Israel trauert

Nach dem Unglück auf dem Berg Meron sind mittlerweile alle 45 Opfer identifiziert und beerdigt worden. Für heute wurde ein Tag der nationalen Trauer ausgerufen. Indessen kommen die Ermittlungen in Gang, wobei bereits klar ist, dass es keinen eindeutig Schuldigen gibt, sondern vielmehr systematisches Versagen des Staates…

Mittlerweile sind die Namen bekannt und das Ausmaß der Tragödie wird dadurch noch deutlicher. Unter den 45 Opfern, die Donnerstag Nacht in einem engen Durchgang zu Tode gequetscht wurden, sind Männer und Jungen aus ganz Israel, aber auch aus Kanada, den USA und Argentinien. Unter ihnen sind auch die Brüder Mosche Mordechai Elhadad und Josef David Elhadad aus Jerusalem, 12 und 18 Jahre alt,  und die Brüder Mosche Natan Neta Englander, 14 Jahre alt, und Jehoschua Englander, 9 Jahre alt.

Premierminister Netanyahu hat für heute Sonntag einen Tag der nationalen Trauer angeordnet, um diesem größten zivilen Unglück seit Gründung des Staates zu gedenken. Die Fahnen im Land wurden auf Halbmast gesetzt, in der Knesset wird den Opfern gedacht, Konzerte und Sportveranstaltungen werden verschoben.

Wie es zu dem Unglück kam, konnte mittlerweile rekonstruiert werden. Der Ausgang vom Bereich der Feierlichkeiten führt über eine schmale Rampe und durch einen engen Gang. Nachdem auf der Rampe einige Besucher gestürzt waren, drückten die nachfolgenden Massen weiter. Bestürzende Handyfilme und die Aufnahmen der Hilferufe der Sanitäter an die Zentrale zeugen von dem Horror, der sich vor Ort abspielte.

Viele Fragen bleiben offen. Der Meron Berg ist offiziell für Veranstaltungen bis zu 10.000 Personen angelegt. Gekommen waren 100.000. Die Protokolle der Sitzung, auf der die Veranstaltung genehmigt wurde, zeigen, dass zwar von der Polizei deutlich davor gewarnt wurde, keinerlei Begrenzungen zu erlassen, jedoch keine Behörde sich diesen Stiefel anziehen wollte. Seit Jahren gibt es deutliche Warnungen, dass die Infrastruktur am Berg Meron nicht für die Massen an Besuchern ausgerichtet ist und auch der schmale Durchgang im Besonderen wird darin immer wieder erwähnt. 

Besonders die Tatsache, dass diese religiöse Feier keinen offiziellen Veranstalter hat, führte zu dem Missstand, dass keiner auf die Durchsetzungen der Sicherheitsregelungen pochte. Es wurden einfach seit Jahren alle Augen zugedrückt, und in jedem Jahr, so sagte ein ehemaliger Polizeichef, hat man am Tag darauf tief durchgeatmet, dass nichts passiert ist.

An dem Unglück, das nun tatsächlich eingetreten ist, will trotzdem niemand Schuld haben. So sagte etwa Amir Ohana, Minister für öffentliche Sicherheit, er übernehme die Verantwortung, aber Verantwortung bedeute nicht Schuld. 

Ein Schuldeingeständnis hilft den 45 Familien, die nun trauern, zwar nicht weiter. Aber es könnte dazu führen, dass in Zukunft derartige Missstände nicht mehr unbeachtet bleiben.

Bild oben: Die Brüder Natan Neta Englander und Jehoschua Englander, 14 und 9 Jahre alt

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