„Das sind unsere Herausforderungen seit 1700 Jahren“

Sie ist eine der meistbeschäftigten Frauen Deutschlands. Im Interview spricht Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, über ihre Kindheit in der NS-Zeit, über ihre zahlreichen Ämter, ihr Engagement bei WIZO und im Jüdischen Frauenbund – und wie es ihr gelang, nach 1945 aus dem Überleben ein Leben zu formen.

Interview: Sharon Adler
Erschienen bei: Deutschlandarchiv/bpb.de, 29.10.2021

Sharon Adler: Sie waren drei Monate alt, als Hitler an die Macht kam, sechs Jahre, als am 9. November 1938 die Ohel-Jakob-Synagoge brannte, und sieben, als die Wehrmacht in Polen einmarschiert ist. Welche Erinnerungen haben Sie an die Ausgrenzung, die Sie und Ihre Familie erfahren haben?

Charlotte Knobloch: Ich wurde als das einzige Kind in ein gutbürgerliches Haus hinein geboren. Es gab nur noch eine Cousine, die bis 1936 in Nürnberg aufgewachsen ist. Mein Vater[1] erzählte mir nach der Befreiung, er sei damals gar nicht so glücklich darüber gewesen, dass die Familie sich in einer so schwierigen Zeit vergrößert hat. Wir hatten ein angenehmes Familienleben, und ich hing sehr an unserer Haushälterin, der guten Johanna. Es hat mich besonders getroffen und sehr geschmerzt, als sie nicht mehr bei uns arbeiten durfte.[2] Auch das gehörte zu diesen ersten Jahren. Bis ich vier Jahre alt war, habe ich oft mit den Kindern aus der Umgebung im Hof unseres Hauses gespielt, bis sie mich eines Tages von der anderen Seite des Zauns komisch angeguckt haben und ich vor dem verschlossenen Gatter stand. Ich habe daran gerüttelt, weil ich glaubte, dass irgendetwas damit nicht stimmt. Aber das war nicht der Fall. Vielmehr herrschte mich die Hausmeisterfrau an: „Unsere Kinder dürfen nicht mit einem Judenkind spielen, geh nach Hause!“ Das war meine erste Begegnung mit dem Anderssein.

Zuhause tröstete mich meine Großmutter, die meinen Weg durchs Fenster beobachtet hatte. Sie hat damals schon viel bei uns gelebt, 1939 ist sie dann endgültig zu uns gezogen. Meine Mutter hatte uns vorher verlassen: Sie hat dem Druck nicht standgehalten, dem sie durch Konversion und Ehe mit einem Juden ausgesetzt war.

Ich fragte meine Großmutter, warum ich nicht mit den Kindern spielen durfte und was das Wort „Jude“ bedeutet. Wir begingen zwar die jüdischen Feiertage und mein Vater und meine Großmutter nahmen mich immer in die Synagoge mit, aber das Wort „Jude“ war für mich kein Begriff. Auch sie war erst zu bestürzt, um die richtigen Worte zu finden. Um es für mich kindgerecht zu erklären, hat sie die Kirchen als solche zur Grundlage genommen: „Es gibt Menschen, die in die Kirche gehen, Menschen, die in die Synagoge gehen, das sind wir, und es gibt auch Menschen aus beiden Bereichen, die sich nicht so gerne haben.“

Ich habe das trotzdem noch nicht so richtig verstanden, das kam erst etwa ein halbes Jahr später. Meine Großeltern väterlicherseits waren Wagnerianer und sehr musikalisch. Deshalb bekam ich Klavierstunden, was mir sehr gut gefallen hat. Ich habe auch schnell Fortschritte gemacht. Bis uns eines Tages jemand aus dem Haus bei der Gestapo denunziert hat und der Klavierlehrerin erklärt wurde, sie dürfte kein jüdisches Kind unterrichten: Man hat ihr gedroht, dass sie ansonsten die Probleme bekäme, die „für die Juden vorbereitet“ seien.

Raub

Regelmäßig morgens um vier oder fünf Uhr in der Früh haben die Nazis Sturm bei uns geläutet. Sie sind dann wie selbstverständlich durch unsere Wohnung gegangen und zeigten systematisch auf verschiedene Sachen: Porzellan, Besteck, Bilder, Antiquitäten, Leuchter. Diese wurden auf den Tisch gestellt, und es wurde eine Liste erstellt, die wir unterschreiben mussten. Später kam auch das Telefon dazu. Sie bedienten sich nach Belieben und quittierten, ganz akkurat. Das waren Schreckenssekunden und -minuten, man wusste ja nie, was sie noch weiter aussuchen würden. Ich stand immer im Bademantel dabei.

