Sascha Adamek legt eine journalistische Darstellung zum „Politischen Islam“ vor, worin insbesondere dessen nicht nur in Deutschland zunehmender Einfluss in verschiedenen Kontexten thematisiert wird. Dazu können berechtigte Einwände vorgetragen werden. Die dramatisierende Einseitigkeit sollte aber gegenüber der konkreten Faktenlage nicht zur inhaltlichen Ignoranz führen.
Von Armin Pfahl-Traughber
Betreiben Islamisten eine „Unterwanderung“ der westlichen Welt? Diese Frage hat eine dramatisierende Komponente, sie entspricht auch Narrativen politisch bedenklicher Zusammenhänge. Gleichwohl sollte die Angemessenheit des Gemeinten differenziert erörtert werden. Denn bereits länger verweist die kritische Forschung zum Thema darauf, dass der legalistische Islamismus einschlägigen Strategien folgt. Auch Sascha Adamek teilt diese Auffassung, wie sein jüngstes Buch „Unterwanderung“ vermittelt. Es ist aber bereits auf dem Cover mit dramatisierender Dimension verbunden, was nicht nur für „Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch“ als Untertitel gilt. Man sieht ebendort den deutschen Bundesadler, der von einem Halbmond mit Stern überdeckt wird. Gleichzeitig legt auf dem Boden ein Riss nahe, dass in Deutschland bestimmte Spaltungen erfolgen. Adamek ist mehrfacher Buchautor, er muss als Journalist um solche Wirkungen wissen. Lange arbeitete er in der ARD für „Kontraste“, heute für „Focus online“ als Korrespondent.
Bereits zu Beginn der Einleitung wird folgende Kernposition formuliert: „Während der Politische Islam alles unternimmt, unsere freiheitlichen Gesellschaften und ihre Institutionen zu unterwandern, trifft er auf einflussreiche, sich als links und woke definierende Kräfte, die, einem fanatischen Toleranzverständnis folgend, die Unterwerfung praktizieren, wo immer das möglich ist.“ Der erwähnte Eindruck wird durch ein solches Intro noch bestärkt, womit sich der Autor womöglich selbst keinen Gefallen getan hat. Er berichtet durchaus von bedenklichen Entwicklungen auf Faktenbasis, was eine einschlägige Problemorientierung und kritische Wahrnehmung nötig machen. Dabei wird der Forschungsstand nahezu komplett ignoriert, bedeutsame Experten etwa aus den USA kommen noch nicht einmal namentlich vor. Dafür reiht der Autor jeweils Kapitel in seiner Monographie aneinander, welche nicht immer zum eigentlichen Thema seiner Veröffentlichung passen. So geht es etwa bereits im ersten Kapitel um keineswegs primär islamistische „Zwangsverheiratungen“.
Man hat ansonsten den Eindruck, dass hier frühere Rechercheergebnisse einfach erneut zusammengestellt wurden. Dabei kommt es auch zu widersprüchlichen Aussagen, ist doch etwa einmal „Milli Görüs“ und einmal die „Muslimbruderschaft“ die bedeutendste islamistische Organisation. Derart notwendige formale und inhaltliche Einwände sollten aber nicht gegenüber wichtigen Erkenntnissen zur Ignoranz führen, macht Adamek doch auf bedenkliche Entwicklungen aufmerksam. Dabei spricht er indessen immer vom „Politischen Islam“, ohne den gemeinten Terminus näher zu erläutern. Die einzelnen Kapitel, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können, veranschaulichen aber durchaus bedenkliche Tendenzen. So sind es die vielen Details, welche die Monographie interessant machen. Adamek verweist etwa gleich zu Beginn auf Strategiepapiere, die bei Durchsuchungen von Islamisten gefunden wurden. Aus ihnen ergibt sich das Bestehen eines längerfristig angelegten Plans eben tatsächlich im Sinne einer „Unterwanderung“.
Dabei verweist der Autor auf bestimmte islamische NGOs, die sich offiziell als Hilfsorganisationen geben, tatsächlich aber im islamistischen Sinne wirken. Ihnen gelang es dabei öffentliche Gelder für sich zu rekurrieren, gab es doch staatliche Fördermittel etwa gegen angeblichen „antimuslimischen Rassismus“. Adamek macht an mehreren Fallbeispielen überzeugend deutlich, dass derartige Organisationen mitunter islamistische Verbindungen haben. Dabei kommentiert der Autor auch einschlägige Förderer, wobei mit Kritik hier insbesondere der SPD „etwas mitgegeben“ wird. Gleichwohl gilt auch hier: Man mag sich an den ideologischen Auffassungen des Autors stören, die von ihm präsentierte Faktenlage verdient durchaus kritische Wahrnehmung. Sein Fußnotenapparat besteht primär aus Internetverweisen. Dadurch sind ihm Forschungsergebnisse auf Papier entgangen. Ebendort hätte Adamek noch mehr Hinweise finden können, wie etwa die von der Muslimbruderschaft genutzten Strategien entstanden und umgesetzt wurden.
Sascha Adamek, Unterwanderung. Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch, München 2026 (Langen Müller Verlag), 304 S., Euro 24,00, Bestellen?



