der Hebräischen Musik“, der jemenitisch-israelischen Sängerin Shoshana Damari (1923-2006) eingespielte und häufig im Rundfunk gesendete „Hatender Nosea“ (Der Kleinlaster) wurde zu einem seiner für die damalige Epoche charakteristischsten Lieder. Später folgten die noch erfolgreicheren Liedertexte „Ets Harimon“ (Granatapfelbaum) und „Schnej Shoshanim“ (Zwei Rosen).

Neben Orlands Liedlyrik stand weiterhin sein literarisches Übersetzungswerk aus dem Englischen, aus dem Jiddischen und aus dem Deutschen (ins Hebräische), darunter „Hebrew Melodies“ von Byron, „The Ballad from Reding Prison“ und „Shlomit“ von Oscar Wilde, außerdem Poeme und Prosa von William Shakespeare, Edgar Alan Poe, George Bernard Shaw, Erich Maria Remarque, Itzik Manger (1901-1969) u.a.  1946 erschien Orlands drittes Buch, dessen Titel in Übersetzung „Lieder über einen Adler und eine Taube“ lautet.

Im Jahre 1951 (nach anderen Angaben erst 1954) zog der Autor nach Haifa und widmete sich von da an verstärkt der Theaterarbeit. So kam zwei Jahre später sein „Hair Hazot“ (Diese Stadt) am ‚Ohel‘-Theater zur Aufführung, dem sich noch „Halishke Haschora“ (Das schwarze Büro) sowie (übs.) „Herschel aus Australopi“ anschlossen. Als bemerkenswert gilt auch Orlands Übersetzungsarbeit in diesem Bereich. Zahlreiche Bühnenstücke Europas und Amerikas fanden erst über seine sprachliche Vermittlung Eingang ins israelische Theaterleben, besonders in Haifa.

Einige seiner eigenen lyrischen Arbeiten wurden u.a. ins Englische übersetzt.

Für seine vielseitigen und vielfältigen künstlerischen Aktivitäten wurden Yaakov Orland, der auch Vorsitzender des Hebräischen Schriftstellerverbandes war, mehrere bedeutende Auszeichnungen und Preise verliehen, darunter u.a.:

Jabotinsky-Preis (1977), Wertheim-Preis der Bar-Ilan Universität (1983), Literatur-Preis des  ACUM (1984), Alterman-Preis (1987), Israel-Preis für Hebräischen Gesang (1994), Bialik-Preis (1997).

Aus der Ehe mit Bat-El Axelsrod, waren zwei Kinder hervorgegangen, die Lyrikerin und Textdichterin Shimrit Orr (geb. 1945) und Sohn Reuel (geb. 1953), der Veterinär wurde.

Yaakov Orland verstarb nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren am 5. März 2002 in Haifa, wo bald auch eine Straße an ihn erinnerte.

Seinen Nachlass verwaltet die Bar-Ilan Universität.

Den Ermordeten des Tetijiwer Pogroms von 1920, des Pogroms mit den meisten Opfern auf dem Gebiet der Ukraine zur Zeit des Bürgerkriegs, wurde im Juli 2020 auf dem Gelände des jüdischen Friedhofs der Stadt ein Denkmal errichtet. Außerdem beabsichtigten die Ukrainer zwei Straßen nach Juden des Ortes, eine davon zu Ehren Yaakov Orlands, zu benennen.

Quellen:
https://jewish-music.huji.ac.il/content/yaakov-orland
https://www.jewishvirtuallibrary.org/orland-yaakov
https://hebrew-literature.biu.ac.il/en/node/638
https://oxford.universitypressscholarship.com/view/10.1093/oso/9780197516485.001.0001/oso-9780197516485-chapter-51
https://www.wikide.wiki/wiki/it/Yaakov_Orland
https://peoplepill.com/people/yaakov-orland
https://www.dailymotion.com/video/x9bbss
https://www.dailymotion.com/video/x8jntr
https://kehilalinks.jewishgen.org/tetiev/massacresoftetiev.htm
https://kehilalinks.jewishgen.org/tetiev/TetieverKhurbn.htm
https://jewsoftetiev.com/?p=255
https://jewsoftetiev.com/
http://iajgscemetery.org/eastern-europe/ukraine/tetiyev
http://www.kngu.org/ru/v-tetieve-otkryli-pamatnik-zertvam-evreiskih-pogromov-1919-1920-godov
https://kehilalinks.jewishgen.org/tetiev/geyzer-oralhist.htm
http://hadashot.kiev.ua/content/v-tetieve-otkryli-pamyatnik-zhertvam-evreyskih-pogromov-1919-1920-godov
https://lechaim.ru/events/deputaty-protiv-pamyati-zhertv-pogromov/
https://kehilalinks.jewishgen.org/tetiev/tetiev.htm

 

Der Komponist…

… von „Haju Lejlot“ gilt als ein bedeutender Tonschöpfer der leichten Muse. Er wird  dem zu seiner Zeit gern gehörten Genre Semer Ivri bzw. Shirei Eretz Yisrael zugerechnet.

Mordechai Zeira kam am 7. Juni 1906 als Dimitry Mordechai Grebenin in der ukrainischen Metropole Kiew zur Welt. Andere Schreibweisen seines Geburtsnamens lauten auf Mark Dimitri Greben bzw. Dimitry Greben, sowie eine Variante seines in Israel angenommenen Namens auf Mordechaï Zeïra.

Bereits in der Kindheit brachte ihm der Vater die Musik der Synagoge ebenso wie jüdische Folklore nahe, welche bei ihm bleibende Eindrücke hinterließen.

Das Klavierspielen musste er sich aber selbst beibringen, da seine Familie in äußerst bescheidenen Verhältnissen lebte.

Diese Verhältnisse waren es auch, die ihn, erwachsen geworden, veranlassten einen praktischen Beruf anzuvisieren. Ein begonnenes Studium der Elektrotechnik am Kiewer Polytechnikum musste er nach zwei Semestern abbrechen, um sich in einer Schuhfabrik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zugleich betätigte er sich politisch, indem er Angehöriger der sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung Ha-schomer ha-Zair wurde. Dieses Engagement brachte ihm 1924 allerdings eine Gefängnisstrafe wegen unerlaubter zionistischer Aktivitäten ein. Er hatte Glück, die sowjetischen Behörden genehmigten ihm die Ausreise nach Palästina, als sie erkannten, dass er das „Paradies der Arbeiterklasse“ tatsächlich verlassen wollte.  

Die Anfänge für den erst 19jährigen in der neuen Umgebung waren ausgesprochen hart. Er trat dem Kibbuz Afikim bei, der zu jener Zeit den Namen „Hachomer Hatzair CCCP“ (CCCP=UdSSR) trug, und wurde im Straßenbau eingesetzt. Weitere Tätigkeiten, die er übernahm, waren die eines Elektrikers, eines Schusters und eines Fischers.

In seiner Freizeit blieb er seiner Leidenschaft, der Musik, treu und dirigierte er ein kleines Orchester, bestehend aus einem Akkordeonisten und mehreren Mundharmonikaspielern. Die Gruppe war ausgesprochen rührig und bald in der Lage eine eigene Oper, „Carmela“, aufzuführen. Dass das Orchester die Mundharmonika als Stamminstrument benutzte, ist auf einen internationalen Trend jener Jahre zurückzuführen. Der aus Weißrussland stammende amerikanische Mundharmonikavirtuose und spätere -Kapellmeister Borrah Minevitch (1905-1955) und der deutsche Hersteller Hohner hatten ab 1925/1926 eine regelrechte Welle losgetreten, die nahezu die ganze Welt erfasste und zu einer ungeheuren Popularität des Instruments geführt hat. Die Mundharmonika war, wie aus dem, noch nicht abschließend bearbeiteten, biografischen Material zu Minevitch hervorgeht, bereits im osteuropäischen „Shtetl“ ein gern gespieltes und relativ weit verbreitetes Musikinstrument gewesen.

(David et Gérard Herzhaft: Le livre de l’harmonica. Librairie Arthème Fayard 2008. S. 239 ff) 

1927 verließ Zeira Untergaliläa und zog nach Tel Aviv, wo er ebenfalls im Straßenbau tätig wurde, und sich dem Ensemble des Arbeitertheaters „Ohel“ anschloss. In etwa gleichzeitig machte er durch eigene Kompositionen auf sich aufmerksam. So schrieb er, zum Beispiel, zum Text „Anu Nosim Lapidim“ von Aharon Zeev (1900-1968) die wohlklingenden Noten.

