Ostern vorbei: Juchuu- wir leben noch!

18
51

Ostern war schon immer eine schlechte Zeit für Juden. Wenn man nicht grade erschlagen wurde, wurde zumindest ein Friedhof verwüstet. Heute ist es so: Während die einen Mazzen essen, beten die anderen inbrünstig für die Bekehrung der Mazzenesser zu Hostienschlozern…

von Ramona Ambs

Das ist deutlich weniger gefährlich- aber unerfreulich ist es- wie eh und je. Nun ist allerdings innerhalb der christlichen Gemeinschaft eine Debatte zum Sühnetod Jesus und zur Judenmission ausgebrochen. Diese Debatte zieht sich durch diverse christliche Foren und Medien. Dabei gibt es einiges Interessantes zu entdecken. Zum Beispiel hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine Stellungnahme zur Judenmission verfasst, die Hoffnung macht, weil sie der Judenmission eine Absage erteilt.

Diese- als „Juden- Erklärung“ bezeichnetete Stellungnahme wollen aber viele führende Christen nicht so einfach hinnehmen. Zum Beispiel der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der denn doch nicht so radikal von der Judenmission abrücken will, wie seine Schäfchen. Er kritisiert zum Beispiel, die im ZdK-Papier vertretene Darstellung, Christen und Juden würden die Position vertreten, dass „jenseits der Glaubensunterschiede“ ethisches Handeln und Taten der Nächstenliebe einen Weg zu Gott eröffnen. Weiter bekräftigt er: Jesus habe unzweifelhaft Juden und Heiden in die Kirche berufen. Allerdings – räumt er ein- gehe es nicht darum, Gläubige anderer Religionen durch Überredung abzuwerben oder gar mit Drohung zu nötigen: „Glaube und Freiheit bedingen einander„.

Na dann können wir ja jetzt beruhigt sein. Immerhin will man nur für uns beten und uns nicht mit Drohungen nötigen.

In den Foren der christlichen Webseiten liest man das Ganze dann ungeschminkter: „Jeschua ist im vollen Umfang zuzustimmen, denn noch immer sind die Juden in dem alten Glauben verfangen, dass das AT seine Gültigkeit hat, indem sie ihre semitischen Brüder als Feinde behandeln, statt sie zu lieben und mit ihnen in brüderlicher Gemeinschaft zu leben!“ oder „So wie viele Juden kurz vor seinem Tode unseren Herrn verspottet haben, so verspotten die Satansjünger hier die Christen, die ihren Glauben noch etwas ernst nehmen.“

Aber es bedarf nicht nur anonymisierter Forumsbeiträge um derlei zu lesen. Auch in hohen akademischen Kreisen wittert man eine Kampagne gegen das Kreuz- wobei nie gesagt wird, wer hinter einer solchen Kampagne steht…
Prof.Dr. Klaus Berger – ein Katholik, der bis zum Jahre 2006 an der evangelischen-theologischen Fakultät Heidelberg lehrte, befürchtet sogar „das Ende des Christentums“ weil „dialogfixierte Christen“ das Kreuz als Störfaktor empfinden. In der Jungen Freiheit fühlt er sich bezeichnenderweise „frei“ genug zu sagen was er denkt: „Ohne das Sühneopfer Jesu könnten wir uns nur noch möglichst rasch mit Juden und Moslems zu einer allgemeinen abrahamitischen Religion vereinigen. Ich vermute, das ist auch einer der Hintergründe der Kampagne.“ Aha- wir erfahren zwar nicht, wer hinter der Kampagne steht- aber das Juden und Muslime irgendwie dran beteiligt sind kann man nun zumindest annehmen. Immerhin bietet der Professor eine originelle Lösung für das Problem der Judenmission an: Das sollen nämlich „jüdische Christen“ übernehmen. Die würden ohnehin, – nur um Juden nicht zu verärgern- schlecht behandelt, weil sie noch nicht mal zu Kirchentagen eingeladen werden. Arme „Judenchristen“. Das ist natürlich wirklich schlimm. Eine solche Leidensgeschichte mutet man sonst kaum jemandem zu. Juden scheinen demnach halt doch zu viel Einfluss zu haben. Vielleicht stecken sie sogar hinter der „Kampagne gegen das Kreuz“…wer weiss- es sagt ja keiner nix genaues!
Aber es soll ja auch genügend Spielraum für die eigene phantasie bleiben.
Zum Glück ist Ostern – für dieses Jahr- vorbei.

