Bekenntnis eines Suppenhuhns

Wie der Widerstand mir die Satire ruiniert hat…

Von Fredy Yandorf, NWO-Zionist

Es ist nicht nur Jana aus Kassel, die uns in diesen finsteren Tagen denkwürdige Szenen durch symbolträchtige Handlungen beschert. Ich musste über den Widerstand nachdenken, weil Samuel Eckert bei der Querdenken-Demonstration in Düsseldorf mit einer Leiter von hinten auf die Bühne geklettert ist. Er konnte die Bühne ja unmöglich, wie alle anderen Menschen auch, von vorn betreten, denn er hätte dafür über das Gelände laufen müssen – und für dieses Gelände galt die Maskenpflicht.

Ich dachte an die Bedeutung des Widerstands, als in der Telegram-Gruppe von „Querdenken- 711“ dazu aufgerufen wurde, man solle zum „Weihnachtsshopping“ nach Bremen kommen, nachdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot der Demonstration dort bestätigt hatte; man könne sich ja als „Shoppingtouristen tarnen“, auf den „Einbruch der Dunkelheit warten“ und dann das „Licht durch die Stadt“ transportieren. Rechtsanwalt Markus Haintz teilte umgehend mit, er würde sich auf dem Weg nach Bremen „zum Shoppen“ befinden.

Ich denke an den Widerstand, wenn ich mich daran erinnere, dass der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner sich im Zug auf dem Klo einschloss, weil er keine Maske tragen wollte und die Polizei inzwischen im Zug eingetroffen war. Oder auch jetzt, wo die Politik geradezu darum fleht, Kontakte zu beschränken, aber die „Eltern für Aufklärung und Freiheit“ in einer Telegram-Gruppe dafür werben, dass einander fremde Familien sich in den Winterferien doch kennenlernen könnten, sich dazu verabreden, um mit Kindern und Übernachtungen ein alternatives Ferienprogramm zu gestalten.

Ich würde mich gerne wie Ballweg, Haintz, Eckert, Brandner und die aufgeklärten Eltern fühlen. Aber ich habe keine vergleichbaren Geschichten anzubieten. Für solch überragende Akte des Widerstands haben mir wohl schon immer Größe und Reife gefehlt. Aus mir konnte nur das Schlafschaf werden, das ich heute bin. Aber vielleicht ist das auch schon eine Anmaßung. Möglicherweise bin ich nur ein Suppenhuhn. Deswegen bin ich froh darüber, dass erwachsene Menschen mit Verstand diesen letzten Kampf für uns führen!

Ist das jetzt endlich der „republikanische Widerstand“, nach dem Frank Castorf schon im Frühjahr verlangte, als der geplagte Regisseur ein wenig zu hektisch an der Fleischtheke auf den einzuhaltenden Abstand hingewiesen wurde und man ihn so mutwillig daran gehindert hat, herauszufinden, ob es sich in der Auslage um ein Suppen- oder ein Brathuhn handelte?! Na, molto agitato! Was nehmen diese Menschen nicht auf sich, um uns auf solche Dramen hinzuweisen – die wir so leicht und leichtfertig übersehen! Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, was ältere weise Männer vor unseren Wursttheken alles ertragen müssen, hätte Castorf nicht sein Leid mit uns geteilt. Ja, es ist eine kalte brutale Welt, in der wir leben. Und es ist auch schon immer Ausdruck für die Entfremdung des Suppenhuhns gewesen, dass es nicht zu erkennen vermochte, wenn es auf dem Fleischtresen liegend zum Zentrum existentieller Dramatik avanciert. Es kann kein Bewusstsein von seiner eigenen Beteiligung an diesen Zuständen entwickeln. Seit jeher fehlt dem Suppenhuhn dafür der dramaturgische Blick. Was bringen all die Aufgeklärten nur für Opfer, damit auch wir endlich erwachen!

Ich bin deswegen dankbar, von Attila Hildmann erfahren zu können, dass die satanische Bundeskanzlerin heimlich plant, die „letzten Arier“ zu killen – denn deswegen, so erklärt es Hildmann in einer Telegramnachricht, sollen die Alten ja zuerst geimpft werden. Nirgendwo sonst kriegt man so etwas mal richtig erklärt!

Ich empfinde Dankbarkeit für all das, aber ein bisschen wütend bin ich auch: Denn ich kann darüber keine Satiren mehr schreiben. Auch an diesem Punkt seid ihr, die Haute Couture des Widerstands, mir einige Schritte voraus. Satire kann einen solchen Stoff nicht liefern, in dem ein Bundestagsabgeordneter sich wegen einer Maske vor der Polizei auf dem Klo versteckt. Man kann es sich nicht ausdenken, dass ein erwachsener Mann mit einer Leiter, die ihm andere Erwachsene hingestellt haben, von hinten auf eine Bühne klettert, er dann dafür beklatscht und bejubelt wird und sich darüber freuen kann, dass er – ätsch – auf der Bühne ist – aber keine Maske getragen hat, um sie zu erreichen. Es ist schier unvorstellbar, dass studierte Leute die Idee haben, sich mitten in einer Pandemie verbotenerweise mit Kerzen und als „Shoppingtouristen getarnt“ zu versammeln und dann durch die Dunkelheit einer Innenstadt schleichen, als wäre das alles ein fröhliches Geländespiel. Wenn es eure Realität ist, die solche Szenen liefert – an welchem Punkt, mit welcher Geschichte, könnte Satire denn dann noch ihre Überspitzung sein?

Das ist das Erschütternde daran: Dass euer „Widerstand“ ein so bitterer Witz ist – dass eine jede Satire sofort zur Makulatur gerät.

Es ist bitter. Man soll euch tatsächlich ernst damit nehmen.

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