Ich kann mich an mehrere solche Überfälle erinnern. Einmal, da war ich schon etwas älter, war es noch schlimmer. Da sind sie am Tag gekommen. Mein Vater, der ahnte, es könnte etwas mit ihm zu tun haben, ist schnell über den zweiten Aufgang ins Parterre gelaufen. Die Nazis durchsuchten die Wohnung nach Gegenständen und nach meinem Vater. Als sie mich fragten, wo er sei und ich antwortete, ich wisse es nicht, bekam ich eine Ohrfeige, die ich heute noch spüre. Ich habe natürlich geweint, denn das hatte wehgetan, aber auf die Frage „Aber jetzt weißt du’s?“ habe ich wieder behauptet „Nein, ich weiß es nicht“. Da haben sie mir anscheinend doch geglaubt und sind gegangen. Das war nicht nur bei uns so, sondern bei allen jüdischen Familien, die zu der Zeit noch da waren. Die Auswanderung hat ja da schon begonnen. Damals noch mit Erfolg, aber dann haben immer weniger Länder Juden aufgenommen. Und zu damaliger Zeit mussten die Juden sehr viel Geld mitbringen, damit man sie überhaupt ins Land gelassen hat.

Ausgrenzung und Berufsverbot jüdischer Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen

Inzwischen hatte man meinem Vater seine Zulassung als Rechtsanwalt[3] entzogen. Er hatte dann als „Konsulent“,[4] als Rechtshelfer für jüdische Mandanten, ein kleines Büro. Allen jüdischen Anwälten ging es so. Es hieß, sie dürften jüdische Menschen noch verteidigen, was natürlich eine Farce war, denn kein jüdischer Mensch hatte damals noch irgendeine Chance vor einem deutschen Gericht.

Es kamen viele Menschen mit der Deportationsaufforderung in den Händen zu meinem Papa. Sie weinten, schrien, flehten, sie waren in einem furchtbaren Zustand, das waren Menschen, die noch irgendeinen Ausweg gesucht haben, sich der Deportation zu entziehen. Ich kann das bis heute nicht vergessen. Am Ende traf es auch unsere Familie, über die nicht mehr existierende Jüdische Gemeinde. Die hatte auf Befehl der Gestapo einen jüdischen Mitarbeiter abgestellt, der ihr die Namen der Menschen für Transporte nennen musste. Auf den Transportlisten waren alte Menschen, Kinder, jüdische Münchner jeden Alters.

Der 9. November 1938

Mein Vater erhielt an diesem Tag eine Warnung, es sei etwas gegen die Juden im Gange, und wir sollten auf die Straße gehen. Das haben wir gemacht. Mein Vater, mit mir an der Hand und auf der Straße, hat dann in seinem Büro angerufen, von einer Telefonzelle aus, und nach sich selbst gefragt. Es hieß „Nein, der ist gerade nicht da, wir warten auch auf ihn“. Da hat er gewusst, um was es geht. Er ahnte, dass sie auch unsere Wohnung durchsuchen würden, was auch der Fall war. Um dem zu entgehen, sind wir gemeinsam durch die Straßen geirrt und haben dabei auch den Rauch gesehen, der aus den Fenstern der Ohel-Jakob-Synagoge qualmte. Wir haben die zerstörten Schaufenster der jüdischen Geschäfte gesehen. Wir haben Menschen gesehen, die Sachen herausgetragen haben. Wir haben gesehen, wie die SS einen älteren Herren auf die Straße zerrte, Justizrat Rothschild – für mich damals „Opa Rothschild“. Er hatte eine blutdurchtränkte Binde am Kopf, und man hat ihn mit Füßen in den Polizeiwagen hineingetreten.
Das sind die Momente, die mich aus dieser Zeit immer noch bewegen, wenn ich darüber spreche. Das sind meine Eindrücke aus dieser schlimmen Zeit.

Abschied von der Großmutter, Albertine Neuland

Nach dem 9. November war mein Vater zur Auswanderung bereit. Meinem Onkel in Amerika gelang es, zwei der erforderlichen Bürgschaften zu organisieren, aber meine Großmutter[5] war nach den US-Einreisebestimmungen zu alt. Also war das Thema erledigt. Mein Vater und ich hätten sie nie verlassen. Im Sommer 1942 kam dann auch der Deportationsbefehl für uns. Ich war da neun Jahre alt. Es hieß, entweder meine Großmutter oder ich müssen in den Zug. Für sie war aber sofort klar, dass sie das auf sich nehmen würde. Ich erinnere mich heute noch daran, wie sie sich von uns verabschiedete. Mir sagte sie, sie ginge zur Kur und käme bald wieder. Ich habe bitterlich geweint. Diesen Abschied sehe ich immer noch vor mir und das belastet mich bis heute. Die Erwachsenen wussten ja viel mehr darüber, was auf uns zukommt. Ich habe zwar mitgehört, aber die Thematik konnte ich natürlich nicht sehen oder erahnen.