Da der junge Tonkünstler seine musikalischen Fertigkeiten noch weiter auszubauen beabsichtigte, durch Unterricht beim bekannten Komponisten und Kantor Solomon Rosowsky (1878-1962), zog er vorübergehend nach Jerusalem.

Im Jahr 1928 publizierte er ein weiteres Werk, diesmal eine Liedersammlung, eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Schriftsteller und Lyriker Jizchak Schenhar (Itzhak Shenhar/Jizchak Schönberg; 1902-1957). Außerdem gab er seine bisherigen Künstlernamen Mitya Greben bzw. Mitya Masrek nun auf und nannte sich nur noch Mordechai Zeira.

Ab 1933 wieder in Tel Aviv und auf eine Stelle angewiesen, die ihm ein regelmäßiges Einkommen gewährte, wurde Zeira Mitarbeiter des Kraftwerks der Palestine Electric Corporation. Hintergrund war seine Eheschließung mit Sara Gutman. Aus der Ehe ging zwei Jahre später der gemeinsame Sohn Yuval Zeira hervor.

Zu Mordechai Zeiras persönlichem Umgang der 1920er und 1930er Jahre zählten illustre Zeitgenossen, wie etwa der Schriftsteller Nathan Alterman (1910-1970) oder der Komponist Emanuel Harusi (Novograbelsky; 1903-1979) oder der Schriftsteller und Übersetzer Abraham Shlonsky (1900-1973) oder die Übersetzerin und Autorin Leah Goldberg (1911-1970).

Obwohl er nur nach Feierabend Energie ins Komponieren investieren konnte, entstanden Hunderte Lieder, von denen zahlreiche auch veröffentlicht wurden und ihren Autor zu einer bekannten Persönlichkeit machten. Er vertonte u.a. Texte von Nathan Alterman, Yaakov Orland, Aharon Ashman (1889-1981) sowie Alexander Penn (Avraham/Alexander Pepliker-Stern; 1906-1972), wobei er sich, ähnlich wie andere Komponisten seiner Epoche, an Klangfolgen und Melodien aus dem Orient und aus Osteuropa orientierte.

Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen u.a. „Adama Adamati“, „Ad Or HaBoker“, „Al Tiram“, „Anu Nosim Lapidim“, „Ashrey Haish“,  „Hayu Lejlot“, „Hazaken Minaharayim“, „Layla Layla“, „Ma Tovu“, „Shalechet“, „Shnei Shoshanim“, „Ziunionei Haderech“ sowie zahlreiche häufig gesungene Kinderlieder.

Ebenso wie Yaacov Orland diente auch Mordechai Zeira während des Zweiten Weltkriegs bei der Britischen Armee. Er gehörte den „Jüdischen Brigaden“ an, für die er das Musikensemble „Me’eyn Ze“ zusammenstellte und mit dem er vor Soldaten an verschiedenen Fronten im Nahen Osten, in Westeuropa und in Südeuropa, aber auch vor Flüchtlingen und vor aus den Konzentrationslagern befreiten Exhäftlingen auftrat.

In Anerkennung seines langjährigen musikalischen Wirkens wurde Zeira im Jahre 1952 eine Auszeichnung verliehen, der Yosef-Alkoni-Preis.

Aufgrund seiner angeschlagener Gesundheit, Gefahr von Herzinfarkten, wurde der Komponist-Kraftwerksmitarbeiter der Palestine Electric Corporation 1966 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.

Mordechai Zeira verstarb am 1. August 1968 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Kiryat Shaul Friedhof in Tel Aviv. Hier haben auch Alexander Penn, Nathan Alterman, Avraham Shlonsky und viele andere Künstler ihre Gräber.

Internetquellen und Literatur:
Jascha Nemtsov: Der Zionismus in der Musik – Jüdische Musik und nationale Idee. Wiesbaden 2009. S. 185 f.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Mordekha%C3%AF_Ze%C3%AFra
https://ro.wikipedia.org/wiki/Mordechai_Zeira
https://en.wikipedia.org/wiki/Mordechai_Zeira
https://web.nli.org.il/sites/nli/english/music/daily_song/pages/old/zeira.aspx
http://de.pluspedia.org/wiki/Mordechai_Zeira
https://www.encyclopedia.com/religion/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/zeira-mordechai
https://www.jewiki.net/wiki/Mordechai_Zeira

Die Interpreten

Die meisten Künstler, die sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten „Haju lejlot“ annahmen, waren weiblich, was selbstverständlich mit dem Text des Lieds zu tun hat. Männliche Interpreten spielten häufiger reine Instrumentalfassungen ein oder sie verlegten sich auf Parodien. Eine Durchsicht der im Internet angebotenen Aufnahmen von „Haju lejlot“ ergab folgende, selbstverständlich nicht vollständige, Liste an Interpretinnen und Interpreten (in alphabetischer Reihenfolge):

Haris Alexiou mit dem Philharmonic Orchestra
Maya Amir
Hedva Amrani
Shiri Artzi
Mira Awad
Maya Belzi(i)tzman mit Matan Ephrat und The Israel Camerata Jerusalem (Noam Zur)
Gila Beshari
Big Fat Whale (Raanan Cohen, Alon Maler, Amos Hoffman, Ben Dagovich, Roy Nadel)
The Buchmann-Mehta School of Music, Tel Aviv University (Efrat Ben-Nun)
Nevo Castiel
Cilla Dagan
Shoshana Damari
Lea Deganith
Chani Dinur
Dikla Elias
Hadas Faran und Oded Shoub
Yoram Friedman
Roni Ginossar
Shiri Golan
Gila Goldstein
Edan Gur
Keren Hadar
Nigun Halev
Hassadna Trio mit dem Jerusalem Music Conservatory
Inbal Hever mit Michalis Paraskakis und Ofir Klemperer
Israel Opera
Rafi Kadishson mit Keren Hadar, Barak Tal, Yoni Gotlibovich, Bentzi Shira, Leelu Shira
Gruppe Kaveret
Haya Koren
Yosi Levy
Liora
Sarah Lonsert mit Danny Maseng und Addie Lupert
Lola Marsh
Miri Mesika
R. Carlos Nakai und Udi Bar-David
Achinoam Nini und The Jerusalem Symphony Orchestra
Noa mit Shiri Hershkovitz und Tal Bergman
Esther Ofarim
Michal Peres
Ingrid Peters
Michael Rahav und Ayelet Cogan
Idan Raichel
Sivan Rotem mit Moti Shmitt, Natalie Rotenberg, Eyal Bat
Laurie Rubin
Moran Shalev
Shauli Einav Quartet
Gitit Shoval
Emil Skobeloff
Yafa Stern
Ofri Tachelson mit dem Duo – Moran Wasser und Daphna Medina, Gitarre
Sonia Theodoridou und das Orchestra Mobile Theodoros Orfanidis
Alla Vasilevitsky und Valery Kravtchenko

 

Text Hebräisch:

היו לילות, אני אותם זוכרת
אני אותם עד סוף ימי אשא
במשעולים בין דגניה לכינרת
עמדה עגלת חיי העמוסה 
והוא ניגש שמעי אלי, קטנטונת
אני בניתי בית לשבתך
את תרקמי בערב לי כותונת
אני אנהג ביום את עגלתך
 
הוא היה אז בהיר וגבוה כזמר
הוא נהג עגלות לשדה הרחב
ואני לו כותונת הייתי רוקמת
כותונת של תכלת עם פרח זהב
 
היו לילות, אני אותם זוכרת
והוא את העצים בגן העיד
את השבילים בין דגניה לכינרת
כי רק אותי ישמור לו לתמיד
 
היה הולך ושב אלי קודח
היה נושא דמותי ממול פניו
הגידו נא, היש בכם יודע
אי אנה זה הלך לו ולא שב?
 
אז הייתי בוכה, אז הייתי נדהמת
בשדות רחוקים עוד הלכתי אליו
אנוכי עוד נושאת כותנתו המרוקמת
כותונת של תכלת עם פרח זהב
 
היו לילות, אני אותם זוכרת
אני אותם עד סוף ימי אש

Haju lejlot, ani otam socheret
Ani otam ad sof jamaj esa.
Ba misch’olim bejn Deganija leKineret
Amda eglot chajaj ha’amusa.

