Das Berlinale Elend

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© Internationale Filmfestspiele Berlin / Claudia Schramke, Berlin

Eigentlich wollten wir nichts mehr dazu sagen. Was auch? Wie oft kann man die immer gleichen Dinge wiederholen? Und am Ende gibt es dann doch tosenden Applaus für die Behauptung, dass Israel einen Genozid verüben würde.

Andrea Livnat

Dass das Instagram Account der Berlinale angeblich gehackt wurde, geschenkt. Kann ja mal passieren.

Dass ein Film über die Besatzung ausgezeichnet wird, das ist kein Antisemitismus. Auch das muss man wohl wiederholen. Wir haben den Film nicht gesehen, aber man kann sich natürlich mit der Besatzung beschäftigen, israelisches Unrecht anklagen, ohne dass das antisemitisch ist. Ob dieser Film das schafft, können wir nicht beurteilen, aber darum geht es auch gar nicht.

Es geht darum, was da auf der Bühne der Berlinale zu sehen war. Der israelische Fernsehsender KAN berichtete über die Veranstaltung, Regisseur Yuval Abraham erhalte seitdem Morddrohungen, schreibt er selbst auf Twitter. Das ist bitter. Bitter aber auch, dass Abraham kein einziges Wort des Sympathie für sein Land gefunden hat. Für die Ermordeten, die Entführten, für den 7. Oktober. Das alles hat nichts mit der Besatzung zu tun, richtig. Aber der viel beschworene Kontext, in dem er seine Rede hält eben schon. In Israel jedenfalls hat man seinen Auftritt fassungslos wahrgenommen.

Und dann Filmemacher Ben Russell, in eine Kefije gehüllt (äh, wie war das mit der kulturellen Aneignung?). Ja, da fehlen uns dann tatsächlich die Worte. Wenn nach den vielen vielen Diskussionen über Antisemitismus im Kulturbetrieb dann sowas Applaus erhält, dann gibts wohl nichts mehr zu sagen.

Wann wird es das deutsche Publikum endlich lernen, dass man nicht brav klatschen muss, wenn man in einer Kulturveranstaltung ist, die antisemitische Bilder verbreitet? Man könnte auch einfach aufstehen und den Saal verlassen. Alle. Das wäre mal ein starkes Zeichen. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.