
Shoham, südöstlich von Tel Aviv, ist eine der wohlhabendsten Kleinstädte in Israel. Die gut 21.000 Bewohner leben in geruhsamen Villenvierteln und genießen eine gute städtische Infrastruktur. Ein Leben auf hohem Niveau also? Nicht so in den letzten Wochen. Immer wieder sind die Bewohner von Shoham aufgefordert, zuhause zu bleiben und die Fenster zu schließen – wegen starker Luftverschmutzung.
Grund für die Luftverschmutzung, die mit beißendem Gestank einhergeht, ist Müllverbrennung auf illegalen Deponien entlang der Grünen Linie, innerhalb der Westbank. Um noch mehr Müll unterbringen zu können, werden dort Brände gelegt. Die Deponien entzünden sich auch teilweise selbst durch freigesetztes Methan.
Auch andere Städte und Gemeinden sind davon betroffen, teilweise seit Jahren, wie zum Beispiel Kfar Saba. Es ist nicht einfach nur Brandgeruch, deutlich riechen lassen sich Schattierungen von verbranntem Plastik bis hin zu giftigen Substanzen. Den Bewohnern bleibt nichts anderes übrig, als sich zuhause einzuschließen. Und natürlich haben sie sich an die Behörden gewandt. Bewohner von Kfar Saba schon vor gut zehn Jahren. Genutzt hat das nicht wirklich etwas. Das Problem ist ganz einfach irgendwann ein Stück weiter gewandert, nach Shoham. Dort ist die geografische Nähe zu den illegalen Mülldeponien in der Westbank ebenfalls besonders nah.
In den vergangenen Wochen hat das Gesundheitsministerium mehrmals Warnungen für Shoham herausgegeben. Keine längeren Aufenthalte im Freien, keine sportlichen Aktivitäten im Freien, vor allem nicht für Kinder oder Menschen mit Atemwegserkrankungen. Das ist keine Lebensqualität.
Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. 45 Prozent der Müllentsorgung der Palästinenser in der Westbank läuft über solche illegalen Deponien. Pläne für den Neubau einer geordneten Deponie, übrigens mit deutscher Finanzierung, werden seit 20 Jahren nicht umgesetzt, auch wegen der komplizierten Realitäten in der Westbank durch die israelischen Siedlungen. In einem Podcast für N12 erklärt Yaniv Bleicher, der die Organisation „Citizens for Clean Air“ leitet, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren besonders zugespitzt habe. Durch stärkere Kontrollen mit Checkpoints in der Westbank, die die IDF seit dem 7. Oktober errichtet hat, würden nun noch mehr Lastwagen die illegalen Deponien anfahren. Aber auch Müll aus Israel landet teilweise dort, wenn Firmen aus Kostengründen die legalen Lösungen umgehen.
Bewohner von Shoham nutzten teilweise den Ausdruck „Terror“ für die Luftverschmutzung. Aber in diesem Fall sind die Realitäten deutlich komplizierter, denn auch palästinensische Ortschaften sind davon betroffen.
Demonstrationen haben jetzt dazu geführt, dass Verteidigungsminister Katz angekündigt hat, dass die Armee die Zufahrten zu den Deponien kontrollieren werde. Aber auch das ist am Ende keine Lösung des Problems, sondern wird höchstens dazu führen, dass neue Deponien angelegt werden. Am Ende wird nur eine gemeinsame Lösung von Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde das Problem beheben können.
Und so lange müssen die Bewohner von Shoham und anderen Orten ganz einfach damit leben. Und offensichtlich auch mit den gesundheitlichen Folgen.