Vehu nigasch schim’i elaj k’tantonet.
Ani baniti bajit leschivtech.
At tir’kemi ba’erev li kutonet
Ani enhag bajom et eglatech.

Hu haja as bahir vegavoha kesemer
Hu nahag agalot lasade harachav.
Ve’ani lo kutonet hajiti rokemet
Kutonet schel t’chelet im perach sahav.

Haju lejlot, ani otam socheret
Vehu et ha’etzim he’ir
Et haschvilim bejn Deganija leKineret
Rak oti eschmor lo letamid.

Haja holech veschav elaj kode’ach
Haja nose dmuti mimul panav.
Hagidu na hajesch bachem jode’a
Ej ana se halach lo velo schav?

As hajiti bocha as hajiti nid’hemet
Besadot rechokim od halachti elav.
Anochi od noset kutanto hamerukemet
Kutonet schel t’chelet im perach sahav.
Haju lejlot ani otam socheret
Ani otam ad sof jamai – esa.

 

Text Englisch: 

There were nights, I remember them
I will carry them till the end of my days
On the way between Dagania and Kineret
stood the loaded cart of my life.

And it arrived saying „listen to me little one
I built a firm house for you.
In the evening you’d weave a shirt for me,
by day I will drive your carts.“

He was fair and as tall as a melody,
he drove the carts into the wide field.
I would weave for him a shirt,
a blue shirt with a golden flower.

There were nights, I remember them.
He lit up the trees,
the roads between Degania and Kineret
that he would keep me with him for ever.

He would leave and return to me fever-ill.
He’d carry my figure in front of his face.
Say, does anyone among you know
where he went and why he never returned?

Back then I cried and I was seized by it.
I went to him in the far fields
and still I carry the weaved blue shirt,
blue shirt with a golden flower.

There were nights, I remember them,
I will carry them till the end of my days.

Quelle: http://www.hebrewsongs.com/

 

Text Deutsch:

Es gibt Nächte, an die ich mich immer erinnern werde.
In mir will ich sie tragen, solange ich lebe.
Auf dem Weg zwischen Degania und Kinnereth
stand mein beladener Wagen des Lebens.

„Höre, Kleine, ich habe Dir ein festes Haus gebaut.
Am Abend wirst Du ein Hemd für mich sticken,
am Tage werde ich Deinen Wagen ziehen.“

Er war damals schön und groß wie Musik,
er fuhr den Wagen zu den weiten Feldern…
Ich stickte für ihn ein blaues Hemd mit goldenen Blumen.

Es gibt Nächte, an die ich mich immer erinnern werde.
Vor den Bäumen im Garten schwor er mir,
vor dem Weg zwischen Degania und Kinnereth,
dass er ewig bei mir bleiben wird.

Er ging, und fieberkrank kam er zu mir zurück.
Im Fieber hatte er mein Bild gesehen.
Sagt an, ist jemand unter euch,
der weiß, wohin er ging und warum er niemals wieder kam?

Ich weinte und konnte es nicht fassen,
ich suchte ihn auf den weiten Feldern…
Und immer noch trage ich das blaue Hemd mit den goldenen Blumen.

Es gibt Nächte, an die ich mich immer erinnern werde.
In mir will ich sie tragen, solange ich lebe.

Quelle: http://www.esther-ofarim.de/naechte.htm

 

Quellen und Literatur:
Avriel Bar-Levav, Uzi Rebhun: Textual Transmission in Contemporary Jewish Cultures. Oxford University Press 2020. S. 339ff.

Jascha Nemtsow: Der Zionismus in der Musik. Jüdische Musik und nationale Idee. Wiesbaden 2009. S. 185f.
https://oxford.universitypressscholarship.com/view/10.1093/oso/9780197516485.001.0001/oso-9780197516485-chapter-51
https://go.gale.com/ps/i.do?id=GALE%7CA351948278&sid=googleScholar&v=2.1&it=r&linkaccess=abs&issn=01464094&p=LitRC&sw=w&userGroupName=anon%7Eb0841332

 

Musiklinks: