3. Oktober 1943: Massaker der Wehrmacht in Ligkiádes

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Wie aus heiterem Himmel brannten deutsche Wehrmachtssoldaten 1943 ein griechisches Bergdorf nieder, töteten Frauen, Alte, Babys. Christoph Schminck-Gustavus reiste an den Ort, der noch heute vom Schrecken gezeichnet ist…

Er hat die letzten Überlebenden des Massakers gefunden, ihre Berichte aufgezeichnet und Archive gesichtet: Die Rekonstruktion eines erschütternden Verbrechens und seiner juristischen Verleugnung…Soldaten der Gebirgsdivision Edelweiß trieben die Einwohner von Lyngiádes in die Keller der Häuser, mähten sie mit Maschinengewehren nieder und zündeten das Dorf an. Fünf Menschen überlebten und krochen aus den brennenden Trümmern. Wegen der angeblichen Unterstützung von Partisanen fielen Hunderte Dörfer auf dem Balkan sogenannten »Sühnemaßnahmen« zum Opfer.

Weil deutsche Gerichte sich später die Rechtfertigung der Täter zu eigen machten und das Massaker von Lygiádes als »Kampf gegen Partisanen« einstuften, wurde das Kriegsverbrechen nicht verfolgt. Deutschland und Griechenland haben die Opfer für ihr Leiden nie entschädigt.

Christoph U. Schmick-Gustavus,geb. 1942, Professor für Rechts- und Sozialgeschichte an der Universität Bremen (1974-2007), zahlreicheVeröffentlichungen und Bücher zu Kriegsschicksalen im Zweiten Weltkrieg, die auch in Italien, Griechenland und Polen erschienen sind.

Aus dem Buch: Feuerrauch: Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943

Gespräch mit Herrn Tsiríkis

Ich frage: »Erinnern Sie sich noch, wie die Nachricht zu Ihnen kam: Lyngiádes ist abgebrannt.«

Herr Tsiríkis fährt sich mit der Hand über die Stirn und sagt leise: »Ja, aber ich war doch noch klein. Erst zwölf Jahre alt. Karyés liegt auf der anderen Seite des Berges. Man kann Lyngiádes von dort aus nicht sehen. Wir sahen nur, wie plötzlich hoch oben über dem Gipfel des Mitsikéli riesige schwarze Rauchsäulen aufstiegen: Feuerrauch. Das war mittags, gegen ein Uhr. Die schwarzen Wolken wurden immer dichter. Es sah aus, als überschwemmten sie den ganzen Himmel. Wir verstanden das nicht und dachten, unten am See brennt das Schilf. Da liegt ein großes Sumpfgebiet, mit Schilf bewachsen. Einige, die unten am See ihre Schafe hatten, rannten los, um die Tiere in Sicherheit zu bringen. Aber vom Berg aus sahen sie, dass gar nicht das Schilf brannte, sondern unser Dorf. Sie kehrten um und kamen zurück: ›Lyngiádes brennt! Alles in Flammen!‹, schrien sie.

Aber was drinnen im Dorf passierte, das wussten sie auch nicht. Niemand traute sich jetzt, in das brennende Dorf herunter zu gehen. Erst später kamen einige, die überlebt hatten, zu uns hoch auf den Berg und erzählten, was geschehen war. So erfuhren wir alles. Aber niemand wusste Genaues: ob vielleicht doch noch einer lebt oder ob alle tot sind.

Ich wartete mit meinen Geschwistern, dass endlich mein Vater kommt… oder meine Mutter… Alle warteten, dass doch noch jemand kommen möge. Aber es kam niemand.«
Herr Tsiríkis schweigt. Jánni schweigt. Die angelehnte Tür des Gemeindebüros knarrt im Wind. Dann endlich sagt Jánni: »Später am Abend, so habe ich gehört, im Schutz der Dunkelheit, gingen einige doch noch ins Dorf, um nachzuschauen. Bist Du da auch mitgegangen?«

