Denkmalsenthüllung in Mittenwald: Erinnerung an die Verbrechen der Gebirgstruppen

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Am Pfingstsamstag stellte der Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald ein Denkmal für die Opfer von Nazi-Verbrechen auf. An der Feierlichkeit nahmen über 200 Menschen aus verschieden Ländern teil…

Das Denkmal wurde in einem bewegenden Akt von Maurice Cling, Max Tzwangue, Marcella und Enzo de Negri enthüllt. Maurice Cling ist Auschwitzüberlebender, der nach dem Todesmarsch von Dachau von Alliierten in Mittenwald befreit wurde. Max Tzwangue war französischer Widerstandskämpfer. Marcella und Enzo de Negri sind die Kinder des auf der griechischen Insel Kephallonia von Gebirgsjägern ermordeten Hauptmann Cap. Francesco de Negri.

Das Denkmal stellt die Trauer über die unzähligen Toten des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges in den Mittelpunkt. In der Glasvitrine auf der massiven Metallstele befinden sich Steine und Überbleibsel aus den Ruinen des von Gebirgsjägern am 27. Juni 1944 zerstörten italienischen Ortes Falzano di Cortona, die von der dortigen Gemeinde gestiftet wurden. Seit September vergangenen Jahres muss sich der ehemalige Offizier der Gebirgsjäger, Josef Scheungraber, für dieses Verbrechen vor dem Landgericht München verantworten.

Die Vitrine trägt die Inschriften:

„In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden.
In Gedenken an die unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden.
In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem KZ Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald
befreit wurde.
Der Gemeinde Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK „Angreifbare Traditionspflege“.
Die verwendeten Steine stammen aus dem Ort Falzano di Cortona. Der Ort wurde am 27. Juni 1944 von deutschen Gebirgsjägern zerstört.
Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus.“

Nach der Denkmalsenthüllung fand eine Demonstration statt, bei der auf die Verbrechen der Gebirgsjäger aufmerksam gemacht wurde. Die Demonstranten forderten die Verurteilung der Täter und die Entschädigung der Opfer. Sprecher des AK Angreifbare Traditionspflege erhoben die Forderung nach Auflösung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe.

Zum Abschluss der Veranstaltung gaben Esther und Edna Bejarano (Coincidence) geinsam mit der HipHop-Band Microphone Mafia ein mitreißendes Konzert am Ort des neuen Denkmals.

Das Denkmal ist eine Schenkung des AK Angreifbare Traditionspflege, der seit sieben Jahren gegen die Traditionsfeier der Gebirgstruppe protestiert.

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4 Kommentare

  1. Stellungnahme des AK Angreifbare Traditionspflege zum Abbau des Denkmals auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald

    Denkmal für NS-Opfer in Mittenwald abgeräumt
    Affront gegen Ãœberlebende und NS-Opfer

    Die Entfernung des am Pfingstsamstag enthüllten Denkmals ist ein Affront gegen die Überlebenden und die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Das Denkmal, das bis heute auf dem Bahnhofvorplatzes in Mittenwald stand, trägt folgende Inschriften:

    „In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden. In Gedenken der unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden. In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald endete. Nie wieder Faschismus Dem Markt Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK Angreifbare Traditionspflege. Die Steine stammen aus den Ruinen des italienischen Dorfes Falzano di Cortona. Deutsche Gebirgsjäger haben am 27. Juni 1944 das Dorf in der Toskana zerstört und 14 Dorfbewohner ermordet. Nie wieder Krieg“

    Das Denkmal ist vom AK Angreifbare Traditionspflege der Gemeinde Mittenwald geschenkt worden. Die Steine in der Glasvitrine wurden von der Gemeinde Cortona dem AK Angreifbare Traditionspflege für diesen Zweck überlassen. Der Abbau des Denkmals ist ein besonderer Affront gegen die Opfer dieses Verbrechens von Gebirgsjägern, ihren Angehörigen sowie der Gemeinde Cortona

    Wir wollten unserer Kampagne über die Verbrechen der Gebirgsjäger und gegen deren jährliche Traditionsfeier auf dem Hohen Brendten abschließen. Das Denkmal sollte einen dauerhaften Erinnerungsort für die genannten NS-Opfer schaffen. Die Diskussion im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt um das Denkmal hat gezeigt, dass die Bevölkerung in der Gemeinde Mittenwald keine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Gebirgstruppen im Zweiten Weltkrieg wünscht, nicht einmal ein Gedenken an die Opfer der Verbrechen zulassen möchte. Der Abbau des Denkmals von offizieller Seite spricht für sich.

    Zur Enthüllung hatten wir den Auschwitz-Überlebenden Maurice Cling eingeladen, der auf dem Todesmarsch vom Konzentrationslager Dachau am 1. Mai 1945 in Mittenwald befreit wurde. Auch bei seinem zweiten Besuch in Mittenwald hat ihn kein Vertreter der Gemeinde offiziell begrüßt. In fast jedem anderen Ort wäre bereits dies ein Skandal, nicht so in Mittenwald. Maurice Cling sagte bei der Enthüllung des Denkmals am Pfingstsamstag, dass er das Denkmal stellvertretend für die enthüllen würde, die auf dem Todesmarsch ermordet wurden. Erst mit diesem würdigen Gedenken sei für ihn der Todesmarsch beendet.

    Unsere internationale Kampagne und Diskussion muss somit fortgesetzt werden.

    AK Angreifbare Traditionspflege

  2. Was mich interessiert: Wie lange hat es gedauert, bis alle Genehmigungen für das Denkmal erteilt waren? Haben an der Denkmalsenthüllung Vertreter der Stadt oder des Gemeinderates teilgenommen? Wie waren die Reaktionen der Bevölkerung auf Enthüllungsfeier und Demonstration?

  3. Das Denkmal wird sicher nicht lange unbeschädigt, ungeschändet, unbeschmiert bleiben. Bayern wäre nicht Bayern, wenn wir nicht bald diesbezüglich aus Politikermund von einer „abscheulichen Tat“ hören würden…

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