Vom 5. bis 10. Mai 2026 wird das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg in seiner 32. Ausgabe stattfinden. Mit 60 Filmen aus 22 Ländern, internationalen Gästen und zahlreichen Gesprächen präsentiert das Festival ein vielschichtiges Panorama jüdischer Geschichte und Gegenwart.
Filme zwischen Intimität, Erinnerung und politischer Gegenwart
Im Zentrum stehen die Wettbewerbe für Spiel- und Dokumentarfilm mit jeweils zehn Produktionen. Die Filme bewegen sich zwischen unterschiedlichen Tonlagen und Perspektiven. Sie erzählen von persönlichen Erfahrungen und politischen Realitäten, von aktuellen und historischen Ereignissen und ihren Nachwirkungen – und finden dabei immer wieder auch leise, überraschende und absurde Momente des Humors.
So erzählt Negative Capability (CA) von Jesse Zigelstein mit trockenem Humor von einem Literaturdozenten in der Midlife-Crisis, der zwischen gescheiterter Ehe, beruflicher Unsicherheit und neuen Dating-Versuchen nach Orientierung sucht. In The Sea (Shai Carmeli-Pollak, IL) wird ein palästinensischer Schüler nach einer Kontrolle am Checkpoint aus seiner Klassenfahrt gerissen und schlägt sich allein auf der Suche nach dem Meer durch Israel. Und in Where To? (Assaf Machnes, IL/DE) begegnen sich wiederum ein palästinensischer Taxifahrer und ein junger Israeli in einem episodischen Kammerspiel auf den Straßen Berlins.
Auch im Dokumentarfilmwettbewerb zeigt sich diese Vielfalt: Know Hope (IL/US)von Omer Shamir folgt einem Street-Art-Künstler, der mit poetischen Interventionen auf die politische Realität reagiert. Out of Order (Rani Saar, IL) dokumentiert das erste Jahr der Trauer einer Frau, die am 7. Oktober ihren Partner verlor – ein persönliches und schonungslos gefilmtes Tagebuch. Reward for the Rain (Barbara Bernáth, HU) begleitet die ungarische Shoah-Überlebende Eva Fáhidi, die mit fast 100 Jahren ihre Geschichte für kommende Generationen festhält und zugleich von einer späten Liebe erzählt. Mit The Stamp Thief (Dan Sturman, US) findet sich zudem eine ebenso abgründige wie humorvolle Schatzsuche im Programm, die historische Spurensuche mit skurrilen Momenten verbindet.
Sektionen und Schwerpunkte
Über die Wettbewerbe hinaus bietet das Festival ein breites Spektrum an Programmen. Mit dem Nordic Jewish Focus richtet das Festival in diesem Jahr den Blick nach Nordeuropa und beleuchtet jüdisches Leben in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden.
Other Israel widmet sich den komplexen Beziehungen innerhalb der israelischen Gesellschaft und nimmt dabei unterschiedliche palästinensisch-israelische Realitäten in den Blick.
Die Reihe Kino Fermished verbindet Filmklassiker und aktuelle Arbeiten, vom auf einem Roman Vicky Baums basierenden und in einer 16mm-Kopie vorgeführten Hotel Berlin (Peter Godfrey, US), über zwei neu digitalisierte Filme des Produzenten Artur Brauer bis hin zur Wiederaufführung des Oscar Preisträgers Son of Saul (László Nemes, HU). Und auch das Kurzfilmprogramm Nosh Nosh zeigt die Vielfalt zeitgenössischen Filmschaffens – humorvoll, experimentell und überraschend.
Artwork 2026: Maria Schrader als Gesicht des Festivals
Mit der Programmveröffentlichung stellte das Festival auch sein diesjähriges Artwork vor, das erneut von der Berliner Künstlerin Esra Rotthoff gestaltet wurde. Im Mittelpunkt steht die Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Maria Schrader.
Schrader ist gleich mehrmals im Festivalprogramm vertreten: Mit dem Film Vor der Morgenröte (DE/AT/FR) über das Exil von Stefan Zweig und einem anschließenden ausführlichen Gespräch gibt sie Einblicke in ihr filmisches Schaffen. Darüber hinaus präsentiert sie persönlich den Film Aimée & Jaguar (DE) im Rahmen des Bildungsprogramms für Schulklassen.
„Wir sind Maria Schrader sehr dankbar für ihr großartiges Engagement zum diesjährigen JFBB, aber auch für ihre aktive Rolle in der Bekämpfung des Antisemitismus in unserer Gesellschaft sowie für ihre vielfältige Auseinandersetzung mit jüdischen Themen im Allgemeinen“, sagt JFBB-Geschäftsführer Andreas Stein und ergänzt: „Uns als Gesicht des Festivals zu begleiten, beweist ihre Entschlossenheit die Bedeutung eines Festivals zu unterstreichen, welches sich der Diversität jüdischen Lebens, jüdischer Geschichte und jüdischen Alltags in Deutschland und weltweit widmet.“
Orte und Publikum
Das JFBB findet in den Berliner Kinos Filmkunst 66, Moviemento, Bundesplatz-Kino und Kino Krokodil sowie in Potsdam im Thalia – Programmkino Babelsberg und im Filmmuseum Potsdam statt. Ergänzt wird das Programm durch Sonderveranstaltungen u.a. im Jüdischen Museum Berlin, im Felleshus – Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften, im Jüdischen Gemeindehaus Fasanenstraße und im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.
Das vollständige Programm, Tickets und weitere Informationen sind unter jfbb.info verfügbar.