„Ich werde Lotte Hummel“: Überleben im Versteck.

Sharon Adler: 1942 hat Ihr Vater Sie in ein Dorf in Franken zum (katholischen) ehemaligen Dienstmädchen[6] Ihres Onkels in Nürnberg gebracht, wo Sie unter falscher Identität überlebt haben. Kreszentia Hummel, „die Zenzi“, wurde 2017 posthum als „Gerechte unter den Völkern“[7] in Yad Vashem[8] geehrt. Welche Erinnerungen haben Sie an die drei Jahre dauernde Zeit im Versteck?

Charlotte Knobloch: Mein Vater hat natürlich nach einer Möglichkeit gesucht, mich wegzubringen, wenigstens für einige Zeit. Er hat sich an die Hausangestellte meines Onkels erinnert, die nach dessen Emigration nach Amerika zu ihrer Familie in ihr Heimatdorf zurückgegangen war. Die hat er gesucht und gefunden. Als er sie gefragt hat, ob sie mich für einige Zeit aufnehmen könnte, hat er den wahren Grund nicht genannt. Auf unserer Fahrt dorthin mussten wir unsere Kennzeichen, den gelben Stern, abnehmen, weil Juden ja keine Verkehrsmittel mehr nutzen durften. Der Zug wurde G’tt sei Dank nicht kontrolliert.

Als wir endlich dort ankamen, mussten wir noch zweieinhalb Stunden laufen, bis wir in das Dorf kamen. Mein Vater hat dann den zwei Schwestern und ihrem Vater – die zwei Brüder waren bei der Wehrmacht – die Wahrheit gesagt. Nachdem sie sich beraten hatten, war die Antwort: Sie nehmen mich, aber sie können nicht sagen, wie lange. Wenigstens meine Anwesenheit ließ sich unerwartet leicht erklären, als dann die Dorfbewohner angefangen haben, über diese sehr fromme Frau und ihr „außereheliches Kind“ zu reden. Sie war nicht glücklich über diese Schmach. Außer ihr kannte nur der Pfarrer meine Identität, aber er hat uns nicht verraten. Offiziell war ich Lotte Hummel. Natürlich war das nicht einfach für mich, ich war ein Stadtkind, musste mich an eisige Zimmer und harte körperliche Arbeit auf dem Bauernhof gewöhnen. Und ich hatte Angst, Heimweh, und fühlte mich sehr einsam. Die Tiere haben mir das Leben erleichtert; zu ihnen habe ich mich zurückgezogen.

Das Leben nach 1945 in München

Sharon Adler: Welche Erinnerungen haben Sie an das Leben nach dem Überleben?

Charlotte Knobloch: Ich wollte eigentlich meinem Onkel nach Amerika folgen und nicht zurück nach München. Ich wollte nicht denen begegnen, die uns beleidigt, bespuckt und in jeder Form gezeigt haben, wie sehr sie uns hassten. Aber als Mädchen von nur zwölf Jahren hatte ich keine Wahl – und bin ihnen allen begegnet, auch der Hausmeisterin, die mich als Kind abgewiesen hat. Das Benehmen war jetzt natürlich überfreundlich, alle behaupteten, damals den Juden geholfen zu haben. Die Entnazifizierung ist insofern als Druck bei den Leuten angekommen. Von meinem Vater haben sie immer wieder Hilfe bei irgendwelchen Schreiben verlangt, die bestätigen sollten, dass sie sich nicht schuldig gemacht haben. Die haben sie aber nur selten bekommen.

1948 habe ich meinen Mann[9] kennengelernt. Wir wünschten uns nichts mehr als ein Leben in der neuen Welt. Es gab über eine jüdisch-amerikanische Wohltätigkeitsorganisation die Möglichkeit, dass die Überlebenden nach Amerika einwandern konnten. Für ein Visum mussten wir nur einen handwerklichen Beruf vorweisen können. Über die Organisation ORT[10] konnten die Überlebenden Kurse und Fortbildungen in verschiedenen Bereichen belegen. Ich entschied mich für Damenschneiderei. Mein Mann hat sich für Spiegelherstellung eingeschrieben. Wir waren zuversichtlich, das Land verlassen zu können, aber dann wurde unser erstes Kind geboren, und wir wollten nicht ohne Sprachkenntnisse nach Amerika auswandern. Wir bekamen noch zwei Töchter und haben dann im schweigsamen Nebeneinander mit dem nichtjüdischen Umfeld versucht, aus dem Überleben ein Leben zu formen. Aber die sprichwörtlichen Koffer blieben gepackt.

