„Was für eine Luftnummer!“

Das Unternehmen Merkur vom Mai 1941, die neu-rechte Bagatellisierung desselben, aber auch Sönke Neitzels aktuell viel beklagter (Fallschirmjäger-) Bellizismus. Kriegerische Anmerkungen eines Pazifisten zum durch eine Bundeswehr-Ausstellung in Dresden in Erinnerung gebrachten 80. „Kreta-Tag“…

Zuletzt könnten wir selbst der Kriege entrathen;
eine richtige Meinung genügte unter Umständen schon.
(Friedrich Nietzsche 1888/89)

Das Motto soll klarstellen, welche Art Pazifist – einer à la Nietzsche, seine Letzte Erwägung vor dem geistigen Zusammenbruch betreffend – hier redet: einer, den die Nazis in den Staub traten, nicht edierten, um den für sie tauglichen Rest Nietzsches wie eine Monstranz vor sich herzutragen, letztmals zu Nietzsches 100. Geburtstag durch Alfred Rosenberg im Völkischen Beobachter. Der Titel insgesamt – Reizwort Dresden – soll deutlich machen, wovon im Folgenden nicht die Rede sein wird und was ausdrücklich nicht mit „Luftnummer“ gemeint ist. Gleichwohl, zur Verdeutlichung: Die Bombennacht von Dresden vom Februar 1945 ist nicht mein Thema, ja, sie war schrecklich, nein, sie taugt nicht à la David Irving oder Jörg Friedrich zur Anti-Alliierten-Propaganda vom Typ „Bomben-Holocaust“. Mein (Neben-) Thema ist vielmehr der Holocaust, der im Mai 1941 mit den Fallschirmjägern über Kreta in eine neue Phase einzutreten begann, nach dem Beginn des Unternehmens „Barbarossa“ vier Wochen später natürlich umso mehr, etwa in Gestalt des „Einsatzgruppen“-Holocaust per Gewehr und den nachfolgenden grauenhaften Massakern bei Kiew und in Riga. Diese Zusammenhänge sollte derjenige berücksichtigen, der über den „Kreta-Tag“ redet, jedenfalls, wenn er ihn nicht, wie im Folgenden für Gerald Franz gezeigt, bagatellisieren will oder, wie bei Sönke Neitzel zu beobachten, seinem Ideal des „Deutschen Kriegers“ meint einfügen zu müssen. Meine Nebenfrage lautet: Wie ordnet die auf den heutigen Tag hin konzipierte Sonderausstellung Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden in Text und Bild dieses Ereignis ein?

Von Christian Niemeyer

Vorab: 80. „Kreta-Tag“ – dies meint zugleich auch, sich einiger ‚Luftnummern‘ zuvor erinnern zu müssen im Rückblick etwa auf den zu Bundeswehrzeiten jährlich (bis 1998) in der Kaserne Altenstadt begangenen „Kreta-Tag“. Ralph Giordano war sich vor gut zwanzig Jahren nach Auszählung unter drei Kandidaten seiner Sache sicher: Der – etwas zynisch geredet – Preis geht an Bruno Bräuer „für die Vernichtung der Juden in der kretischen Küstenstadt Chania“ (Giordano 2000: 301), da er in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai 1944 „das Judenviertel von Chania umstellen ließ“ (Pahl 2021: 37) und damit der Deportation der Juden und Jüdinnen den Weg ebnete. Der zuletzt zitierte Autor ist einer der Dresdner Ausstellungsmacher, Magnus Pahl, der zusätzlich daran erinnert, dass die Griechen ausgerechnet drei Jahre später Bräuer erschossen, was „insbesondere die Veteranen der Fallschirmtruppe [entrüstete].“ (ebd.) Kaum weniger beklemmend: Ein in der Dresdner Ausstellung präsentiertes Fotodokument vom „Kreta-Tag“ 1961, das Jesus am Kreuz zeigt, mit Fallschirmseide umwickelt und dem Kommentar dazu: „die Assoziation […] mit dem gekreuzigten Jesus Christus war womöglich bewusst hergestellt worden.“ (Pahl / Wagner 2021: 215) Heilige Unschuld! Natürlich war es das – und natürlich gehört die Selbstauslegung der Fallschirmjäger-Veteranen als dem Stande der Unschuld zugehörige, sich selbstlos für das Vaterland opfernde und gleichwohl vom unwissenden Volk ans Kreuz geschlagene Vertreter der „Generation Pflichterfüllung“ zu einer alten Legende, die man ungerne durch eine neue ersetzt wissen möchte, deren Credo lauten könnte: „Hitler und unsere ihm sich bedingungslos verpflichtenden Vorgesetzen haben uns verführt und missbraucht – Obacht also im Blick auf das ‚Nie wieder!“ Zwecks Vermeidung eines Paradigmenwechsels dieser Art machten Fallschirmjäger-Veteranen um Brigadegeneral Stefan Geilen im Vorfeld der Dresdner Ausstellung schon einmal schwer Stimmung gegen den Kurator Pahl und den Dresdner Direktor des MHM, Armin Wagner. Von „Zerrbild“ war da die Rede, Pahl wurde als „höchst einseitig“ kritisiert, Sönke Neitzel von Geilen aufgefordert, als Festredner bei der Ausstellungseröffnung „treffende Worte“ (Geilen 2021) zu finden. Ob Neitzel dieser Aufforderung Folge leistet, scheint mir eher fraglich. Dennoch kann ein wenig Beistand eines vormaligen Dresdners (TU Dresden) pro Dresden nicht schaden, zumal dies Gelegenheit gibt, über Neitzels aktuell in der Diskussion befindliches Anti-Nietzsche-Credo „Soldaten sind Krieger, die kämpfen und auch töten müssen“ zu streiten, dies vor dem Hintergrund neu-.rechter Einlassungen zum Thema „Kreta 1941“ aus der Feder eines gewissen Gerald Franz, das Ganze also in zwei Abschnitten: ad Franz (I.) und ad Neitzel (II.), beschlossen durch ein Fazit.

