Israelische Spitzentechnologie für Deutschlands Abwehr

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Ein Vorführmodell von Euro-PULS im Rahmen der Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin 2024, Foto: Matti Blume / CC BY-SA

Deutschland plant eine Milliardeninvestition in das Raketenwerfer-System EuroPULS. Nach Berichten der Agentur Bloomberg ist ein Beschaffungspaket im Wert von bis zu 6 Milliarden Euro in Verhandlung. Das Raketenartilleriesystem basiert auf dem israelischen PULS (Precise and Universal Launching System) des Rüstungsunter-nehmens Elbit Systems. In der Bundeswehr wird die europäische Variante unter der Bezeichnung MARS 3 geführt.

Der geplante Deal sieht nicht nur den Kauf der Systeme vor, sondern auch einen umfassenden Technologietransfer. Teile der Produktion sollen künftig in Deutschland stattfinden. Neben Elbit sind daran mehrere europäische Rüstungsunternehmen beteiligt: Die Werfertechnologie kommt vom deutsch-französischen Hersteller KNDS, während weitere Schlüsselkomponenten von der deutschen Diehl Defence geliefert werden.

Das EuroPULS-System ist eine modular aufgebaute Raketenartillerie und kann verschiedene Raketentypen einsetzen, von Kurzstreckenraketen bis zu präzisionsgelenkten. Je nach Munition sind Reichweiten von bis zu rund 300 Kilometern möglich. Ein Werfer kann zwei Raketenmodule aufnehmen und mehrere Ziele innerhalb kürzester Zeit bekämpfen. Deutschland sieht das System als Nachfolger des älteren MARS II und als Grundlage für die zukünftige Fähigkeit der Bundeswehr zu präzisem Langstreckenfeuer. Parallel zur Beschaffung der Werfer sind umfangreiche Munitionskäufe geplant. In einer ersten Phase sollen Raketen mit einer Reichweite von rund 150 Kilometern beschafft werden, bis zum Jahr 2030 könnte die Bundeswehr mehrere tausend dieser Raketen erhalten, berichtet Bloomberg.

Die Vereinbarung würde auf die bereits etablierte militärische Zusammenarbeit beim Raketenabwehrsystem Arrow 3 folgen. Deutschland ist das erste Land ausserhalb Israels, das Arrow 3, ein System, das ballistische Raketen bereits ausserhalb der Erdatmosphäre neutralisieren kann, operativ betreibt. Die erste Batterie wurde im Dezember 2025 in Schönewalde/Holzdorf an der Grenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt in Dienst gestellt. Die zunehmende militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Israel und den NATO-Partnern ist Ausdruck einer drastisch veränderten Sicherheitslage. Wie notwendig diese Kapazitäten sind, zeigt die aktuelle Situation an der NATO-Südostflanke. NATO-Abwehrsysteme mussten in den vergangenen Tagen mehrfach ballistische Raketen aus dem Iran abfangen, die in den türkischen Luftraum eingedrungen waren.