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern nach 1945

Sharon Adler: Welche Erinnerungen haben Sie an die Israelitische Kultusgemeinde in München in den 1950er-Jahren? Das Foto zeigt ein Detail an der Tür der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob (Zelt Jakobs), die am 9. November 2006 eröffnet wurde.

Charlotte Knobloch: Die Israelitische Kultusgemeinde in München[11] war eine kleine, eine sehr kleine Gemeinde. Leute waren aus der Emigration zurückgekommen und aus den Konzentrationslagern. Außerdem Menschen aus dem Ostblock, die vor dem Holocaust in Deutschland keine Heimat hatten. Die haben ihre eigene Gruppe gebildet. Als die Kultusgemeinde wiedergegründet wurde, bestand sie fast nur aus Leuten, die vor allem aus gesundheitlichen Gründen die Pläne zur Auswanderung aufgegeben oder zurückgestellt hatten. Bleiben wollte keiner. Es war eine Zeit, in der sich alle kannten und sehr eng miteinander verbunden waren. Der Zusammenhalt war sehr groß. Damals gab es Menschen, die kein einziges Familienmitglied mehr hatten, sie waren die einzigen, die überlebt haben. Sie haben mit ihrem Überleben gehadert, sie waren in einem furchtbaren Zustand. Es gab einige, die in solchen Situationen waren. Und um die habe ich mich sehr intensiv gekümmert. Engagement in der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) und im Jüdischen Frauenbund in Deutschland

Sharon Adler: Sie sind Mitbegründerin der deutschen Sektion der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) und waren Schatzmeisterin des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland. Was lag Ihnen hier besonders am Herzen?

Charlotte Knobloch: Ich hatte mit Rosel Lessner eine politische Förderin, die sehr aktiv war. Sie hat auch den Frauenverein „Ruth“ gegründet und mich dazu gebracht, in den Vorstand zu gehen. Als dann der jüdische Frauenbund[12] wiedergegründet wurde, hat sie mich gebeten, die Finanzabteilung zu übernehmen. Da habe ich gern zugestimmt. Später kamen zwei Damen aus Israel zurück, die hier eine WIZO gründen wollten und mich als Gründungsmitglied mit reingenommen haben. Ich war einige Jahre in der WIZO aktiv und habe mich da auch sehr wohl gefühlt. Später, als ich andere Ämter hatte, musste ich das aufgeben, denn man kann nicht nur repräsentieren, man muss auch etwas dafür tun. Die WIZO war zuerst rein im jüdischen Bereich aktiv. Aber uns war bewusst, dass wir auch finanziell erfolgreich sein mussten, um die Seniorenheime und Kinderheime in Israel zu unterstützen. Für uns war es wichtig, etwas für Israel und für den Frieden zu leisten. Es ist uns gelungen, Politiker und viele andere Leute für die Arbeit der WIZO zu interessieren. Die haben dann auch gespendet. Das war viel Arbeit, aber es hat uns wirklich einen großen Erfolg gebracht. Wir haben natürlich aufgepasst, mit wem wir es zu tun haben. Und die nichtjüdische Seite hat es auch mit Begeisterung gemacht. Sie wollte wiedergutmachen.

Sharon Adler: Von 1911 bis 1939 hatte sich Ihre Großmutter, Albertine Neuland, im Vorstand des Israelitischen Frauenvereins Bayreuth und in der Jüdischen Gemeinde Bayreuth engagiert. Ist Ihr eigenes Engagement auch eine Würdigung an Ihre Großmutter in ihrem Angedenken? Wie möchten Sie sie erinnert wissen?

Charlotte Knobloch: In jüdischen Kreisen, in jüdischen Verbänden, in jüdischen Gesellschaften stand immer die Nächstenliebe im Vordergrund. Es hat immer arme oder kranke Leute gegeben, es hat immer Leute gegeben, denen man wieder auf die Beine helfen musste. Und es gibt auch die letzte gute und ehrliche Tat gegenüber denjenigen, die von uns gegangen sind, das ist die Betreuung Verstorbener auf ihrem letzten Weg in der „Chewra Kadischa“.[13] Diese wichtige Arbeit durfte nicht jeder ausführen. Um aufgenommen zu werden, musste man handfeste Leistungen für die Menschen erbracht haben. Es war eine gesellschaftliche Auszeichnung und eine große Ehre, wenn jemand dazu berufen wurde. Meine Großmutter als Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Bayreuth hat sich diese Berufung erarbeitet. Sie hat mich immer sehr beeindruckt, und das Einmischen habe ich auch von ihr gelernt.