„Was für eine Luftnummer!“ Oder: Gerald Franz, die neu-rechte Kanaille, gelesen als eine Art Zombie aus der Welt Franz Uhle-Wettlers sowie Alfred de Zayas

Der Ausruf „Was für eine Luftnummer!“ meint allererst, wie die Überschrift deutlich machen soll, den neu-rechten Ideologen Gerald Franz, über den nichts weiter herauszubekommen ist und der sich offenbar seines wahren Namens schämt und den der waschechte Berliner deswegen eine „Kanaille“ heißen würde. Zu Recht, beides! Denn ich jedenfalls habe bisher, abgesehen vom unlängst in dieser Zeitschrift verhandelten Fall Nils Wegner (zu Hauptmann Berthold; vgl. Niemeyer 2021), nichts Schändlicheres von Neu-Rechten gelesen als das von Franz 2014 zum Thema Kreta-Fallschirmjäger verlautete, übrigens am nämlichen Ort, dem bei Antaios erschienenen Staatspolitisches Handbuch, diesmal Bd. 4 (Deutsche Orte) betreffend, herausgegeben von Erik Lehnert und Karlheinz Weißmann, dem wohl größten Skandal aktuell auf dem deutschen Buchmarkt. Dieser Band zusammen mit dem allein von Lehnert herausgegebenen Bd. 5 (Deutsche Daten) von 2017 (2. Auflage 2020)  offerieren so etwas wie ein Deutschland ohne „Vogelschiss“ (Gauland) als Teil der von Björn Höcke eingeklagten „erinnerungspolitischen Wende“ und ohne Hinweis auf jenes „Denkmal der Schande“ (Höcke) namens Auschwitz et tutti quanti sowie Kriegsverbrechen Deutscher betreffend, die einzugestehen nicht auf der Agenda neu-rechter Ideologen steht, wohl, um das als Schuldkult verdächtig gemachte diesbezügliche Gebaren, das im Kniefall Willy Brandts in Polen seinen deutlichsten Ausdruck fand, nicht weiteren Auftrieb zu geben, etwa auch mit der Folge des Bremsens etwaiger Hoffnungen der Deutschen auf höhere Weltgeltung. Beides bleibt also im Spiel, jedenfalls bei Erik Lehnert: der süffisante Hinweis, Brandt sei die „‚Preisgabe‘ der Ostgebiete“ nach eigenem Eingeständnis „leichter gefallen, als sich das Rauchen abzugewöhnen.“ (Lehnert 2017: 186) Aber auch die düstere Andeutung, derlei „Macht des Faktischen“ stünde nur solange, „bis irgendwann ein ernsthafter politischer Wille sich diesem Problem (sic!) annimmt.“ (ebd.: 187) Ist dies O-Ton Hitler? Oh nein, es ist ‚nur‘ der Ton des Mitarbeiters eines Abgeordneten der AfD, einer seit 2017 im Deutschen Bundestag vertretenen Partei, die sich offenbar der 1970 von Bernhard Wintzek mitbegründeten Aktion Widerstand („Brandt an die Wand“) erinnert sowie Wintzeks Monatszeitschrift MUT, in welcher 1979 zu lesen war, „dem satanischen Ziel, das deutsche Volk in einen […] Schuld- und Sühnekomplex hineinzumanipulieren“, müsse Paroli geboten werden, sowie 1981: KZ-Gedenkstätten seien „als Schandmale … spurlos zu schleifen.“ (zit. n. Müller 1989: 14)

Damit sind wir gewappnet, das angesprochene Lemma unserer anderen Kanaille erinnerungspolitisch einordnen und also kritisch in Augenschein nehmen zu können. Dominant ist in diesem nur zwei Druckseiten umfassenden Eintrag die Klage über mangelnde griechische Denkmalpflege bzw. über die „Preisvorstellungen der Griechen“ bzw. über deutsche Antifaschisten, die dort vor Ort im Sommer „mit Farbe und Sprühdosen Kühnheit und Kampfesmut freien Lauf“ (Franz 2014: 111 f.) ließen[1] – statt es, so soll man wohl ergänzen, ihren Altvorderen gleichzutun und also mit dem Maschinengewehr für Ordnung zu sorgen, wie es deutsche Fallschirmjäger, lt. Grabinschrift das „II. Bataillon, Sturmregiment“, im Kampf auf Kreta zwischen dem 20. und 28. 5. 1941 taten. Leider vergebens, wie noch hinzugesetzt wird, in dramatisierender Rede:

„Zahlreiche Fallschirmjäger wurden noch in der Luft getötet oder verwundet – oder am Boden brutal massakriert, was später Vergeltungsmaßnahmen der Deutschen an kretischen Zivilisten nach sich zog.“ (ebd.: 112)

Dies klingt, ganz im Tenor des Abschnitts „Kreta“ der Wehrmachtsuntersuchungsstelle (= WUSt) (vgl. Zayas 61998: 262 ff.), nach NS-Propaganda, also nach Kriegsverbrechen an Deutschen und nachfolgender Vergeltung dafür – und kehrt die Schuldfrage komplett um: Das Massaker im Dorf Kondamari, in der Literatur breit und von Franz Peter Weixler fotografisch dokumentiert, von Franz aber noch nicht einmal mit Namen erwähnt, sinkt herab zu einem folgerichten Randereignis ohne jedes Recht, auf es die Vokabel ‚Kriegsverbrechen‘ anzuwenden. Ersatzweise rückt die als Kriegsgeschehen zu deutende Gegenwehr gegen den deutschen Überfall auf Kreta in die Nähe eines Kriegsverbrechens. Demagogisch geschickt wird am Ende „das Schicksal der Brüder von Blücher aus dem thüringischen Mühlhausen“ (Franz 2014: 112) nacherzählt (drei Brüder fielen auf Kreta, der vierte fiel als Entmilitarisierter am 8. Juni 1944 einem Jagdunfall zum Opfer). Franz‘ Vorbild in speziell dieser Frage ist offenbar, in der (zwei Titel umfassenden) Literaturliste aufgeführt: Franz Uhle-Wettler, also dieser mit allen Wassern des Demagogischen gewaschene rechtsradikale Ex-Bundeswehrgeneral, der 2004 seinen Aufsatz Kreta 1941 gleichfalls mit den drei Grafen ausklingen ließ, dramatischer: mit der faksimilierten Todesanzeige vom 23. Juni 1941, die davon Kunde gibt, dass der älteste Graf 24 Jahre zählte und der jüngste gerade einmal 17 Lenze. (vgl. Uhle-Wettler 2004: 103) Wichtigeres, nämlich dass alle drei gleich am 20. Mai den Tod fanden, als Fallschirmjäger in ein „vom Gegner gut einzusehenden Gelände […] dem Abwehrfeuer nahezu schutzlos ausgesetzt [waren]“, kurz und unter Berücksichtigung weiterer Faktoren („Unterschätzung des […] Gegners, Zersplitterung der Angriffsverbände, Verzögerung des Abflugs und der Landung, mangelhafte Aufklärung“ [Stimpel 2009: 269]): Kreta 1941 steht, genau besehen, für ein Desaster wie Langemarck im Ersten Weltkrieg, nur dass jenes Desaster im Vergleich zu diesem durchaus einen Namen trägt, nämlich den des Vorgesetzten der drei Grafen: Bruno Bräuer. „Die Fallschirmjäger sprangen in einen abwehrbereiten Feind und hatten horrende Verluste“, urteilte denn auch Sönke Neitzel (2020: 204), knapp und treffend.

