Entsalztes Wasser aus einer geplanten Großanlage in Zentralisrael zur Unterstützung des Sees Genezareth und der Beziehungen zu Jordanien – Wasser aus Israel mit Solarenergie aus Jordanien
Von Ari Lipinski
Israel plant eine neue bedeutende Erweiterung seiner Wasserinfrastruktur. Im Mittelpunkt steht die sogenannte „Abraham-Pipeline“, die künftig zusätzliche Wassermengen vom nationalen Wasserversorgungssystem bei Kfar Jehoschua (zwischen Haifa und Nazereth) durch die Jesreel-Ebene über Afula und Beit Sche’an bis zur jordanischen Grenze im Jordan Tal südlich vom See Genezareth transportieren soll. Dieses Vorhaben verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Es verbindet die langfristige Sicherung der israelischen Wasserversorgung mit der Frage, wie der See Genezareth entlastet und die Zusammenarbeit mit Jordanien gestärkt werden können.
Nach den vorliegenden Berichten von Calcalist Digital und dem israelischen Immobilienfachportal Merkaz HaNadlan treiben die Planungsbehörden das Infrastrukturvorhaben unter der Bezeichnung „TTL 143 A“ (Nationales Planungsprogramm) voran. Der vorgesehene Korridor erstreckt sich über etwa 50 Kilometer und ist stellenweise bis zu 100 Meter breit. Er führt überwiegend durch landwirtschaftlich genutzte Flächen bis zum Grenzübergang an der Scheich-Hussein-Brücke.
Bereits die Vorbereitung hat Auswirkungen auf die betroffenen Grundstücke und Gemeinden. Den Berichten zufolge wurden entlang der Trasse Beschränkungen für Baugenehmigungen und Arbeiten veröffentlicht. Sie sollen verhindern, dass neue Gebäude oder andere Vorhaben die spätere Verlegung der Wasserleitungen erschweren. Für bestimmte Arbeiten sind Ausnahmen vorgesehen, insbesondere für die Instandhaltung bestehender Infrastruktur, sofern dadurch die geplante Wasserleitung nicht beeinträchtigt wird.
Hinter dieser Flächensicherung steht eine grundlegende Voraussetzung moderner Wasserwirtschaft: Eine große Entsalzungsanlage allein genügt nicht. Das produzierte Wasser muss auch zuverlässig dorthin gelangen können, wo es benötigt wird.
Eine zentrale Rolle soll dabei die geplante Entsalzungsanlage im Emek Hefer in Zentralisrael übernehmen. Nach den vorliegenden Veröffentlichungen war zunächst eine Produktionskapazität von rund 200 Millionen Kubikmetern jährlich vorgesehen. Beschrieben wird eine mögliche Erweiterung auf etwa 400 Millionen Kubikmeter pro Jahr.
Die Berichte stellen außerdem einen Zusammenhang mit einem regionalen Kooperationsmodell her, bei dem Wasserlieferungen an Jordanien mit der Bereitstellung von Solarstrom aus Jordanien mit einer Leistung von 600 Megawatt verbunden wären. Diese Angaben beschreiben den berichteten Planungsstand; sie belegen für sich genommen noch keine abschließend gesicherte Umsetzung sämtlicher Vereinbarungen.
Dabei ist die Frage nach der Lage des See Genezareth von besonderer Bedeutung. Laut dem bereitgestellten Material wurden drei Möglichkeiten zur Versorgung Jordaniens untersucht: die Lieferung über den See Genezareth, die direkte Weiterleitung durch die Täler entlang der Abraham-Pipeline sowie eine Kombination beider Wege.
Eine direkte Versorgung Jordaniens könnte den Bedarf verringern, hierfür Wasser aus dem See Genezareth zu entnehmen. Eine kombinierte Lösung könnte zusätzliche Flexibilität bei der Bewirtschaftung des Sees schaffen. Welchen Beitrag das Vorhaben tatsächlich zu seiner Stabilisierung leisten wird, hängt jedoch von der gewählten Variante und dem späteren Betrieb ab. Aus den vorliegenden Berichten geht nicht hervor, dass die Abraham-Pipeline selbst entsalztes Wasser unmittelbar in den See leiten soll.
Die mögliche Unterstützung des Sees muss deshalb im Zusammenhang mit der gesamten Wasserwirtschaft betrachtet werden: mit den verfügbaren Wassermengen, den Entnahmen, der Wasserqualität und den ökologischen Anforderungen. Mehr Entsalzung und leistungsfähigere Leitungen erweitern die Handlungsmöglichkeiten. Entscheidend bleibt, wie diese Möglichkeiten genutzt werden.
Ebenso wichtig ist die regionale Dimension. Jordanien leidet unter erheblicher Wasserknappheit. Die israelischen Wasserlieferungen im Rahmen des Friedensvertrags bilden seit Jahren einen praktischen Bestandteil der Beziehungen zwischen beiden Staaten. Eine verlässlich ausgebaute Versorgung könnte dieses gemeinsame Interesse stärken und eine langfristige Zusammenarbeit unterstützen.
Dabei muss Israel zugleich den Bedarf der eigenen gewachsenen Bevölkerung, Landwirtschaft und Wirtschaft sichern. Eine tragfähige Kooperation setzt voraus, dass zusätzliche Lieferungen auf dauerhaft verfügbaren Wasserressourcen und klaren finanziellen Vereinbarungen beruhen.
Nach den Berichten wurden die verschiedenen Leitungsvarianten unter anderem hinsichtlich Baukosten, Energieverbrauch, Umweltauswirkungen, finanzieller Absicherung und Steuerung der Versorgung geprüft. Als Grundsatz wird genannt, dass das Projekt nicht zulasten der israelischen Wasserverbraucher gehen und keine Erhöhung der Wassertarife verursachen soll. Dieser Anspruch muss sich in der konkreten Finanzierung und Umsetzung widerspiegeln.
Die Abraham-Pipeline bietet somit eine Chance, technische Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und regionaler Zusammenarbeit zu verbinden. Ihre Verwirklichung verlangt allerdings eine transparente Planung und angemessene Rücksicht auf die Landwirte, Grundstückseigentümer und Gemeinden entlang der Strecke.
Es ist ein Vorhaben, dessen Bedeutung weit über eine einzelne Wasserleitung hinausgeht. Wenn es sorgfältig geplant und dauerhaft abgesichert wird, kann es die israelische Wasserversorgung stärken, zur Entlastung des Sees Genezareth beitragen und die Beziehungen zu Jordanien auf einer konkreten gemeinsamen Grundlage festigen.
Quellen: Das bereitgestellte Material aus Calcalist Digital und Merkaz HaNadlan, dem israelischen Immobilienfachportal, einschließlich der darin enthaltenen Berichte von Ranit Nahum Halevi vom 5. Oktober 2026. Angaben zu Planungsunterlagen und Positionen der israelischen Wasserbehörde werden entsprechend diesen Berichten wiedergegeben.



