Nachspiel zu den Schießereien auf der Mavi Marmari

„Wir hatten uns auf Friedensaktivisten vorbereitet und wurden von Terroristen empfangen“, sagte ein israelischer Soldat im Krankenhaus, nachdem er auf der Mavi Marmara mit Messerstichen an der Hand und am Bauch verletzt worden war. „Einer ging mit einer Axt auf einen Soldaten zu, um ihn zu töten“…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 1. Juni 2010

Kanal 10 berichtete, dass Gruppen von etwa 40 bis 100 Türken mit keramischen schusssicheren Jacken, Gasmasken und Nachtsichtgeräten über Deck verteilt waren, jeweils mit einem Befehlshaber und bewaffnet, um die Soldaten anzugreifen. Die meisten Toten und Verletzten auf dem Schiff waren angeblich Mitglieder dieser militanten „Schlägertrupps“. Bei den Toten fanden die Israelis „Tausende Dollar in den Taschen“. Ein israelischer Reporter bezeichnete sie „bezahlte Söldner“. Insgesamt hätten die „Friedensaktivisten“ etwa eine Million Dollar mitgeführt, die angeblich der Hamas-Organisation im Gazastreifen übergeben werden sollte. Israel und Ägypten bemühen sich teilweise mit Erfolg, den Schmuggel von Bargeld zur Hamas im Gazastreifen zu unterbinden.

Derweil wurde die Mavi Marmara im Hafen von Aschdod entladen: Rollstühle, Spielzeug, Mineralwasser. Das israelische Gesundheitsministerium beschlagnahmte einen Teil der mitgeführten Medikamente, weil deren Gültigkeitsdatum abgelaufen war. Die Hilfsgüter füllten gerade mal 20 Sattelschlepper. Jeden Tag transportieren jedoch rund hundert Lastwagen der UNO und anderer internationaler Organisationen Hilfsgüter in den Gazastreifen.

Scheich Raed Salach, Chef der islamischen Bewegung im Norden Israels, hat die Ereignisse auf dem türkischen Schiff unverletzt überlebt, obgleich schon Gerüchte kursierten, dass er schwer verletzt oder gar tot sei. Das hatte große Unruhe unter den israelischen Arabern ausgelöst. Bei Demonstrationen wurden mindestens zehn Personen verhaftet. Am Dienstag würde Salach einem Gericht überstellt unter dem Verdacht, einem der Soldaten die Pistole entwendet und so die Schießereien auf der Marvi Marmari ausgelöst zu haben.

Ab Sonntag werden alle Flüge von Israel nach Antalya oder Marmaris storniert. Der Süden der Türkei war das beliebteste Urlaubsziel der Israelis mit Luftbrücken an Wochenenden. Ein zurückkehrender israelischer Tourist erzählte: „Als wir auf den Taxis Sticker mit der Aufschrift sahen `Tod den Israelis´ war für uns die Zeit gekommen, so schnell wie möglich heimzukehren.“

Am Mittwoch morgen wurde bekannt, dass alle rund 180 Familienangehörigen israelischer Diplomaten aus der Türkei evakuiert hat. Zurückgeblieben seien nur die Diplomaten selber.

Wie am Mittwoch die Zeitung Jedijot Achronot berichtete, habe das Militär mehrere Stunden lang die Veröffentlichung der Filmaufnahmen der Vorgänge auf der Mavi Marmari zurückgehalten. Auf ihnen ist deutlich zu sehen, wie sich die „Friedensaktivisten“ an Bord mit Eisenstangen und Messern auf die Soldaten stürzten, und einen vom Oberdeck zehn Meter tief auf ein unteres Deck herabstürzen. Das israelische Außenministerium drängte auf Veröffentlichung, während die Militärs befürchteten, dass solche Bilder der Moral der Angehörigen ihrer Eliteeinheiten schaden könnten. Die Bilder seien mit großer Verspätung von den Nachrichtenagenturen aufgegriffen und verbreitet worden. Die Agentur ap habe die Fotos mit einem Hinweis versehen, dass es sich um Bilder des israelischen Militärsprechers handelte und dass deren „Glaubwürdigkeit“ nicht überprüft werden konnte. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher von ap, dass solche Hinweise üblich seien bei „ausländischen Fotos aus fremden Quellen“. Doch stellte sich heraus, dass die gleiche Agentur Bilder der türkisch extremistischen Organisation IHH, deren Angehörige an Bord waren, ohne diesen Hinweis veröffentlicht hatte.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

63 Kommentare zu “Nachspiel zu den Schießereien auf der Mavi Marmari

  1. @Christine:

    Die Genesis-Stellen sind köstlich, aber nicht geeignet, um die Araber versöhnlich zu stimmen. Würde ich als als AraberIn dann schon eher als Beleidigung empfinden. *zwinker*

    Melchisedek wäre eine bessere Symbolfigur zwischen Arabern und Juden, siehe Genesis 14, 18

