„A Few Word About the Elephant is in the Room“

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(c) ויקי4800 / CC BY-SA 4.0

Israels Finanzminister Bezalel Smotrich sorgt mit seinen Reden auf internationaler Bühne für Erheiterung und diplomatische Zwischenfälle.

Eigentlich wollte ihn ja niemand empfangen, nachdem Smotrich, Vorsitzender der Partei der ultrarechten Religiösen Zionisten, davon sprach, der palästinensische Ort Huwara müsse „vernichtet“ werden. Smotrich reagierte mit der Aussage auf einen Anschlag, bei dem zwei israelische Brüder in Huwara erschossen wurden, gefolgt von einem pogromähnlichen Überfall von Hunderten von Siedlern einige Stunden später. Die Reise wollte er sich dennoch nicht nehmen lassen.

Smotrichs Aussage löste internationale Schlagzeilen aus und veranlassten die Biden-Regierung dazu, sein Einreisevisum abzuwägen. Am Ende flog er doch und hielt eine vielbeachtete Rede bei einer Israel-Bonds-Konferenz in Washington. Diesmal war es weniger der Inhalt, der die Schlagzeilen machte.

Das Video von Smotrichs Rede ging viral, mit der hämischen Überschrift „Warum man weltliche Fächer braucht“.

 

„Meine Grandmejser dreht sich im Grab um“, hieß es prompt auf einem Schild, das eine Demonstrantin am Tag darauf in Tel Aviv hielt. Mittlerweile kursieren Hunderte von Videos und Memes, die sich über Smotrich lustig machen.

Jetzt ist Smotrich nach Paris gefahren. Dort sprach er nicht auf Französisch, sondern in Hebräisch, auf einer privaten Gedenkfeier. Während seine Rede in Washington für Erheiterung sorgte, hat er nun eine diplomatische Krise losgetreten. Ein Video hielt die Szene fest, in der er erklärt, dass es kein palästinensisches Volk gebe. Das palästinensische Volk sei eine Erfindung aus dem letzten Jahrhundert und er und seine Großeltern seien die „echten Palästinenser“. 

Aber damit nicht genug. Auf dem Redepult war eine Karte Israels zu sehen, „Groß-Israels“, das auch Teile Jordaniens enthält. Die Reaktion Jordaniens ließ nicht lange auf sich warten. Smotrichs Verhalten stelle „eine gefährliche Eskalation dar, die Sicherheit und Stabilität bedroht“, hieß es auf dem jordanischen Außenministerium. Amman bestellte später Israels Botschafter ein.

Israels Außenministerium hatte sich zuvor um Schadensbegrenzung bemüht. „Israel ist dem Friedensabkommen mit Jordanien von 1994 verpflichtet. An der Position des Staates Israel, der die territoriale Integrität des Haschemitischen Königreichs anerkennt, hat sich nichts geändert“, twitterte das Ministerium. 

Es bleibt spannend, wohin Smotrich als nächstes reisen wird.

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Lange Zeit galt Bezalel Smotrich einfach nur als das Enfant terrible der israelischen Politik. Als designierter Minister im Verteidigungsministerium sowie Chef des Finanzressorts wird Bezalel Smotrich nun von Benjamin Netanyahu mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet. Für den Vorsitzenden der Partei der Religiösen Zionisten ist das der Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere.

Bild oben: (c) ויקי4800 / CC BY-SA 4.0