Als sie noch in ihrer Wohnung in Bayreuth lebte, war es für mich immer eine Riesenfreude, sie zu besuchen. Es war alles noch religiöser, als ich es von Zuhause gewöhnt war. Die Bindung an die Religion, die Bindung an das Judentum, die über die Religion hergestellt wurde, war bei ihr zuhause sehr intensiv.

Als erste Frau im Amt der Vorsitzenden und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Sharon Adler: Sie haben sich seit den 1970er-Jahren ehrenamtlich im Sozialbereich der Münchner Kultusgemeinde engagiert, die Ihr Vater nach dem Krieg wieder mitaufgebaut hatte. Daraus erwuchsen zahlreiche Ämter wie das der ersten weiblichen Vorsitzenden der IKG München im Jahr 1982 und seit 1985 als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Wie kam es dazu?

Charlotte Knobloch: Als man mich gebeten hat, für den Vorstand zu kandidieren, habe ich das getan und bin dann auch gewählt worden. Vorsitzende wollte ich jedoch nicht sein und habe dafür nie kandidiert. Die Gemeinden waren ja sehr orthodox, und die Frauen standen da nicht überall an erster Stelle. Ich bin dann aber gefragt worden, ob ich den Vorsitz übernehmen würde und war wirklich überrascht, dass mich, wie man bei uns in Bayern so schön sagt, die gestandenen Männer gefragt haben. „Da müsst ihr die Rabbiner fragen“ war meine spontane Antwort in der Hoffnung, dass sie aufgrund der Religion Nein sagen würden. Ein bisschen habe ich gedacht, die retten mich davor. Die Rabbiner hatten aber zu meiner großen Überraschung nichts dagegen. Das war 1985, und damals war alles noch nicht so leicht, wie man sich das vorgestellt hat, aber ich habe es am Ende doch irgendwie geschafft.

Sharon Adler: Wie haben Sie die Öffnung der innerdeutschen Grenze, die deutsche Wiedervereinigung erlebt?

Charlotte Knobloch: Ich muss sagen, dass wir erst nicht ganz überzeugt waren, ob sich so ein großes Deutschland nicht wieder in eine Richtung bewegen würde, die für uns nicht so gut wäre. Ich habe auch die Zurückhaltung in Israel gesehen, die waren dort nicht begeistert. Aber es hat sich so ergeben, und es hat sich nicht zu unserem Schaden ergeben, das haben wir auch gemerkt. Die Regierungen haben sich zu damaligen Zeiten und auch später für Israel eingesetzt. Insgesamt hat die Wiedervereinigung dem jüdischen Leben natürlich sehr genutzt, weil viele Gemeinden durch die Öffnung und die Einwanderung stark anwachsen konnten.

Sharon Adler: Am 7. Juni 2006 wurden Sie einstimmig zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Direkt nach Ihrer Wahl kündigten Sie an: „Schwerpunkt meiner künftigen Arbeit werden die Förderung der Integration der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und der Kampf gegen wachsenden Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sein.“ Wie konnten diese Ziele umgesetzt werden? Was waren die größten Herausforderungen?

Charlotte Knobloch: Das war am Anfang natürlich sehr schwierig, denn es gab keine Wohnungen, die Menschen sind in irgendwelchen Kasernen untergekommen. Die Kinder haben die Eltern beschimpft, dass sie sie aus ihrem Umfeld herausgerissen haben. Sie hatten keine Freunde, sie haben die Sprache nicht verstanden. Und wir hatten keine Infrastruktur, keine Kindergärten und Schulen, die Synagogen waren für eine Zuwanderung nicht ausgestattet, wir brauchten Leute, die dolmetschten. Das waren sehr wichtige Aufgaben. Es war schon herausfordernd, was die Kultusgemeinde da geleistet hat, aber wir haben es geschafft. Trotzdem waren diese Themen natürlich auch während meiner Zeit als Präsidentin des Zentralrats noch nicht abgeschlossen. Das war eine Zeit, als die größte Einwanderung vorbei war und man anfangen konnte, zu konsolidieren. Ich glaube, wir stehen heute recht gut da, und zwar auch dank der Arbeit von damals.

