Achtung! Achtung! Der Klang der Deutschen Sprache

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Es gibt ein neues Lied in „Galgalatz“ (Verkehrsfunk des Militärsenders „Galei Zahal“). Das Lied ist von der Dresdner Band „Polarkreis 18“ und es heißt „Allein, allein“. Bei dem Refrain schließen sich der Band die Stimmen einer deutschen Menschenmasse an, die brüllt „Allein, allein“…

Karni Eldad berichtet in Israel hajom: Der Klang der deutschen Sprache ist noch immer unerträglich

Das Lied ist in der Hitparade des Senders platziert, der einer der populärsten Sender Israels ist, und niemand hält für einen Moment inne und fragt sich, ob es eigentlich in Ordnung ist, dass das Gebrüll einer deutschen Menschenmenge in einem jüdischen Radiosender zu hören ist.

Vor einem Jahr kam Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Knesset und sprach dort in ihrer Muttersprache. Das hat niemanden gestört (mit Ausnahme meines Vaters, MdK Arie Eldad). Eine Rede auf Deutsch im israelischen Parlament erfüllte die Volksvertreter mit dem perversen Stolz auf „Normalisierung“. Sie verschlossen auch ihre Ohren, als die Kapelle das Deutschlandlied spielte, die deutsche Hymne, die auch die Hymne der Nazis war.

Jigal Alon sagte einmal: „Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, dessen Zukunft liegt im Ungewissen“… Ein Volk, dessen Angehörige in Betracht ziehen, nach Deutschland auszuwandern, weil dort der Lebensstandard höher ist; ein Volk, dessen Angehörige Architektur in Berlin studieren; ein Volk, dessen populärster Radiosender einen deutschen Refrain in seiner Hitparade hat, das ist ein Volk, das sich nicht daran erinnert, was sein Erzfeind ihm angetan hat.

Wir würden uns freuen, wenn wir ein gesundes, normales Volk wären, ohne ein Holocaust-Trauma. Aber allein der Versuch, dieses Trauma zu ignorieren, ist eine Leugnung der Realität. Ein Auslöschen der Vergangenheit ist pathetisch und falsch. Es kann auch nicht gelingen.

Das nationale Trauma jedes Chromosoms in unseren Genen ist so tief, dass es sogar den Wunsch überkommt, so „normal“ wie andere Völker zu sein. Ein gesundes Volk ist ein Volk, das aus seiner Geschichte lernt, das nicht vergisst. Wir dürfen ruhig sagen, dass die deutsche Sprache schrill in unseren Ohren klingt. Im Radio, in der Knesset, auf der Straße. Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern.

50 Kommentare

  1. Habe mir dieses Thema sehr interessiert durchgelesen. Die unterschiedlichen Standpunkte haben mich sehr nachdenklich gemacht.
    Nunja, es ist ein schwieriges und bewegendes Thema.
    Ich kann verstehen, dass Karni Eldad sich mit der Wiederöffnung hin zur deutschen Sprache in Israel schwer tut. Bei ihm sind die Gedanken an die Shoah stärker im Kopf verhaftet, als heutzutage bei vielen anderen jungen Menschen in Israel.
    Vielleicht rührt es von seinem Vater her oder das Interesse bzw. sie Emotionen zu diesem Thema haben sich ganz selbstständig entwickelt.
    Seine Schilderung beschreibt eine Sichtweise die für eine generelle Lebensentwicklung steht, die wir höchstwahrscheinlich schonmal alle durchgemacht haben:
    Das Zurückbleiben bei einem Umbruch. Das Nachtrauern einer wegfallenden aber an sich bewährten Situation. In diesem Fall das Festhalten am Feindbild Deutschland und dessen (Un?)Kultur.
    Ich bitte dies nicht falsch zu verstehen, ich will den Artikel von Karni Eldal nicht bewerten. Dies haben hier die vorherigen Schreiber bereits ausführlich getan.
    Worüber ich mich aber äußern möchte, ist die Streitkultur hier.
    Es ist sehr auffällig, dass Begriffe wie Antisemitismus, Judenfeindlichkeit und Israelgegner gerne als Waffe gegen (auch noch so sachliche) Kritik gegenüber pro-israelischen oder pro-jüdischen Hardliner-Ansichten ins Feld geführt werden.
    Wenn „supi“ beschreibt, dass er sich als Deutscher nicht schämt und eine Wahrheit in Sachen Rüstungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel anspricht (was nichts negatives sein muss), dann wird er von „karlheinz“ gleich mit allen negativen Eigenschaften belegt (welche ja so typisch deutsch sind), und es folgt die Unterstellung „supi“ sei in den abgründigen Tiefen seines Herzens doch ein Judenfeind.
    Jeremy belegt einen anderen Schreiberling mit einem Fluch (Schande über Sie), weil er eine revisionistische Gegenaufrechnung von Verbrechen wittert.
    Eine sachliche Anfrage für eine klärende Stellungnahme hätte es hier vielleicht auch getan.
    Ein anderer Schreiber wittert bei den Deutschen die Gefahr, weil sie das Deutschlandlied weiter als Nationalhymne singen. Hmmm viele von denen fahren auch weiterhin Volkswagen und trinken Fanta (Achtung, das war in der Kriegszeit die Nazi-Eratzbrause für Coca-Cola!)
    Hmmm, aber auch viele Israelis und Juden in allen Teilen der Welt tun das… mehr oder weniger wissentlich.
    Aber vielleicht ist die Kritik an diese Form von Streitkultur nicht gerecht.
    Schließlich ist das die Art, wie auch der Zentralrat der Juden in Deutschland mit Kritik umgeht. Ein Vorbild, welches als moralische Instanz aufgrund der deutschen Kollektivschuld über jeden Zweifel erhaben ist.

    Um es kurz zu machen, …Menschen, egal ob Christen, Moslems, Juden, Zeugen Jehovas, Atteisten, Vegetarier oder Blumenzüchter etc. haben das gleiche Maß an Verantwortung für das friedliche Nebeneinander von Menschen jeglicher Herkunft, Rasse und Religion. Dies ist unabhängig von Schuldhaftigkeit vergangener Generationen bestimmter Völker.
    Jeder der sich dieser Verantwortung entzieht oder sie zu seinen Gunsten mit einem „schuldbeladeneren“ Menschen verrechnen will, begeht den ersten Schritt auf den Irrweg des Bösen.
    Nicht Scham und das Ergehen in Demut ist der richtige Weg, sondern Aufgeschlossenheit, Toleranz und Nächstenliebe. Da haben wir alle einen schweren Weg vor uns!

    Hmmm..wenn ich das so lese, …ich klinge wie ein Wanderprediger..fehlt nur noch das Amen
    Ich überlege nun ob ich hier gerade einen Anlass für den Vorwurf des Antisemitismus geliefert habe….

