Eine Dreidel – Sammlung

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Viele Menschen sammeln die unterschiedlichsten Dinge, ohne zu hinterfragen warum sie dies tun. Der Sammeltrieb liegt in der evolutionären Entwicklungsgeschichte der Menschheit begründet. Heute dient die Sammelleidenschaft der persönlichen Unterhaltung und dem sinnvollen Zeitvertreib. Ein Sammler stellt uns seine Schätze und den Hintergrund dazu vor…

Ben Zion Jaffa/Tel Aviv

Der Dreidel

Ein Dreidel ist ein vierseitiger Kreisel, mit dem Kinder während des achttägigen Lichterfests Chanukka spielen. Jede Seite des Kreisels zeigt einen hebräischen Buchstaben: נ (Nun), ג (Gimel), ה (He), ש (Schin). Anstelle des Buchstaben Schin findet man in Israel auch ein פ (Pe).

Symbolik des Dreidels

Diese Buchstaben bilden das für die Folgesätze stehende Akronym:
Nes gadol haja scham (in der Diaspora) – נס גדול היה שם – „Ein großes Wunder geschah dort.“ bzw. für
Nes gadol haja po (in Israel) – נס גדול היה פה – „Ein großes Wunder geschah hier.“

Das vorbeschriebene Wunder bezieht sich auf Chanukka. Das jüdische Lichterfest ist ein acht Tage dauerndes, jährlich wiederkehrendes Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung (Weihe) des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Es beginnt am 25. Tag des Monats Kislew (November/Dezember). Damals beendeten die jüdischen Makkabäer die Fremdherrschaft des Seleukidenreichs über Judäa und weihten den Tempel erneut für den traditionellen jüdischen Gottesdienst.

Im Tempelleuchter (Menora) brannte vor der Besatzung ein ewiges Licht. Dieses Ner Tamid genannte Licht leuchtet als Zeichen der Gegenwart G`ttes noch heute durchgehend in jeder Synagoge. Wegen der vorausgegangenen Kampfhandlungen war nur noch ein Krug geweihtes Öl für den Leuchter vorhanden, welches für einen Tag gereicht hätte. Für die Herstellung von neuem, geweihtem Öl wurden acht Tage benötigt. Wie durch ein Wunder brannte das Licht durchgehend in diesem Zeitraum, bis neues Öl zur Verfügung stand. Darauf ist die Dauer des achttägigen Lichterfestes gegründet.

Shoham Jerusalem

Es gibt weitere Interpretationen jüdischer Gelehrter bezüglich der Bedeutung der Buchstaben auf dem Dreidel. Eine Deutung besagt, dass die vier Buchstaben für die vier alten Reiche Babylon, Persien, Griechenland und das Römische Reich stehen, die versuchten Israel zu zerstören.

Eine weitere Auslegung basiert auf der Gematrie. Hierbei wird jedem hebräischen Buchstaben eine Zahl zugeordnet. Der Zahlwert der auf dem Dreidel befindlichen Buchstaben ergibt 358. Dies entspricht dem Wert der vier Buchstaben des Wortes „Moshiach – משיח“(Messias). So wird eine geistige Verbindung zwischen dem Dreidel und dem „Erlöser“ geschaffen.

Entstehung des Dreidels

Der Legende nach verboten die Seleukiden während ihrer Herrschaft über Israel im 2. Jahrhundert v.d.Z. den Juden das Lehren und Erlernen der Torah, der fünf Bücher Mose. Die Ausübung des jüdischen Glaubens wurde mit Gefängnis und Tod bestraft. Die Juden hielten ihre Kinder trotz des Verbots zum Studium der religiösen Traditionen an. Erschienen feindliche Patrouillen, täuschten die Kinder die Besatzer mit dem Dreidelspiel. Tatsächlich bestand ursprünglich wahrscheinlich keine Verbindung zwischen dem Dreidel, Chanukka und dem Judentum. Obwohl die historischen Wurzeln des Dreidels bis dato nicht abschließend geklärt sind, ist nachgewiesen, dass ein kleiner Kreisel im 16ten Jahrhundert über England und Irland nach Deutschland gelangte.