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Herr Tsiríkis schüttelt heftig den Kopf: »Aber nein! Ich doch nicht! Ich war noch viel zu klein. Erwachsene sind gegangen, um zu schauen, was los ist. Mitten in der Nacht. Ich bin erst viel später wieder ins Dorf gekommen. Ich blieb mit den anderen Geschwistern in Karyés bei meiner Großmutter. Erst nach einiger Zeit kam mein Großvater und nahm uns mit, weil wir doch auch in Karyés nicht bleiben konnten. Bevor er uns bei den anderen Verwandten unterbrachte, blieben wir aber noch
eine Zeit lang im Wald. Wir hausten da mit anderen zusammen, die auch nichts mehr hatten. Im Wald versteckten wir uns. Wie wilde Tiere.«

Ich unterbreche: »Aber es war doch schon fast Winter! Oktober!«
»Ja. Herbst mit viel Regen. Aber was sollten wir machen? Wir schnitten Zweige von den Bäumen, bauten Hütten und krochen da unter. Aber wir hatten keine warme Kleidung. Nur eben das, was wir am Leib trugen.«…

Feuerrauch: Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943

Ιωάννινα, Μεταφορά των Εβραίων.

Anm.: Am 25. April 1944 umstellten deutsche Truppen das am Ioannina-See gelegenen jüdische Viertel der Bezirkshauptstadt Ioannina (s. Karte) und übermittelten den jüdischen Gemeindevertretern, dass binnen drei Stunden jede jüdische Familie an vorbestimmten Sammlungsplätzen sich einzufinden habe. 1700 Angehörige der jüdischen Bevölkerungsgruppe wurden mit Lastwagen der Wehrmacht nach Larisa in ein dortiges Konzentrationslager verbracht und anschließend per Zug aus Athen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 alle Bilder…

95 Prozent der jüdischen Bevölkerungsgruppe wurden mittels dieser Aktion am 25. April 1944 ausgelöscht. Die an diesem Tag von der Propagandakompanie der Wehrmacht erstellte Fotokumentation befindet sich heute (2012) im Bundesarchiv in Koblenz.

Griechenland, Ioannina. Deportation der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Frauen und Kinder am Straßenrand.
Ελληνικά: Ιωάννινα, Μεταφορά των Εβραίων. Μεταφορά των μελών της εβραϊκής κοινότητας. Γυναίκες και παιδιά που περιμένουν. Γερμανοί στρατιώτες. Στο βάθος φορτηγά.

11 Kommentare

  1. Auf Wikipedia wird soeben um den Antisemitismuseintrag des Vaters der Gebirgstruppe, Konrad Krafft von Dellmensingen, gerungen. Eine wahrhaft klassische bayerische Offizierskarriere.
    Hier der zur Diskussion gestellte Wortlaut:

