Spott-Light: Björn Höckes Rede in Pfiffelbach 2022 und ihr (sein?) Höhepunkt: Ulrike Guérot von Nietzsches Uni Bonn…

… bei welcher sich allerdings die Frage stellt: Ist sie Höckes rettender Engel? Wird er desselben wegen seinen Flügel hängen lassen?

Fragt unser Klatsch- sorry, ich meinte: Spott-Reporter Christian Niemeyer

„Suchen wir denn bei unserem Forschen Ruhe, Frieden, Glück?
Nein, nur die Wahrheit,
und wäre sie höchst abschreckend und häßlich.“
(Nietzsche 1865)

Vorab, damit es vor lauter Klatsch und Spott nicht in Vergessenheit gerät: Was mich seit dem Jahreswechsel umtreibt, in den ersten zwei Folgen[1], und nun auch in dieser letzten unter dem Arbeitsvermerk „Höcke III“, ist die Sorge ob Björn Höcke, stärker noch: ob der Geister, die er rief. Gehört zu diesen Geistern etwa auch, so die Frage dieser Folge, die auf den ersten Blick überaus charmante Bonner Politikwissenschafterin Ulrike Guérot? Eine Frau, die eher in der Liga von Nietzsches femme fatale Lou von Salomé zu spielen scheint denn in jener der Elisabeth Förster-Nietzsche. Wie dem Tiefblickenden der gegen Ende noch angesprochene  Umstand verrät, dass Höckes Kumpel Götz Kubitschek, als wäre er Paul Rée, ein „atemberaubend“ herausrutschte (ein Attribut, das auf ein Buch nicht wirklich passt, oder?). Ob man diese Beobachtung nun unter „Klatsch“ rubrizieren sollte oder unter „Spaltpilz“, wenn nicht gar „Dynamit“, ist mir eigentlich egal – ebenso wie Höcke wohl Nietzsches Schwester rechts liegen lassen würde, also abzüglich des Weltanschaulichen. Das ihn offenbar bei Ulrike Guérot anzuziehen scheint, wie im Titel angesprochen und gegen Ende genauer zu zeigen. Vorerst aber benötigen wir eine Art „große Erzählung“, in welche wir dieses „kleine“ einfügen können.

*

Über dieser Frage grübelnd, fiel mir zum Glück ein, dass ich mir vor Jahren schon wegen des von Nietzsche an die Wand gemalten Gespenstes der ewigen Wiederkehr des Gleichen einen Glossenbestand für alle Fälle als Passepartout zurechtgelegt hatte. Meint, um nur dieses Beispiel herauszugreifen und nicht von meiner morgendlichen Mueslizubereitung zu reden und noch nicht von der unheimlich Wiederkehr eines Braunauers, diesmal in Bornhagen: Für Plagiatsfälle aller Art habe ich mir im Februar 2011[2] eine Glosse ausgedacht, in welcher der entscheidende Passus lautet, die Universität Bayreuth sei schuld am Plagiat des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, weil sie damals noch warb mit dem Nietzsche-Zitat „Irgendwann sitzen wir einmal alle in Bayreuth zusammen und begreifen gar nicht mehr, wie man es anderswo aushalten konnte“ – und deren Kanzler (ich meine jetzt den der Uni) sich schlicht daran störte, dass die Kanzlerin (ich meine jetzt die der Bundesrepublik Deutschland) nicht Nietzsches, sondern Wagners wegen nach Bayreuth kam. Hin und wieder sehr tief dekolletiert, im Übrigen. Also habe man von der Unileitung ausgehend den damaligen Angela-Merkel-Konkurrenten und Doktoranden Guttenberg gefragt, ob er nicht eine Doktorarbeit voller Plagiate verfassen könne, die Wagner beschädigten und Merkel ärgerten etc. pp., kurz: die Sache muss dann irgendwann aus dem Ruder gelaufen sein.

Was dies mit Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin von Nietzsches vormaliger Uni Bonn, zu tun hat? Nun, abgesehen vom Plagiatsverdacht, auf den wir gleich zu sprechen kommen wollen, auf den ersten Blick wenig. Gesetzt aber, es gelänge, Björn Höcke einen Professor oder eine Professorin von der ehrbaren Universität Bonn an die Seite zu stellen, an welcher der von ihm als sein „Geschichtslehrer“ ausgewiesene Nietzsche in seiner Zeit als Student eigentlich happy geworden wäre, glücklicher jedenfalls als in Leipzig, wo er unter seiner aus Bonn eingeschleppten Syphilis zu leiden begann, könnte die Sache spannend werden.

