“Pleite-Griechen“: Spiel mit Feuer macht Empathie unmöglich

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Griechen sind heute stets „Pleitegriechen“ oder „Feiergriechen“ und ihr Land ist dem Verfall geweiht. Bis 2010 war Griechenland ein beliebtes Urlaubsziel, seine Auswanderer galten als gut integriert und man ging gern zum Griechen ums Eck. Wie „Focus“ und „Bild“ die Demontage betrieben und welche Folgen dies für Griechenland hatte, haben nun deutsche und griechische Sprachforscher gemeinsam erkundet…
Sprachwissenschaftler: Ton der Debatte kommt Deutschland teuer
Negativ-Sprachbilder „in Köpfe gestanzt“

Athen/Hannover (pte)  Die Wissenschaftler prüften, welche Metaphern die Medien über das jeweils andere Land verwendeten.

Rausch auf Pump

„In den Köpfen der Menschen führen die Griechen ein unbeschwertes, rauschhaftes Leben auf Pump der Eurozone, deren Untergang sie in Kauf nehmen. Um eine Gruppe von Menschen derart zu stigmatisieren, wurden Phrasen gezielt in die Köpfe gestanzt“, sagt Hans Bickes, Leiter der im Buch „Dynamik der Konstruktion von Differenz und Feindseligkeit“ publizierten Forschung, im pressetext-Interview. Man habe das Spiel mit dem Feuer zu weit getrieben, so das Urteil des Hannoveraner Germanisten – und die späte Einsicht, dass die Finanzturbulenzen der vergangenen fünf Jahre womöglich andere Ursachen haben, komme vielleicht zu spät.

„Die“ Griechen waren für die Medien selbst keine leidenden Patienten, wenn sie selbst Opfer waren, was beim Picasso-Diebstahl in Athen gut sichtbar wurde. „Nicht von einem internationalen Kunstraub war die Rede, sondern man sagte: Die Pleite-Griechen können Picasso nicht schützen“, verdeutlicht Bickes. In anderen Kontexten der Finanzkrise wurden sie zu Patienten gemacht, von deren hochgradig ansteckender Infektionskrankheit man Rest-Europa durch „heilende Härte“ oder „Finanzspritzen“ schützen müsse. Undenkbar waren milde Formulierungen wie derzeit beim ungleich wirtschaftsstärkeren Spanien, das „unter den Rettungsschirm schlüpfte“.

Eskalation auf beiden Seiten

Die Öffentlichkeit orientierte sich an griffigen Formeln, wie sie der Focus in die Welt setzte: „Das Rudel der ‚Piigs‘ rumpelt durch die Eurozone und hinterlässt überall Verwüstung. Um gute Europäer zu werden, so wie es sich die EU vorstellt, müssten sich die Griechen grundsätzlich ändern. Sie haben ihr Leben eingerichtet zwischen Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und ‚Fakelaki'“, zitiert Bickes das Wochenmagazin (siehe http://bit.ly/NzZQtM ). Und die Bild schrieb: „Korruption, Subventions-Betrug und Defizit-Trickserei – die Griechen haben sich die Taschen voll gemacht. Und das vor den Augen der EU. Besonders dreist: Die Griechen waschen ihre Hände in Unschuld.“

Höhepunkt gleich zu Beginn der Feindseligkeiten war ein Focus-Artikel, der einen „2.000-jährigen Niedergang der griechischen Kultur“ erkannte und dabei laut Bickes „völkisches Vokabular nicht scheute“. Das Echo in Hellas Medien war enorm. „Teils kam die grobschlächtige Retourkutsche, die Deutschland den Geist Hitlers und eine Tendenz zum Diskriminieren, Abspalten und zur Propaganda zuschrieb.“ Deutschland war unbeliebt wie nie, seine Zeitungen nahmen die Verstörungen und Verletzungen der Griechen jedoch kaum wahr. Differenziertere Berichte waren in Deutschland meist in kleineren, eher linksorientierten Zeitungen zu finden.

Zum Außenseiter verdammt

Der Medienstreit war indes längst ein Politikum geworden. Nach Boykottaufrufen deutscher Produkte musste der deutsche Botschafter einschreiten und entschuldigte sich offiziell. Die Regierung bemühte sich um schnelles Rückrudern, als Griechenland einen Euro-Austritt ernsthaft zu überlegen schien: Wolfgang Schäuble rief nach Mäßigung statt Überforderung, Angela Merkel forderte Platz für Solidarität neben dem harten Sparen. Nach ihrer jüngsten Kehrwende sowie aktuellen Absagen des IWF und weiterer Kreditgeber ist Griechenland allerdings der Staatspleite näher denn je zuvor.