Kein Thema freilich für Gerald Franz, der, wie gesehen und er natürlich genau weiß, sehr viel mehr Profit für seine neu-rechte Ideologie herausschlagen kann, wenn er den Tod der Drei, wie Uhle-Wettler, den gnadenlosen Verteidigern der Insel Kreta anlastet, nicht aber etwa deren unfähigen Vorgesetzten. Aber schlimmer, und im Vergleich dazu nimmt sich Gerald Franz fast als Waisenknabe aus: Uhle-Wettler, von Sören Neitzel mit gemütlicher Nachsicht behandelt (ein „eigenwilliger und konservativer Charakterkopf“; Neitzel 2020: 718), als rede er von seinem Schwiegervater Dirk Bavendamm, hatte zusätzlich die Unverfrorenheit, nach jener längst als NS-Propaganda ins Abseits gerückten WUSt zu zitieren, und zwar das folgende, nach einer Aussage „von Oberarzt Dr. Zenker“ im Zuge seiner Vernehmung am 11. Juni 1941:

„Bei mehreren waren die Ohren abgeschnitten. Wiederholt habe ich auch Schnitte an der Nase festgestellt. Einem Soldaten (…) waren beide Augen ausgestochen. Die Augenhöhlen waren völlig leer, um die Augen sah man Blutkrusten. Ich habe keinen Zweifel, daß die Stichwunden beigebracht worden sind, nachdem die Männer in feindlicher Hand waren. Sie befanden sich aller an der gleichen Stelle der Brust oder des Halses, und sie können daher unmöglich während des Kampfes beigebracht worden sein.“ (zit. n. Uhle-Wettler 2004: 86)

Genauso, mit einer bezeichneten, aber auch bezeichnenden Auslassung („soweit ich mich erinnern kann, war es ein Leutnant“) sowie, bedeutender, der Fortlassung des Namens des Vernehmenden („KGR [Joachim] Schölz“) sowie der Fehlschreibweise des Namens des Vernommenen (aus „Oberarzt Dr. Helmut Zänker“ wird bei Uhle-Wettler, wie gesehen, „Oberarzt Dr. Zenker“), steht es auch in der WUSt, jedenfalls nach Alfred de Zayas (61998: 270), wobei die Veränderungen unseres Ex-Bundeswehrgenerals zu auffällig sind als dass nicht auf erhebliche kriminelle Energie nach Art etwa der Mafia gesprochen werden muss. Dies gilt umso mehr, als die von Hans-Otto Mühleisen präsentierte und im Internet bequem abrufbare „Verlustliste Kreta“ den von Zayas genannten „Oberarzt Dr. Helmut Zänker“ mit dem Vermerk „verwundet“ und der Einheit „IV./Sturm-Ret. 15. Komp.“ ausweist, so dass „Zänker“ richtig, „Zenker“ hingegen ein Fake zu sein scheint nach dem Cui-bono-Prinzip, übersetzt für den der Mafia-Regeln unkundigen: Ein toter Zeuge ist ein guter Zeuge, weil er nicht mehr die von ihm kolportierten Aussagen als unrichtig dementieren kann; aber noch besser als ein toter Zeuge ist einer, dem ohnehin niemand, wegen Namensfehlschreibung, auf die Spur kommen kann. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen und dieser „Fehler“ nicht auf Uhle-Wettlers Kappe gehen, sondern im Bundesarchiv/Militärarchiv passiert und dort unter der von ihm geltend gemacht Registratur „BA/MA RW 2/136, Blatt 29 f.“ nachweisbar sein – als Gegenprobe stünde die von Zayas (61998: 270) geltend gemachte Registratur „BA-MA, RW 2/v. 146, S. 96 bereit – hätten wir es mit kriminellen Machenschaften in einer Behörde zu tun, ein schlimmer Verdacht und extrem schädigend für die Bundeswehr.

Zurück zur Sache selbst: Anders als unser neu-rechter Ideologe Gerald Franz weiß sein Vorredner Franz Uhle-Wettler also um Kriegsverbrechen – allerdings nur um solche der Griechen, dies allerdings auf überaus fraglicher Materialgrundlage. So gesehen scheint es fast verständlich, dass Franz in seinem Artikel von 2014 von all dem schweigt und sich nur auf das Denkmal konzentriert. Dem korrespondiert seine als auch Uhle-Wettlers Erinnerungspolitik in Sachen der Erschießung von mindestens 23 männlichen Zivilisten in Kondomari, beruhend auf einer von General Kurt Student am 31. Mai 1941 erteilten Erlaubnis von Vergeltungsmaßnahmen sowie eines am 2. Juni erteilten Befehls von Oberleutnant Horst Trebes (beide ehrgeiztrunken im Blick auf das vom Hauptkriegsverbrecher Hermann Göring als Belohnung in Aussicht gestellte und dann auch wenig später verliehene Ritterkreuz). Sich mit diesem Massaker und dessen Rechtmäßigkeit gar nicht zu befassen, gehört von jeher zu den Dogmen von Alt- wie Neo-Nazis, an das sich auch Uhle-Wettler hält, zugunsten der womöglich von ihm gezündeten Nebelkerze namens Zenker resp. Zänker.

Indes und aller Chuzpe zum Trotz: Eines lässt sich nicht ausschalten, nämlich die dankenswerterweise auch in der MHM-Ausstellung in Auszügen (vgl. Pahl / Wagner 2021: 166) präsentierte, am 11.11.1945 beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess hinterlegte Zeugenaussage des Fotografen (und Leutnants d.R.) Franz Peter Weixler vom Tag des Kondomari-Massakers, wonach er ob umlaufender Gerüchte wegen „massakrierter Fallschirmjägerleichen und geplünderter Tote“ sofort eingewandt hatte, auch gegenüber Trebes‘ Vorgesetztem Walter Gericke, dass er

„noch keinen einzigen massakrierten Fallschirmjäger unter den Hunderten und Aberhunderten von Gefallenen gesehen hätte, dagegen Dutzende von toten Kameraden, denen infolge der tropischen Hitze und schnellen Verwesung Augen, Nasen und Ohren fehlten.“ (Weixler 1945)

Hinzugerechnet den gleichfalls von Weixler geltend gemachten Umstand, „dass gegen Abend in den ersten Kampftagen große Aasgeier auf Leichen unserer Kameraden, die noch in der Feindlinie in ihren Fallschirmen auf Olivenbäume gehangen waren, herumhackten“ (ebd.), wird der Widerspruch zwischen dieser Aussage sowie jenem von Zayas / Uhle-Wettler beigezogenen Vernehmungsprotokoll des Dr. Zänker (resp. Zenker) in wünschenswerter Weise aufklärbar: Offenbar hat der Vernehmer Zänkers, Joachim Schölz, der zwischen dem 26. Mai und dem 11. Juni 1941 vor Ort 32 Zeugen vernommen haben will (vgl. Zayas 61998: 263), um den Zeugen Weixler einen weiten Bogen geschlagen und alle anderen Aussagen auf seine Linie gebracht. Ziel: Die NS-Propaganda konnte so ungestört aus jenen „Aasgeiern“ Bewohner des Dorfes Kondomari machen, um die für dieses Massaker Verantwortlichen aus der Schusslinie zu nehmen bzw. mit ihr Tun rechtfertigenden Handlungsgründen auszustatten, auf die in der Folge immer wieder zurückgegriffen werden konnte: ob bei der Zerstörung der Dörfer Anzo, Kerzillon und Kato mit 207 erschossenen Männern am 17. Oktober, oder in Kesovunas und Selli (142 Männer, am 23. Oktober) oder in Amelofito, Kliston und Kizomi (67 Männer, am 26. Oktober). Manfred Messerschmidt: „Die Begründung lautete stereotyp, die Dörfer dienten den ‚Banditen‘ als Rückhalt“ (Messerschmidt 2005: 268) – ein Argument vom Typ Kondamari.