Ich gebe zu: So zu reden, dürfte meinen sächsischen Freund und Tenniskameraden „kandreas“ auf die Palme bringen. Von der ich ihn aber wieder schnell herunterbrächte mittels des Hinweises, dass ich als Sachse (wenn auch nur als Niedersachse) mit Faible für einen Ossi (Nietzsche) und Abneigung gegenüber zwei Wessis (Honecker und Marx) derart einfach nicht tickte. Und also auch nicht auf die Idee kommen würde, jetzt von „Syphilis heute“ reden zu wollen. Auch nicht von der Plagiatorin Franziska Giffey (SPD), die aktuell in Berlin zur Wiederwahl ansteht. Nichts liegt mir ferner als Vater zweier erstmals wahlberechtigter Kinder, als mich in die politische Bildungsarbeit unserer (sehr guten) Berliner (und Glienicker!) Schulen einzumischen.

Nein, mein Zugang ist ein anderer. Gesetzt, die Uni Köln ärgerte sich allmählich über ihren aktuellen Werbespruch des Alumni Nietzsche („Viele sind hartnäckig in Beug auf den einmal eingeschlagenen Weg, Wenige in Bezug auf das Ziel“) – Banaleres, in einem noch schlimmeren „Schweinedeutsch“ Niedergelegtes habe ich von Nietzsche noch nicht gelesen –; gesetzt des Weiteren, die Unileitung sinne schon lange, ähnlich wie weiland jene in Bayreuth, auf eine Alternative, wäre es nicht ganz abwegig anzunehmen, sie könne den im Motto genannten Spruch Nietzsches für ihre Werbung als Standort fruchtbar machen, wenn sie ihre 2021 berufene Professorin Ulrike Guérot animiere, Unsinn zu schreiben – um sich darüber dann wirkungsvoll empören zu können. So dass alle Welt schwärmte, wie sehr die Uni Bonn sich ins Zeug lege, der Wahrheitssucht ihres Alumni Nietzsche Ehre einzulegen. Unvorstellbar? Oh, nicht so kleinmütig, oder, wie Nietzsche immer so schön sagte: „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt!“ Meint: Los geht’s!

**

Ulrike Guérot steht aktuell zusammen mit ihrem Co-Autoren Hauke Ritz wg. ihres überaus erfolgreichen Essay Endspiel Europa schwer unter Feuer. Kein Wunder: Wo immer es geht – ob Nawalny, ob Abschuss des Fluges MH 17 (vgl. Guérot/Ritz 2022: 188), ob US-Biowaffenprogramm in der Ukraine (ebd.: 195), – huldigt unser Autorenduo dem skrupellosesten pro-russischen Ideologen auf diesem Themenfeld, Thomas Röper und seinem Anti-Spiegel. Dazu passend: Guérots geradezu enthemmter, sagen wir einmal so: russlandfreundlicher Auftritt bei Markus Lanz am 2. Juni 2022 , mit dem Ergebnis einer fast in Schnappatmung verfallenden FDP-Verteidigungsexpertin, deren Namen ich mir nicht so schnell merken konnte. Dass man das nicht oder auch ganz anders sehen kann, zeigt ein Statement wie dieses hier: „Die Cancel Culture ist aus dem Kulturbereich über Corona in die Kriegsthematik geschlüpft: Neueste Zielscheibe: die Bonner Politikprofessorin Ulrike Guérot“, titelte beispielsweise Milosz Matuschek ganz im popjournalistischen Jargon als Gastbeiträger der Berliner Zeitung.[3] Als sei die in dieser Sendung angeblich zu Unrecht Zensierte nicht mindestens dies doch auch: Zensorin.

Von was? In welcher Hinsicht? Und in wessen Absicht? Sagen wir einmal, im Vertrauen auf die Leser*innen der letzten zwei Spott-Lights zu diesem Thema, so: Wäre Lanz mit jener Ausdauer und Hartnäckigkeit, wie dort gefordert, am Ball geblieben, hätte er jenen Elfmeter in Min. 20 seiner Sendung von Ende November also nicht versemmelt, hätte er wohl auch erkannt, dass Tino Chrupalla auf Höckes „faschistische“ Geraer Rede vom 3. Oktober vergleichbar zugeknöpft reagieren musste, wie er selbst es selbst tat am 2. Juni 2022 gegenüber Guérot. Meint, im Prinzip: Es besteht eine Art Waffengenossenschaft zwischen beiden: Guérot sieht Putin durch Provokationen herausgefordert und ein Stück weit gerechtfertigt und tadelt die USA, die Höcke am liebsten nach Schmitt-/Nazi-Art als „raumfremde Macht“ grundsätzlich ausgrenzen würde.