    Zitat: Konrad Krafft von Dellmensingen hat sich nahezu zeitlebens in seinen Aufzeichnungen über Juden und andere Gruppen bzw. Völker geäußert. 1897 war für ihn die Stadt Fürth ein „schreckliche(s) Nest“ und „überreich von Juden bevölkert“ (Thomas Müller, S. 172); als er 1903 nach Belgrad reiste, berichtete er: „Rassefiguren und -köpfe in viel größerer Zahl als bei uns“ (Müller, S. 211) bzw. sind für ihn serbische Bauern „schlampige Kerle“ mit teilweise „jüdischem Rasseeinschlag“ (Müller, S. 218f). Biograf Müller über Kraffts Privatleben (S.437): „Ob jemand Lutheraner oder Katholik war, das spielte für das Bild und das Ansehen, das Krafft von einem Menschen gewann, keine Rolle, nur Jude durfte er nicht sein!“. Kraffts Vorstellungen von einer idealen Gesellschaft schlossen “ ‚Volljuden‘, auch ‚getaufte‘, kategorisch aus. – Juden, …, hatten in einem Staat, wie er Krafft vorschwebte, …, nichts verloren, weswegen jüdischer Einfluss aus der Politik ver-, und in Kultur und Wirtschaft zurückgedrängt werden müsse; das heißt aber nicht, daß er einer Judenverfolgung im nationalsozialistischen Sinn das Wort geredet hätte,…“ (S. 506). Außerdem: „Vergleicht man Kraffts Bemerkungen über Juden in vor 1914/1918 niedergeschriebenen persönlichen Aufzeichnungen mit solchen, die danach (und bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg) erfolgten, findet sich auch in seinem Falle Hermann Rumschöttels Aussage bestätigt. ‚Solch blühende Judenfeindschaft im Nachkriegs-Bayern hatte sich nur aus kräftigen Knospen der Vorkriegsjahre entwickeln können. Einer der Träger des Antisemitismus war das bayerische Offizierskorps.‘ – und Krafft einer seiner profiliertesten Vertreter!“ (S. 506f). Für die Zeit zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hält Müller fest (S. 554): „Als wahren Feind aber definierte er (Krafft) in kommentarloser Ãœbernahme des NS-Propagandavokabulars das sogenannte ‚Weltjudentum‘, das jetzt (…) also seinen großen Krieg gegen seine geschworenen Feinde‘ hatte. Für ihn gab es einfach keinen Zweifel daran, ‚daß das der Krieg der Juden gegen Deutschland ist, denn alle englischen Kriegstreiber sind Juden oder Judenstämmlinge,‘ “ Krafft war ferner der Ãœberzeugung, „dass es nicht ‚zu vermeiden‘ gewesen sei, den erneuten ’schweren Kampf‘, dessen ‚Ende (…) auch nicht abzusehen (ist), bevor nicht die Frage aller Fragen gelöst‘ war, als ‚Vernichtungskrieg gegen das Welt-Judentum zu führen.‘ “ (S. 556). 1944 reflektierte Krafft über Juden und Briten: „Englands jüdische Seele: Thomas Carlyle hat einmal ausgesprochen: ‚Der Engländer hat ein germanisches Aussehen, aber eine jüdische Seele.‘ … John Milton sagte schon vor 300 Jahren: ‚Die Engländer sind, wie einst die Juden, das auserwählte Volk Gottes; was sie auch immer tun, es kann keine Sünde sein (!!), es mag noch so sehr gegen die Gebote der Völkermorde verstoßen.'(!!).“ (S. 557). Auch noch nach Kriegsende, bestand für Krafft keine Ursache seine Sichtweise zu ändern, Müller zitiert (S. 567) den inzwischen betagten bayerischen Offizier, der soeben gerade befreite Häftlinge aus dem Dachauer KZ erlebt hatte: „Am Morgen wurden die KZ-Sträflinge in hellen Haufen auf das Dorf losgelassen. Sie quartierten sich zum Teil auch in den Dachräumen ein, und wir hatten dort Menschen aller Länder (… vornehmlich Juden) … Die Amerikaner warfen den KZ’lern alles zu, Kleider, Schuhe, Wäsche; auf diese Weise verlor ich den größten Teil meiner Habe… Das war also der gemeinste Raub, den man sich denken konnte, der unter der Firma ‚Ausstattung der geschädigten KZ’ler‘ gedeckt wurde… Man muß sich fragen: Wer hat sich hier schweinisch benommen?“ Müller, resümiert abschließend, (S.574): „Was die ‚Judenfrage‘ überhaupt betrifft, vertrat er bis zu seinem Lebensende Ansichten, die auch jeder NS-Parteifunktionär ohne weiteres hätte äußern können. Den Holocaust begriff er in seiner ganzen Dimension niemals, bestenfalls verdrängte er ihn als etwas, was Deutsche nicht getan haben konnten aber eben dennoch getan hatten…“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Konrad_Krafft_von_Dellmensingen#Antisemitismus_und_Rassenhass_Krafft_von_Dellmensingens_bleiben_unerw.C3.A4hnt

  2. Besser spät als niemals.

    Nach nahezu einem halben Jahrhundert kameradschaftlichen Schulterschlusses von Wehrmachtsveteranen und Bundeswehrsoldaten fiel auf, dass es der BW in Mittenwald anscheinend nicht bewusst war, dass eine Anzahl derer, die dort zu Pfingsten sich trafen und mit denen zusammen man per militärischer Rituale, Reden hochrangiger BWler und örtlicher Honoratioren die stolze (???) Tradition der Gebirgsjäger pflegte – aus (nicht verurteilten) Kriegsverbrechern bestand.