  2. „Eldads Artikel ist in dieser Hinsicht ein Grenzfall: Zunächst muß man anerkennen, daß er sich an ein israelisches Publikum wendet und dafür wirbt, negative Gefühle gegenüber Deutschen/ Deutschland zuzulassen und sie nicht – wie er der Mehrheit seiner Landsleute unterstellt – zu verdrängen. Dies ist durchaus positiv zu werten, nachdem er damit auch keine politischen Forderungen – wie z.B. ein Verbot deutscher Musik im Radio o.ä. – verbindet.“
    Damit bringen sie eine wichtige Saite zum klingen… es ist ja in der Tat so, daß sich Besucher aus Deutschland in Israel häufig darüber freuen (und wundern…?), daß sie mit großer Freundlichkeut aufgenommen und angenommen werden, ihne fast nie negative Gefühle (offen?) entgegentreten. Wobei gerade dies -zumindest in meinem Bekanntenkreis- intensivere Beschäftigung mit „dem Thema“ provozierte, als offene Feindlichkeit es jemals erreicht hätte…
     

  3. @ Trauriger Artikel
    Aufgrund des Familienumfeldes von Karni Eldad liegt die Vermutung natürlich nahe, daß Arabisch kaum weniger schrill in seinen Ohren klingt und er einfach nur jemand ist, der Feindbilder braucht… Auch dies könnte man als indirekte Folge des Holocaust erklären oder als ganz individuelles psychologisches Defizit – die Spekulation darüber brächte uns wohl kaum weiter.

    Im übrigen besteht für den Leser das Problem ja nicht darin, negative Gefühle anderer Menschen akzeptieren zu können, insbesondere wenn sie von einem persönlichen oder kollektiven Trauma herrühren und man selber mit diesem Trauma in einer Verbindung steht (z.B. auch Einfluß auf seinen Heilungsprozeß nehmen könnte). Die Frage ist also nicht, ob jemand negative Gefühle besitzt und äußert, sondern *wie* er sie äußert – ob er ihnen einen aggressiven, destruktiven, andere Menschen verletzenden Ausdruck verleiht.

    Eldads Artikel ist in dieser Hinsicht ein Grenzfall: Zunächst muß man anerkennen, daß er sich an ein israelisches Publikum wendet und dafür wirbt, negative Gefühle gegenüber Deutschen/ Deutschland zuzulassen und sie nicht – wie er der Mehrheit seiner Landsleute unterstellt – zu verdrängen. Dies ist durchaus positiv zu werten, nachdem er damit auch keine politischen Forderungen – wie z.B. ein Verbot deutscher Musik im Radio o.ä. – verbindet. Trotzdem erscheint einem dieses „Plädoyer für die Zulassung von Gefühlen“ irgendwie vordergründig. Warum?

    Bei einem erwachsenen (im psychiatrischen Sinne nicht behandlungsbedürftigen) Menschen darf man erwarten, daß ihm zumindest auf der rationalen Ebene klar sein müßte, daß es sich um keine sonderlich zukunftsorientierten Gefühle handelt. Bei Eldad sind jedoch keine Anzeichen dafür erkennbar, daß er dies zu reflektieren versucht bzw. bereit wäre, an sich zu arbeiten – keinerlei Ansatzpunkte für einen Dialog also.

    Letztlich redet er nur der Unveränderbarkeit menschenverachtender Gefühle das Wort… denn um nichts anderes handelt es sich, wenn man der Gegenseite (in diesem Fall dem Kollektiv „deutscher Erzfeind“) signalisiert, daß – egal, was sie sagt oder tut und egal, wie sie sich verhält – sich nichts an der negativen Einstellung ihr gegenüber ändern wird. Und das ist (sorry, Jim) eben nicht akzeptabel.

    P.S.: Was will der Autor eigentlich mit seinem Artikel erreichen ?

    Die Pflege eines negativen Deutschenbildes als Teil einer extrem selektiven Erinnerungskultur – Eldad reduziert ja die jüdisch-deutsche Geschichte (inkl. Zukunft!) ausschließlich auf den Holocaust – scheint für ihn reiner Selbstzweck zu sein. Insofern ist der Artikel auch ziemlich uninteressant und kann nur als Anlaß dienen, über das Thema allgemein nachzudenken.

  4. @Koshiro
    …und ergo von “über alles” nichts zu hören ist.“
     
    Das meinen auch nur Sie. Die meisten Deutschen haben das „über alles“  derart stark verinnerlicht, dass, wenn man sie nach der Hymne fragt, genau dieses „über alles“ immer wieder mit genannt wird.
     
    Fragen Sie ruhig mal in Ihrem Bekannten-/Freundeskreis nach!
    Sie werden staunen.
     
    Da hilft es überhaupt nichts, dass da einst etwas von den politisch Verantwortlichen mit guten Absichten gestrichen wurde. Theorie und Praxis sind zweierlei!

  5. Und selbst wenn nicht..“Ãœber alles“ hatte einen ganz anderen Sinn als die Deutschen um ihre Identität im Freiheitskampf gegen Napoleon gekämpft hatten.

    Natürlich hat er nichts gegen die martialischen, bedrohlichen Hymnen der Briten (die immer noch die Meere beherrschen) or die der Franzosen (ganz schön blutrünstig aufrufend zu Mord)…deren imperiale Vergangenheit scheint ihn ja nicht zu stören.
    Naja….als nächstes kommt dann wahrscheinlich ein Essay über die fiesen Farben unserer Fahne, stammt ja auch aus den Befreiungskriegen.

    Deutsch = mies!

    Ich glaub, er würde nicht mal nach Israel passen mit so einer Einstellung…armer Junge! 🙂

  6. Karlheinz arbeitet mal wieder daran, seinen Ruf als Ignorant auszubauen. Jedes Kind weiß, daß seit langem auch de jure nur und ausschließlich die dritte Strophe des Deutschlandliedes Nationalhymne ist (was ja de facto schon seit 1952 der Fall ist) und ergo von „über alles“ nichts zu hören ist.

  7. Zamba hat vollkommen recht; bei einer solchen deutschen Geschichte immer noch ein „über alles“ zu singen oder zu spielen ist vollkommen unangebracht und so wäre,  die DDR-Hymne zu übernehmen, keine schlechte Idee gewesen. Dass unser rechtsradikaler Reserveoffizier Koshiro, das anders sieht, war nur zu erwarten.

  8. Öhm… im Nationalsozialismus war bekanntlich nur die erste Strophe (die heute aus nahliegenden Gründen nicht mehr verwendet wird) des Deutschlandliedes Nationalhymne… und selbst die spielte die zweite Geige hinter dem Horst-Wessel-Lied. Wenn man das weiterverwendet hätte, das wäre bedenklich gewesen… aber so?

    Das Deutschlandlied als Ganzes war Nationalhymne der Weimarer Republik (im Kaiserreich gab’s keine offizielle Nationalhymne) und der Bundesrepublik, mithin in den einzigen deutschen Demokratien. Da sehe ich keine verdammenswerte Kontinuität, um deren Willen man die Hymne einer sozialistischen Diktatur hätte vorziehen sollen.

