Antisemitische Festspiele

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Von Ramona Ambs

„Die Wirkung, die ich mit dem Theater erreiche, geht doch unendlich tiefer […] ich biete das Gruppenerlebnis, die gemeinsame Erschütterung, das gemeinsame Lachen“, sagte einst Claus Peyman, ein bekannter Regisseur, über das Theater. Die Wirkung von Theater ist enorm.

Darin lauert jedoch auch ein gefährliches Momentum.

Die Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ im Jahr 1985 im Frankfurter Schauspielhaus transportierte gleich mehrere antisemitische Mythen. Jüdische Bürger, darunter Ignatz Bubis, besetzten damals die Bühne, um die Premiere zu verhindern.  Es folgte eine hitzige Debatte um strukturellen Antisemitismus in der Nachkriegskunst und der Frage von künstlerischer Freiheit.

Heute käme man gar nicht mehr nach mit Bühnenbesetzungen…

Es gibt nämlich mittlerweile allerorten antisemitische Kulturveranstaltungen, Zeitungsberichte oder Kabarettauftritte, alle stets gelabelt mit dem Begriff „Kunstfreiheit“ oder gerne auch „Meinungsfreiheit“.

Gemeint ist die Freiheit, endlich wieder gegen Juden hetzen zu dürfen.

Antisemitisches Theater hat derzeit Hochkonjunktur. Und das gilt sowohl für die alten antijudaistischen Inszenierungen ebenso wie für die neuen Pallywood-Variationen auf Demonstrationen:

In El Burgo, Südspanien, beispielsweise wurde am Ostersonntag eine überlebensgroße Netanjahu-Figur mit 14 Kilo Schießpulver ausgestopft und auf dem Marktplatz vor einer jubelnden Menge in die Luft gesprengt. Das Ganze wurde ungeniert als „Quema de Judas“ (Judasverbrennung) gefeiert. Die Judasfeuer sind insgesamt nach wie vor weit verbreitet und werden gut besucht. (1)

Auf einer Pro-Palästina-Demo in Berlin wurde letzte Woche eine Hinrichtung nachgestellt. Vier Männer mit Palästinenser-Tüchern stehen gefesselt vor dem provisorisch aufgebauten Galgen. Über ihnen baumeln vier Seile mit Henkersknoten. Neben dem Galgen steht „der Jude“, ein stämmiger Mann in einer Tarnjacke, der einen weiteren „Gefangenen“ auf Knien wie einen Hund an einer Kette hält, dessen Kopf er immer wieder nach unten stößt und ihn erniedrigt. (2)

Am Wochenende wurde in Stockholm die alte Ritualmordlegende auf einer Demonstration neu inszeniert: Dort wurde die Ermordung einer palästinensischen Frau und ihres Babys durch Juden nachgespielt. Anschließend drohte der Judendarsteller mit Gesten an, dass alle Anwesenden zum Schweigen gebracht werden sollen, sonst würden sie ebenfalls getötet – ein weiteres Beispiel für den antisemitischen Vorwurf, Juden würden jeden zum Schweigen bringen, der es wagt, Israel zu kritisieren. (3)

Wobei die blutverschmierten Kinderpuppen ja ohnehin schon immer integraler Bestandteil einer jeden Pali-Demo sind….

Ziel des Ganzen dürfte klar sein: Inszenierungen dieser Art lösen bewusst Schockzustände aus. Dabei wird beabsichtigt, dass es in der Wahrnehmung zu einer Verschmelzung von Inszenierung und Realität kommen, was dazu führt, dass Zuschauer übermäßig emotional reagieren und diese Reaktionen dann durch Aktivitäten abbauen müssen. In der Geschichte haben solche Inszenierungen oft schon zu realen Unruhen geführt. Der Jude soll bluten. Das ist es, was mit solchen Stücken in die Welt gebrüllt wird. Stets unter dem Deckmantel von Kunst- oder Meinungsfreiheit. Nur dass solch antisemitisches Puppentheater weder eine Meinung transportiert, noch wirklich Kunst ist. Es ist schlicht und ergreifend Hass, der sich nicht mal verkleidet. Und er findet weltweit statt…

Aber hier in Deutschland wäre es ein Leichtes derlei zu unterbinden. Wir haben nämlich einen Paragraphen (§ 131 StGB), der das verbietet:

Die Darstellung grausamer oder unmenschlicher Gewalttätigkeiten gegen Menschen, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Taten beinhaltet oder die Menschenwürde verletzt, ist verboten. Dies umfasst das Herstellen, Verbreiten, Zugänglichmachen, Ausstellen oder Einführen solcher Inhalte.

Kurz: man müsste nur gängiges Recht umsetzen.

Aber das ist etwas, woran es in diesem Land schon länger hapert…

(1) https://www.welt.de/politik/ausland/video69db7616246b3860d5023f3e/14-kilo-schwarzpulver-netanyahu-puppe-in-spanien-gesprengt-israel-bestellt-botschafter-ein.html
(2) https://www.morgenpost.de/berlin/article411675875/pro-palaestina-demo-am-alexanderplatz-aktivisten-provozieren-mit-hinrichtung.html
(3) https://jewishbreakingnews.com/blood-libel-stockholm-protest-sparks-outrage-with-antisemitic-display/