Die Erklärung des Regensburger Bischofs im Wortlaut.

Prof. Dr. Klaus Berger im JF-Interview.

18 Kommentare

  1. Die Aussage „Die Kirche ist das Volk des Auszugs.“ finde ich um so geschmackloser, da in diesem Jahr Pessach und Ostern zusammenfallen.
    Statt Versöhnung wird nur noch mehr gespalten.

    Pessach ist vom Ewigen eingesetzt und Ostern wurde beschlossen, weil man der Auferstehung nicht mehr an
    Pessach gedenken wollte.

    Wenn ich die Gedanken Paulus (Brief an die Galater)richtig
    verstehe braucht ein Christ kein Jude zu werden, um zum Volk
    Gottes dazu! zugehören, was davor notwendig war.
    Ein Christ darf demnach das Privileg genießen vor Gott
    einem Juden gleich gestellt zu sein – aber nicht mehr!

    … 10% wären schon eine Revolution
    – ein Tabbubruch ohne Gleichen – eine Entheiligung!
    Wahrscheinlich kommt noch viel mehr ans Licht!

  2. @Yael

    Das ist leider die Realität, immer noch und auch weiterhin. Die Kirche sieht sich als den einzig legitimen Nachfahren des alten Israel. Das war u. a. auch ein Grund dafür, dass der Vatikan so lange gebraucht hat, um den Staat Israel (Eretz) endlich anzuerkennen (Mitte der 1990er Jahre, als einer der letzten Staaten überhaupt!). Weil sie, die Vatikanier, nicht wahr haben wollten oder konnten, dass da eben noch jemand mit dem Anspruch „Wir sind Israel“ existiert.

    Aber es hat wohl generell kaum Sinn Deutsche, Christen, Katholiken von irgendetwas überzeugen zu wollen.

    Der neueste SPIEGEL bringt eine Umfrage, wonach trotz der abscheuerregenden Skandale und der mehr als offensichtlichen Führungsschwäche des Bayernpapstes nur 10 % dessen Rücktritt, 80 % hingegen sein Weiteramtieren wünschen.

    Gegen soviel Verbohrtheit und Unsensibilität ist kein Kraut gewachsen.

  3. In der Ansprache des Papstes am Ostersonntag ist mir ein Satz aufgefallen, der in der ARD – Übertragung übersetzt so lautete:

    Die Kirche ist das Volk des Auszugs. (Gemeint war der Auszug aus Ägypten.)

    Die Feinheiten der theologischen Argumentation des Papstes werden von den meisten Hörern kaum nachvollzogen worden sein. Dieser Satz in seiner monumentalen Kürze wird so verstanden, wie es der alten Substitutionstheologie entspricht, die behauptet, Israel sei als Volk Gottes enterbt und ersetzt worden durch die (katholische) Kirche.