  9. Die meisten Juden und erst recht die meisten Israelis, sehen das etwas lockerer. So war Lothar Matthäus, sogar ein Bayer, in Netanya ziemlich beliebt.

    Dass Deutschland noch nicht einmal eine neue Hymne zustande gebracht hat, ist allerdings ein Armutszeugnis erster Güte. Spätestens nach der Wiedervereinigung hätte sich die Hymne “Auferstanden aus Ruinen” angeboten.

  10. Sie lesen diesen Artikel auf Deutsch, übersetzt von einer deutschen jüdischen Website, und diskutieren auf Deutsch darüber. Allein das kann die ganze Sache nur als Realsatire erscheinen lassen, aber Sinn für die komischen Qualitäten des Lebens hat hier wohl kaum jemand…

  11. Hat Supi einen Nerv getroffen KarlHeinz? 🙂
    Hab gehört Israel will noch mehr deutsche Waffentechnik kaufen…gute Wahl!
    Scheint die irgendwie nicht zu stören…:):):)
     

  12. @Suppi
    Du bist wirklich ganz schön deutsch. Deutsch, im Sinne von unbelesen, ungebildet, schlecht informiert, selbstzufrieden, arrogant, ignorant, gefühllos oder gefühlskalt, anstandslos, morallos, gewissenlos, hirnlos, herzlos, unemotional, unsympathisch – kurzum, noch so ein Deutscher zum Eier abschrecken!
     
    Und in Deinem tiefsten Innern haste sehr wohl was gegen Juden, sonst hättest Du Dich anders ausgedrückt. Deine wenigen Zeilen sprechen geradezu Bände über Dich.

  13. Ich bin deutsch. Ich schäme mich nicht. Ich habe nichts gegen Juden. Aber ich wundere mich. Man stört sich an der deutschen Sprache. Die deutsche Sprache ist erheblich älter als der Nationalsozialismus. Erheblich jünger sind deutsche U-Boote und gegen den Einsatz deutscher Waffentechnik hat in Israel offenbar niemand etwas. Wie kommt das?

  14. @ makkabäer: Auch wenn ich natürlich nicht für alle sprechen kann, so kann ich für mich sagen, dass ich mich für die von Deutschen begangenen Verbrechen schäme.

    Ich bin der Ansicht Verallgemeinerungen tun immer einigen Leuten Unrecht. Warum kann man nicht versuchen jeden individuell zu sehen ohne dabei auf seine Muttersprache oder Religion usw. zu achten ? Ich bleibe bei meiner Meinung, dass ich es falsch finde jemanden zu diskriminieren, nur weil er eine bestimmte Muttersprache hat oder zufällig in einem bestimmten Land geboren ist. Insbesondere bin ich der Ansicht, dass Begriffe wie „Erzfeind“ nicht unbedingt hilfreich sind. Was kann sich Positives daraus ergeben ? Ich denke nichts.

    Schon bevor ich auf hagalil gestossen bin, wusste ich, dass es in Deutschland leider eine lange Geschichte von Antisemitismus gibt, wie z.B. die Progrome im Mittelalter, weil Juden als Sündenböcke für den Ausbruch der Pest missbraucht wurden. Und ob Sie es glauben oder nicht, ich habe das in der Schule gelernt. Auch in den Museen vieler dt. Städte wird darauf hingewiesen.

    Von einem Freund aus Israel habe ich erfahren, dass der Vater von Karni Eldad Abgeordneter einer rechtsextremen Partei ist, die über relativ wenige Sitze in der Knesset verfügt. Er lehnt zum Beispiel die Schaffung eines palestinensischen Staates völlig ab. Außerdem wird die Zeitung Israel hajom kostenlos verteilt. Daher bin ich mir nicht sicher, ob der Artikel die Aufmerksamkeit bei hagalil verdient hat. Andererseits ist es interessant, dass gezeigt wird, dass derartige Meinungen existieren und in einer israelischen Zeitung ein Forum finden.

    Es steht in einer Demokratie jedem frei zu entscheiden welche Musik er hören oder wo er studieren möchte. Was will der Autor eigentlich mit seinem Artikel erreichen ? Einen Boykott dt. Musik in israelischen Radios ? Was würde das bringen ?

  15. @Trauriger Artikel
    Sind Sie sicher, dass „die meisten jungen Deutschen“ sich schämen?
    Bei den letzten Umfragen unter jungen Deutschen stellte man fest, dass  die Begriffe Shoa, Holocaust und Auschwitz nicht allzu großen Jugendlichenkreisen ein Begriff sind.
    Lesen Sie mal das Buch von Keßler über den neuen Antisemitismus!
    Nicht immer ist die eigene Umgebung repräsentativ für das ganze Land.
    Und noch was, wenn Sie die Artikel von haGalil aufmerksam lesen, vor allem die zu Deutschland und Bayern, dann werden Sie schnell feststellen, dass die Latte deutscher Verbrechen an Juden nicht ausschließlich auf 12 Jahre Hitler beschränkt ist, sondern über 1000 Jahre sich erstreckt.
     
    Jetzt wissen Sie, was Sie tun können, um sich solche Blößen das nächste Mal zu ersparen: mehr haGalil lesen!

  16. Wenn das Lied nicht dem Musikgeschmack der Hörer entsprechen würde, würde der Sender es wohl nicht spielen. Ich denke jeder kann selber entscheiden welche Musik er hören und wo er studieren möchte. Insgesamt erschreckt mich der Unterton des Artikels mit Begriffen wie „Erzfeind“ usw. Niemand kann sich aussuchen wo er geboren wird. Für mich klingt es so, als wenn der Autor jemanden ablehnen würde, nur weil er Deutscher ist. Was sollen Verallgemeinerungen und Stereotype bringen ? Die meisten jungen Deutschen schämen sich sehr für die schrecklichen Verbrechen, die von Deutschen während der Nazizeit begangen wurden.

    Aber was können sie dafür in einem Land mit einer derart schrecklichen Geschichte geboren worden zu sein ? Ich persönliche halte ein derartiges Gruppendenken für falsch und gefährlich. Was soll Positives daraus entstehen, wenn man jemanden ablehnt nur weil er eine bestimmte Muttersprache hat ?

  17. @Yael
    Keine Sorge, hier beginnt schon der klassische Antisemitismus, der nicht in der Lage ist, zwischen Israelis und Juden zu unterscheiden.

    Ohne den ersten Beitrag des Benutzers Dudl verteidigen zu wollen (den Sie zu Recht kritisieren), aber diese Unterscheidung (zwischen Israelis und Juden) findet eben auch  in dem Artikel von Eldad nicht statt. Eldad bezieht sich sogar explizit auf das ‚Jüdisch-Sein‘ seiner israelischen Landsleute und nimmt diese in eine gewissermaßen umgekehrte Sippenhaft, die in der nachgerade fragwürdigen Konstruktion des Begriffes ‚Erzfeind‘ gipfelt (wobei es sich da möglichweise um eine unscharfe Ãœbersetzung handelt).