Wir alle – auf allen Ebenen – hätten das aber nie geschafft, wenn wir nicht die Unterstützung durch die öffentliche Hand gehabt hätten, um die Menschen aufnehmen und zumindest grundlegend versorgen zu können. Manche kamen ja damals mit Sack und Pack, sogar mit ihren Haustieren, die dann nicht mit in die Heime durften. Ich bin ein großer Tierfreund und habe die ganzen Tiere dann für den Moment an gute Menschen verteilt. Die, die sie mitgebracht hatten, waren todunglücklich, aber sie konnten die Tiere besuchen. Das sind Kleinigkeiten, aber ich wollte unbedingt, dass die Menschen sich in irgendeiner Form wohlfühlen. Sie sind ja doch alle mehr oder weniger gekommen, ohne zu wissen, wie ihre Zukunft in Deutschland sein wird. Das war ein gewaltiger Schritt für sie.

Sharon Adler: Während Ihrer Zeit als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern haben Sie den Bau des neuen Jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge am Münchner St. Jakobs-Platz verantwortet.[14] In Deutschland gibt es heute wieder jüdische G’tteshäuser sowie jüdische Kindergärten, Grund-, Ober- und Hochschulen. Sie sagen: „In unserer Gesellschaft ist das pluralistische, vitale deutsche Judentum wieder eine anerkannte Kraft.“ Was macht für Sie das „pluralistische, vitale deutsche Judentum“ aus?

Charlotte Knobloch: Das sehe ich momentan wieder mehr und mehr skeptisch. Es beginnt schon damit, dass unsere Standpunkte trotz eines gewissen Interesses in den Medien oft nicht vorkommen. Hier nehme ich alle gleichermaßen in die Pflicht, private Sender, öffentliche, die Zeitungen. Wir versuchen häufig Wege zu gehen, die uns dann nicht offen sind. Das sind Themen, die jüdische Menschen in der derzeitigen Situation umtreiben. Es ist eine Unruhe im deutschen Judentum entstanden. Und das betrifft Familien, die nicht wissen, ob sie eine Zukunft in Deutschland haben, oder junge Menschen, die aus Israel hierher kommen und hier mit Antisemitismus konfrontiert werden. Ich hoffe, das alles wird nicht dazu führen, dass sie in Zukunft um Deutschland einen Bogen machen. Ich hoffe, dass diese Menschen sich mit Deutschland in irgendeiner Form verbinden können. Aber das deutsche Judentum hat eine Zukunft, es gibt neue Synagogen, Schulen, Rabbinerseminare. Die Probleme verschwinden nicht, aber es gibt eine starke jüdische Gemeinschaft mit guten Strukturen, die sie angehen kann.

Antisemitismus heute

Sharon Adler: In Ihrer Rede anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2021 im Bundestag sagten Sie: „Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine Sisyphos-Aufgabe. Aber wer sich nicht an Maschinengewehre vor jüdischen Einrichtungen gewöhnen möchte, muss diese bewältigen.“ Wie kann diese Aufgabe bewältigt werden, welche Werkzeuge sind dafür nötig?

Charlotte Knobloch: Wir können uns leider wie gesagt nicht auf die Medien verlassen. Sie meinen es oft gut, denken aber leider sehr kurzfristig, und in ihrer Agenda sind diese Themen am Tag darauf vergessen, erledigt. Im Bildungsbereich wurde schon einiges getan, aber bei weitem nicht genug. Ich habe den Politikern immer vorgeworfen, dass man in unserem Land immer sehr lange wartet und nur darüber nachdenkt, was man gegen solchen Hass tun kann. Ein einmaliger Hinweis, dass dies und jenes passiert ist, reicht nicht. Und die Politik in Bund und Ländern müsste parteiübergreifend zu diesen Themen sprechen. Sie müsste die Leute ansprechen und auffordern, und sie müsste Worte finden, die die Menschen zum Nachdenken zwingen. Denn es denkt ja niemand darüber nach, dass hier eine Gruppe von Menschen im Internet laufend bedroht und beleidigt wird. Es denkt niemand darüber nach, dass der Staat Israel ständig an den Pranger gestellt wird. Ich hoffe, dass mit dieser Hetze endlich mal Schluss ist. Dagegen muss die Politik versuchen vorzugehen. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ein Land zusieht, wie ein befreundetes Land dauernd in den Schmutz gezogen wird, zumal mit den Folgen, die wir auch hier spüren. Das kann man alles nicht mehr mit dem beschönigenden Fremdwort Antisemitismus bezeichnen, das ist reiner Judenhass. Aber, und das muss ich wieder auf meine bayerische Art sagen, es wird zu wenig auf den Tisch gehauen. Manchmal braucht es das, damit alle die Dinge klarer sehen. Das sind Themen, die ich immer wieder anspreche, das sind unsere Herausforderungen seit 1700 Jahren. Aber all das sollte auch nicht allein unsere Aufgabe sein, sondern vor allem die Aufgabe der Anderen.