Heißt: Mit Weixlers Zeugenaussage stehen auch Zayas Fürsprecher im Feuer, allen voran der Göttinger Völkerrechtler Dietrich Rauschning, der über zwanzig Jahre hinweg (1979 und 1997, jeweils mit Vorworten) für die Seriosität seines ihm von Göttingen her wohlbekannten Zunftkollegen einstand, geblendet wohl von Zayas‘ DFG-Förderung und ohne, wie offenbar auch die Gutachtenden der DFG, etwas von der Sache zu verstehen oder die spätestens 1997 deutlich hervortretende (etwa Zayas 1997) rechtsradikale Orientierung des US-Völkerrechtlers zu bemerken resp. sie als anstößig zu empfinden. Erschütternd vor allem die Sachunkunde Rauschnings im zweiten seiner Gutachten zur 6. Auflage: Die fünfzig Jahre zurückliegenden „Geschehnisse“ konnten „nach der Befragung von damals noch lebenden […] Zeitzeugen in ihrer Authentizität bestätigt“ werden und böten wegen der absehbar abnehmenden „schwindenden Erlebnisgeneration“ die Chance auf einen „dauerhaften Beitrag zu einer objektiven Betrachtung der Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkrieges und auch der Arbeit der Wehrmachtjustiz.“ (Rauschning 1997: 11) Was für ein Argument! – gleichsam von beiden Seiten her beschädigt: von der moralischen, insofern es auf die Lösung des Geltungsproblems auf biologischem Weg, eben durch sukzessives Aussterben der Zeitzeugen, setzt; aber auch von der gleichsam empirischen, insofern damals, zwanzig Jahre nach der Erstauflage von Zayas‘ Machwerk, nicht mehr fraglich sein konnte, dass das oben am Fall des Duos Joachim Schölz / Helmut Zänker Erläuterte eher für die Regel denn für die Ausnahme steht: Der Vernehmer war von allerhärtestem NS-Kaliber, dem alles erlaubt schien im Interesse der NS-Propaganda. Sowie: der eine, in Richtung Zayas argumentierende Zeuge, Zänker, war tot. Und der andere, Weixler, wurde schlicht ignoriert. Anders, wie angedeutet und hier noch einmal ausdrücklich gewürdigt, wie die Dresdner Bundeswehr-Ausstellung.

Dazu passt, dass die Dresdner Ausstellung, anders als Franz, den Grund für die Anwesenheit der Deutschen auf Kreta nicht im Unklaren hält: Es geht um Hitlers als Kriegsverbrechen vom Typ völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu deutende Weisung Nr. 28 (Unternehmen Merkur) vom 25. April 1941, die als Ziel der dann am 20. Mai gestarteten Luftlandeoperation die „Besetzung der Insel Kreta“ als „Stützpunkt für die Luftkriegführung gegen England im Ost-Mittelmeer“ (zit. n. Hubatsch 21983: 115) auswies – und die als Mosaikstein gelesen werden muss im Blick auf das übergreifende Kriegsziel Hitlers, zum Vortrag gebracht am 30. Januar 1939 im Deutschen Reichstag, wo Hitler für den Fall eines erneuten Weltkriegs die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ als eines seiner Kriegsziele neben dem ‚Endsieg‘ ausgewiesen hatte. Dass er ausgerechnet in Kreta von Judenvernichtung absähe, stand also nicht zu erwarten, mit Manfred Messerschmidt geredet: „Es wurde erst gar nicht versucht, Juden als Partisanenhelfer zu denunzieren, sondern es genügte, von der ‚Regelung der Judenfrage‘ zu sprechen.“ (Messerschmidt 2005: 273)  Die Zahlen sind dann auch, vom Ende her gesehen, unmissverständlich, am Beispiel Thessaloniki gesprochen: Im Jahr 2000 lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung, der noch 1913 39 % betrug, bei gerade einmal 0,3 % – eine Spätfolge zwar nicht speziell der deutschen Eroberung Kretas vom Mai 1941, wohl aber des Einmarsches der Deutschen in Griechenland gut sechs Wochen zuvor. (vgl. Snyder 2015: 265) In absoluten Zahlen ausgedrückt: 65.000 Griechenland, 260 Kreta, 120 Kros, 1.700 Rhodos (vgl. Gilbert 2001: 2) – so, ganz nüchtern, lauten die Zahlen der von Deutschen via Auschwitz deportierten und dort oder in Treblinka vergasten griechische Jüdinnen und Juden, immerhin mehr als aus Österreich, Jugoslawien oder Rumänien. Auch die Transportwege sind bekannt, des Gleichen das Elend in den Lastwagen von den Inseln hin zum Bahnhof, etwa nach einem Nachrichtenbulletin der griechischen Botschaft in London vom 6. Juni 1944. (ebd.: 118) Und die Tragödien hinter dieser Tragödie – Verstecken, Ausstatten mit neuen Papieren, Angst, entdeckt zu werden – mag man sich lieber nicht ausmalen.