Rational gesehen, könne ein Land mit elf Mio. Einwohnern und der Wirtschaftsleistung Hessens Europa kaum erschüttern. Griechenland wird jedoch in jedem Fall Europas Außenseiter bleiben, so die Prognose des Germanisten, zumal die mediale Ausgrenzung desensibilisiert und Empathie und Solidarität verunmöglicht hat. „Deutschland ist in die Falle getappt. Es will den Euro und pochte stets auf Ausweitung des EU-Marktes, verabsäumte aber, eine politische und kulturelle Union ebenso energisch zu unterstützen“, so Bickes. Wichtig wäre die längst fällige Aufklärung, warum Griechenland 2010 zum ersten Opfer der Rezession wurde.

11 Kommentare

  1. Bei der Griechenlandpleite geht es nur um eines- sich griechisches Staatseigentum billig unter den Nagel zu reissen, zu privatisieren um damit massig Profite zu machen.In der Regel ist ja gegen Profite nichts einzuwenden, wenn ein Unternehmer seinen Gewinn zurück in seinen Betrieb investiert und so neue, inovative Produkte und Arbeitsplätz schafft. Aber heuer werden an den Börsen riesige Gewinne erzielt, die alle diesem Shareholder- Wahnsinn zum Opfer fallen. Nur ein Bruchteil dessen wird in die Realwirtschaft re- investiert. Die Menschen müssen dafür büssen, mit Massenentlassungen, Lohndumping und Kürzumgen bei Bildung und Gesundheit. Lenin hat gesagt: „Eine revolutionäre Situation entsteht dann, wenn die da oben nicht mehr können und die da unten nicht mehr wollen.“ In Griechenland ist es fast soweit!

  2. „Sprachwissenschaftler: Ton der Debatte kommt Deutschland teuer
    Negativ-Sprachbilder “in Köpfe gestanzt”“

    Mag sein, ich habe aber irgendwie das Gefühl, daß Griechenland Deutschland noch teurer kommt.

  3. @ente

    Dachte ich mir doch, dass die Griechen froh sind, wenn keine Deutsche mehr kommen. Können sie haben.

  4. Wer kennt Griechenland? Nicht das erträumte, sondern reale?
    Ein schönes Land. Aber 1000nde Inseln, Berge, schwierige Infrastruktur, schlechte Böden, Trockenheit im Sommer gepaart mit Wind und Sturm, Randlage. Alles keine leichten geografischen Bedingungen zum Schritt ins Industriezeitalter.
    Die Menschen: Herzlich, aber auch leicht launisch und mit heißem Blut. Beileibe nicht faul, da wird in den Hotels, Autovermietungen usw. echt lange und über Monate hinweg ohne Pause gearbeitet. Aber: Bildung hat eher niedrigen Stellenwert, es gibt in der Mentalität diese „Ich tu Dir einen Gefallen Kultur“ und bringe Deinen Sohn unter. Ergebnis: überbordende Verwaltungen voller Untergebrachter, die eben nichts auf Reihe kriegen. Der öffentliche Sektor in Griechenland ist eine Strafe für alle. Folge: Staat hat das Image „Da geht eh nichts“. Folge „Warum dafür zahlen? Die machen nichts, kriegen nichts hin, also „Wir machen Bar-Auf-Tatze-Geschäft“.
    Mentalitätswechsel muss hier stattfinden, ist bei den Leuten im Gange-es werden Registrierkassen benutzt. Aber noch nicht in den Ämtern, die immer noch eher jammern und klagen und begründen, warum nichts geht. (Milliarden liegen bei der EU für Infrastrukturmassnahmen bereit, Griechenland muss nur Projekte entwickeln, sagen, was es will, und Geld käme. Aber dazu müßte das Amtspersonal auch mal tätig werden.)
    Grundproblem: Ein Land mit schwacher Binnen wirtschaft bräuchte eine weiche Währung, die Importe verteuert und Exporte und den Tourismussektor billig macht. so kam die Türkei auch auf die Beine. Aber im Euro ist das nicht machbar, und wenn dann die griechische Tomatenlieferung auf dem Hamburger Großmarkt deutlich mehr kostet als die spanische, dann verliert Hellas. Wenn ein griechischer reeder ein Schiff bestellt in Rostock, weil es hier billiger ist als in Hellas, dann ist das nicht gut. Also: geordneter Übergang zur Drachme würde dem Land Boden unter Füßen geben, dieses Kaputtsparen, um im Euro zu bleiben, ist nur bitter für die einfachen Leute.