    Ein deutscher Jude wäre dieser Definition nach letztlich ein Feind seiner selbst, und alles, was Juden jemals in Deutsch geschrieben haben — einschließlich der Werke von Kafka, Benjamin, Zweig, Tucholsky, Feuchtwanger, Kertesz u.a  — dürfte, zumindest in Israel, niemals mehr im Original konsumiert werden.

    Ich kann nachvollziehen, dass der Klang der deutschen Sprache bei Überlebenden der Shoa Traumata erweckt, aber deswegen denjenigen den Umgang mit ihr untersagen zu wollen, die durch diese Traumata nicht belastet sind, halte ich für eine andere Art von Verdrängung.

    Was mich aber viel trauriger stimmt als all das Erwähnte, ist Eldads klare Absage an jedweden Moment der Versöhnung. Genau genommen habe ich, als Deutscher des Jahrgangs 1964, schon qua meiner Sprache (also: Herkunft) überhaupt keine Möglichkeit hier auf jemanden zuzugehen, der mit dieser Sprache alles Schlechte der Welt assoziiert. Wie gesagt: Verständnis, aber auch ein wenig Ohnmacht.

  18. Jene, welche die pervertierte deutsche Sprache zwischen 1933-1945 überlebten, kann dieser Sprachklang kaum zugemutet werden, vielleicht auch deren Kindern nicht. Aber alle Nachgeborenen haben eine „geschulte“ Auffassung dieser Sprache.
     
     
     

  19. @ jim
    Meine Frage nach den Barrieren war zugegebenermaßen ein wenig provokativ… Manche Barrieren sind eben einfach da – bei manchen, bei vielen, bei allen? – und man überwindet sie jedenfalls nicht dadurch, daß man versucht, sie zu ignorieren oder wegzureden. Allerdings lag es nicht in meiner Absicht, am Thema vorbeizureden, sondern eher, mich ihm auf einem Umweg zu nähern.

    Die Frage nach der Bedeutung des Kollektivs für den einzelnen ist, glaube ich, durchaus legitim. Ich gehe mal davon aus, daß jeder mehreren, sich z.T. auch überschneidenden Kollektiven angehört, wobei je nach Situation eines dominant sein dürfte, was je nach Individuum sicherlich sehr unterschiedlich ist. Was die Inhalte des jeweiligen kollektiven Bewußtseins betrifft, müßte man fragen, worin sie bestehen, wie tradierbar oder wandelbar sie überhaupt sind und wie stark sie der einzelne verinnerlicht hat.

    Im übrigen kann ich zwar die Gefühle von Karni Eldad akzeptieren, bin aber wohl kaum in der Lage, das zu „beweisen“: Jedenfalls hätte ich es nicht als Affront empfunden, wenn die deutsche Hymne im israelischen Parlament nicht gespielt worden wäre, da Musik etwas ist, was sehr stark Gefühle anspricht.

    Problematisch bei Eldad ist allerdings, daß er in seinem Artikel suggeriert, daß sich alle Israelis so fühlen müßten wie er: Er geht völlig unhinterfragt davon aus, daß jeder, der diese Abwehrreaktion gegen alles Deutsche nicht oder nicht in der gleichen Intensität empfindet, etwas zu verdrängen versuche. Analog argumentieren Sie gegenüber „den Deutschen“ in bezug auf ihre Schuld oder Verantwortung.

    Auch wenn es nicht intendiert ist, wirkt das so, als wolle man darüber richten, wie gut oder schlecht jemand „seinen“ Holocaust bewältigt und als gäbe es dafür nur einen Königsweg und abseits davon nichts als Verdrängungsprozesse.

    P.S.: Als Nebenaspekt möchte ich noch anmerken:
    Wenn man Eldads Logik zu Ende denkt, wäre ein Jude, dessen Muttersprache deutsch ist, der in deutsch denkt, spricht und träumt, allein durch seine *bloße Existenz* eine einzige Selbstverletzung.

  20. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob wir nicht aneinander vorbeireden

    Nicht nur aneinander, sondern auch am Thema.

    Wir schreiben hier an einer jüdischen Seite, sowohl diese als auch deren Betreiber sind deutschsprachig. Es gibt hier in Deutschland eine prosperierende jüdische Gemeinde, auch deutschsprachig, und es gibt sehr viele deutsche Juden, die dieses Deutschland als Heimat betrachten. Darüber hinaus gibt es hier in Deutschland, aber auch in Israel, eine große Anzahl deutsch-jüdischer Beziehungen, Ehen und Familien, die sehr gut harmonieren, glücks- und liebesfähige Nachkommen haben.

    Trotz allem – und das ist gut!

    Es gibt aber auch Juden, deren Deutschenbild auf Grund Jahrhunderte langer Erfahrung

    http://test.hagalil.com/2009/04/30/brauchtum/

    und durch die Shoa geprägt, wenn überhaupt, nur sehr schwer beeinflußbar ist – und das ist zu akzeptieren.

    Es ist, wie auch Sie schildern, die Sicht: Es gibt den Holocaust der Deutschen und den Holocaust der Juden. Wie pervers die Erwartung gegenüber den Juden sein muss, ihren Holocaust endlich zu bewältigen, endlich zu verzeihen, endlich zu vergessen, ist angesichts der Unfähigkeit der Deutschen, mit ihrem eigenen Holocaust und der daraus erwachsenden Verantwortung umzugehen, überdeutlich.

    Auch die Frage nach den Barrieren fällt in diesen Bereich.

  21. @ jim
    Wenn Sie Ihren Beitrag v.a. als Mittel zur Sensibilisierung, zur Unterbrechung eines Abwehrreflexes verstanden wissen wollen, so hätten Sie kaum ein besseres wählen können und da besteht zwischen uns wohl auch kein Dissens. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob wir nicht aneinander vorbeireden – bzw. ich an dem, was Sie eigentlich gemeint haben. Insofern bitte ich Sie, meine Äußerungen zunächst mal als Gedankenanregung zu verstehen.

    Stärker noch, als wenn Sie von einem kollektiven „Unbewußten“ gesprochen hätten, stellt sich doch die Frage: Auf welches Kollektiv beziehen wir uns eigentlich – Juden, (nicht-jüdische) Deutsche oder Menschen? Bei meiner Wahrnehmung des gezeigten Bildes als „Ganzes“ gehe ich in jeder Hinsicht von letzterem aus…

    Es ist ein *gleichzeitiges* Erschrecken darüber, wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann (aktiv, nicht-jüdische „deutsche“ Perspektive) und wie einem Menschen von einem anderen so etwas angetan werden kann (passiv, „jüdische“ Perspektive). Das Entsetzen auf seiten der Opfer geht ja *auch* deshalb so tief, weil es nicht ein Monster von einem anderen Stern ist, welches ihnen grundlos das Leben nimmt und die Schuld des Täters ist doch deshalb so groß, weil es eben keine Zielscheiben sind, auf die er schießt, sondern wehrlose unschuldige Menschen.

