Kundgebung anlässlich des Jahrestages der Vernichtung

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Sinti und Roma in Köln, 1937, Foto: Bundesarchiv, Bild146-1997-019-27A / CC-BY-SA 3.0

Der Förderverein Roma e. V. lädt anlässlich des 82. Jahrestages der Vernichtung von über 4000 Roma und Sinti im KZ Auschwitz zu einer Gedenkkundgebung am 3.8.2026 um 17.00 Uhr an der Mahntafel, Braubachstraße 18-22, 60311 Ffm., dem ehemaligen Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main, ein.

In dem am 09. Juni 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus bundesweit 2.076 antiziganistische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr (1.678 Vorfälle) entspricht dies einem Anstieg von 24 Prozent. Roma und Sinti, Roma MigrantInnen und Geflüchtete sind mehr denn je Benachteiligungen, Ausgrenzungen, Diskriminierung und rassistischer Gewalt ausgesetzt. Der Gelsenkirchener AfD Bürgermeister, die Kreissprecherin und weitere Parteimitglieder nötigten Anfang Juni dieses Jahres Bewohner:innen des Stadtteils Ückendorf, darunter viele migrantische Roma Familien, die Straße zu reinigen. Die Aktion wurde gefilmt, ins Netz gestellt und begleitet medial die menschenverachtenden Beleidigungen gegenüber der Minderheit, die seit Jahren zum Grundrepertoire der AfD gehören. Eine Analogie zu der ebenfalls verfilmten Demütigung Wiener Juden und Jüdinnen, die 1938 von HJ und SA gezwungen wurden, mit Zahnbürsten den Gehweg zu putzen, ist offensichtlich und beabsichtigt. Angesichts der bedrohlichen Situation und der Notwendigkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, erinnert der Förderverein Roma an den Jahrestag der massenhaften Ermordung von Roma und Sinti im Vernichtungslager Auschwitz.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden über 4000 Roma und Sinti im Vernichtungslager Auschwitz vergast, nachdem sie sich am 16. Mai desselben Jahres durch einen Aufstand kurzzeitig erfolgreich dagegen zur Wehr setzten. „Arbeitsfähige“ Roma und Sinti, vor allem diejenigen, die den Widerstand organisiert hatten, wurden vor der Mordaktion selektiert und in andere Lager deportiert. Die „Liquidation“ bildete gleichsam die Spitze der Erfassung, Verfolgung und Vernichtung der Roma und Sinti während des Nationalsozialismus. Bereits in den 30er Jahren wurden in enger Kooperation zwischen dem „rassehygienischen Institut“ des Reichssicherheitshauptamtes, verschiedenen Kriminalämtern sowie städtischen und kirchlichen Einrichtungen alle Roma und Sinti in Deutschland erfasst, vermessen, in Lagern inhaftiert und schließlich in Vernichtungslager deportiert. Etwa eine halbe Million Roma und Sinti wurden ermordet.

Eva Justin und Robert Ritter waren als maßgebliche „NS-Rasseforscher“ verantwortlich für den Völkermord an über 20.000 deutschen Roma und Sinti. Trotz ihrer Verbrechen wurden sie nicht strafrechtlich belangt und nach 1945 von der Stadt Frankfurt im Sozial- und Gesundheitsamt in leitenden Positionen beschäftigt. Die Stadt Frankfurt beauftragte Eva Justin erneut, Roma und Sinti zu untersuchen. Der jahrelange Protest der Roma-Union Frankfurt, des Förderverein Roma und vieler UnterstützerInnen ermöglichte am 27.1.2000 die Anbringung einer Gedenktafel am Stadtgesundheitsamt, dem ehemaligen Tätigkeitsfeld von Ritter und Justin. Die Tafel, die ausschließlich von Spendengeldern finanziert wurde, erinnert an die begangenen Verbrechen, benennt die Täter und klagt die Verantwortung gegenüber Roma und Sinti auch nach 1945 ein.