    Es fiel auf. Mit Folgen. Das kann man auch so sagen:

    „2002 – 2009 demonstrierten vorwiegend linke Gruppierungen mit Unterstützung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten gegen eine Gedenkfeier, die der Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. mit Unterstützung der Bundeswehr seit den 1950er Jahren an Pfingsten am Ehrenmal auf dem Hohen Brendten ausrichtet.“ (Wikipedia)

    Ja ja. Was sagen die Saupreißn zu so Geschreibsel? Nachtigall, ick hör dir trappsen…

    Also 2002 ging es an:

    Zitat (FR):

    „Es ist die größte soldatische Feier in Deutschland. Jedes Jahr zu Pfingsten gedenken tausende Wehrmachts-Veteranen und Bundeswehr-Soldaten im bayerischen Mittenwald gemeinsam der gefallenen Gebirgsjäger beider Weltkriege. Berührungsängste, so schien es am Sonntag, gibt es dabei nicht: Kurz nach einer Abordnung der Bundeswehr, die den Kranz des Verteidigungsministeriums niederlegte, traten die Vertreter einer österreichischen Krieger-Kameradschaft vor das Ehrenmal. Auf der Brust trugen sie Orden mit dem Hakenkreuz. Von den Anwesenden nahm daran niemand Anstoß.“ In: http://www.imi-online.de/2002/10/04/vvn-bda-deckt-stoibe/ Seltsamer Titel? Ach was. Zur Klärung bitte aufrufen.

    Acht Jahre lang ließen die „vorwiegend linke Gruppierungen“ nicht locker. Der VS Bayern schrieb dazu unter anderem in seinem Bericht zu 2006:

    „Bei den Protestveranstaltungen wurden Transparente mit Aufschriften wie „Kein Ja und Amen zu Kriegsverbrechen“, „Mitten-
    wald: Die Welt zu Gast bei Kriegsverbrechern“, „Kein Kriegseinsatz der Bundeswehr“ sowie Fahnen der linksextremistischen DKP, der VVN-BdA und der Antifaschisten gezeigt. Am 28. Mai versuchten Demonstrationsteilnehmer, den Gedenkplatz auf dem „Hohen Brendten“ zu erreichen, um den dort stattfindenden Gedenkgottesdienst des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.“ zu stören. Die Polizei erteilte 147 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum Platzverweise und nahm drei Personen fest.“

    Aber 2007 waren die linken Chaoten schon wieder da, und so ging es Jahr für Jahr fort, bis die Gemeinde Mittenwald sich vor drei
    Jahren veranlasst sah, an +/-prominenter Stelle im Ort ein von „Personen aus dem linksextremistischen Spektrum“ gestiftetes Mahnmal zu akzeptieren.

    Näheres: http://www.keine-ruhe.org/

    Umfangreich und lesenswert.

    Natürlich war haGalil von Anfang an dabei und berichtete immer wieder, s. http://test.hagalil.com/suche/resultat.htm?cx=017235998219110101338%3Ahumphkrxaeg&cof=FORID%3A11&q=mittenwald

    Bei Aufruf der URL nicht irritieren lassen von den bezahlten Google-Annoncen am Anfang.

  3. Baldur Springmann aus Springe, Gründer der Grünen Bewegung und seiner erst kürzlich aufgedeckten Naziaffinität schrieb einen Leserbrief an DIE ZEIT anläßlich dieses Themenheftes 1995: Er war erbost!
    Hier:
    „Einen großen Teil der in der ZEIT aufgestellten Behauptungen empfinde ich als schlimme Beleidigung und Verleumdung noch Lebender und insbesondere vieler Toter, die sich ja dagegen nicht mehr wehren können. Was ist das denn überhaupt für eine Art von Geschichts- „Wissenschaft“ oder „Journalismus“, die sich mit derart offenkundigem Eifer ausschließlich um Dokumente, Zeugenaussagen, Filme, Photos bemüht, welche durch ihre deutlich vorgefaßte Meinung von „der Wehrmacht als größter Mord- und Terrororganisation“ der deutschen Geschichte belegen?