  5. Immerhin sind die Griechen von Deutschland abhängig, nicht umgekehrt.
    Daran sollten sie mal denken wenn sie wieder Frau Merkel als Hitler darstellen.
    Ich hab auch keine Sympathie mehr für Griechenland übrig, sorry.

    Und..“verunmöglicht“??? Nettes Wort! 🙂

  6. Weitaus übler als die Polemik der Deutschen den Griechen gegenüber, fand ich allerdings die Polemik der Griechen den Deutschen gegenüber. Da ist sehr viel Porzellan zerschlagen worden und es hatte ja auch sofort Auswirkungen. Die Touristenzahlen sind deutlich zurückgegangen.


    • „… Als Vergeltungsmaßnahmen kommen in Frage: 1.) Erschiessungen 2.) Kontributionen 3.) Niederbrennen von Ortschaften 4.) Ausrottung der männlichen Bevölkerung ganzer Gebiete. …. Es kommt nun darauf an, alle Massnahmen mit größter Beschleunigung durchzuführen, unter Beiseitelassung aller Formalien und unter bewusster Ausschaltung von besonderen Gerichten. Bei der ganzen Sachlage ist dies Sache der Truppe und nicht von ordentlichen Gerichten. Sie kommen für Bestien und Mörder nicht in Frage. …“[2]
      Am 2.Juni 1941 wurden im Dorf Kondomari 25 willkürlich ergriffene männlicher Bewohner erschossen. Eine Gerichtsverhandlung fand nicht statt. Der Ort wurde zerstört.“

      Wiki Kondomari

      Die gerne alt werdenden Kreter sind hier ab und zu schon ein bißchen polemisch, wenn es eng wird.

      Und eventuell nachtragend, das ist mir ein Völkchen. Ist doch schon so lange her!

  7. GutMenschenDenken? …eine europäische FriedensEinheit beginnend alleinig auf eine gemeinsame Währung gestützt ohne tragfähiges politisches Fundament ….OHNE die Menschen …adäquat europäisches GutMenschenDenken sog. 2-StaatenLösung …ebenso ohne jeglich realisierbares Fundament …OHNE die Menschen …alles wird guuut ,-)

  8. Die Griechenschelte, oder Hetze gegen Griechen, hat in Deutschland eine lange und ehrwürdige (dynastische) Tradition.

    Am Anfang war es die große Enttäuschung in intellektuellen deutschen Kreisen, dass Griechen vermeintlich (oder wirklich?) so wenig mit ihren klassischen Vorvätern gemein hatten, später die politische Orientierung der Griechen eher mit Frankreich und Großbritannien zu gehen (als mit Deutschland), schließlich das weitverbreitete, deutsche Nichtverstehen der griechischen Mentalität.

    Wie so oft spielten wir Bayern eine ganz besondere Rolle im griechisch-deutschen Verhältnis und in dem, was daraus wurde.

    Der Sohn unseres (‚großen‘ Bayern-) Königs Ludwig I. aus dem Hause Wittelsbach, Otto, wurde um die Mitte des 19. Jh. allererster griechischer König und blieb es eine ganze Weile. Ãœber seine ‚Beliebtheit‘ liegen höchst unterschiedliche Angaben vor; seine Frau Amalie bekam immerhin den Spitznamen „blutige Hyäne“ verliehen. Der betreffende Wiki-Eintrag ist nicht aussagekräftig genug, kann aber als Einstieg dienen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_%28Griechenland%29

    Einige Jahrzehnte nach Otto hat sich u.a. sein naher Verwandter, der Sohn des allerletzten Bayernkönigs (Ludwig III.), der Thronprätendent und lebenslange „Kronprinz“ Rupprecht (1869-1955) mit den Griechen auseinandergesetzt. Sein Wiki-Eintrag ist nahezu wertlos, besser ist es sich hier über ihn und sein Bild in der gegenwärtigen Geschichtsforschung zu informieren:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-3-084

    Dieser Rupprecht von Bayern also, hat drei dicke illustrierte Bände „Reiseerinnerungen“ hinterlassen, die geradezu ein Lehrkurs in Sachen Rassismus und Antisemitismus geworden sind. Jedoch enthalten sie auch Passagen, die uns heute nachdenklich stimmen (sollten).

    Besonders in seinen „Reiseerinnerungen aus dem Südosten Europas und dem Orient“ (München 1923) hält er eine ganze Reihe von Griechenbeschreibungen bereit, aus denen sich zu zitieren lohnt.