    http://antijudaismusfrei.wordpress.com/2010/04/05/volk-des-auszugs/

  4. Ich danke hagalil dass ich als Gast hier etwas beitragen darf.Ich kam zufällig auf die Seite und hab die Beiträge gelesen. Es schmerzt was man manchmal zu lesen bekommt. Ich wünsche mir nichts sehnlichster als Frieden für alle die sich unverstanden und verfolgt und in Gefahr fühlen, egal welcher Nation. Ich bin immer gegen Verfolgung und Diskriminierung und mache mir grosse Sorgen. So hat mich das Durchlesen wenigstens zu einigen Gedanken gebracht.
    Ich finde es ist nicht wichtig von wessen Volk Jeshuha/Jesus abstammte. In erster Linie war er Mensch. Und all die Morde die nach ihm in seinem Namen geschahen oder geschehen, mit dem hat Jeshuha/Jesus nichts zu tun. Allein die Tatsache das Jeshuha/Jesus Mensch war und angeblich danach handelte ist richtungsweisend. Von jedem nur erdenklichen Volk hätte er abstammen können, das ist doch vollkommen egal. Alles und jedes was über ihn geschrieben wurde und behauptet wird, geschah und geschieht ohnehin durch Menschen Mund, Hand und Verstand. Wichtig ist alle Vorbilder zu hüten, was als menschlich sein verstanden wird und dieses „Mensch sein“ umzusetzen. Die wahre Aufgabe einer jeden Religion sollte nur sein (den Schatz als Vorbild,) diese Menschlichkeit zu hüten. Ob das nun Buddha, Mohamed oder wer auch immer, waren, sind und bleiben, sind sie doch Vorbilder als Orientierung für Menschlichkeit innerhalb all den verschiedenen Kulturen. Für die Einen dieser für die Andere jener. Was mir viel mehr zu denken gibt und schleierhaft vorkommt, es hätte genau so gut eine Frau sein können.
    Uninteressant ist für mich ob Jeshuha/Jesus nun von jenen oder anderen abstammt. Zählen tut nur die Menschlichkeit und der Respekt gegenüber allem was lebt und die Verachtung für alle die das Leben schänden und Menschen knechten, damals wie heute und morgen, das scheint mir wichtig zu sein. Jeshuha/Jesus oder alle heilig Gesprochenen sind im Grunde niemandes Besitz, sondern nur verehrte Vorbilder. Unglaublich das all Diese missbräuchlich für Religionskriege herhalten müssen. Auch kein Terror sühnt einen Vergangenen, das freut höchstens immer die Gleichen und andere ziehen sie mit hinein in ihre Herrschaftsideologie. Und wahrlich diese Gesinnung kommt nicht nur aus einem Land noch aus einem Volk. Nun fühlen sich schon wieder die Ungaren von Israel eingekauft. Was also soll nur werden? Vielleicht müsste in der Tat Israel etwas anders mit seinen Feinden oder Neidern (wie soll ich mich sonst ausdrücken) umgehen und diese als Freunde gewinnen. Das mag sich, da bin ich mir fast sicher und bitte die um Verzeihung die das so empfinden, wie eine Ohrfeige ankommen. Nur gibt es eine andere Lösung ausser gegenseitge Vernichtung?
    Ich traf auf meinen Reisen jüdische Personen und schloss mit ihen Freundschaft. Einem kleinen Jungen der mit seinem Vater auf dem Weg in die Synagoge war, damals vor vielen Jahren in Zürich, schenkte ich ein Feuerzeug, worauf ihn sein Vater zu mir zurückschickte, nachdem er hüpfend ihm entgegen ging. Dieser kleine Junge schenkte mir seine blaue und wunderschön bestickte Kipa und ich war so was von berührt, bis heute. Meine deutsche Grossmutter mit einem Schweizer verheiratet mussten im zweiten Weltkrieg mit ihren Kindern (darunter meine Mutter) von Stettin in die Schweiz flüchten. Niemand durfte Radio hören als A.H sprach, erzählte mir meine Mutter immer wieder, meine Grossmutter bekam angeblch jedesmal fast einen Anfall.
    Was also soll man nun denken bei all den heutigen Entwicklungen. Es macht mich oft selber so ohnmächtig.
    Ich wünsche mir so sehr Frieden und Schalom und zwar für alle, nur leider sieht es aber gar nicht danach aus.