Gedenken. Gegen das Vergessen

Sharon Adler: Wir erleben eine Zeit, in der ein erschreckend hoher Anteil junger Leute nicht weiß, wofür Auschwitz steht. Wie können Ihrer Meinung nach die Erinnerungen an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten werden, wenn die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr in der Lage oder am Leben sind?

Charlotte Knobloch: Der Stab der Erinnerung muss an die jungen Menschen, an die nächste Generation weitergegeben werden. Es müssen Wege gefunden werden, damit sie Verantwortung übernehmen. Man muss ihnen auch begreiflich machen, was die Machthaber in diesen zwölf Jahren angerichtet haben. Man muss den jungen Menschen nahebringen, dass Millionen Menschen zu Tode gekommen sind, dass Menschen einfach umgebracht wurden, weil sie eine Religion hatten, die den Nationalsozialisten nicht gepasst hat. Und sie müssen wissen, dass das ihre Vorfahren waren. Sie selbst haben heutzutage natürlich keine Schuld, aber ihre Vorfahren haben das geschehen lassen, obwohl sie genau wussten, was kommen würde „Mein Kampf“ sagte alles aus.

Hitler hat nichts in irgendeiner Form versteckt. Die jungen Leute müssen lernen, dass das, was Menschen anderen Menschen angetan haben, real war. Und man muss sie darauf aufmerksam machen, dass sie auch eine Verantwortung dafür tragen, dass dieses Land, die heutige Bundesrepublik, nicht in zehn Jahren wieder in eine Richtung fällt, die dem sehr ähnelt. Es wird Zeit, diese Diskussionen zu führen und über die Fragen zu sprechen, die noch im Raum stehen. Ich erlebe das ja, wenn ich mit jungen Menschen diskutiere oder aus meinem Leben erzähle. Ich sehe, dass sie heute interessierter sind, weil sie gut vorbereitet sind. Aber das ist natürlich nur punktuell gesehen, nicht die allgemeine Situation, leider. Wir müssen die politische Bildung bei uns stärken, auch früher im Bildungsleben, am besten schon im Kindergarten. Dann können auch keine Querdenker mehr entstehen, weil diese Leute in Wahrheit ja überhaupt keine politischen Grundlagen haben.

Es gäbe noch sehr viel zu tun, gerade jetzt in dieser Wechselzeit von den Zeitzeugen hin zu denen, die den Stab der Verantwortung übergeben bekommen haben. Deshalb brauchen wir auch Persönlichkeiten in der Politik, die sich das zu Herzen nehmen. Heute mehr denn je.

Foto: Charlotte Knobloch an ihrem Schreibtisch im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Zur Vita von Charlotte Knobloch