    „Vom modernen Athen zu sprechen, erübrigt sich, da es keine charakteristischen Merkmale besitzt.“ (S. 92)

    „Unter den reinrassigen Griechen sieht man prächtige Erscheinungen, die den aus der antiken Kunst uns bekannten Typen durchaus entsprechen“ (S.94)

    „Der Grieche ist ein starker Raucher. Stundenlang sitzt er bei seiner Wasserpfeife im Kaffeehaus, politisiert und schließt dort Geschäfte ab.“
    „Sagt einer, er sei unverheiratet, findet der griechische Landmann hiefür eine zynisch-naive Erklärung, die das Fortbestehen antiker Unsitten erkennen lässt.
    Die Stellung der griechischen Frau ist auf dem Lande und in den Kleinstädten so ziemlich die gleiche geblieben wie im Altertum, eine weniger freie als jene der Römerin oder Germanin…“ (S. 95)

    „Dort (in Athen) sind Ehescheidungen häufig, besonders in tonangebenden Kriesen der reich gewordenen Auslandgriechen, die in ihrer Mehrzehl Fanarioten sind, das heißt Griechen aus Konstantinopel. Gewöhnlich blieben die großen Vermögen der Fanarioten nicht lange beisammen, und der Enkel vergeudet, wo nicht schon der Sohn, was der Großvater oder Vater erwarb. Schuld daran trägt die verfehlte Erziehung der Kinder, denn wie die alten Hellenen die Erziehung der Kinder aus dem Sklavenstande entnommenen Pädagogen anvertraueten, überlassen die Fanarioten sie völlig den Hauslehrern…“ (S. 96)

    „Die günstige geographische Lage ihres Landes verwies die Griechen von jeher darauf, sich hauptsächlich mit dem Handel zu befassen, den sie in alten Zeiten mit dem Seeraub verbanden, der es ihnen ermöglichte, sich mit Sklaven zu versorgen, denen die Bestellung der Äcker und die Verrichtung aller schweren Arbeiten übertragen wurde. Noch jetzt finden sich in den entlegensten Orten des Orients bis nach Indien hinein und darüber hinaus griechische Kaufhäuser, deren hochintelligente und mit einem außerordentlichen Spekulationssinn begabte Inhaber es meisterlich verstehen, in großzügiger Weise Geschäfte zu machen.
    Der Grieche war nie ein Arbeiter: er überließ die Arbeit den Sklaven, deren Rolle nun den albanesischen Tagelöhnern zufällt. Im Verhältnis zur Billigkeit der Lebenshaltung sind die Löhne beträchtlich…
    Auf seinem eigenen Grund und Boden greift der Grieche nur dann bei der Arbeit zu, wenn in dringenden Augenblicken, wie zur Zeit der Weinlese, fremde Arbeiter nicht zu erlangen sind. In den Diensten anderer Leute läßt er sich lediglich als Aufseher verwenden, da ihm eine derartige Stellung es ermöglicht, nebenher Privatgeschäfte zu treiben.“ (S. 97)

    „Nur noch in den innersten Landesteilen sind richtige Wälder vorhanden. Bei geordnetem Betriebe ließe sich aus ihnen ein schöner Gewinn erzielen. Den Beweis lieferte ein preußischer Oberförster, dem es binnen kurzem gelang, aus den seiner Verwaltung unterstellten Waldungen einen Ertrag herauszuwirtschaften, der um das Zehnfache jenen der angrenzenden Staatsforsten übertraf.“ (S.98f)

    „Bei der Beurteilung der innerpolitischen Zustände Griechenlands ist nicht zu vergessen, wie schwer auf ihm die Türkenherrschaft lastete und daß es eines der jüngsten Staatswesen des modernen Europas ist. Sein nach den Freiheitskämpfen auf den Thron berufener erster König fand eine überaus schwierige Aufgabe vor, glichen doch die Verhältnisse ungefähr jenen im heutigen Albanien; denn die damaligen Griechen waren trotz all der ihrer Rasse eigenen Begabungen nicht viel besser als Halbwilde. Die bayerischen Beamten, die mit König Otto kamen, müssen sich gewundert haben über die Schwierigkeiten, die es zu beheben galt, um die Staatsmaschine auch nur eingermaßen in Gang zu bringen. Daß sie sich in die Eigenart des griechischen Volkes einzuleben verstanden, möchte ich bezweifeln; was aber der Regierung des Königs Otto im Jahre 1862 ein Ende bereitete, war hauptsächlich die Haltung Englands, das damals noch die Ionischen Inseln besaß und den nationalen Ausdehnungbestrebungen der Griechen auch deshalb entgegentrat, um Verwicklungen auf dem Balkan zu verhindern, die Frankreich und Russland die Gelegenheit zur Aneignung von Provinzen des ottomanischen Reiches hätten geben können…“ (S. 99f)

