Waldkraiburg – „Eine Zensur findet doch statt“

0
70

Offener Brief an den 1. Bürgermeister der Stadt Waldkraiburg Herrn Robert Pötzsch und an sämtliche Stadtratsmitglieder…

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestern teilte mir ein Mitglied des Waldkraiburger Stadtrates einen interessanten Vorgang in der Stadt Waldkraiburg mit: Wie Ihnen bekannt sein dürfte habe ich einen sehr autobiografisch gefärbten Roman unter dem Titel“ Es begann in Altötting“ geschrieben. Ein Teil des Buches beschäftigt sich mit meinen Erlebnissen und Konflikten in Waldkraiburg von Anfang der siebziger bis Anfang der Neunzigerjahre. Für März dieses Jahres war eine Autorenlesung mit mir im „Haus des Buches“, mit den zuständigen Kräften vereinbart. Gestern teilte mir ein Mitglied des Stadtrates mit, dass diese Veranstaltung von Mitgliedern des Kulturausschusses in Ihrer Stadt verboten wurde. Dieser Vorgang steht in elementaren Konflikt mit demokratischen Prinzipien und lässt sich nicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vereinbaren. In Art. 5 des Grundgesetzes steht:“1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Offensichtlich gilt der Paragraph fünf des Grundgesetzes nicht für die Stadt Waldkraiburg. Ein Auftritt von mir bzw. eine Autorenlesung wurde von einigen Mitgliedern des Stadtrates praktisch verboten. Dieses Verbot erfolgte ohne Beschluss des Stadtrates. Dieser Vorgang ist relativ einmalig. Vielleicht ist es bestimmten Stadträten nicht möglich einen historisch dargestellten Konflikt zwischen linken und rechten Kräften in der Stadt auszuhalten. In meinem Buch werden Konflikte an den Schulen in Waldkraiburg in den sechziger bis Anfang der Siebzigerjahre wiedergegeben. Natürlich gab es damals einige prügelnde Lehrer und auch Antisemiten in den Lehrkörpern. Dies bekam ich des Öfteren deutlich zu spüren. Es ist eine historische Tatsache, dass Theo Keil Realschuldirektor in Waldkraiburg war. Diese Person war einst Leiter des NS – Gauamtes Reichenberg und ab 1943 Stellvertreter des Reichskulturministers Dr. Rust in Berlin. In Waldkraiburg gab er lange den „Sudetendeutschen Erzieherbrief“ heraus. Die Anschrift war damals das Rathaus der Stadt Waldkraiburg.

Aufgrund der Aktivität von mir und meinen Freunden wurde der „Erzieherbund“ aus dem Rathaus verwiesen. Das Heft hatte die Funktion bestimmten Lehrern taktische Kniffe nahe zulegen, wie man die Kriegsschuldfrage und andere Dinge neu zu diskutieren hätte. Das Heft hat einen offen geschichtsrevisionistischen Charakter. Grundsätzlich wird in dem Werk nicht die Stadt Waldkraiburg diffamiert. Ganz im Gegenteil es gibt lobend Worte über die starke sozialdemokratischer Tradition und das starke gewerkschaftliche Engagement der Arbeiter, welche ursprünglich in Reichenberg und Gablonz tätig waren. Die Person Dr. Walter Brand wird von mir als eine Person in seinem historisch politischen Widerspruch dargestellt . All dies scheinen derzeitige politische Verantwortliche in Waldkraiburg unterdrücken zu wollen.Sie sollten damit leben können, dass auch in Waldkraiburg nicht alles Friede, Freude und Eierkuchen war. Einigen Mitgliedern des Stadtrates scheint die Gedankenfreiheit und Art. 5 des Grundgesetzes völlig egal zu sein. Das Buch „ Es begann in Altötting“ ist in Ihrer Region sehr gefragt und die Verkaufszahlen sind gut. Der Teil über Waldkraiburg in dem Buch ist wie kh. In den „Waldkraiburger- Nachrichten“ schrieb: „Eine linke Sicht auf einen Teil der Geschichte Waldkraiburgs“.

Ich fordere Sie hiermit auf per Stadtratsbeschluss , den grundgesetzwidrigen Beschluss von Mitgliedern des Kulturausschusses der Stadt Waldkraiburg, in der nächsten Stadtratssitzung sofort aufzuheben. Geben Sie Gedankenfreiheit. Ich verlange von Ihnen, nicht dass Sie mir eine Verdienstmedaille der Stadt überreichen. Dennoch bin ich der Meinung dass auch dies überlegenswert wäre. Gegenwärtig erhalte ich Anrufe von Buchhändlern von Leipzig, bis Wien, die sich über die Stadt Waldkraiburg, nach meinem Buch näher informieren wollen. In vielen Städten von Wien bis Berlin habe ich in absehbarer Zeit Lesungen zu meinem Buch. Diese Möglichkeit sollten Sie mir auch in Waldkraiburg geben. Der „Rote Max“ fordert nichts weiter als Meinungsfreiheit.

Mit freundlichen Grüßen

Max Brym

München den 3. Dezember 2014

„Es begann in Altötting“
Fernsehbeitrag zu Max Brym