Wobei uns hier vor allem diejenigen der vor Ort aktiven interessieren, beispielsweise der wohl schlimmste von allen, Hubert Lanz, nicht Waffen-SS, sondern ‚nur‘ Kommandierender General des XXII: Gebirgsarmeekorps, der, zusammen mit Alexander Löhr, das Massaker auf der Insel Kefalonià im September 1943 zu verantworten hat (vgl. Messerschmidt 2005: 307), wo 5170 entwaffnete Italiener erschossen wurden. Wenig später wiederholte sich das Ganze auf der Nachbarinsel Korfu. Dort wurden von 280 kapitulierenden italienischen Offizieren 28 sofort und der Rest am nächsten Tag erschossen und danach im Meer versenkt wurde. Mehr als dies: Nach der Ermordung eines deutschen Offiziers durch eine griechische Widerstandsgruppe ließ Lanz – von Sönke Neitzel (2020) bei seiner Sammlung deutscher Krieger offenbar als störend empfunden, – am 3. Oktober 1943 das Dorf Lingiades beschießen und nachfolgend 82 Bewohner töten, darunter 34 Kinder bis elf Jahren. Am 8. Mai 1945 kam Lanz in amerikanische Gefangenschaft, doch sechs Jahre später, nachdem er 1947 zu zwölf Jahren verurteilt worden war, kam er aus Landsberg frei (vgl. Eberle / Uhle 2005: 584 f.) – kein Thema also für Erik Lehnert, der, wie sein Eintrag 1951 aus dem Antaios-Band Deutsche Daten zeigt (vgl. Lehnert 2017a), nur an anti-amerikanisch nutzbaren Gruselgeschichten interessiert ist. Deswegen wohl auch schweigt er und seines Gleichen – Gerald Franz etwa – von Otto Wagener, dem selbsternannten, auch von Neitzel nicht erwähnten ‚König von Rhodos‘ mit seinen Durchhalteparolen noch am 20. April 1945 und seinen Straflager in Calitea insbesondere für 999er Soldaten (solche des als widerständig geltenden Festungsbataillons; vgl. Messerschmidt 2005: 390 f.), wo allein im März/April 1945 1.300 Todesurteile vollstreckt wurden, selbst für Bagatellen. Einverstanden: 1948 wurde Wagener in Italien wegen der Erschießung von italienischen Kriegsgefangenen auf Rhodos zu 15 Jahren Haft verurteilt – aber im Mai 1951 nach Intervention des skrupellosen und von österreichischen Neo-Nazis wie Fred Duswald (2002) gefeierten Vatikan-Flüchtlingshelfers Bischof Alois Hudal freigelassen. (vgl. Sachslehner 2019: 201 f.) Vergleichbares Glück hatte Kurt Student, Befehlshaber beim Unternehmen Merkur und nachfolgend Inselkommandant, verantwortlich für das Massaker in Kondomari, der am 28. Mai 1945 festgenommen und zu fünf Jahren Haft verurteilt, aber schon 1948 entlassen wurde. (vgl. Giordano 2000: 301) Zu nennen ist schließlich noch Bruno Bräuer, verantwortlich „für die Vernichtung der Juden in der kretischen Küstenstadt Chania.“ (Giordano 2000: 301) Oder der eigentliche Planer des Unternehmens Merkur, der bereits erwähnte Alexander Löhr, der unmittelbar zuvor das Kommando geführt hatte beim von 611 deutschen Bombern und Jagdflugzeugen mit 440 Tonnen Brand- und Splitterbomben geführten Angriff auf Belgrad am 6. April 1941 ohne jede Kriegserklärung (ebd.: 293) und der als Chef der Heeresgruppe E beteiligt gewesen war an Judendeportationen von Rhodos und Korfu, des Weiteren an Sühnemaßnahmen im Raum von Kalavrita im Dezember 1943, und der deswegen 1946 in Jugoslawien als Kriegsverbrecher abgeurteilt und am 26. Februar 1947 erschossen wurde. (vgl. Ganglmair 1998; Klee 2003: 377)

Um auf Gerald Franz zurückzukommen: Kein Thema für ihn, ganz klar, zumal Löhr im Zuge der Ermittlungen zur sog. Waldheim-Affäre als Kurt Waldheims damaliger Chef ausgemacht wurde, was sich wiederum darin niederschlug, dass eine Historikerkommission dem damaligen, gegenüber Israel besonders harsch auftretenden damaligen UN-Präsidenten 1987 zwar keine „Beteiligung an Kriegsverbrechen“ vorwarf, wohl aber genaue Kenntnis davon gehabt und sie durch seine „Feindlageberichte“ erleichtert zu haben; im Übrigen habe er versucht, „seine militärische Vergangenheit in Vergessenheit geraten zu lassen, und, sobald das nicht mehr möglich war, zu verharmlosen.“ (Gehler 1997: 395) Und diesen Zusammenhang anzusprechen, hätte Franz‘ neu-rechter Gesinnungsgenosse Thorsten Hinz von der Jungen Freiheit fraglos schwer übelgenommen. Geht dieser doch schon seit Jahren mit der Nachricht hausieren, auf Waldheim sei eine „Hetzjagd“ veranstaltet worden, als Teil von „Bemühungen, eine internationale Erinnerungspolitik […] zu installieren, in deren Mittelpunkt der Holocaust stand.“ (Hinz 2012: 331 f.) Und dieser Entwicklung – so darf man das ganze Argument weiterlesen – trete jetzt endlich Björn Höcke wild entschlossen entgegen, so dass es kein schöner Zug sei, sollte Franz ihm, Hinz, jetzt etwa mittels seines Kreta-Artikels in die Kniekehlen trete etc. pp. – kurz und übersetzt in eine Pointe: Gerald Franz (oder wer auch immer sich hinter diesem Namen verbirgt) hat in Sachen Kreta ein ganz heißes Eisen angefasst, aber es gleich wieder fallen gelassen, offenbar in der Hoffnung, seine Klage über die mangelnde Pflege deutscher Soldatengräber brächte ihn zurück auf sicheres Terrain.

Keine Chance: Franz argumentiert, übrigens ähnlich wie Lehnert, ganz im Gleichklang mit der von ihm gelisteten Gesinnungsliteratur (vor allem Uhle-Wettler 2004) und hat, insoweit folgerichtig, mit Forschung nichts zu tun, deutlicher: bringt jene Attribute lebhaft zur Anschauung, die Ralph Giordano, aus eigenem Erleben urteilend, für unseres neu-rechten Autors zentralen Leumundszeugen in Sache Kreta, nämlich Franz Uhle-Wettler, in Vorrat hielt: „Abschottung vor einer längst einsehbaren Wahrheit“ sowie „totale innere Beziehungslosigkeit zur Welt der Opfer.“ (Giordano 2000: 90)

„Was für eine Luftnummer!“ (Teil II). Oder: Sönke Neitzels Deutsche Krieger, am Fall Kreta gemessen und auf den Fall eines Zombies namens Franco A. hin bedacht

