Botschafter Hadas-Handelsman zum Antisemitismus in Deutschland

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Botschafter Yakov Hadas-Handelsman hat heute im Armeeradiosender Galei Zahal über den Angriff auf Rabbiner Daniel Alter in Berlin in der vergangenen Woche und Antisemitismus in Deutschland gesprochen…

„Der Vorfall ist besorgniserregend für uns Israelis, für die Juden in Deutschland und die deutsche Öffentlichkeit. Es ist mir aber wichtig, auf die Welle der Solidarität mit Rabbiner Alter und der jüdischen Gemeinde aufmerksam zu machen, wie eine Solidaritätsdemonstration, an der vor allem Nichtjuden teilgenommen haben.“

Hadas Handelsman sagte außerdem, der Antisemitismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen beschränke. Die Zunahme des Antisemitismus gäbe Anlass zur Sorge. Die deutsche Regierung sei sich dessen bewusst und wachsam.

Der Antisemitismus ist kein ausschließlich deutsches Phänomen und alle israelischen Diplomaten müssten sich ihm entgegenstellen. Die israelische Botschaft steht regelmäßig im Dialog mit deutschen Schülern jedweder Herkunft und auch der muslimischen Gemeinschaft und fördere das Wissen über Israel. Außerdem finde ein regelmäßiger Austausch mit der deutschen Regierung zum Thema Antisemitismus statt.

Newsletter der Botschaft des Staates Israel, 04.09.12

5 Kommentare

  1. „Vielleicht muss man sich als Jude tatsaechlich bald wieder verstecken“.
    _______________________________________________________

    ? Eher ein Fall von Befangenheit, auch die „Andere“
    Seite hat Probleme.

  2. @ Stefanie Gross.
    Herzlichen Dank für diese symptomatische Beobachtung. Ich glaube dies inzwischen auch: Nach Historikerstreit, Walser etc. ist das Jahr 2012 die größte Zasür: „Davor“ – und „danach“. Es kann einem Angst und Bange werden!

  3. Ich bin gestern mit der Deutschen Bahn gereist, wobei mir etwas Erschreckendes auffiel.Alle Mitreisenden, Bedienung im Bordrestaurant inbegriffen war freundlich bis zu dem Moment, als ich die „Juedische Allgemeine“ hervorzog. Die Freundlichkeit verwandelte sich in Misstrauen und Ablehnung, ein deutliches Zeichen. Ich bin absolut gegen ewige Vorhaltungen bezueglich der Schoah, sowie die bedingungslose pro-israelische Politik meiner Kindheit in Deutschland, in der jede Kritik am Staate Israel als judenfeindlich beschimpft wurde, aber diese Ablehnung machte mir ploetzlich Angst. Vielleicht muss man sich als Jude tatsaechlich bald wieder verstecken.

  4. Antisemitische Pöbeleien gegen jüdische Schülerinnen:

    Es geht also fast nahtlos weiter. Erst der Rabbiner, dann jüdische Schülerinnen. Wacht die Politik erst auf, wenn es (wieder) Tote aus rassistischen Gründen gibt? Warum distanziert man sich so eilfertig gegenüber (bisher nicht einmal identifizierten) „arabisch aussehenden“ Jugendlichen und schweigt beharrlich über verbreitete antisemitische Ausfälle in Deutschland? Weil zum Beispiel ein Träger des Bundesverdienstkreuzes derartige Hetz-Parolen verbreitet? Oder weil dieser Träger ein führendes CDU-Mitglied (Rheinland-Pfalz) ist? Oder weil man sich schämt, dass ein führender Funktionär der SED-DDR-Opfer bisher ungeschoren derartige antisemitische Ausfälle verbreitet? Mindestens die Scham sollte man aussprechen, auch das wäre eine Distanz. Aber es ist wohl leichter, über „Andere“ herzuziehen, weil „wir“ ja weit entfernt sind von Vorwürfen des Antisemitismus. Sind wir?

    Carl-Wolfgang Holzapfel
    Vorsitzender
    Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

  5. Ein sehr gelungenes und ausgewogenes Statement des Botschafters. Kompliment!

    Rechtsradikale Tendenzen gibt es nicht nur in der BRD – auch in Israel sind sie leider zu finden. So wurde kürzlich ein Kloster in Israel geschändet, die Behörden vermuten rechtsradikale Siedler dahinter, die gegen die Räumung von
    Siedlungen protestieren.

    Der Rechtsextremismus ist auf der ganzen Welt eine Gefahr und man darf davor nicht die Augen verschließen.

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