Sally- Perel- Preis 2024 für Respekt und Toleranz

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„Kein Kind und kein Jugendlicher in Deutschland ist verantwortlich für das, was damals geschehen ist. Aber sie sind dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder geschehen wird.“ Dieses Zitat von Sally Perel steht im Zentrum des Projekts des Bildungszentrums am Marienstift, das mit dem Sally-Perel-Preis 2024 für Respekt und Toleranz des Volkswagenwerkes in Braunschweig ausgezeichnet wurde. Der Preis wurde in diesem Jahr zum 10. Mal vergeben.

Vier Auszubildende des Bildungszentrums am Marienstift der Evangelischen Stiftung Neuerkerode (ESN), Direktor Tobias Henkel, Schulleiterin Katja Watzl und Christian Werner nahmen den Preis am 4. Juni entgegen.

Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum erinnerte in seiner Rede anlässlich der Preisverleihung an die vielen Menschen, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, „(…) weil sie anders geglaubt, anders geliebt und anders gelebt hätten.“ Heute sei Braunschweig eine bunte Stadt mit 170 Nationalitäten. Dr. Kornblum betonte, dass in dieser Stadt „(…) die Kraft der Vielfalt größer sei, als die Kraft der Hetze!“ Abschließend richtete er einen Appell an die Belegschaft im Werk, an die Bürger der Stadt und ganz besonders an junge Menschen: „(…) Wir werden nie wieder zulassen, dass es zu einer dunklen Zeit kommt!“

In dem Projekt des Marienstift arbeiten Auszubildende der Pflege an einer englischen Übersetzung der Israel Jacobson Bildkarte. Das Vorwort schrieb Prof.Dr. Ismar Schorsch, New York.

Die Bildunterschriften sind in englisch, deutsch, französisch, russisch und Iwrit! Der Reiseführer lädt interessierte Menschen aus aller Welt ein, sich die Spuren jüdischen Lebens in der Region rund um Halberstadt, Seesen, Braunschweig oder Wolfenbüttel anzuschauen. Es gibt eine Internetseite unter: https://israel-jacobson.de/

Parallel begeben sich die Auszubildenden auf eine „Spurensuche zu jüdischem Leben im Braunschweiger Land“. Im Fokus des aktuellen Schulprojekts steht der Maler, Fotograf und Illustrator Ephraim Moses Lilien (1874 – 1925), der vor 150 Jahren geboren wurde. Er gilt als einer der ersten zionistischen Künstlern der Welt. Seine Zeichnungen reichen von seinem Wohnort Braunschweig bis nach Jerusalem. Seine Werke stehen heute in Sammlungen von drei Braunschweiger Museen, aber auch in München, Wien New York und Israel. Lilien wohnte bis zu seinem Tod 1925 in Braunschweig und setzte sich maßgeblich dafür ein, dass die Hornburger Synagoge vor 99 Jahren im Braunschweigischen Landesmuseum aufgestellt wurde. 2025 feiern wir den 100. Geburtstag dieser Synagoge im Jüdischen Museum in Braunschweig. Diese Ausstellung überlebte die Zeit des Nationalsozialismus. Sie zählt zu den ältesten Sammlungen von Judaica in der Welt.

Die an dem Projekt beteiligen Auszubildenden besuchen diese Ausstellung. Sie planen für 2025 eine Plakatausstellung zum 100. Todestag von Ephraim Moses Lilien und zeichnen die „Spuren jüdischen Lebens im Braunschweiger Land“ nach. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen: 15 Plakate sind schon fertig. Weitere Plakate zu Ephraim Moses Lilien und seiner Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind in Arbeit. Der Schirmherr des Projekts ist Dr. Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung.