Jerusalem hat Oper!

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Das Henry Crown Auditorium in Jerusalem, Foto: Yair Haklai / CC BY-SA 3.0

Jerusalem hat zwar kein Opernhaus, aber trotzdem: Jerusalem hat Oper, und zwar vom Feinsten!

Von Ruth Bloch

Seit die «Jerusalem Opera» 2011 vom Musikalischen Direktor Omer Arieli, zusammen mit der aus der Schweiz stammenden Produzentin Manon Weizman gegründet wurde, hat die Opern-Gesellschaft schon über ein Dutzend Werke zur Aufführung gebracht. Begonnen hatte es mit «Don Giovanni» von Mozart, damals eine Freilicht-Produktion in der imposanten Kulisse der «David’s Zitadelle». In den letzten Jahren finden die Aufführungen meist im akustisch hervorragenden Saal des «Jerusalem Symphonie-Orchesters» im Jerusalem Theater statt. Das Orchester bietet nicht nur sein Haus, sondern auch die ausgezeichnete musikalische Begleitung der meist noch jungen Sänger, die von der «Jerusalem Opera» besonders gefördert werden wollen.

Seit der Gründung wurden bereits über ein Dutzend verschiedene Opern aufgeführt, von bekannten Werken wie Mozart’s «Zauberflöte», Verdi’s «Rigoletto» und «Traviata», über wenig bekannte «Trouvailles» von berühmten Komponisten, wie z.B. «La Colombe» von Gounod oder «La Canterina» von Haydn, bis zu modernen Stücken wie «Das Tagebuch der Anne Frank» von G. Frid oder «Armida und Rinaldo» von G. Sarti – viele davon waren israelische Erstaufführungen. Während in der letzten Saison des Jerusalem Symphonie Orchesters eine wunderschön-berührende «Madame Butterfly» von G. Puccini gespielt wurde, standen letzten Herbst innerhalb eines Monats bereits 3 Opern-Produktionen im Programm des «Jerusalem Symphonie Orchesters». Dies neben dem regulären Spielplan des Orchesters mit einer Vielzahl von verschiedensten sinfonischen Werken, von Klassischen «Hits» bis zu modernen Uraufführungen. Erstaunlich und erfreulich, wie das JSO die vielen, z.T. «mächtigen» sinfonischen Werke – wie kürzlich unter dem Dirigenten und derzeitigen musikalischen Leiter des Orchesters, Julian Rachlin, z.B. die 5. Sinfonie von Gustav Mahler – eindrücklich «meistert» und daneben noch über 2stündige Opern einstudieren und überaus stimmig und gekonnt wiedergeben kann, als wäre es ein Opernhaus-Orchester.

Und noch erstaunlicher: die Opern werden nicht etwa «konzertant» oder halbszenisch wiedergegeben, sondern wirklich gespielt aufgeführt. Das Spielfeld vor dem Orchester ist nicht einmal 10 Meter breit und bietet «Raum» für eine sehr intime Aufführung und ein intensives Erlebnis. Dies war auch beim zweiten Puccini-Abend anfangs Saison zu spüren, als wiederum hervorragende junge Sänger und Sängerinnen von überall her den Einakter «Il Tabarro» und einen beklemmenden Akt aus der Oper «Tosca» vom selben Komponisten eindrücklich darboten. Ebenso in der jetzigen Saison begeisterte eine schmissige «Fledermaus»-Aufführung mit den vielen bekannten Johann-Strauss-Melodien das Publikum und wurde auch in Kiryat Motzkin, Rishon LeZion und Petach Tikvah dargeboten. Die dritte Produktion, G. Donizetti’s «Don Pasquale», fiel leider dem Krieg zum Opfer. Dafür konnte man jetzt, gegen Saison-Ende, noch eine andere, eher unbekannte Opern-Perle entdecken und geniessen: «Cindarella» von Jules Massenet. Der Komponist hat die bekannte Aschenputtel-Geschichte etwas anders als üblich geschrieben. Während G. Rossini mit «La Cenerentola» eine fröhlich-lustige Oper komponierte, geht es bei Massenet’s Version bis zum Happy End eher nachdenklich-besinnlich zu. Die Musik ist wunderschön, wiederum vom grossen Orchester virtuos gespielt, zum Teil sogar mit soviel Vehemenz, sodass einige Sänger/innen manchmal Mühe hatten, dagegen anzukommen.

Es ist verwunderlich – und eigentlich schade -, dass jeweils nur 1 – 2 Vorstellungen diesr Opern-Produktionen gespielt werden. Die Vorbereitungen dazu dauern ja meist wochen- wenn nicht monatelang. Es gibt jeweils viele Sponsoren, was sich aber leider nicht auf die Ticket-Preise auswirkt. Mir ist nicht vorstellbar, wie sich eine ganze Familie einen Konzert- oder Opernbesuch leisten kann. Es gibt zwar manchmal gratis Konzerte oder besondere, billigere Vorstellungen, aber nicht für die «klassischen» Konzerte des JSO.

Im Gegensatz dazu lief gerade im grossen Opernhaus in Tel-Aviv eine offenbar hervorragende Aufführung von Verdi’s «Nabucco» – aber da war jede der vielen Vorstellungen völlig ausverkauft. Von solchen Gegebenheiten ist man in Jerusalem noch weit entfernt – aber trotz finanziellen und räumlichen Schwierigkeiten lassen sich Opern-Begeisterte nicht davon abhalten, diese anspruchsvolle Kunst-Sparte weiter zu fördern. Im Gegenteil: Eine Gruppe von Studenten der «Rubin Musik-Akademie» hat letztes Jahr einen bezaubernden «Liebestrank» von Donizetti auf die Bühne gebracht, mit kreativen Video-Fotos als Bühnenbild und einem kleinen Orchester im Hintergrund. Eine weitere Gruppe namens «Piccolo Opera» hätte im «Don Pasquale» das Spiel inszeniert und zuguterletzt gibt es noch eine Formation «Jerusalem Lyric Opera» die schon eine sehr ansprechende Inszenierung von V. Bellini’s «I Capuleti e i Montecchi», in Begleitung eines kleinen «Belcanto String Ensemble» dargeboten hat, und die jetzt sogar im Sommer ein «Llyric Opera Festival» veranstaltet, indem das «Camerata Israel»-Orchester jeweils auch nur eine Vorstellung von Mozart’s «Cosi Fan Tutte» und Verdi’s «Traviata» begleiten.

Alle diese grossen Bemühungen – hoffentlich mit wachsendem Erfolg! – zeigen eines: während viele grosse Opernhäuser und sogar die Arena von Verona immer mehr glitzernde Licht-Spektakel à la Eurovision veranstalten, die oftmals mit der Intention der Opern-Komponisten wenig bis nichts gemeinsam haben – wahrscheinlich in der Hoffnung, dadurch junges Publikum anzulocken – braucht es gar keine «Grosse Bühnen» um das Publikum mit kreativen Darbietungen «im Kleinen» zu berühren und bewegende Opern-Geschichten und -Gesänge faszinierend auszustrahlen. 

–> https://jerusalemopera.com