Fußnoten
1. Fritz Neuland (1889-1969), Rechtsanwalt, hatte in den 1920er-Jahren zusammen mit dem späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner eine Anwaltskanzlei in München, bis ihm die Zulassung von den Nationalsozialisten entzogen wurde. Er war danach als „Konsulent“ als Rechtshelfer für jüdische Mandanten tätig. Er musste während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten. Anfang 1945 tauchte er unter und überlebte, versteckt durch Freunde. Er gehörte zu den Mitbegründern des im Dezember 1946 neu gegründeten „Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern“ und war 18 Jahre lang Präsident der IKG München, an deren Wiedergründung er im Juli 1945 ebenfalls beteiligt gewesen war. Er war von 1952 bis 1963 Mitglied des Bayerischen Senats und erhielt den Bayerischen Verdienstorden.
2. Am 15. September 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze“ erlassen. Jüdinnen und Juden wurde es untersagt, „arische“ Dienstmädchen unter 45 Jahren in jüdischen Haushalten zu beschäftigen. https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68999/nuernberger-gesetze, zuletzt aufgerufen am 29.8.2021.
3. Siehe Bundesrechtsanwaltskammer (Hg.), Anwalt ohne Recht. Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933, Berlin 2007, S. 92 und 99: Das „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft“ vom 7. April 1933 sah für die jüdischen Rechtsanwälte ein Berufsverbot vor. Bis zum 30. November 1938 verschärften die Nationalsozialisten ihre antisemitischen Maßnahmen und belegten alle noch agierenden jüdischen Anwälte mit einem Berufsverbot.
4. Einigen wenigen jüdischen Rechtsanwälten wurde unter dem Titel „Konsulenten“ unter zahlreichen Auflagen erlaubt, aktiv zu sein, allerdings ausschließlich für jüdische Mandant/innen.
5. Charlotte Knoblochs Großmutter, Albertine Neuland, geb. Lehmann, geboren 30.01.1866 in Schornweisach, engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde Bayreuths. Von 1911 bis 1939 war sie im Vorstand des Israelitischen Frauenvereins aktiv. Sie wurde am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 19. Januar 1944 ermordet wurde. An sie erinnert eine Inschrift am Grab ihres Ehemannes auf dem Jüdischen Friedhof in Bayreuth und eine Page of Testimony in Yad Vashem in Jerusalem. Siehe https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Stadtarchiv/Erinnerungszeichen/Biografien/Albertine-Neuland.html, zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.
6. „Christliche Dienstmädchen in jüdischen Familien. Ein Denkmal für unsere Marie“, Deutschlandfunk Kultur, 28.02.2018, https://www.deutschlandfunk.de/christliche-dienstmaedchen-in-juedischen-familien-ein.2540.de.html?dram:article_id=408751, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.
7. Seit 1963 ehrt Yad Vashem jene Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Juden und Jüdinnen retteten, mit dem Ehrentitel „Gerechte/r unter den Völkern“. Dies ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nichtjuden/Nichtjüdinnen vergibt. Kreszentia Hummel ist Nr. 13.133 auf der Liste der als „Gerechte/r unter den Völkern“ ausgezeichneten Retter/innen. Siehe https://www.yadvashem.org/yv/pdf-drupal/germany.pdf, und https://www.yadvashem.org/righteous.html#, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.
8. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wurde im Jahr 1953 als Zentrale Datenbank der Dokumentation des Holocaust, seiner Erforschung und Lehre sowie seines Gedenkens gegründet. Hauptziel ist, den Namen jedes einzelnen Opfers aufzufinden und dessen Lebensgeschichte sowie die Umstände und den Ort seiner Ermordung zu rekonstruieren. Zum jetzigen Zeitpunkt wird mit der Datenbank schätzungsweise viereinhalb Millionen im Holocaust ermordeten Juden und Jüdinnen ein Denkmal gesetzt, https://www.yadvashem.org/de.html, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.
9. Samuel Knobloch sel. A., geboren 1922 in Krakau, gestorben 1990 in München.
10. Die ursprünglich russische Berufsausbildungsorganisation ORT (gegründet 1880 in St. Petersburg unter dem Namen „Obschtschestwo Rasprostranenja Truda“, zu dt.: „Gesellschaft zur Förderung des Handwerks“) ermöglichte nach 1945, jetzt unter dem Namen „Organization for Rehabilitation Through Training“, eine Berufsausbildung. Diese sollte in erster Linie auf die Auswanderung nach Israel vorbereiten. Das Programm der ORT-Schulen richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren sowie an Erwachsene, die ihre Berufskenntnisse erweitern oder eine Umschulung machen wollten. Rebecca Heinemann, Jüdisches Schulwesen in Bayern (nach 1945), in: Historisches Lexikon Bayerns, 27.01.2015, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/J%C3%BCdisches_Schulwesen_in_Bayern_(nach_1945), zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.
11. Die am 15. Juli 1945 neu gegründete Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) war im März 1946 wieder auf rund 2.800 Mitglieder angewachsen. Siehe „Neubeginn: Von 1945 bis heute“, https://www.ikg-m.de/gemeinde/organe-2/3/, zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.
12. Der Jüdische Frauenbund (JFB) wurde 1904 von Bertha Pappenheim und Sidonie Werner gegründet. Bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten 1938 war der JFB vor allem in der Bekämpfung des Mädchenhandels aktiv. Der Jüdische Frauenbund wurde 1953 unter Leitung von Jeanette Wolff in Westdeutschland neu gegründet.
13. Der Jüdische Frauenbund (JFB) wurde 1904 von Bertha Pappenheim und Sidonie Werner gegründet. Bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten 1938 war der JFB vor allem in der Bekämpfung des Mädchenhandels aktiv. Der Jüdische Frauenbund wurde 1953 unter Leitung von Jeanette Wolff in Westdeutschland neu gegründet.
14. Die neue Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob wurde am 9. November 2006 eröffnet, das von der Stadt München gebaute und betriebene Jüdische Museum sowie das Gemeindezentrum für die auf rund 9500 Mitglieder angewachsene Gemeinde der Stadt folgten im März 2007. Siehe https://www.ikg-m.de/, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY-NC-ND 3.0 DE – Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland“ veröffentlicht. Autoren/-innen: Charlotte Knobloch, Sharon Adler für Deutschlandarchiv/bpb.de

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