Shalom und SchUM – Jüdisches Leben zwischen Stadt und Land

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Foto: Landesmuseum Mainz

Seit über 1000 Jahren ist jüdisches Leben eng und untrennbar mit der Geschichte Rheinland-Pfalz’ verbunden. Die neue Sonderausstellung „Shalom am Rhein“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) macht genau dies zum zentralen Thema und bietet mit berührenden Objekten und eindrucksvollen Biografien neue Blicke auf das Miteinander der jüdischen und der nicht-jüdischen Gesellschaft. Sie zeigt eindrucksvoll die Strahlkraft jüdischer Kultur, Wissenschaft und Religion ebenso wie die Brüche durch Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung – und die Kraft des Neubeginns.

‚Shalom am Rhein‘ macht deutlich, wie reich, vielfältig und zugleich verletzlich jüdisches Leben über Jahrhunderte war und ist. Und gerade heute ist es wichtiger denn je, dass wir auch mit einer Ausstellung gemeinsam Orte der Erinnerung, der Begegnung und des Dialogs schaffen“, sagte der für das kulturelle Erbe zuständige Innenminister Michael Ebling anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Auf über 400 m² Ausstellungsfläche führt „Shalom am Rhein“ vom Mittelalter bis in die Gegenwart, also von den SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz – die das aschkenasische Judentum in Europa nachhaltig prägten und seit 2021 UNESCO-Welterbe sind – bis hin zur heutigen jüdischen Gemeinschaft und ihrer vielfältigen Glaubenspraxis.

Foto: Landesmuseum Mainz

Erzählt wird die Geschichte jüdischer Gemeinden am Rhein als Geschichte des Wissens, der religiösen Tradition und der kulturellen Innovation. Sichtbar wird, wie die SchUM-Gemeinden im Mittelalter zu einem geistigen Zentrum nördlich der Alpen wurden – mit Synagogen, Mikwen und Friedhöfen als steinernen Zeugen jüdischen Erbes. Zugleich machen die historischen Spuren die wiederkehrenden Zerstörungen und das Spannungsfeld zwischen Nähe, Teilhabe und Gewalt deutlich.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Landjudentum, das sich ab der frühen Neuzeit als Folge von Vertreibungen aus vielen Städten entwickelte. In Dörfern – oft entlang von Rhein, Mosel, Nahe und Saar – prägten jüdische Familien über Jahrhunderte das regionale Leben mit, trotz hoher Schutzgelder, Einschränkungen und Berufsverbote.

„In vielen kleinen Gemeinden lebten Jüdinnen und Juden als Minderheit inmitten der Mehrheitsgesellschaft – oft gezwungen, sich anzupassen, und zugleich fest entschlossen, ihre eigenen Traditionen zu bewahren“, ergänzt Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE. „Diese Balance zwischen Nähe und Eigenständigkeit verlieh den Gemeinschaften eine besondere Stärke. Sichtbar wird auch die Rolle der Frauen, die schon früh in Familie, Religion und Handel selbstbewusst Verantwortung übernahmen – ein Bild von Eigenständigkeit, das seiner Zeit voraus war.“

Auch die Rückkehr in die Städte im 19. Jahrhundert und die wachsende gesellschaftliche Teilhabe werden thematisiert – ebenso wie die Shoa als tiefster historischer Bruch und die Neugründung jüdischer Gemeinden nach 1945.

‚Shalom am Rhein‘ spannt einen weiten Bogen von jüdischen Wurzeln am Rhein über Gelehrtentraditionen und die Takkanot der SchUM-Gemeinden bis zur religiösen Praxis im Alltag“, sagt Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz. „Die Ausstellung führt vor Augen, wie vielschichtig jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz ist – zwischen Stadt und Land, Integration und Ausgrenzung, Tradition und Erneuerung.“

Foto: Landesmuseum Mainz

Die Sonderausstellung „Shalom am Rhein – 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz“ ist ab 15. Januar 2026 im Landesmuseum Mainz zu sehen und wird über mehrere Jahre fester Bestandteil des Ausstellungsangebots sein.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Heike Otto (Generaldirektorin der GDKE), Dr. Stefanie Hahn (Referatsleiterin für Kulturelles Erbe und Weltkulturerbe im Ministerium des Innern und für Sport), Dr. Birgit Heide (Direktorin Landesmuseum Mainz), Gernot Frankhäuser (Landesmuseum Mainz), Andreas Hawner (Landesmuseum Mainz), Nadine Hoffmann (Welterbesekretariat der GDKE), unter Mitarbeit von Dr. Esther Graf und Manja Altenburg (beide Agentur für jüdische Kultur).

Parallel zur Ausstellung wird es ein umfassendes Begleitprogramm geben, mit Lesungen, Vorträgen, Workshops für Schulgruppen und zahlreichen Führungen.

Mehr dazu unter www.landesmuseum-mainz.de

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51