„Was für eine Luftnummer!“ – so hallt es hier und dort über den neuesten Streich unseres einzigen und damit fraglos besten Militärhistorikers Sönke Neitzel, von Funk und Fernsehen bekannt wie sonst nur Otto Waalkes.[2] Weniger lustig: Neitzels überaus erfolgreiches Buch Deutsche Krieger (2020), das über deutsche Krieger vom Kaiserreich bis zur Bonner Republik Aufklärung verspricht, eine Art eierlegende Wollmilchsau also. Die Kund*innen freut’s offenbar, spart doch das Prinzip „eines für alles“ Platz im Regal. Nicht von Belang, diese Begeisterung. Nicht von Belag auch die Kritik jener, denen der Erfolg anderer ohnehin gegen den Strich geht. Etwas ernster zu nehmen: jene, denen Generalisten grundsätzlich verdächtig sind und denen zusätzlich unklar bleibt, worin bloß der rote Faden des Ganzen gründet; etwa, um bei der Farbe zu bleiben, dass auf 753 Seiten jede Menge Blut fließt? Das schiene mir doch, metaphorisch gesprochen, etwas arg dünn, zumal die Nachteile auf der Hand liegen: Neitzel, vom Verlag offenbar auf maximal 800 Druckseiten verpflichtet, hetzt durch das Buch, dass es eine wahre Unfreude ist, jedenfalls für mich. So findet die vom neu-rechten Ideologen Nils Wegner rehabilitierte Göring-Ikone Rudolf Berthold (vgl. Niemeyer 2021a) bei Neitzel gar nicht statt. Und das Thema Kreta 1941 wird nur in ganz wenigen Anmerkungen angesprochen, die allerdings konventionell sind, angefangen von: „Die Fallschirmjäger sprangen in einen abwehrbereiten Feind und erlitten horrende Verluste“ (Neitzel 2020: 204) – bis hin zu: Ihre Vorgesetzten, etwa Bernhard Ramcke, waren „überzeugte Nationalsozialisten“ (ebd.: 206), die allerdings durch „Adenauers Ehrenerklärungen für die ehemaligen Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS“ leichter als „Extremisten ausgeschlossen werden [konnten].“ (ebd.: 255) In Übersetzung geredet: So, mit einem Federstrich, entsorgt ein gewiefter Militärhistoriker von heute die unlängst von Felix Bohr (2018) – kein Name für Neitzel – auf 500 Seiten ausgebreitete Problematik der bundesdeutschen Kriegsverbrecherlobby inklusive der aufschlussreichen Details. Zu denken ist beispielsweise an den vormaligen Soldaten Erich Kuby – kein Name für Neitzel –, der es 1959 mit einem kleinen Hörspiel schaffte, Ramcke aus der Reserve und vor Gericht zu locken, wo er höchstrichterlich bescheinigt bekam, mit seinem Fanatismus den deutschen Interessen nach Rückkehr in den Kanon ziviler Völker zu schaden und sich den von ihm im Krieg berichteten Einstellungswandel seines Fahrers als ersehnten eigenen Erfolg zurechnen zu müssen, also etwa dessen Satz:

„Niemals habe ich an die in den völkischen Zeitungen veröffentlichten Bilder über die Juden geglaubt und immer gedacht, solche entarteten Menschen könne es gar nicht geben. Nun bin ich eines Besseren belehrt. Das Verbrechergesindel sieht ja noch viel furchtbarer aus. Das sind ja Viecher, aber keine Menschen!“ (zit. n. Kuby 1959: 168)

Einverstanden: Man kann an sich nicht um alles wissen und alles lesen – muss es aber, wenn man, wie Neitzel, sich derart weit aus dem Fenster lehnt und, beispielsweise, selbst seinen Zentralterm „deutsche Krieger“ einer fatalen Vorlage entlehnt, nämlich dem zehnten der 10 ‚Gebote‘ des Fallschirmjägers aus der NS-Zeit. Dieses gehört mit den anderen neun (faksimiliert bei: Stimpel 2009: 256) einem Kriegertum zu, über dessen dunkle Seite wir an sich hinreichend belehrt sein müssten angesichts des in Kondomari Geschehen. Kein Thema indes für Neitzel – und kaum ein Thema für ihn, dass, wie er selbst verdeutlicht (vgl. Neitzel 2020: 205), Hitlers Forderungen an die Jugend vom Reichsparteitag 1935 (vgl. Hitler 81942: 23) hier Widerhall finden, etwa in Gestalt des Satzes aus dem 10. Gebot:

„Sei behende wie ein Windhund, so zäh wie Leder, so hart wie Kruppstahl, nur so wirst du die Verkörperung des deutschen Krieges sein.“ (zit. n. Stimpel 2009: 256)

Einverstanden: Dumm und dumm sich Stellenden – wie etwa dem Rammstein-treuen Deutsch-Barden Heino, dem unlängst die Bild-Zeitung zu Hilfe kam mittels Wiedergabe eines seiner Zitate aus neuerer Zeit per Headline („Bin ich ein Hetzer, wenn ich Brahms und Schubert singe?“; zit. n. Sp. Nr. 18/30.4.2021: 51), – sei gerne zugestanden, was dieser stramm-deutsche Sangesbruder vor Jahren einem Journalisten ins Textbuch diktierte: nämlich dass er gar nicht gewusst habe um den Hitler-Ursprung dieses Spruchs, der trefflich seinen (damaligen) Gesundheitszustand beschrieb. Anderen, Gebildeteren, Aufrechteren wird man derlei nicht durchgehen lassen. Sie wissen – Neitzel natürlich auch –, dass jene zehn Gebote ein „beredter Beleg“ dafür sind, „wie die NS-Ideologie mit ihrer Überhöhung des Kampfes als Wert an sich Einzug in die Truppe hielt.“ (Neitzel 2020: 206) Was aber folgt daraus für ein zeitgemäßes Ideal des ‚deutschen Kriegers‘ à la Neitzel?

Offenbar nichts Gutes, wenn man nur den am 5. Mai 2021 auf HSozKult eingestellten allerletzten kritischen Neitzel-Rezensenten Eckart Conze bedenkt mit seinem Fazit: „Das ist erschreckend.“ (Conze 2021) Dies liegt deutlich auf der Linie Jakob Knabs (2021), der Neitzel systematische Auslassungen (Ralph Giordano etwa) vorhielt und verharmlosende Interpretationen. Auch Wolfram Wette vermerkte im Februar 2021 in der Frankfurter Rundschau harsch zu Neitzel: „Was nicht in seinen Rahmen passt bzw. Auffassungen widerspricht, schiebt er beiseite oder bleibt unerwähnt.“ Und dieser ‚Rahmen‘ ist, so Conze und vor ihm schon Wette, ein furchterregender: „Neitzel ist Bellizist und Revisionist“, schlimmer:

„Neitzel [bietet] die Begleitmusik für eine Kämpfer- und Kriegerideologie, für die im rechtsextremen Spektrum der Republik wie auch von restaurativen Traditionalisten in der Bundeswehr geworben wird.“ (Wette 2021)

Von diesem Vorwurf ausgehend, zieht der auffällige Umstand, dass Neitzels Deutsche Krieger schon vom Titel her geradezu nach Jens Westemeiers Himmlers Krieger (2014) schreien, es aber noch nicht einmal zu einem Platz in der Literaturliste reicht, einige Aufmerksamkeit auf sich, zumal Neitzel ansonsten mit größter Akribie selbst kleinste Beiträge, etwa jene von Peter Lieb, genauestens verzeichnet, ebenso wie den Westemeier-Konkurrenten Klaus-Jürgen Bremm (2018). Faulheit kann es also nicht sein, Irrsinn auch nicht, denn dafür hat es zu viel Methode. In Gestalt einer Frage vorgetragen: Möchte Neitzel Himmlers Krieger, die von Westemeier und nachfolgend auch von Steven P. Remy in The Malmedy Massacre (2017)  ins Zentrum gerückte Waffen-SS-Ikone Joachim Peiper beispielsweise, aus seiner Erinnerungspolitik herausnehmen, um sein Diktum („Soldaten sind Krieger, die kämpfen und auch töten müssen“; Rückumschlag) vom Nimbus des Martialischen und Kriegsverbrecherischen zu heilen? Ein wenig sieht es so aus, zumal sich noch nicht einmal Peipers Name, komplementär dazu Remys, in Neitzels Register findet, und zu Peipers zentralem Kriegsverbrechen, „Malmedy“, lediglich das Folgende in Deutsche Krieger steht, wohlgemerkt: ohne dass Neitzel zuvor auch nur einen Blick geworfen hätte auf die von Remy wie Westemeier akribisch aufgearbeitete Vor- und Nachgeschichte des Malmedy-Massakers, auf die Zeit insbesondere nach 1945, also auf Autoren wie Felix Bohr (bereits genannt) oder, von Bohr unfair beiseitegesetzt, Oliver Schröm & Andrea Röpke (2011), bis zurück zu Gerald Steinacher (2008), wenn nicht gar Jörg Friedrich (1984) – Bücher, die Neitzel auf Namen hätten bringen können wie Richard Tüngel oder Alois Hudal inklusive der skandalösen Erinnerungspolitik der Waffen-SS, der HIAG, der „Stillen Hilfe“ sowie deren willige Helfer wie Alfred de Zayas. Nichts dazu also bei Neitzel, nur der Satz:

„Als den Amerikanern während der Ardennenoffiziere bekannt wurde, dass Teil der SS-Division ‚Leibstandarte Adolf Hitler bei Malmedy 74 GIs getötet hatten, erteilte General Omar Bradley mündlich den Befehl, in der nächsten Zeit keine Gefangenen der SS zu machen.“ (Neitzel 2020: 239)

So, als gelte es, ad Malmedy von viel Wichtigerem zu reden, nämlich von amerikanischen Kriegsverbrechen, redet der führende deutsche Militärhistoriker? Offenbar nicht mit einer Faser bedenkend, wie sehr sich Erik Lehnert, allgemeiner: wie sehr man sich über ihn im Institut für Staatspolitik in Schnellroda freuen wird? Zumal Neitzel nichts schuldig bleibt, auch nicht den Folgesatz:

„Dass von ihnen [den Soldaten der Waffen-SS, d. Verf.] nur relativ wenige in alliierte Gefangenschaft gerieten, lag […] nicht nur an ihrer Entschlossenheit, bis zum Letzten zu kämpfen, sondern auch daran, dass die Alliierten sie häufig on the spot umbrachten.“ (ebd.)

Gewiss: Man könnte Neitzel zu Gute halten, dass er nicht um Lehnerts 2017er Artikelchen weiß und also nicht darum ahnt, wie begeistert ihm neu-rechte Geschichtsrevisionisten Sätze wie diese aus den Händen reißen. Aber wäre derlei Nicht-Wissen und die es begründende Naivität nicht geradezu fahrlässig für einen Wissenschaftler in heutigen Zeiten? Und ist sein Argument insgesamt nicht geradezu desaströs, als evidenzbasiertes betrachtet? Denn bedenken wir doch: Ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, was genau in Malmedy geschah mit jenen 74 GIs, eröffnet Neitzel das Themenfeld, unter Beiseitesetzung des Wenn-Teils, mit dem Dann-Teil, mit nichts weiter abgesichert als mit einem angeblichen mündlichen Befehl eines US-Generals wie Omar Bradley, der eigentlich über jeden Verdacht erhaben ist und der nach Darlegung des von Neitzel großzügig ignorierten Malmedy-Experten Steven P. Remy (2017: 30) bei seinem „on the spot“ eher angetrieben war von der Sorge vor in GI-Uniformen auftretenden Waffen-SS-Soldaten der Ende 1944 aufgestellten Panzerbrigade 150 des Otto Skorzeny (vgl. Eberle / Uhl 2005: 301)  – kein Name für Neitzel –, das Ganze also mit Malmedy und Peiper schlicht nichts zu tun hatte.

Dies führt nahtlos zu der Frage nach dem „Cui bono?“ in Sachen der von Neitzel dargebotenen verkürzten Erzählweise. Kurz geredet: Neitzels Themenverlagerung weg von einem deutschen Kriegsverbrechen hin zu einem amerikanischen nützt vor allem dem bei Alt-Nazis um 1945 beliebten Antiamerikanismus – ein Beispiel, allerdings wiederum nicht für Neitzel, wäre Erich Kubys Empörung über Bernhard Ramcke[3] –, und fand Auftrieb durch Alfred de Zayas aus heutiger Sicht skandalöse, erstmals 1979 vorgelegte Auswertung der erhalten gebliebenen Akten der 1939 vom in Nürnberg als ‚Hauptkriegsverbrecher‘ hingerichteten Wilhelm Keitel eingerichteten Wehrmacht-Untersuchungsstelle (= WUSt) unter dem Untertitel Dokumentation alliierter Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Kein Wort hierzu bei Neitzel, Kunststück, kommen seine Zeilen doch als nahtlose Fortschreibung der Sätze Zayas in Betracht. Das Problem dabei, ein Problem, das nun Neitzel hat: Von Zayas, inzwischen eine Ikone der Neuen Rechten vom Typ Karlheinz Weißmann und gänzlich im Lager der Irrationalen angekommen, redet heute kein seriöser Wissenschaftler mehr. Warum dann aber Wasser auf seine Mühle und jene Erik Lehnerts lenken, ohne genaues Wissen um Malmedy?

Eine letzte Frage zu diesem insoweit sich als Luftnummer darstellenden Buch Neitzels, die nun auch der in der Teilüberschrift aufgebotenen Vokal „‘Zombie‘ Franco A.“ mit ins Boot holt: Neitzel eröffnet sein Buch mit staunenswerten und nun erst, nach Darlegung dieser weitergehenden Erläuterungen, an Sprengkraft gewinnenden Einlassungen zu einem Bundeswehr-Oberleutnant namens Franco A., der als ungläubig bestauntes Fast-Idol des Chemnitzer AfD-Bundestagsabgeordneten-Kandidaten Michael Klonovsky in Betracht kommt (vgl. Niemeyer 2021: …) und uns bei Neitzel erstmals unter seinem Klarnamen Franco Albrecht begegnet, der sich seit Mai 2021 vor dem OLG Frankfurt/M. wegen Planung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten muss. Und was sagt Deutschlands einziger Militärhistoriker zu diesem Bürschchen und zu dem Bundeswehr- und MAD-Versagen in diesem Fall, das, zusammen mit dem NSU-Skandal, unter der Chiffre Tiefer Staat (vgl. Roth 2016; Laabs 2021; Chaussy 2021) Furore zu machen beginnt? Nun, die erste Seite seines Bestsellers Deutsche Krieger zum Maßstab genommen, ist ihm ganz anderes wichtig, fällt doch Albrecht für ihn, gleichsam als Game Changer, heraus aus der uns „lieb gewordenen Vorstellung vom Soldaten als global social worker“ und gibt eher Zeugnis für „eine ganz andere Berufsidentität: jene des Kämpfers, der sich in eine weit zurückreichende Ahnenreihe des Kriegers stellt“ (Neitzel 2020: 11) – eine, wie mir scheinen will, fatale Einordnung, mittels derer Neitzel alle die Bausteinchen, die ich im Vorhergehenden für einen notwendigen Kampf gegen rechts aufzubauen mich bemühte, wieder umstürzt. Denn Neitzels Ideal des Kriegers lässt ja dann auch Platz für einen gefährlichen Rechtsterroristen wie Albrecht als Teil der Avantgarde des neuen, bellizistisch gestimmten Bundeswehr-Mainstream vom Typ Neitzel – plus Lehnert & Co. Dies macht mir Sorge, zusätzlich zum Applaus, auf den Neitzel trifft, neben dem angesprochenen und durchaus privaten Umstand, dass er sich, wie angedeutet, seit 1996 eines prominenten Schwiegervaters namens Dirk Bavendamm erfreuen kann, dessen Hinwendung zum Rechtsradikalismus (vgl. Maegerle 2019) etwa in Gestalt seiner Tätigkeit für die 1960 von Alt-Nazis gegründete „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) und seiner 2012 vom Neonazi Fred Duswald aufgegriffenen und 2017 von Erik Lehnert verfochtenen These von 2010, die Kriegsverbrecherprozesse stünden für US-Siegerjustiz, auffällig ist. (vgl. Niemeyer 2021) Einverstanden, wie eben angedeutet: Das Private ist nicht politisch, Neitzel nicht haftbar für seine Verwandtschaft, Sippenhaft gehört zum „Nie wieder!“ Dennoch ist Neitzels oben erwähnte Beiseitesetzung jedes kritischen Blicks auf die um die GfP organisierte bundesdeutsche Kriegsverbrecherlobby vielleicht nicht wirklich zielführend, korrespondiert jedenfalls dem Vorgehen in politisch bedenklichen Kreisen. Dies wollte ich sagen, nicht mehr, nicht weniger.

