Landschaft des Gedenkens

Mit einem grenzübergreifenden Projekt werden zwei herausragende Orte der Erinnerung an die Shoah miteinander verbunden…

In Zusammenarbeit der Gedenkstätte Terezín und der Technischen Universität Dresden (dort insbesondere mit dem MitteleuropaZentrum sowie dem Medienzentrum), aber auch mit Erfahrungsträgern aus der Stadt Dresden wird im Rahmen des Ziel3‐Programms zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik bis zum 30. Juni 2014 ein 3D‐Modell zur „Landschaft des Gedenkens“ erstellt.

In der Geschichte der Stadt Dresden im 20. Jahrhundert markieren die Jahre zwischen 1933 und 1945 einen tiefen Einschnitt, der das Stadtbild in ungeheurer Dimension unwiderruflich veränderte. Ist in der Erinnerungskultur der Stadt vor allem das Trauma der Zerstörung am 13./14. Februar 1945 ein Thema, führten Viktor Klemperers minutiöse Tagebuchaufzeichnungen auch das Schicksal der verfolgten Judenschaft in Dresden mit bannender Genauigkeit einer breiten Öffentlichkeit vor Augen.

Für eine Aufarbeitung der Shoah in und um Dresden bietet einerseits die Stiftung Sächsische Gedenkstätten eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten und Archivalien zum Thema Juden in Dresden, andererseits ist die Besichtigung der „Gedenkstätte Theresienstadt“ im tschechischen Terezín fester Bestandteil der sächsischen Bildungsarbeit. Im Jahre 1947 wurde die „Gedenkstätte des Völkerleids“ – heute „Gedenkstätte Theresienstadt“ – eingerichtet und ist seitdem einer der zentralen Erinnerungsorte an die während der Zeit des Nationalsozialismus in Mittel‐ und Osteuropa verübten Verbrechen, und sie ist zugleich einer jener Orte, die heute, wenn es um ein neues Verhältnis zwischen den Nachbarvölkern – den Deutschen und den Tschechen – geht, den Punkt markieren, von dem jede Versöhnung auszugehen hat.

Als Resultat des Projektes entsteht ein 3D‐Modell zur „Landschaft des Gedenkens“, das die Erinnerungslandschaft der böhmisch‐sächsischen Grenzregion im ‚Dritten Reich’ virtuell repräsentiert. In seinem Zentrum steht eine dreidimensional skalierte Karte mit integrierten 3D‐Stadtmodellen von Theresienstadt und Dresden. In sie werden historische Inhalte, Ereignisse und Objekte multimedial integriert. Die Modelle werden zu einem Teil im Internet und zum anderen Teil mittels lokaler Info‐Kioske in der Gedenkstätte Terezín und in der Dresdner Gedenkstätte Münchner Platz präsentiert.

Auf der einen Seite wird die von der Gegenwart bestimmte Stadtlandschaft Dresdens hier transparent für die Geschichte, für Schuld und Verantwortung. Auf der anderen Seite wird mit der Gedenklandschaft Terezín die Fülle des Wissens transparent, die in fast einem halben Jahrhundert archivarischer und fachhistorischer Arbeit angesammelt wurde und die heute – angesichts des Verschwindens der aktuellen Rückbindung an den Schrecken der Shoah – die Vergangenheit wieder zum Sprechen bringt: für Gäste aus aller Welt, ausdrücklich aber auch für die junge Generation.

Weitere Informationen:
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/zentrale_einrichtungen/mez/dateien/Projekte/gepam/gepam