    LG Edith

  2. @Serdal und Koshiro:

    Vielleicht sollten Sie sich etwas tiefgründiger über türkische Verhältnisse informieren. Sie scheinen ja rein gar nichts über Aleviten zu wissen, dass Sie zu solch fantastischen Schlussfolgerungen kommen. Bravo, nobelpreiswürdig! Sind eben nicht alle derart einseitig und primitiv-stereotyp fixiert auf simple Aussagen. Es gibt auch Menschen, die zu komplexen Gedanken fähig sind, wozu Sie offenbar nicht gehören, wie Sie es hier auf faszinierende Art und Weise beweisen. Für Sie gibt es nur Pro und Contra, Schwarz und Weiß. Das ist eben gerade das Problem mit Ihnen, den angeblichen Friedensaktivisten und den Extremisten.

    Ich muss sagen, Sie haben mich jetzt wirklich überzeugt durch Ihre Statements. gg

    LG Edith

  3. @Farid:
    Sie haben recht.
    Da aber beinahe alle Araber dem Islam angehören, kommt es im Endeffekt auf dasselbe Ergebnis.
    Was ich ganz einfach damit sagen wollte: Vielleicht sollte man auch einmal beginnen Gemeinsamkeiten zu suchen, als sich nur ständig gegenseitig zu beschmutzen und bekämpfen! 😉

    PS:
    Gen 16, 13: (über Ismael, den Sohn Abrahams und der Ägypterin Hagar) „Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel. Seine Hand gegen alle, die Hände aller gegen ihn! Allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht.“
    Gen 21, 9-21: („Enlassung“ von Hagar und Ismael) „… denn zu einem großen Volk will ich ihn machen.“ (Gen 19,18)
    Gen 25, 12-18: (Stammbaum der Ismaeliter) „… Über alle seine Brüder fiel er her.“ (Gen. 25,18)

  4. @Inan
    Sie wechseln ja Ihre Meinung ja sehr schnell:

    Inan schreibt:
    כ‘ בסיון ה’תש“ע (Juni 2nd, 2010) at 13:25

    Wenn ich auf hoher See bin, und Bewaffnete stürmen mein Schiff, ich würde alles was mir in die Hände fällt nehmen und auf die Soldaten losstürmen, egal welcher Nationalität die Soldaten sind. DAS ist Selbstverteidigung, nicht mit ner m16 auf Zivilisten losgehen.

    Inan schreibt 3 Tage später:
    Im Nachhinein, nach Auswertung aller Fakten, komme ich zu dem Schluss, das Israel zu recht, das Schiff gestürmt hat. Ob die Gewaltanwendung richtig war, ich weiss es nicht, ich war nicht dabei, aberich habe die Musel an Bord gesehen, die sahen eher aus wie Hamasianer als Hilfe leistende Menschen.

    Also wenn Sie jetzt auf hoher See wären und Bewaffnete stürmen IHR Schiff, würden Sie sich nun flach auf den Boden legen und sich sofort ergeben? Ist klar. Wenn morgen Bewaffnete Ihr Haus stürmen wehren Sie sich auch nicht. Ist klar.

    Sind Sie nun Türke, Kurde, Jude oder Terrorist (PKK)? Legen Sie sich mal fest. Oder wechseln Sie auch hier die Partei je nach Laune und Wetter?

    @Inan 3.Juni: „Die Türkei wird keinen Krieg vom Zaun brechen. Vergiss es, schon gar nicht gegen Israel. WIR haben jahrelang mit denen trainiert, WIR kennen ihre Stärken und ihre Schwächen, und sie unsere.“

    Inan schreibt 3 Tage später:
    die Türken, sollten sich ganz Piano verhalten. MEINE KURDISCHEN BRÜDER UND SCHWESTERN

    Sie sehen die PKK als kurdische Zivilbevölkerung? Vermutlich sind Sie auch einer von denen die tagsüber Zivilist sind und nachts M82A1 umschnallen und türkische Soldaten und Streifen-Polizisten versuchen abzuknallen. In Ihrem Oberstübchen existiert vermutlich die PKK gar nicht und falls ja, sind das ganz ganz brave Mitbürger, die keinem anderen Menschen ein Haar krümmen wollen und können.

    Zur Unmenschlichkeit:
    Sie finden die Blockade der Israelis menschlich? Die Bedingungen unter denen die Menschen in Gaza leben empfinden Sie auch als normal?

    Fakt ist, das Israel ein Schiff unter türkischer Flagge in internationalen Gewässern angegriffen hat und hierbei mindestens 9 Menschen Ihr Leben verloren haben. Fakt ist auch, das keine selbstgebauten Düngemittel-Raketen abgeschossen haben. Fakt ist auch, dass Bundestagsabgeorndete und Nobelpreisträger sich mit an Board befanden. Ebenfalls wusste auch die israelische Regierung, dass die Schiffe vor Abfahrt in der Türkei auf Waffen inspiziert worden sind. Es waren keine Terroristen onboard. Mich hat es sowieso gewundert, dass keine nuklear-Waffen an Board gefunden worden sind, wie Sie im Irak existent sein sollten und nun der Iran angeblich hat. Obwohl Israel über diese schon seit über 40 Jahren illegal verfügt.