    Ich meinerseits erlebe dieses Bild als ganzer Mensch, wobei mein Mensch-Sein mein Deutsch-Sein natürlich miteinschließt. Und zu meinem Deutsch-Sein sollte auch ein besonderes Verantwortungsgefühl gehören. Dieses Verantwortungsgefühl empfinde ich aber als Mensch und nicht als Teil eines Kollektivs und ich empfinde es gegenüber einem anderen Menschen, den ich auch nicht als Teil eines (anderen) Kollektivs betrachte… Warum also erst Barrieren aufbauen, um sie hinterher einzureißen?

  22. @ Carl
    Das Problem mit den deutschen Gymnasien – und dem gesamten Schulwesen – ist, dass es seit Jahren eine einzige Baustelle ist. Eine „Reform“ jagt die andere und hält Schüler und Lehrer vom eigentlichen Zweck ihrer Arbeit ab: lLehren und Lernen. Seit der Verkürzung von 13  auf 12 Schuljahre ohne jegliche Anpasssung der Lehrpläne, dazu der politische Zwang zur Ganztagsschule ohne jegliches pädagogisches Konzept, ist den jungen Menschen jede weitere Bildungsmöglichkeit verleidet und verwehrt.
    Dazu kommt noch die immer stärker um sich greifende Infantilität (bei Schülern und Lehrern) – Ausnahmen bestätigen die Regel – die ein weitergehendes Interesse an „ernsten“ Themen uncool werden lässt.
    Schlagworte sind in jeder Hinsicht gefragt und je weniger die Menschen hinterfragen, desto besser für die Rattenfänger jeder Couleur. Und die stehen eben nicht nur rechts- oder linksaußen.

    Ãœbrigens – zum Thema: Auch meine Eltern haben mit uns nie Deutsch gesprochen, bzw. meine Mutter sl. – obwohl aus der Ulmer Gegend stammend – hat erst mit mir angefangen Deutsch zu sprechen, als ich im 5. Semester Germanistik war. Doch beide haben meine Studienwahl nie behindert, im Gegenteil. Auch als ich nach Ablauf meines Stipendiums in Deutschland blieb, haben sie nach Kräften unterstützt.
    Aber wer hat gesagt, dass Menschen logisch sind?

  23. @Esther
    Ich darf Sie bitten, meine Einlassung in Hinblick auf vorangegangene Beiträge zu sehen.

    Es geht nicht um Täter-, Opfer-Projektionen, sondern um das kollektive Bewusstsein und damit um die Fähigkeit, die dem Eingangsbeitrag zu Grunde liegende Intention richtig zuordnen zu können.

    Die Refleshaftigkeit der Ablehnung zeugt von eklatantem Mangel, nicht nur in dieser Hinsicht.

  24. Mit der Sprache dies ist eine Sache für sich, sie kann ähnlich der Musik  schmerzhafte,horrormäßige Erlebnisse innerhalb aller kürzester Zeit zurückrufen.Ob Glücksgefühle,aber vorallem das Schreckliche ist in unser Gehirn wie eingebrannt, und schon die Phonetik holt Erinnerungen hervor bei denen man glaubte sie aus dem Bewußtsein verdrängt zu haben, leider Trugbilder! Natürlich fällt es Menschen welche bestimmte Formen der seelischen Qual aus reiner Willkür noch nicht erlebten schwer dieses nachzuvollziehen ! In diesem Sinne, Shalom

  25. Yael,

    er ist wahrscheinlich Antisemit, aber immer wenn es Zores um die deutsche Sprache gibt, ( die Niederländer, die ich kannte ( auch meine Großtanten) wollten diese Sprache nicht sprechen) schmerzt es. Die WiderständlerInnen, werden so ein zweites Mal verjagt, werden vergessen, wenn wir ihre Muttersprache nicht achten.
    Alles Liebe und Gute
    Petra

  26. @ jim
    Als nicht-jüdische Deutsche projiziere ich mich bei der Beschäftigung mit dem Holocaust oft genug auf die Täterseite: Ich wäre, wenn ich damals gelebt hätte, auf der Seite der potentiellen Täter gestanden und kann mir überlegen, wie ich mich verhalten hätte, wie ich in bestimmten Situationen reagiert hätte, wie ich vielleicht Menschenleben hätte schützen können (ohne selber dabei draufzugehen, wenn ich ehrlich sein soll)…

    ABER: Wenn ich dieses Bild sehe – ich kannte es bereits und es ergreift jeden, der nur über ein Minimum an Gefühlen verfügt – ist all das Entsetzen und die tiefe Traurigkeit, die ich empfinde, die eines Menschen und nicht einer Deutschen! Das Entsetzen darüber, was Menschen Menschen antun können – jederzeit und überall… Und das ist keine Verdrängung, Ãœberlagerung oder Verschiebung „meiner“ Schuld.

    Ich verstehe offengestanden nicht, wie Sie auf die Idee kommen können, daß man sich angesichts DIESES Bildes als Deutscher auf die Täterseite und als Jude auf die Opferseite projizieren sollte: Mit dieser Erwartungshaltung errichten Sie die unüberwindbare Barriere. Dieses Bild aber ist ein Ganzes – deswegen ergreift es einen so stark: Wer es nicht als Ganzes sieht, ist auch nur zum Teil ergriffen!

  27. Ich frage mich, was Karni Eldad eigentlich will. Er schreibt, dass die Israelis, weil einige von ihnen deutsche Musik hören oder selbst nach Deutschland gehen, ein  Volk sind, „das sich nicht daran erinnert, was sein Erzfeind ihm angetan hat“.
    Will er einen Boykott oder gar ein Verbot deutscher Sprache und Kultur in der israelischen Öffentlichkeit? Will er ein Reiseverbot nach Deutschland für alle israelischen Staatsbürger? Dann sollte er sich auch trauen, dies zu fordern, auch auf die Gefahr hin, zum allgemeinen Gespött zu werden.
    Dass es für Holocaust-Überlebende unangenehm, sogar unerträglich sein kann, die deutsche Sprache zu hören, wird jedem einleuchten, der etwas Gespür für seine Mitmenschen hat.
    Darum geht es aber, glaube ich, Herrn Eldad gar nicht. Mir scheint vielmehr, dass es ihn einfach wurmt, dass die meisten (v.a. die jungen) Israelis Deutschland nicht mehr – wie er selbst – als „Erzfeind“ ansehen.
    Daraus folgend seinen Landsleuten, als Volk Geschichtsvergessenheit zu unterstellen, halte ich schlicht für eine Unverschämtheit. Glaubt er denn wirklich, dass das israelische Volk „seine Vergangenheit nicht kennt“, weil es deutsche Musik hört oder nach Deutschland reist?!
    Gruselig aber auch die Reaktionen von Leuten wie Dudl, die undifferenziert auf „die Juden“ eindreschen, weil ein, zwei von denen mal etwas sagen, was ihnen nicht passt.
    Nun ja, Dudl ist noch jung – hoffen wir, dass er dazulernt und nicht als verbitterter „Antisemit WEGEN Auschwitz“ endet, den H. M. Broder in seinen besseren Zeiten mal beschrieben hat…

