Ein jüdischer Emigrant, der im Spanischen Bürgerkrieg starb

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Siegmund Oppenheimer, Foto: privat

Erinnerungszeichen für Siegmund Oppenheimer (1904 – 1938)

Am kommenden Dienstag, 18. November, wird ein Erinnerungszeichen für Siegmund Oppenheimer gesetzt und eines Münchner Kaufmanns mit höchst ungewöhnlicher Biographie gedacht. Die Gedenkveranstaltung findet um 15 Uhr im Tagungszentrum Kolpinghaus in der Adolf-Kolping-Straße 1 statt. Teilnehmen werden unter anderem Stadtrat David Süß in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Alexander Bergmann, der Erste Bürgermeister der unterfränkischen Stadt Hofheim, in der Siegmund Oppenheimer aufgewachsen war. Gegen 16.15 Uhr wird ein Erinnerungszeichen für ihn in der Zweigstraße 6 angebracht, seinem letzten deutschen Wohnort.

Siegmund Oppenheimer wurde am 18. Januar 1904 als zweites von vier Kindern von Berta und Josef Oppenheimer geboren. Sie lebten in Hofheim, wo der Vater einen Getreide- und Mehlhandel führte. Die Kinder wurden nach traditionellem jüdischem Ritus erzogen, die Söhne mussten frühmorgens – noch vor der Schule – in den Nachbarort zum jüdischen Religionsunterricht gehen. Siegmund schloss 1922/23 eine Lehre als Kaufmann ab – und versuchte sein Glück in Südamerika. Nach seiner Rückkehr lebte er ab 1929 in München, ab 1932 in der Zweigstraße 6. Er arbeitete als Vertreter.

Am 29. April 1933 wurde sein ältester Bruder Justin verhaftet und wie sein Vetter Benno in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Nur fünf Tage später, am 3. Mai, flüchtete Siegmund Oppenheimer nach Spanien. Er arbeitete für eine Firma in Galicien und baute sich eine bürgerliche Existenz auf. Der Spanische Bürgerkrieg brachte dieses Kapitel in seinem Leben 1936 zu einem jähen Ende. Schnell wurde die Region Galicien von den Nationalisten Francos erobert und einer mörderischen antirepublikanischen Repression ausgesetzt. Siegmund Oppenheimer war aus unbekannten Gründen in Francos Armee und fiel im März 1938 in Alcornocosilla (Belmez) an der Front von Córdoba. Sein Grab sucht man vergeblich. Wahrscheinlich ruht er in einem Massengrab. Das Erinnerungszeichen in der Zweigstraße 6 zeugt nun, 87 Jahre nach seinem Tod, als einziger Erinnerungsort von seinem kurzen Leben.

Zu den Erinnerungszeichen:

Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.

Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de