  5. Lieber Carl,
    auch ich muss im Nachhinein erkennen, dass meine Reaktion im Ton nicht adäquat und wenig von Verständnis für Dich geprägt war, aber ich freue mich auch, dass wir jetzt einen gemeinsamen Nenner finden konnten.
    Da ist uns, über tw. selbstgesetzte Hindernisse hinweg, vielleicht eine Verständigung gelungen, die ich – nicht nur zwischen Juden und Christen – so oft schmerzlich vermisse.
    Deine offenen und angenehm uneitlen Postings haben entscheidend dazu beigetragen, dass wir hier keinen „intellektuellen Hahnenkampf“ ausgetragen, sondern gegenseitiges Verständnis gesucht (und gefunden) haben.
    Ich danke Dir aber auch für zwei Erkenntnisse:
    1. Nach langen Jahren der Beschäftigung mit der jüdischen Religion und – mehr noch -Geschichte (tw. in Studium und Beruf) ist mir durch den Dialog mit Dir erst wirklich klar geworden, wie sehr nicht nur die Shoa, sondern auch die jahrhundertelange Verfolgung und Unterdrückung der Juden durch die Kirche (ein langes und beschämendes Kapitel in der Geschichte des Christentums) unser interreligiöses Verhältnis immer noch belastet.
    2. Es ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass nach wie vor große Teile der Kirchen auf die Missionierung, gerade von Juden, setzen und dadurch einen von gegenseitigem Respekt geprägten Dialog sehr erschweren (Ich stehe dem gesamten Missionsbestreben – nicht nur auf die Juden bezogen – sehr skeptisch gegenüber, das ja letztlich eine durch und durch christianisierte Welt zum Ziel hat. Da wäre ein Dialog, wie der unsere nicht mehr möglich, die Welt würde geistig veröden). 
    Tikkun Olam, Rabbi Hillel, G. E. Lessing haben uns Hinweise gegeben, wie wir als Menschen unser Verhältnis zu anderen (und andersgläubigen) Menschen gestalten könnten – gebe G’tt, dass dies auch mal innerhalb der großen und dominanten Religionsgemeinschaften (namentlich Christentum, aber auch Islam) erkannt und befolgt wird!
    Lieber Carl, ich danke Dir nochmals und wünsche Dir alles Gute, vielleicht laufen wir uns hier auf hagalil irgendwann nochmal über den Weg.

    MfG, Volker

  6. Hallo Volker,

    Wer liegt also „richtig“ im Glauben?
    Jeder Gläubige liegt sicher für sich richtig in seinem persönlichen Glauben.
    Daher ist es erst dann geboten sich zu wehren, wenn man wirklich angegriffen wird.

    Ich sollte vielleicht erst einmal von der Bereitschaft ausgehen, dass ein positiver Austausch der Gedanken über den Glauben oder die Religion stattfindet.
    Aktuell sehe ich mich jedoch immer weider mit der starren Linie des gelebten kirchenpolitischen Antijudaismus konfrontiert.
    Das kippt diese positive Vorstellung, die ich Eingangs schilderte, schnell in ein vorsichtiges, abwartendes, ja eher negativ erwartendes, auch aus einer Lebenserfahrung entstandenes, reales Bild.
    Daher meine Vehemenz und Ablehnung zu Anfang.

    Durch unseren Dialog bin ich mir aber bewusst geworden, dass mein persönliches Bild im Moment vielleicht zu stark überzeichnet ist.
    Ich habe außerdem einen entscheidenden Fehler begangen indem ich, die immer noch existierende, antijudaistische Kirchenpolitik verknüpft habe mit der Aussage einzelner Menschen, die aber eben überhaupt nicht mit der Kirchenpolitik konform gehen müssen.

    Unser Dialog hat mir gezeigt, dass es durchaus möglich ist, anerkennend Gedanken auszutauschen; sich anzunähern und Toleranz zu üben aber trotzdem die Grenzen des jeweiligen Glaubens und des darin eingenommenen Standpunktes zu respektieren und nicht ändern zu wollen.
    Ich verstehe jetzt deine vehemente Antwort als logische Reaktion auf meine ablehnende, aggressive Haltung.

    Tikkun Olam täglich zu leben ist möglich aber oft erschweren eben die eigenen Vorurteile und Fesseln die Umsetzung doch mehr, als ich mir bewusst bin.
    Eine interessante und schöne Erfahrung, das erkennen zu dürfen.