    MfG, Volker

  28. „Man kann sich z.B. als Immigrant dafür entscheiden die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen und sich als Deutscher beginnen zu fühlen. Man “erbt” damit unter anderem auch die geschichtliche Verantwortung. Welche Konsequenzen man privat daraus zieht, ist eine ganz individuelle Sache. Von persönlicher Verantwortung kann gar nicht die Rede sein. Analog kann man sein Deutschtum und so die geschichtliche Verantwortung ablegen. Und auch hier – was das für einen persönlich bedeutet ist eine völlig andere Sache.“
     
    Das ist richtig. Jemand mit  Migrantionshintergrund  (fürchterliches Wort, aber mir fällt auch nichts besseres ein) „erbt“ man sicher auch die deutsche Geschichte, aber ist es etwas anderes ob man als Deutscher geboren wird oder nicht.
    Ich finde einfach, niemand kann sich auf das Gute in der deutschen Geschichte berufen (oder meinetwegen Literatur etc.), aber mit dem Negativen nichts zu tun haben wollen. Das kann man nicht ablegen, denn die Herkunft ist nunmal da. Das heißt ja nicht, dass man persönliche Schuld hat, sich mies oder sonst was fühlen soll (das wäre in der Tat verhehrend), aber  Verantwortung hat man nicht nur für sich selber, sondern auch für andere, nicht für das Vergangene, sondern für das Heute (das ist überall so). Das hatten Deutsche damals und das haben Deutsche heute. Und wenn sich jemand als Antisemit derart widerlich äußert, wie der Typ hier, steht das in einer direkten Tradition dunkelster Geschichte. Man muss keine Menschen persönlich ermorden, es gibt viele Arten Menschen zu töten, sei es „nur“ sozial.
    „ganz zufällig waren die meisten von ihnen Deutsche.“
     
    Dem widerspricht aber die Geschichte. Es ist sicher kein Zufall, dass die Shoa von Deutschland und Deutschen ausging. Antisemitismus war in anderen Ländern traditionell stärker, aber diese Länder haben die Shoa aber nicht durchgeführt.

  29. Über den Inhalt und die Aussage des Artikels ein Urteil zu fällen, maße ich mir nicht an, doch die Wortwahl macht mich ratlos. Möglicherweise ist es lediglich das Resultat einer etwas nachlässigen Übersetzung, aber wenn in dem Artikel die Rede ist von genetisch bedingten Traumata, von einem gesunden Volk (gibt es dann auch so etwas wie ein gesundes Volksempfinden?), dann erinnert mich diese Diktion fatal an die Lingua Tertii Imperii (Victor Klemperer), und das irritiert mich sehr.

  30. Ich finde es erstaunlich, daß hier viele sich anmaßen, das Leid von Holocaustopfern nachempfinden zu können. Hieraus rührt wohl auch diese eigenartige Diskussion.

    Erst einmal empfinde ich es als positiv für das deutsch-israelische Verhältnis, wenn junge Israelis auch deutsche Musik hören. Den jungen Israelis abzuverlangen, bei alltäglichen Dingen, des Schicksals ihrer Großeltern zu gedenken, ist eine schier unlösbare Forderung und würde meines Erachtens, auch das Verhältnis zwischen den israelischen Generationen belasten.
    Die viel grüßere Gefahr ist doch, daß sich hier ein Überdruß gegenüber der Geschichte der Opfer verbreitet wie es in Deutschland umgekehrt der Fall ist.
    Was die richtige „Dosierung“ zur historischen Aufarbeitung ist, weiß ich leider auch nicht. Ein Zuviel wird aber auch hier sicherlich kontraproduktiv sein.

    Es  sollte darüber nachgedacht werden, daß deutsch auch die Muttersprache für einen nicht unerheblichen Teil jüdischer Holocaustopfer war bzw. ist.
    Auch auf die Gefahr hin, zynisch zu klingen: Das Vermeiden der deutschen Sprache erscheint mir als eine Form von Symbolismus, der der Singularität der Shoa auf keinen Fall gerecht wird.

    Dem Eldad-Artikel kann ich nur in einem Punkt zustimmen: Das Abspielen der deutschen Nationalhymne in der Knesseth halte ich auch für eher unglücklich.

    Ich glaube, das Deutschlandbild junger Israelis wird sehr stark durch den Blick auf das heutige Deutschland geprägt: Anti-Israeldemonstrationen, geringe Loyalität Deutscher zu Israel, Sympathie für die Feinde Israels.
    Das Aufbauen künstlicher Sprachbarrieren würde eine Verbesserung der Sicht beider Länder aufeinander stark behindern.

  31. @ Cora,

    D‘ accord – sehe ich auch so.
    Trotzdem sehe ich auch hier den Einzelnen gefordert sich selbst zu informieren.
    Ein Verbrechen, wie die Shoa, sollte mehr Fragen aufwerfen, als der Schulunterricht geben kann.
    Ich bin mir noch nicht einmal sicher ob das Gymnasium, mit seiner längsten Schulzeit, die vielfältige Verzweigung des Antisemitismus einigermaßen befriedigend abhandeln könnte – von dem eigenen zu bekundenden Interesse des Lehrers einmal ganz abgesehen.
    Das ist noch ein zusätzlicher Faktor, der sicher auch zu bedenken ist.

    Ideal wäre, würde ich sagen, ein Geschichtsunterricht, der mehr Fragen bei den Schülern entstehen lässt, als die Schule beantworten kann.
    Es gibt heutzutage viele Internet Angebote: hagalil fällt mir natürlich spontan ein  😉
    Aber auch Yad Vashem hält online Angebote zum Selbststudium über die Shoa bereit.

    Vielleicht wäre es ratsam, zum Beispiel, eine Liste mit guten online Angeboten offiziell zu erstellen, die den Schülern der jeweiligen Klassen in der ersten Geschichtsstunde des Schuljahres übergeben wird.
    Da könnte es dann wesentlich tiefer gehen –> Römisches Reich, erstes Christentum, Mittelalter, Renaissance, Gründerzeit bis eben hin zur Shoa.
    Das wäre für mich eine Möglichkeit einer adäquaten Auseinandersetzung mit Antisemitismus und gerade in Deutschland fände ich diese Art Aufwand, um zum Selbststudium und Selbstinformation anzuhalten durchaus nicht zuviel.

  32. Oh Mann, Jeremy, reg dich ab. So habe ich es doch gar nicht gemeint. Mit Deutschen meine ich hier die Nichtjuden. (Ansonsten können natürlich auch Juden Deutsche sein, vermutlich deshalb das Missverständin deinerseits).

  33. @Christoph
    Aus meiner Sicht haben Nichtjuden an Juden die Verbrechen begangen und ganz zufällig waren die meisten von ihnen Deutsche.