    „Ein Staatsbankrott würde bei der fast ausschließlichen Placierung der griechischen Schuld im Ausland in der Hauptsache ausländische Gläubiger treffen, und in seltener Einigkeit arbeiten deshalb die in Athen akkreditierten Gesandten seiner Verhütung entgegen. Es wäre um so weniger gerechtfertigt, als die Besteuerung in Griechenland eine sehr geringe ist und obendrein viele Auswege bestehen, um sich ihr fast völlig entziehen zu können. Zahlen will niemand, jedermann aber aus dem Staatssäckel profitieren. Es herrschen in diesem Punkte sehr naive Anschauungen, ein Zeichen politischer Unreife, die sich aus der jungen Geschichte des griechischen Staates und seiner Entstehung aus chaotischen Umständen erklärt. Der politische Schacher beginnt bei den Wahlen. Zunächst verhandeln die Bürgermeister der Gemeinden mit den einzelnen Bürgern über ihre Stimmen, um dann den Wahlkandiddaten je nach der Art der Versprechungen eine bestimmte Zahl von Stimmen anbieten zu können. Ebenso feilschen die Kandidaten oder Deputierten mit jenen ihrer Kollegen, die einen Ministerposten erstreben oder bereits innehaben. Im Grunde genommen sind alle staatlichen Stellen käuflich, und da mit einem Wechsel der Minister auch alle Beamten wechseln, ergeben sich sehr ungesunde Verhältnisse, zumal die Beamten ganz ungenügend bezahlt werden und daher auf einen Nebenerwerb angewiesen sind…
    Ministerwechsel sind überaus häufig, und es tritt dann sofort ein großer Teil der Abgeordneten der bisherigen Regierungspartei zur neuen über, um sich und die eigenen Schützlinge in ihren Stellen zu erhalten. Der Rest schließt sich bald diesem, bald jenem Politiker an, der Aussicht hat, über kurz oder lang ans Ruder zu kommen. Es bestehen somit keine eigentlichen politischen Parteien mit festen Programmen.“ (S.102f)

    „So hochbegabt das griechische Volk ist, mangelt ihm doch wie seinen hellenischen Ahnen ein politischer Gemeinsinn. Handelsgeist, die rege Beweglichkeit des einzelnen, die Redegewandtheit und die Lust, sie glänzen zu lassen, sind seiner Entwicklung ein Hemmnis. Erst nachdem ich in Griechenland geweilt, begann ich die Geschichte des antiken Hellas verstehen zu lernen.“ (S.103f)

    .

    Kommentar R.S.:
    Selbst wenn man dem Kronprinzen kritisch gegenübersteht, erhebt sich doch die Frage:

    Wenn man all das über Griechenland bereits vor neunzig Jahren wusste, warum zog man (Europa) doch ganz offensichtlich nicht die richtigen Schlüsse (gegenwärtige Griechenlandkrise) daraus ?

    • @ Robert Schlickewitz: „Wenn man all das über Griechenland bereits vor neunzig Jahren wusste, warum zog man (Europa) doch ganz offensichtlich nicht die richtigen Schlüsse (gegenwärtige Griechenlandkrise) daraus ?“

      Ich kann nur hoffen, daß dies ironisch gemeint sein soll!

      Oder sind Sie der Held, der entscheidet, daß die Reisebeschreibungen über die jüdischen Schauerleute und Viertel (von Ihnen veröffentlicht) , natürlich die damaligen antisemitischen, katholischen Strömungen aufzeigen, während man aus der übrigen Beurteilungen der Völker selbstverständlich Lehren für heute ziehen kann.

      Dann würde ich, wenn ich lieb wäre Karl May empfehlen, da ich dies nicht bin:

      Daitz.

  9. Spekulationen um einen Euro-Austritt Griechenlands und die schwierige Lage Spaniens verursachen Turbulenzen an den europäischen Börsen. Der Euro fiel am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren, Spanien muss Rekordzinsen zahlen, auch die Risikoaufschläge für italienische Anleihen stiegen stark an.
    Kommentatoren drängen auf einen Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB und kritisieren die Blockadehaltung Berlins in der sich zuspitzenden Euro-Krise.
    Vielleicht ist für Deutschland der Bankrott Europas von Vorteil?

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