  7. Ich freue mich über Deine Antwort, Carl, vielen Dank!
    Das Recht, zu behaupten, dass, wer Jeshu folgt, nicht Gott folgen kann, hast Du selbstverständlich – so wie ich das Recht habe, diese pauschale Behauptung als anmaßend und herabwürdigend zu bezeichnen.
    Du wirst aber – G’tt sei Dank! – dafür nicht (mehr) eingesperrt oder gar umgebracht. Wir haben es bei Judentum und Christentum mit zwei verschiedenen Religionen zu tun, die man – darüber sind wir uns hoffentlich einig – nicht miteinander vermischen sollte, weil sie sich gegenseitig ausschließen.
    Gerade deshalb vertrete ich die Meinung, dass man im Rahmen seines eigenen Glaubens das Beste tun soll, um vor G’tt zu bestehen, und nicht andere Religionen herabsetzen.
    Ich weiß natürlich, dass speziell die Kirche da eine eher beschämende Bilanz aufweist (Papst Benedikt meint z.B. immer noch, die Indianer hätten die Christianisierung sehnlichst erwartet, und auf Pius-Brüder und so manche Evangelikalen gehe ich hier lieber nicht ein).
    Aus christlicher Sicht ist es so, das Jesus/Jeshuha die Thora ergänzt hat. Diese Interpretation sehe ich NICHT als allgemeingültig an. Allen Menschen steht es frei, sich dafür, dagegen oder auch gar nicht zu entscheiden.
    Ich selbst bin – da nur ein Mensch – ein viel zu kleines Licht vor G’tt, um meinen GLAUBEN (Glauben heißt bekanntlich nicht Wissen) als endgültige universelle WAHRHEIT anpreisen zu können.
    Wer liegt also „richtig“ mit seinem Glauben – Du oder ich oder am Ende doch wir beide? Vielleicht die Muslime? Oder die Atheisten? Hier auf Erden werden wir es nicht erfahren.
    Versuchen wir – in unserem jeweiligen Rahmen – also das Beste. Und hüten wir uns vor Arroganz gegenüber dem jeweils „Anderen“…

    MfG, Volker

  8. Vielen Dank für deine Antwort, Volker

    Toleranz gebietet dann ebenfalls es zu zulassen, dass ich behaupte, wer Jeshu folgt kann nicht G“tt folgen, eben unter besonderen Berücksichtigung, dass ich hier jüdischer Sichtweise folge.

    Die fehlende Bereitschaft sich mit dieser Aussage auseinander zusetzen markiert für mich eine markante Hürde eines mögl. christl. jüdischen Dialogs.
    Ich darf nicht dagegen halten aber darf lesen, dass Jeshu die Thora vervollkommnen wollte?

    Wie ich schon schrieb, mit Beispielen zu Jeshuha sollte man in einem jüdischen Umkreis sehr vorsichtig umgehen.
    Millionen Menschen jüdischen Glaubens sind ermordet worden im Namen des Christos.
    Daher kann es nicht verwundern, dass in einem jüdischen Forum großes Misstrauen auftritt, wenn dieser Name fällt.

    Ursi und Jens Uwe unterstelle ich zunächst nicht Methodik, da ich sie nicht kenne und nicht den Stab über sie breche.
    Ich nehme deshalb, zu ihren Gunsten, an, dass sie wohl ein pro jüdisches Zeichen setzen wollten ohne zu wissen, welche Reaktionen hervorgerufen werden, wenn man aussagt, dass die christl Kirche jüdischer werden sollte.

    Diese gedankenlosen Kommentare kennzeichnen aber auch in direkter Linie wieder die bewusst angewandte Kirchenpolitik durch die Jahrtausende.
    Die Juden als Brunnenvergifter, jüdische Blutopfer, der T’nach ein Zauberbuch, jüdische Geldgier, Schuld am Tode Jeshuha’s u.s.w.
    Aber eben auch fehlende Reflexion dem jüd. Glauben gegenüber!
    Das ist immer noch alles sehr aktuell und auch im heutigen Bild des Antisemitismus gut zu entdecken.