Die Buchstaben auf diesem Teetotum genannten Kreisel waren die lateinischen Anfangsbuchstaben der folgenden Wörter: nothing – nichts, half – halb, everything – alles und put in – leg ein. In Deutschland wurde der Teetotum umbenannt in Trendel.

Als in Deutschland lebende, jiddisch sprechende Juden das Kreiselspiel übernahmen, wurden die lateinischen Buchstaben ins Hebräische transliteriert, da die jiddische Schrift mit hebräischen Buchstaben wiedergegeben wird. Das Wort Dreidel stammt vom jiddischen Wort „dreyen- דרייען “ ab, welches dem deutschen Wort drehen entspricht.

Diverse Dreidel

Das Dreidel-Spiel

Das Spiel, das die Kinder der Legende nach damals mit dem Dreidel spielten, wird bis heute unverändert zu Chanukka gespielt. Die Spieler setzen den gleichen Einsatz, z.B. Schokoladengeld, Rosinen, Nüsse, etc. und drehen reihum den Dreidel. Die Seite, welche nach oben zeigt, gibt den Gewinn an:
נ Nun = (jiddisch נישט nisht, ‚nichts‘) – Man gewinnt nichts, verliert aber auch nichts.
ג Gimel = (jiddisch ג נ אנץ gants, ‚ganz‘, d.h. „alles“) – Man gewinnt den gesamten Kasseninhalt, danach muss jeder Spieler wieder ein Stück in den Pott legen.
ה He = (jiddisch האנלב halb) – Man gewinnt die Hälfte der Kasse (aufgerundet). Manchmal wird verlangt, dass, wenn nur ein Stück verbleibt, jeder eines nachlegen muss.
ש Schin = (jiddisch שטעל אײן shtel ayn, ‚stell ein‘, d.h. „leg [ein Stück] ein“) – Man muss ein Stück in die Kasse legen. Wer nichts mehr in die Kasse legen kann, scheidet aus.

Warum Dreidel sammeln ?

Als Sammler mit Verbindung zum Judentum und Israel liegt es auf der Hand sich für Judaika zu begeistern. Hierbei handelt es sich um kunsthandwerkliche, zeremonielle Gegenstände, z.B. Leuchter, Thorazeiger, Gewürzboxen, Dreidel, etc., die im Judentum rituellen Zwecke dienen.

Für die Wahl des Dreidels als Sammelobjekt aus der Vielfalt der Judaika heraus sprechen mehrere Gründe: Aus profaner Sicht ist der Dreidel handlich und klein, sodass eine platzsparende Sammlung bei geringem Raumangebot möglich ist. Weiterhin sind Dreidel aufgrund ihre Größe in der Anschaffung, im Vergleich zu anderen Judaika, auch in edleren Ausführungen für viele Sammler erschwinglich.

In Anbetracht eines religiösen, philosophischen Aspektes ist bedeutsam, dass der Dreidel als Spielzeug die direkte Verbindung zwischen Kindern und der jüdischen Religion herstellt. Kinder sind in jeder Glaubensgemeinschaft der Garant für das Fortbestehen der religionsspezifischen Sitten und Gebräuche. Der Dreidel sichert das frühe, prägende Heranführen der Kinder an ihre jüdische Geschichte und Kultur. Auf diese Weise trägt das Dreidelspiel zu Chanukka zur Weitergabe und zum Überleben jüdischer Traditionen bei.

Griebel London

Warum Silber?

Es gibt Dreidel aus Glas, Porzellan, Holz, Plastik, Knochen, Gold, Silber und vielen anderen Materialien. Die Sammlung beinhaltet ausschließlich silberne Dreidel. Dies basiert auf mehreren Ursachen: Schon seit Jahrhunderten ist Silber das klassische Material der Judaika produzierenden Handwerker. Dreidel sowie der neunarmige Leuchter stehen symbolisch für Chanukka. Seit der Assoziation des kleinen Kreisels mit dem Lichterfest steht der Dreidel bis heute für die Befreiung aus der Unterdrückung und den Sieg des Judentums über die kulturelle Assimilation. Silber räumt ihm die adäquate Wertschätzung ein.

In diesem Sinne:
Chanukka sameach and go on spinning – lasst uns den Dreidel weiter drehen!

 
Diverse Dreidel
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