Tipps für das DOK.fest München

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Das DOK.fest München, Deutschlands größtes Dokumentarfilmfestival, findet auch in diesem Jahr dual statt: Rund 130 Filme aus 55 Ländern werden vom 3. bis 14. Mai im Kino zu sehen sein – und zudem vom 8. bis 21. Mai zuhause auf der digitalen Leinwand. Zwei Filme mit jüdischen bzw. israelischen Themen wollen wir besonders empfehlen.

CHARLOTTE SALOMON, LIFE AND THE MAIDEN
(Regie: Delphine Coulin, Muriel Coulin / Frankreich 2023 / 75 Minuten / OmU)

„Leben? Oder Theater?“ ist nicht nur das Hauptwerk der 1917 in Berlin geborenen Künstlerin Charlotte Salomon, es ist auch eines der beeindruckendsten autobiografischen Werke überhaupt. Mit nur 23 Jahren hatte Salomon ihr Leben gemalt und 800 Gouachen ausgewählt, die zusammen mit begleitender Musik das Leben der junge Frau erzählen. Charlotte Salomon wurde in Auschwitz ermordet.

Die Schwestern Delphine und Muriel Coulin lassen die Bilder in ihrem Film nun erwachen und Charlotte Salomon so selbst erzählen. Von ihrer Kindheit in Berlin, der Flucht nach Südfrankreich, von ihrer Mutter, die sich das Leben nahm, von ihrer Kunst. Es ist ein sehr intimes Porträt, das den Zuschauer in den Bann zieht und Salomon durch ihre wunderschönen Bilder lebendig werden lässt. 

–> Die Terminde für „Charlotte Salomon, Life and the Maiden“

INNOCENCE
(Regie: Guy Davidi / Dänemark, Finnland, Israel, Island 2022 / 100 Minuten / OmeU)

Ein bedrückender Film, der die inneren Widersprüche junger Israelis thematisiert, die sich während ihres Wehrdienstes das Leben nahmen. Der Film erzählt anhand von Tagebuchnotizen verstorbener Soldaten und Soldatinnen, mit Szenen aus der Vorbereitung auf den Militärdienst, aber auch mit persönlichen Videoaufnahmen der Verstorbenen ihre Geschichte. Von ihren Zweifeln, am System, an sich selbst, von ihren Ängsten und Überzeugungen. Regisseur Guy Davidi, der mit „5 Broken Cameras“ seinen bisher größten Erfolg verbuchte, äußerte sich in Interviews und Pressegersprächen über die Gefahren einer globalen Militarisierung. Die besondere Situation in Israel, die einen aktiven Wehrdienst leider nach wie vor nötig macht, erwähnt er auch im Film nur sehr am Rande. Trotzdem, sein Film ist unbedingt sehenswert und zeigt, egal auf welcher politischen Seite man steht, wie der anhaltende Konflikt in Israel, die Seelen seiner Kinder zerstören kann.

–> Die Termine für „Innocence“

–> Zum kompletten Programm

Fotos: DOK.fest München