    Fakt ist auch, dass verwundete Menschen stundenlang in Fesseln nicht medizinisch betreut worden sind. Fakt ist auch, dass alles Bildmaterial der über 60 Journalisten eingezogen worden sind. Hat die IDF hier ein klitze-kleines bisschen etwas zu verbergen??? Nee, mit Sicherheit nicht. Sie haben ja alles Bildmaterial, dass zur Verfügung steht, veröffentlicht. Wie immer. Die Sicherheit wird immer angeführt. Wir hatten doch 2008 beim Gaza-Massaker das gleiche Bild. Es wurden keine Journalisten ins Kriegsgebiet gelassen. Warum wohl? Zu verbergen hat hier die israelische Regierung wie immer nichts. Wie genau es die israelische Regierung nimmt mit der Genfer Konvention nimmt macht die Verwendung von Phosphor-Bomben klar. Anfangs wurde seitens der Regierung vehement der Einsatz in Gaza verneint. Später wurde dann doch zugegeben, dass diese Waffen benutzt worden sind (Gaza-Divisionskommandeur Brigadegeneral Eyal Eisenberg und Givati Brigadekommandeur Oberst Ilan Malka wurden bestraft).

  5. Christine bezieht sich vielleicht hierauf:
    http://test.hagalil.com/2009/12/07/ahmadinejads-messianismus/comment-page-1/#comment-7555
    Naja, ich sag mal: Glauben Sie von Inans Äußerungen, was Sie wollen. Ist jedenfalls interessant, wie er über die „Musel“ herzieht, obwohl laut eigener Aussage er selber einer ist:
    http://test.hagalil.com/2009/12/07/ahmadinejads-messianismus/comment-page-1/#comment-7622
    Vermutlich in den letzten paar Monaten konvertiert… oder vielleicht sind ‚Musel‘ immer nur die anderen.

  6. Weder eine Unterstüzung der Palis, noch anderer Irrer. Die Türkei, insbesondere die Türken, sollten sich ganz Piano verhalten. Den Krieg gegen die kurdische Zivilbevälkerung, das Abschlachten beim New-Roz Fest und und und haben wir Kurden nicht vergessen, und werden es auch nicht. So wie damals Saddam, dieser Hund, am Galgen zu sehen war, so wird es denen ergehen, die heute so laut gegen Israel bellen. Die Türken sind viel, viel unmenschlicher mit ihren eigenen Minderheiten, auch Muslimischen, umgegangen,als die Israelis das je mit den Palis machen könnten. Das Massaker an den Armeniern, den VÖLKERMORD, haben wir aus Dersim auch nicht vergessen. Bevor Ihr auf Israel schaut, macht Euren Hinterhof frisch, lasst die Christen und Aleviten in Ruhe, und VOR ALLEM MEINE KURDISCHEN BRÜDER UND SCHWESTERN.
    Im Nachhinein, nach Auswertung aller Fakten, komme ich zu dem Schluss, das Israel zu recht, das Schiff gestürmt hat. Ob die Gewaltanwendung richtig war, ich weiss es nicht, ich war nicht dabei, aberich habe die Musel an Bord gesehen, die sahen eher aus wie Hamasianer als Hilfe leistende Menschen.

  7. Ich möchte hier betonen, dass selbstverständlich nicht alle Türken mit der Unterstützung des islamistischen Hamas einverstanden sind. Traditionell ist die Türkei einer der engsten Verbündeten Israels. Aber in den vergangenen Jahren wurden unter der Regierung der islamistischen AKP in der Türkei die säkularen Kräfte systematisch zurück gedrängt.

    Der Fehler der vorherigen säkularen Regierungen war, dass unter ihnen die Korruption blühte und sie keine Reformen zustande brachte. Damit konnte die AKP punkten und sich bei der Bevölkerung beliebt machen und ihren Islamisierungskurs fahren. Bei der einfachen sunnitischen Landbevölkerung kommt das zum großen teil an. Aber säkulare Kräfte sowie die religiöse Minderheit der Aleviten sind damit natürlich alles andere als einverstanden.

    Ich bin sicher, dass viele Türken ihre Solidarität mit Israel ausdrücken würden, wenn sie nicht Angst davor haben müssten, von dem sonstigen türkischen Umfeld, der sunnitisch-orthodox und/oder rechtsradikal eingestellt ist geächtet zu werden.

  8. Tolle, kreative und lustige Propaganda. Habe ich gleich ein paar Freunden geschickt.

    Das mag ich am Nahostkonflikt: Jede Seite lässt sich was neues einfallen, um den status quo zu verteidigen.

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