  4. Vielleicht gibt es hier auch Leser, die sich an diese, von der ZEIT begleitende Dokumentation aus März 1995 erinnern u. dieses Themenheft noch besitzen?

    ZEIT-PUNKTE: Gehorsam bis zum Mord? Der verschwiegene Krieg der deutschen Wehrmacht. Fakten, Analysen, Debatte. Die Zeit, Themenheft 03/1995

    In über 98 Seiten wird „die Blutspur durch Europa“ (Rußland, Polen, Italien usw.) der Wehrmacht mit einer eindringlichen Fotostrecke von Erschießungen, Hinrichtungen, Hängen, Verhungern lassen oder das Anzündungen von Häusern und das Auslöschen von Dörfern durch
    einzelne Wehrmachtsangehörige

    belegt. Ligkiades war längst nicht das einzige Dorf in Griechenland, in Kalavrita, Kreta, Lidice, Oradour herrschte die Diktatur der Herrenmenschen, und unter diesem Titel schrieb der Historiker und Angehörige der Reemtsmaastiftung Rolf-Dieter Müller
    einen mehrseitigen Bericht, Untertitel: Schon während des Feldzugs gegen die Sowjetunion liefen in Deutschland die Planungen für den neuen „Lebensraum“ auf Hochtouren. Nach dem Krieg sollten die Länder im Osten germanisiert und die Menschen dort dezimiert werden. Auch mancher Landser träumte von einem großen Gut in Rußland oder der Ukraine, so Müller.

  5. Das 1984 gegründete Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) ist eine unabhängige sozialwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Forschungsstätte. Es wird von einer Stiftung getragen, deren Geschäftsführender Vorstand und Stifter Jan Philipp Reemtsma ist, der die Wehrmachtsausstellung initiierte und finanzierte.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtsausstellung

    Hier steht auch wirklich alles Wissenswerte drin; auch über die Ablösung von Hannes Heer durch Reemtsma und die Hintergründe (angeblich -wenige Fotografien-, die den falschen Orten und Personen zugerechnet worden seien)

    Den Wikiartikel Wehrmachtsausstellung empfehle ich, weil darin detailliert die Abweisungs- und Entschuldigungsgründe über die Wehrmacht von ganz bestimmten Politikern, führende, ehemalige Angehörigen der BUNDESWEHR und rechtsgerichteten Organisationen oder Verbänden dargestellt wird. Daraus kann mit Fug und Recht abgeleitet werden, welche Kreise 50 Jahre verhinderten, die Wehrmacht (denen sie entstammten und „dienten“) als die „persönlichen Täter mit der Waffe“, und um eine Unterscheidung geht es schließlich, zu benennen.

  6. Greece Says Germany Owes It €162 Billion In War Reparations
    http://www.youtube.com/watch?v=s-e5pgq4rVQ
    Paying for Hitler’s crimes: Greeks demand Germany pay reparations for WWII occupation
    http://www.youtube.com/watch?v=zqr9VkaJlHM
    DISTOMO MASSACRE 1944: Crime without punishment
    http://www.youtube.com/watch?v=sEwBspQTphw
    Deutschland muss nicht für Nazi-Verbrechen zahlen
    http://www.youtube.com/watch?v=VO5geJF6IX0
    Italian and German troops at the Greek front 1941
    http://www.youtube.com/watch?v=cJMjlB3CuhQ
    Holocaust Survivor Testimonies: Deportation from Greece
    http://www.youtube.com/watch?v=rNOCwFIgwh8
    The Catastrophe of Salonikan Jewry and the Looting of their Property
    http://www.youtube.com/watch?v=cclBxZH1HZ4
    Greek Jews in the Holocaust: Families of Holocaust Survivors Share Their Little Known Story
    http://www.youtube.com/watch?v=zaH7bnbQowQ
    Israel honors Greeks who risked their lives to save Jews during the Holocaust
    http://www.youtube.com/watch?v=rul8CQ0Qw5M