    Was für einen Unsinn schreiben Sie? Welche Verbrecher haben die Juden begangen um sie auf einer Stuffe mit den Deutschen zu stellen. Sind Sie ganz von sinnen? Schande über Sie. Pfui!

  34. Yael, so absurd finde ich diesen Gedanken gar nicht. 

    Man kann sich z.B. als Immigrant dafür entscheiden die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen und sich als Deutscher beginnen zu fühlen. Man „erbt“ damit unter anderem auch die geschichtliche Verantwortung. Welche Konsequenzen man privat daraus zieht, ist eine ganz individuelle Sache. Von persönlicher Verantwortung kann gar nicht die Rede sein. Analog kann man sein Deutschtum und so die geschichtliche Verantwortung ablegen. Und auch hier – was das für einen persönlich bedeutet ist eine völlig andere Sache.

    Man muss nicht unbedingt ein Deutscher sein, um sich für die Verbrechen der Deutschen verantwortlich zu fühlen. Aus meiner Sicht haben Nichtjuden an Juden die Verbrechen begangen und ganz zufällig waren die meisten von ihnen Deutsche.

  35. Möchte mich für die Reaktion auf meinen Beitrag http://test.hagalil.com/2009/04/22/deutsch/comment-page-1/#comment-3306 bedanken.

    Nun bitte ich Sie, das verlinkte Bild nochmals ohne Scheu eindringlich zu betrachten und die dabei aufkommenden Gefühle und Empfindungen aber nicht zu bekämpfen, sondern zuzulassen.

    Ich denke, solches könnte viel dazu beitragen, das Gemeinte, und das auch im Kontext zu dem vorangestellten Artikel, eher zu begreifen, zu verstehen.

  36. Wenn ich Deutschland und die deutsche Sprache auf die Jahre 33 – 45 reduziere, öffne ich einer weiteren Shoah Tür und Tor. Warum? Weil ich die Wurzeln, die dazu führten, völlig ausklammere.
    Wenn ich Deutschland und die deutsche Sprache auf die Jahre 33 – 45 reduziere, töte ich die Ermordeten noch einmal – zumindest Teile davon. Warum? Weil ich ihre Lebensgeschichte in diesem Land (und natürlich auch in Österreich) negiere.

    Genau das war jahrzehntelang der Fehler des hiesigen Geschichtsunterrichts. Man begann bei den Römern, erfuhr das Eine oder Andere über´s Mittelalter und den 30jähr. Krieg. Und dann herrschte Schweigen, bis plötzlich Hitler und seine „Bande“ auftauchte.  Sie fielen quasi vom Himmel. Und keiner war´s gewesen.
    Schüler, die so die Geschichte erfuhren, konnten die Brisanz des Themas natürlich nicht erfassen, die „Schuld“, die man zu thematisieren versuchte,  nicht auf ihre Familien beziehen.  Und noch heute fristet der Geschichtsunterricht in den Schulen ein Nischendasein, fällt allzu oft aus.
    Ein Volk aber, das seine Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft.

  37. Petra,
     
    ihm geht es nicht um die deutsche Sprache, darauf hat er sich nicht bezogen. Auch ist er kein Nazi bzw. meint er einer werden zu müssen (nebenbei: wie tickt eigentlich jemand, der lieber ein Nazi wäre?), er ist ganz eindeutig ein Antisemit, der dem jüdischen Staat auch noch den Untergang wünscht.
     
    „Wenn ich also in Deutschland lebe bin ich die Enkel-der-Täter-Generation und trage eine schwere Schuld und eine besondere Verantwortung, ja?
    Sobald ich meinen Paß abgegebe und auswandere bin ich ein ganz normaler Amerikaner oder Franzose oder Engländer…hmm….lustig, ne?“
    @dan
     
    nein, denn das besitzen Sie eine andere Staatsbürgerschaft, ihre Vergangenheit als Deutscher bleibt, wie kommen Sie auf diesen absurden Gedanken? Es geht auch nicht um eine persönliche Schuld (davon spricht kein Mensch), sondern um Verantwortung, die Sie als Deutscher nicht einfach so ablegen können, ob Sie das wollen oder nicht. 

  38. @Dudl
     
    „Obwohl ich die Juden wegen ihrer Politik nicht mag, würde ich nie einem Juden was antun“
     
    Keine Sorge, hier beginnt schon der klassische Antisemitismus, der nicht in der Lage ist, zwischen Israelis und Juden zu unterscheiden und der von „den“ Juden schreibt. Aber nett von Ihnen, dass Sie uns nichts tun würden (schlapplach). Backen Sie sich ein Ei drauf.
     
    „ich hoffe dass die Araber soviel Kinder machen,dass es den Jüdischen Staat nicht mehr geben wird.
    Was wollen die Juden von mir?“
    Von Antisemiten wie Ihnen sicher nichts. Aber so trieft der Antisemitismus wieder mal.
     
    Widerling!
     
     
     

  39. Deutsch ist auch die Sprache der WiderständlerInnen gewesen. Das Problem sind die Gedanken, die in einer Sprache geschrieben und gedacht werden. Dudl, – Verrückte gibt es überall, warum nicht auch in Israel.  Aber warum deshalb Nazi werden???

  40. Die Worte Jigal Alon’s treffen auf Deutschland noch viel mehr zu.
    „Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, dessen Zukunft liegt im Ungewissen“

    Zu yom HaShoa hab ich in einem Blog gelesen, dass eine Mutter zur Gedenkveranstaltung  gegangen ist, die die Schule ihrer Kinder gestaltet hat.
    Sie informierte ihren Chef kurz warum sie das Büro verlässt.
    Darauf erwiderte er, dass man sich nie zu früh anfangen kann zu erinnern.
    Die Bloggerin wandt noch ein, das ihre Kinder zu klein sind und sich wahrscheinlich eher an den einstudierten Tanz der Aufführung erinnern werden.
    Der Chef antwortete, dass es keine Rolle spielt.

    Sicher freut es mich zu hören, dass es in Israel junge Leute gibt, die auch deutsche Musik lieben.
    Aber sofort kommen mir die Ãœberlebenden der Shoa in die Gedanken.
    Vielleicht erleben viele von ihnen jedes deutsche Wort aus dem Radio, wie einen Peitschenhieb, denn in der gleichen deutschen Sprache wurden ihre Familien von den Tätern getrieben, gezwungen, misshandelt, verachtet, erniedrigt, gefoltert, ermordet.

    Ich wüßte nicht, dass es in Deutschland jemals so war mit dem Gedenken der Shoa aber ich erinnere mich an den Eklat zum deutschen Gedenktag am 27 Januar dieses Jahres.
    Da wünschte ich mir von den Deutschen wesentlich mehr Mut, Feingefühl und eigenes Handeln zur Demut und zur Scham und zur Übernahme der Verantwortung der Schuld ihrer Vorfahren auch von den Enkeln und Urenkeln und kommenden Generationen.