Fazit

Natürlich – um an die zu Beginn erwähnten dunkelsten Seiten meiner Biographie anzuknüpfen – kann ich als Kriegsdienstverweigerer und Nicht-Militärgeschichtler resp. -Historiker sowie Pazifist nicht einfach so Mitspracherecht bei der Diskussion um das Bundeswehr-Leitbild erwarten, wenngleich: der Pazifismus, den ich meine, jener Nietzsches in jenem angeführten Motto, trägt  ja kaum mehr vor als das Ideal der Deeskalierung qua Einführung der Diktatur des Sitzfleisches, vornehmer: der kommunikativen Vernunft, des Miteinanderredens, bis sich die „richtige Antwort“ als gemeinsame zweier Konfliktparteien herausgemendelt hat. Sollte Neitzel dies gemeint haben, wenn er, wie eben zitiert, gleich zu Beginn seines Buches die „Vorstellung vom deutschen Soldaten als global social worker“ aufruft, dann, so scheint mir, bin ich von meiner Profession als Sozialpädagoge wieder im Boot und würde gerne dafür werben, besser keinen Paradigmenwechsel in Richtung jenes Kriegerideals ins Auge zu fassen. Dabei spielt die im Vorhergehenden demaskierte neu-rechte Erinnerungspolitik keine bedeutende Rolle, denn derlei lässt sich im Diskurs durch das bessere Argument erledigen, mit erheblichen Folgeschäden auf Seiten der Demaskierten, die nichts weiter sind als gewissenlose Fanatiker mit offenbar unaufhebbarer Leseschwäche. Gewichtiger ist – und dafür gibt die Dresdner MHM-Ausstellung einige Fingerzeige –, dass das Kriegerideal durch den NS-Teil der deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts unreparierbar beschädigt ist und im Übrigen angesichts der unübersehbaren Anzeichen dafür, dass Wladimir Putin im Sog neo-russischer Verführer ihm gleichfalls zuzuneigen scheint, nicht gerade für die klügste aller Lösungen steht. Hier muss neu nachgedacht werden, und dazu animiert Sönke Neitzels neues Buch. Das nur unter dieser Setzung mehr ist als nur erschreckend.

Prof. Dr. Christian Niemeyer, Erziehungswissenschaftler und Psychologe, Jg. 1952, geb. in Hameln, Prof. (i.R.; seit 2017) f. Sozialpädagogik an der TU Dresden (ab 1992), davor FU Berlin (1988-92), geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik (seit 2002), Nietzscheforscher, zahlreiche Bücher, für Juli 2021 ist angekündigt: Schwarzbuch Neue / Alte Rechte. Essays, Glossen, Lexikon (= Bildung nach Auschwitz, Bd. 1) mit Online-Material. Ca. 780 S., 39,95 Euro, Weinheim Basel. Der hier präsentierte Text wurde aus Essay Nr. 13 dieses Schwarzbuchs entwickelt.

Bild oben: Erschießung von Zivilisten in Kondomari, Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-166-0525-30 / Weixler, Franz Peter / CC-BY-SA 3.0

Literatur:

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Bremm, K.-J. (2018): Die Waffen-SS. Hitlers überschätzte Prätorianer. Darmstadt.
Conze, E. (2021): Rezension zu: Neitzel, Sönke: Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte. Berlin 2020. In: H-Soz-Kult, 05.05.2021, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-95530
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Zayas, A. M. de (61998): Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle. Dokumentation alliierter Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. München.

 

[1] Thema auch in der Dresdner Bundeswehr-Ausstellung. Hier heißt es in der Bildunterschrift zu einem Foto (von 1974) des mit roter Farbe und dem Wort „OXI“ (dt.: NEIN) beschmierten Denkmals, dass der gleichfalls mit roter Farbe beschmierte, auf dem Denkmal thronende ‚deutsche Vogel‘ nach Ansicht ehemaliger Fallschirmjäger „bei den Kretern durchaus beliebt sei“ (Pahl/Wagner 2021: 235) – eine Äußerung, die zu kolportieren nur Sinn macht, wenn dies, wie anzunehmen, in demaskierender Absicht geschieht.

[2] Dieser Scherz ist einer in erzieherischer Absicht im Blick auf Neitzels Unsitte, den Namen dessen öffentlich zu machen, der in der Truppe seines servilen Verhaltens der Bundesverteidigungsministerin gegenüber als „Lakeitel“ (Neitzel 2020: 573) gehänselt und also mit dem seiner Hitler-Verehrung wegen als dümmlich geltenden OKW-Chef Wilhelm Keitel in Vergleich gesetzt wird.

[3] Die Dresdner Ausstellungsmacher präsentieren diesen nach 1945 unbelehrbaren Kriegsverbrecher mittels eines Farbfotos von 1942 (vgl. Pahl/Wagner 2021: 224), auf dem er unerträglich feist und selbstgefällig den Fotografen fixiert. Demaskierend ist auch das Foto eines Busses aus der Nachkriegszeit mit dem Plakat „Papa Ramke – Deine Jungens kommen!“ und der Erläuterung: „Bei den ehemaligen Fallschirmjägern genoss ‚Papa Ramke‘ (sic) besonders hohe Popularität.“ (ebd.: 215) Denn dieser Satz allein richtet über beide: das Idol, aber auch seine Verehrer.

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