Emissär der jüdischen Sache

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Eine politische Biografie Richard Lichtheims

In der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow ist die erste umfassende politische Biografie Richard Lichtheims (1885–1963) erschienen. Die Autorin Andrea Kirchner stellt darin den jüdischen Politiker und Diplomaten vor, der jahrzehntelang die Interessen der Zionisten gegenüber den herrschenden Mächten der Zeit vertrat.

Als Emissär der Zionistischen Organisation bemühte sich Lichtheim während des Zweiten Weltkriegs vom schweizerischen Genf aus um die Rettung verfolgter Jüdinnen und Juden. Er verstand als einer der ersten zeitgenössischen Beobachter, dass es sich bei den nationalsozialistischen Massenmorden an den europäischen Judenheiten um ein Verbrechen ungekannten Ausmaßes handelte: um ihre systematische und totale Vernichtung.

Die sich wandelnde politische Realität in Europa und Palästina brachte Lichtheim immer wieder dazu, auch die eigenen Vorstellungen von Nationalismus zu überdenken. Andrea Kirchner entfaltet Lichtheims von Brüchen und Neuausrichtungen geprägte Biografie und zeigt, wie eng diese mit der komplexen Geschichte der jüdischen Nationalidee verknüpft ist, deren Verwirklichung immer wieder existenziellen Bedrohungen ausgesetzt war.

Die Autorin Andrea Kirchner ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Publikationen am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main tätig. Im Jahr 2021 wurde sie mit einer biografischen Arbeit über Richard Lichtheim an der Goethe-Universität Frankfurt promoviert.

Andrea Kirchner: Emissär der jüdischen Sache. Eine politische Biografie Richard Lichtheims, Schriften des Dubnow-Instituts, Band 35, 368 S., Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2023, ISBN: 978-3-525-30211-8, Preis: 65,00 €.
LESEPROBE

Bild oben: Richard Lichtheim in Haifa, 1910, Central Zionist Archives