  41. >>“Einzig immer nur der Versuch abzuwehren, sich zu distanzieren – das ist unmöglich!“<<

    Es ist unmöglich, punkt!
    Wie soll man sich denn von etwas distanzieren das man nie getan hat?
    Wenn ein Verbrecher in ihrer Stadt zum Beispiel ein Kind vergewaltigt und grausam ermordet können sie doch auch nur mit Grauen und Trauer darauf reagieren, aber fühlen sie sich verantwortlich für diesen Verbrecher? Fühlen sie das Verlangen sich davon zu „distanzieren“ was immer das auch in diesem Fall heißen mag? Fühlen sie sich mitschuldig???

    Außerdem finde ich diese ganze Situation merkwürdig. Überlegen sie doch mal:
    Es gibt millionen Deutsche und Deutschstämmige in anderen Ländern wie zum Beispiel der EU oder in den USA.
    Niemand wird von denen verlangen eine besondere Verantwortung für Israel zu tragen oder besondere Rücksicht zu üben, warum auch?
    Aber diese jungen Deutschen haben genauso viel mit dem Holocaust zu tun wie junge Deutsche in Deutschland, nämlich gar nix!

    Wenn ich also in Deutschland lebe bin ich die Enkel-der-Täter-Generation und trage eine schwere Schuld und eine besondere Verantwortung, ja?
    Sobald ich meinen Paß abgegebe und auswandere bin ich ein ganz normaler Amerikaner oder Franzose oder Engländer…hmm….lustig, ne?

    >>“Die nicht angenommene sondern verdrängte, überlagerte, verschobene Schuld, das sogenannte “Introjekt Hitler”, ist eine unüberwindbare Barriere.“<<

    „Verdrängt?“
    „Ãœberlagert?“
    „Verschoben?“

    Wer nichts getan hat ist nicht schuldig, ganz einfach!
    Also, da muß keine Barriere sein! Außer man baut immer wieder eine auf aus den verschiedensten Gründen…und diese Gründe sind mir manchmal nicht geheuer!

  42. @jim

    Ich kann Ihre Denkweise nicht verstehen und auch nicht emotional nachvollziehen. Es ist mir völlig befremdlich, ausgebombte Deutsche, damals lebende, einfache deutsche Arbeiter und Bauern pauschal als „Tätergesellschaft“ bezeichnen zu wollen, die trotz des persönlichen Leides, das ihnen selbst durch Krieg, Vertreibung und Besatzerwillkür widerfuhr, moralische Schuldgefühle gegenüber den Juden haben sollte. Wie kommen die persönlich dazu?! Was haben diese Deutschen getan?! Moralische Kollektivhaft?

    Diejenigen Nazis, Wehrmachts- und SS-Soldaten, die in Sonderkommandos Juden töteten, waren doch später in der BRD die besten Freunde der Amis im „Kalten Krieg“. Genauso waren es in den USA die übelsten jüdischen Kriegstreiber, die hernach gar nicht laut genug öffentlich die Judenvernichtung bejammern konnten, obwohl sie doch vor 1941 genau wußten, was sie taten und welche Konsequenzen es für die Juden in Europa haben wird. Es ist zudem schlicht unmöglich, jedem x-beliebigem Deutschen aufgrund von Verbrechen, die Deutsche begangen haben, ein moralgeschwängertes  Schuld- bzw. Schamgefühl aufoktroyieren zu wollen. Die wehren sich dagegen, weil es ihrem Gerechtigkeitsempfinden einfach zuwider ist, sich für Verbrechen, die sie persönlich nicht begangen haben, moralisch verantwortlich zu fühlen- schlimmer noch: dafür von irgendwelchen selbsternannten Holocaust-Gurus moralisch verantwortlich gemacht zu werden.

    Und wenn heute ein Karni Eldad Probleme mit dem Hören der deutschen Sprache hat, tut es mir für ihn aufrichtig leid. Solche Menschen gibt es überall, auch in Israel. Ich höre gerne deutsche Bach-Chöre oder romantische Lieder von Johannes Brahms. Ich finde die deutsche Sprache trotz der Judenvernichtung so schön wie z.B. Daniel Haw oder Ralph Giordano.

  43. Ich habe vor ein paar Tagen ein Bild gesehen, bin einfach so darauf gestossen, es lässt mich nicht mehr los, bei Tag und bei Nacht:

    http://www.ynetnews.com/PicServer2/02012008/1353502/arabic_wa.jpg

    Was bis heute fehlt, ist das Entsetzen, die tiefe Traurigkeit auf Seiten der damaligen Tätergesellschaft und aber leider auch bei der großen Mehrheit deren Nachkommen, deren Erben.
    Einzig immer nur der Versuch abzuwehren, sich zu distanzieren Рdas ist unm̦glich!

    Die nicht angenommene sondern verdrängte, überlagerte, verschobene Schuld, das sogenannte „Introjekt Hitler“,  ist eine unüberwindbare Barriere.

  44. Nah dudl, Typen wie Makkabäer provozieren solche Reaktionen.
    Und dann groß rumschreien das eine Mehrheit mit solchen wie ihm nichts
    anfangen kann, ihn nicht genug liebt und respektiert.

    Aber Juden sind wie alle anderen auch, Arschlöcher und nette Leute…
    Man darf halt nicht an die Arschlöcher wie Makkabäer geraten und dann auf „die Juden“
    schließen!

    Aber es freut mich das selbst das israelische Radio und seine Zuhörer Leute wie Makkabäer verarscht und deutsche Musik gerne hört, denn DAS ist die Realität, nicht seine Haß Fantasien, he :):):)

  45. Etwas am Thema vorbei, Dudl.

    Was hast du mit Hitler zu tun? – Nun, eine gemeinsame Geschichte. Er war ein Österreicher und ein Deutscher, so wie du vermutlich ein Österreicher bist. Höre auf ein Österreicher zu sein, dann wirst du auch mit Hitler weniger zu tun haben ;-). Ansonsten gibt es so etwas wie eine geschichtliche Verantwortung, die sich mehr auf das Selbstverständnis eines Staates bezieht. Welche Rückschlüsse du für dich selbst aus dieser übergeordneten Verantwortung ziehst ist deine Sache. Mit Freundschaft gegenüber Juden hat es nichts zu tun. Aber du bist ja sowieso liebar Nazi.

  46. Was für ein Käse…
    …ich bin Jahrgang 1986, was habe ich mit Hitler zu tun? Was konnte ich dafür? Was wollen die Juden von mir? Wisst ihr was? Das ist mir alles scheiß egal, lieber bin ich ein Nazi als ein Freund der Juden, der nur dann ein Freund ist wenn er genau das macht was sie wollen.
    Obwohl ich die Juden wegen ihrer Politik nicht mag, würde ich nie einem Juden was antun. Aber… ich hoffe dass die Araber soviel Kinder machen,dass es den Jüdischen Staat nicht mehr geben wird.
    Wie war das in Österreich? Österreich ist ein Naziland weil so viele die FPÖ gewählt haben? Achja… aber wenn Juden rechts wählen ist es was anderes?

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