  7. Lieber Sebastian,
    nur ein winziger Hinweis. Er gilt nicht Dir; ein winziger Hinweis sei jedoch gestattet: Deine Erinnerung an die Wehrmachtsausstellung(en) ist wichtig und hilfreich. Du erwähnst den bekannten Jan Philipp Reemtsma in seiner Doppelfunktion aus Finanzier und Wissenschaftler).
    Erinnert sei daran, dass diese Ausstellung anfangs nicht primär von Reemtsma, sondern von Hannes Heer und einigen Kollegen erstellt wurde. Danach gab es massiven politischen Druck, Boykottkampagnen konservativer bis hin zu geschichtsrevisionistischen Kreisen; er gab auch Eitelkeiten etc. Herr Reemtsma übernahm die „Sache“, es kam zu Änderungen, Distanzierungen von Detailaspekten etc.
    Dies ist Historie, mir ist sie durch den zeitlichen Abstand auch nicht mehr so gegenwärtig.
    Dennoch erscheint es mir als wichtig und angemessen, die Person Reemtsma nicht so sehr in den Vordergrund zu stellen…

    Ein kleines Dokument sei erwähnt, von Hannes Heer erstellt:
    http://archiv.weiterdenken.de/download/Verschwinden.PDF

  8. Als nach 1945 die unglaublichen Verbrechen der Nationalsozialisten nicht mehr zu leugnen waren, trat zunächst die Rolle der SS in den Vordergrund der Diskussion. Die Legende von der „sauberen“ Kriegsführung der Wehrmacht wurde gleichzeitig geboren. Als dann die Verbrechen der sog. „Einsatztruppen“, die eben nicht aus der SS rekrutiert wurden, sondern aus „ganz normalen“ Deutschen, die zuhause geblieben sind, weil sie, aus welchen Gründen auch immer, weder zur Wehrmacht noch zur SS eingezogen wurden, war das zunächst eine Sache, über die hauptsächlich Historikern unter sich diskutiert haben. Daniel Johan Goldhagen hat die Hintergründe der Rolle der Einsatztruppen, sowohl im Hinblick der Rekrutierung und der Herkunft der Täter, als auch im Hinblick der Verbrechen dieser Leute,in seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ in einer großartigen Fleißarbeit in den Mittelpunkt auch der öffentlichen der Diskussion getragen.

    Jan Philipp Reemtsma hat in seiner „Wehrmachtsausstellung“ die Verbrechen der Wehrmacht in der SU und auf dem Balkan in einer für uns alle nicht mehr zu leugnenden Weise offen gelegt. Man konnte nun nicht mehr verschleiern, dass es ganz normale Deutsche waren, die dem Rassenwahn verfallen, für den Massenmord verantwortlich waren.

    Schon lange vorher war die deutsche Antwort darauf, was Goldhagen und Reemtsma sehr gut in die öffentliche Diskussion brachten, ein pauschalisierendes „Kriech ist niemals ne Lösung“ oder „Soldaten sind Mörder“ etc. Die Soldaten der Alliierten, die durch ihre Kriegsführung erst dem Morden der Nazis ein Ende bereiteten, wurden in einem Topf mit den Nazisoldaten geworfen. Soldaten, die nach 1945 für das Überleben religiöser oder anderer Minderheiten kämpften, Despoten niedergerungen haben, für die Errungenschaften der Aufklärung ihr Leben ließen, werden in einen Topf mit den Nazisoldaten geworfen. So versucht man bei uns immer wieder, indem man moralische Kategorien pauschalisiert, oft von der sog. „Spirale der Gewalt“ salbadert, ohne Täter und Opfer klar zu benennen, eine ehrliche Analyse der Ursachen von Kriegen und Massenmorden zu umgehen, weil man sich dann wieder zwangsläufig und ernsthaft mit der eigenen Geschichte befassen müsste.

  9. Auch der Sohn des antisemitischen „Vaters der Gebirgstruppe“, der Diplomat Leopold Krafft von Dellmensingen, spielte eine sinistre Rolle bei Judendeportationen:

    Wikizitat: Von 1941 bis 1943 leitete er unter Botschafter Otto Abetz die Protokollabteilung der Botschaft in Paris. In diese Zeit fiel die Deportation der Juden aus Frankreich in das Konzentrationslager Auschwitz, an der das Vichy-Regime und die deutsche Botschaft mitwirkten. Seit Mai 1943 leistete Krafft von Dellmensingen Militärdienst, wobei seine Verwendung nicht bekannt ist, er wurde in dieser Zeit noch zum Legationsrat befördert. http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Krafft_von_Dellmensingen

    Zu den Kriegsverbrechen der Gebirgstruppe:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gebirgstruppe_%28Deutschland%29#Kriegsverbrechen

    Zum recht unsensiblen Umgang mit dem NS-Erbe der Gebirgstruppe bis in die Gegenwart: http://de.wikipedia.org/wiki/Gebirgstruppe_%28Deutschland%29#Die_Traditionspflege_der_Gebirgstruppe

    Zu den Massenvergewaltigungen durch deutsche Soldaten: http://en.wikipedia.org/wiki/War_crimes_of_the_Wehrmacht#Mass_rapes

    Zum Abschlachten von Griechen durch Deutsche: http://en.wikipedia.org/wiki/Axis_occupation_of_Greece_during_World_War_II#German_atrocities

    Zum Holocaust in Griechenland:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Axis_occupation_of_Greece_during_World_War_II#The_Holocaust_in_Greece

  10. Noch heute rühmt sich der bayerische EU-Politiker Edmund Stoiber seiner Mitgliedschaft bei der Traditionstruppe seines Bundeslandes, der der Gebirgsjäger. Jener Truppe deren Gründer bereits ein übler Antisemit war (http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Krafft_von_Dellmensingen – Wikipedia verschweigt geflissentlich den Antisemitismus Kraffts, jedoch findet man in Thomas Müller, Konrad Krafft von Dellmensingen (1862–1953). Porträt eines bayerischen Offiziers. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz / Oberpfalz 2002 sehr zahlreiche Belege für die judenfeindliche Haltung des Bayern.) Jener Truppe die zu zwei Dritteln aus Süddeutschen und zu etwa einem Sechstel aus Österreichern zusammengesetzt war und deren Untaten gleich nach denen der SS kamen, was Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Mordens anbelangt. In Griechenland massenvergewaltigten Gebirgsjäger Frauen, töteten diese anschließend und rannten den Leichen Bierflaschen in die Genitalien. Die Kinder der Griechinnen wurden lebendig an Scheunentore genagelt.

    Ãœbrigens hatten die mehrheitlich alpenvorländischen Herren Gebirgsjäger auch ihre Hände im Spiel, als es um die Verhaftung und Deportation der Juden von Saloniki ging, wir erinnern uns, nur eine verschwindende Minderheit der Saloniki-Juden überlebte jene gnadenlose Aktion. Ãœber das Unwesen der Gebirgsjäger hat 2008 Hermann Frank Meyer sein vielbeachtetes (und dennoch noch weithin unbekanntes) Buch „Blutiges Edelweiß – Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg“ (Ch. Links Verlag, Berlin) verfasst. Es widmet an vielen Stellen auch Raum den Morden an Juden, überall da, wo diese Unheils-Division im Einsatz war, in Südosteuropa, auf dem Balkan, in der Ukraine, in Südrussland und auf dem Kaukasus. Selbst die einst verbündeten Italiener zählten vielfach zu den Opfern der Barbaren mit dem Bergsteigerabzeichen: Tausende von ihnen wurden als Gefangene von Gebirgsjägern erschossen, wider jedwedes Kriegsrecht und wider jedwede Konventionen.

    Sowohl Griechen als auch Italiener hätten heute gute Gründe auf eine genaue Untersuchung der Massaker der Gebirgsjäger zu drängen und von Deutschland ‚Wiedergutmachung‘ oder zumindest eine Entschuldigung zu verlangen, indes sie verzichten darauf, zu mächtig ist der Koloss in Europas Mitte und zu abhängig sind ihre maroden Volkswirtschaften von Deutschlands Gnade im Verband der EU.

    Gut, dass wenigstens auf haGalil nicht vergessen wird.

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