    Wenn man schreibt, das Jeshuha die Thora vervollkommnen wollte Рdann schneidet man die Thora f̦rmlich aus dem Judentum heraus und christianisiert sie vollkommen.
    Das ist eine Ungeheuerlichkeit ohne Gleichen, denn Juden sind es bis auf den heutigen Tag, die das Joch der Thora und der Mitzwoth gemeinsam tragen.

    Vielleicht verstehst du vor diesem Hintergrund, dass ich meine Antwort eher als gemäßigt betrachte.

  9. Lieber Carl,
    dass hagalil eine jüdische Website ist, ist mir durchaus bewusst, und ich denke nicht, dass ich es den Juden und der jüdischen Religion gegenüber an Respekt fehlen lasse.
    In vielen ethischen Belangen sehe ich jüdische Theorie (Praxis sowieso) gegenüber der – nur zu oft von der Arroganz der Mächtigen geprägten – christlichen Einstellung als moralisch überlegen an – Beispiel: die Höherwertigkeit des Lebens gegenüber religiösen Regeln. Auch das von Dir zitierte Tikum Olam gehört dazu („Wie dem auch sei, als Juden sollte es nicht unser Anliegen sein andere Religionen zu beurteilen oder herabzusetzen. Egal wieviel wir wissen, wir wissen vom Judentum zuwenig – und wenn wir studieren, sollte es zuallererst die Lehre Israels sein in die wir uns vertiefen.“)
    Entsprechende Aussagen – das muss ich als ev.-luth. Christ beschämt bekennen – sind in der Kirche, die, wie auch der Islam, einen Alleinvertretungsanspruch erhebt, sehr selten und wenn, dann neueren und neuesten Datums. Meist regiert dann doch eher Joh. 14.6: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“.
    Daher verwundert es mich, dass Du zunächst Tikum Olam (meiner Meinung nach sehr zurecht!) lobst und dann in Deinem nächsten Post eine andere Religion beurteilst und herabsetzt („Wer Jeshu folgt, folgt also niemals G“tt.“).
    Es tut mir leid, wenn meine Reaktion darauf etwas harsch war, Deine kategorische Aussage ist es nicht minder.  Ãœber Spott und Satire auf Christentum und Kirche kann ich durchaus lachen, oder es als schlechten Scherz abtun.  Wenn aber jemand sagt, dass ich (als Christ) nicht G’tt folge, dann reagiere ich schon empfindlicher. Ich sehe mich von daher nicht als „grober Klotz“, sondern – zugegeben - als „grober Keil“.
    Zu Toleranz: Toleranz heißt für mich, Dein Recht auf freie Meinungsäußerung zu achten (und glaub‘ mir, das tue ich!), Dir aber auch zu widersprechen, wenn ich es für nötig halte. 
    Zu Ursis und Jens-Uwes Kommentaren, die Deiner Meinung nach missionierend, wenn auch nicht in missionarischer Absicht geschrieben sind (wie soll das gehen?), lese ich heraus, dass sie die Kirche gern „jüdischer“ hätten, weil Jesus Jude war. Beide wenden sich – wie auch crispy – gegen Konversion von Juden zum Christentum.
    Wohlgemerkt, ich bin gegen aktive Missionierung, und schon gar nicht für eine spezielle „Judenmission“ – wenn jedoch ein Jude Christ werden will oder ein Christ Jude oder irgendjemand sonst von einer Religion zu einer anderen konvertieren will, dann hat keiner das Recht, ihn daran zu hindern, auch wenn es die früheren Glaubensgenossen schmerzt.
    Dass ein Konvertit aus dem Judentum seine zurückgelassene Gemeinschaft, in demographischer Hinsicht, wie auch aus historischer Erfahrung heraus, mehr schmerzt, als ein Konvertit aus etwa dem Christentum oder dem Islam die seine, ist klar, aber letztlich zählt die gesetzlich garantierte Religionsfreiheit. Dieser Aspekt kam mir bisher etwas zu kurz.

    MfG, Volker

  10. Lieber Volker,
    Zunächst einmal ist hagalil eine  JÜDISCHE Website!
    Seit 2009 Jahren festigt die allein selig machende christl. Kirche (wie du sie so schön nennst) ihre Machtstruktur auf der Lüge, dass die Juden verantwortlich sind für den Tod des christl. Messias.
    Gleichzeitig wird fleißig Judenmission betrieben – zu früheren Zeiten auch gern und oft  mal über Leichen.
    Bevor du hier über Toleranz erzählst,  ließ vielleicht noch einmal Ramona’s Artikel und dann die christl., missionierenden Kommentare von Ursi und Jens-Uwe  gleich dazu.
    Ich glaube, das sie das sicher nicht in missionierender Absicht geschrieben haben, und unwissend in den Fettnapf tapsten aber bitte…erst nachdenken und dann vorsichtig mit den christl. Aussagen sein.

    Ich finde es schon eigenartig und befremdlich, dass du von religiöser Toleranz predigst und darauf hinweißt, wie wichtig sie dir ist, dich aber tatsächlich in diesem jüdischen Forum aufführst wie ein grober Klotz.

    Also wäre es JETZT Zeit die eigene Toleranz bis zur Schmerzgrenze auf zu drehen und daran zu denken, dass das hier ne jüdische  Website ist, die sich, wen wundert es, unter anderem mit dem jüdischen Glauben befasst, der, wen wundert es wieder…den christl.Messias NICHT anerkennt – ja sogar ablehnt.

    Alles klar…mit der Toleranz?

  11. Religionswechsel ist immer ein heikles Thema. Aber wir haben hierzulande die freie Wahl, welcher Religion – wenn überhaupt – wir angehören wollen.
    Jedem Christen, jedem Muslim, jedem Atheisten und auch jedem Juden steht es frei, zu einer anderen Religion zu konvertieren. Und in der Regel macht man dies auch nicht leichtfertig, sondern nach langer, gründlicher Ãœberlegung – wobei ich aktive Bestrebungen, Andersgläubige für das Christentum zu gewinnen, ablehne.
    Zu „Carl“: Ich trete nicht für religiöse Toleranz ein, um mir von Dir sagen zu lassen, dass ich als Christ nicht G’tt folge. Kümmer Dich um Deinen eigenen Glauben, und sprich nicht anderen Religionen ihre Daseinsberechtigung ab. Das erinnert mich nämlich stark an die Dogmen des „alleinseligmachenden“ Christentums!
    MfG, Volker

  12. Wenn ein Jude zum Christentum konvertiert, dann bringt er nicht nur sich, sondern auch seine Kinder um ein reiches Erbe. Es ist, als ob er eine Seite aus der Thora herausreisst.
    Er tauscht sein Geburtsrecht gegen einen Linseneintopf. Wir kennen alle die folgenschwere Geschichte eines solchen Tauschhandels.

    Wer will schon eine Kopie, wenn er bereits das Original besitzt?

  13. Die Thora ist bereits vollendet, die sichtbare, wie die unsichtbare.
    Der Midrasch sagt dazu: Alle wahrhaften Auslegungen der jüdischen Tradition in alle Ewigkeit sind Teil der ursprünglichen Gabe der Thora am Sinai.

    Es gibt nur einen G“tt und das ist der G“tt Awraham’s, Yitzach’s und Jaakov’s.
    Der G“tt der Josef zu Israel gemacht hat.
    Der G“tt, der das Volk Israel aus Mizrajim führte und ihm am Sinai die Thora gegeben hat.
    Der G“tt für den das Volk Israel das Joch der Thora und der Mitzwoth auf sich genommen hat und fortwährend gemeinsam trägt.
    Das ist der eine G“tt, Baruch Hashem!

    Wer Jeshu folgt – folgt also niemals G“tt.

  14. Jesus war Jude. Von daher ist es unverständlich, warum Juden Christen werden sollten (durch Bekehrung, Fürbitte oder wodurch auch immer). Es müsste doch gerade umgekehrt laufen: Jesus sagt: „Folge mir nach!“ Er sagt das als Jude. Ihm nachfolgen heisst für mich, seinen jüdischen Glauben teilen. Es geht nicht darum, an ihn zu glauben (ihn zu Gott zu machen), sondern darum, wie er zu glauben.

  15. Es ist eine große Tragik und ein großer Fehler,
    dass sich das Christentum der Thora entledigt hat.
    Denn Jesus kam um die Thora zu vollenden – zu vervollständigen (Matth5.17) –
    nicht um sie abzuhaken!
    Die Kirche hat sich vom Judentum abgekoppelt und ihre eigene Welt geschaffen.
    Es wäre fatal, wenn Juden ihr kostbares Jüdisch sein aufgeben würden, um Mitglied einer Kirche zu werden.
    Die Kirche muss wieder zurück kehren (finden) zu ihren Wurzel – nicht anders herum!
    Denn ihr Ursprung ist durch und durch jüdisch!
    Shabbat Shalom!

  16. Juchuu – wir leben noch!  Aber wie?
    Von einigen, nicht sinnentstellenden orthographischen Freiheiten abgesehen, gefällt mir sehr, was Ramona schreibt: 
    Berger, schon immer Wolf  im Schafspelz, hat nun auch noch Kreide gefressen und macht moderat auf  neuartige Verschwörungstheorien aufmerksam, das wird nicht nur in der „Jungen Freiheit“ goutiert werden!
    Eine ignorante Frage sei dennoch gestattet: Ist etwas dran an den gerade zu Ostern wieder kolportierten Gerüchten über „Christendiskriminierung“  im modernen Israel? Oder haben wir es  auch hier mit einer diskret inszenierten Kampagne  zu tun, die zu gegebener Zeit offen gehandelt werden soll?

  17. Da lob ich mir den klaren Rabbi Mose ben Maimon und seinen Führer der Unschlüssigen oder seine acht Kapitel, die wunderbaren Kommentare Raschi’s zum Chumasch oder die fantastischen Ijunim Nechama Leibowitz‘.
    Warum ausgerechnet diese Auswahl?
    Weil sie mir einen freien, fragenden, forschenden, positiven jüdischen Geist repräsentieren.
    Rambam’s Werk sprüht auch nach über 800 Jahren vor Aktualität und Esprit und bietet nie versiegende  Erkenntnisse.
    Eine spannende und feurige Philosophie – das Judentum tritt in Verbindung mit der Philosphie des Aristoteles – fantastisch!
    Raschi sitzt einem förmlich gegenüber und lacht und erklärt und weist den Weg, gibt Fussnoten und Verweise – eine Fülle, die immense Ausmasse hat und dadurch während des Studiums immer wieder neue Sichtweise eröffnet.
    Nechama Leibowitz – sie hat auf so unvergleichliche Weise u.a. Raschi in ihren Ijunim verewigt, dass  jedesmal förmlich sich ein Lächeln auf die Lippen zaubert, wenn man ihren Worten zur Auslegung der Parasha folgt.

    Das größte aber und das  schönste, erhabenste und freudigste, was man sich je vorstellen kann, ist,  Thora lesen, Thora studieren – hier bietet sich ein wahrer, der fruchtbarste Garten für das Herz,  ein riesiges Meer voller Weisheit für den Geist und unerschöpfliche Lehren für das tägliche Dasein.

    http://test.hagalil.com/judentum/avoda-sara/monotheismus.htm

    Tikun Olam – wann werden die christlichen Kirchen diese vollkommene Offenheit der Nächstenliebe anstreben?
    Und ich meine nicht die halbherzigen aktuellen Gesprächsversuche, die stockenden und zögerlichen Bekenntnisse über vergangene Greueltaten an Juden, das trotzdem aktuelle leugnen und Katz und Maus Spiel des und mit dem Judentum(s)…nein eine Offenheit der Nächstenliebe, wie sie im Tikun Olam erzählt wird.

    Vielleicht nie…es ist eben nicht christlich.

Kommentarfunktion ist geschlossen.