Schlimm? Ja, für die Ukraine; sowie ja, für Deutschland, dem, wie hier am 1. Januar 2023 angedeutet, in der Line des Höcke-Plans ein Los als Hungerleider an der Seite des Kriegsverbrecherlandes Russland droht. Nicht aber eine Zukunft als Weltmacht, wie Ingrid Schnick mutmaßte, eine von 381 Kommentator*innen (Stand: 15.01.2023, 10: 40) der Höcke-Rede vom 5. November 2022 in Pfiffelbach. Ein Ort nördlich von Apolda, als dessen „Persönlichkeiten“, lt. Wikipedia, verzeichnet werden: Adolf Julius Kirsche (1857-1944), Bruno Kirsche (1879-1945) sowie Walther Kirsche (1884-1956), allesamt „Landwirt und Pflanzenzüchter“, abgesehen vom Erstgenannten, für den zusätzlich noch „Gutsbesitzer, Firmengründer“ eingetragen werden. Im „zusätzlich“ liegt wohl begründet, dass Frau Schnick nun endlich einem gigantischen „Zusätzlich!“ das Wort redet, nochmals sei es erwähnt, diesmal im prallen O-Ton ohne Punkt und Komma:

„Wenn Deutschland und Russland zusammenhalten haben wir die Weltmacht.“[4]

Zart dazwischengefragt, gesetzt, dem wäre so: Und wozu? Sowie für welchen Preis? Sollen wir ihn mal deutlich ansprechen, und dies mit Seitenblick auf Nietzsche, für den, wie das Motto zeigt, schon als Bonner Studiosus Wahrhaftigkeit über alles ging? Also gut: der Preis heißt Lüge, sei es jene Guérots, sei es jene Höckes, den Guérots Lügen nicht die Bohne interessieren, solange sie ihm nützlich sind; sei es jene vom Typ Ingrid Schnick, also, wie mir scheint, Träume frustrierter Hausfrauen,  die im Dritten Reich tausendfach erblühten und auf Kraft-durch-Freude-Fahrten neue Nahrung erhielten.

Schauen wir einmal etwas genauer hin, auf die Lügen der Ulrike Guérot, eine Frau, eigentlich zu schön und klug, um sie, die Lügen, nicht nötig zu haben. Oder ist es eher umgekehrt? Oder ist auch dies nur Heftchenromanweisheit? Anders gefragt: Was weiß ein Mann außerhalb der Welt des (allerdings seinerzeit nicht wirklich ganz gesunden Me-too-Kandidaten) Alfred Hitchcock schon vom Seelenleben beispielsweise einer Kleptomanin wie Tipi Hedren? Andere sind da offenbar lebenserfahrener, wie der an Hellsicht kaum zu überbietende bedeutende Historiker Heinrich August Winkler (*1938). Der Guérot 2017 im Spiegel[5] beschuldigte, zusammen mit Robert Menasse (sowie mit Jakob Augstein im Schlepptau), apokryphe, also unechter Zitate in Umlauf gebracht zu haben (mit der Folge eines späteren Eingeständnisses bei Weitergabe des schwarzen Peters an Menasse).

Dies aber war nur der Auftakt dieser Gräfin Klandestin (wie mein Krimiherz sie zu heißen begehrt). Um die Sache hier abzukürzen: Das Finale – damit wohl gar Ihr Ende an der Universität Köln – deutet sich an mit dem von Markus Linden, apl. Professor für Politikwissenschaft an der Universität Trier, am 7. Juni 2022[6] aufgebrachten Stichwort „Plagiatsfall Guérot“ und dem Vergleich zum Skandal um Karl-Theodor zu Guttenberg. Und dies unter Verweis auf zahlreiche Fälschungen selbst in einem von der Bundeszentrale für politische Bildung übernommenen, erstmals 2016 im Dietz-Verlag erschienenen Bestsellers. Am 3. August legte Linden nach[7] und berichtete über weitere Plagiate in Guérots Buch Der neue Bürgerkrieg. Das offene Europa und seine Feinde (2017). Inzwischen ist selbst der NDR – sonst, bei wirklich wichtigen Fällen wie etwa Winnetou[8], spezialisiert auf wokeness aller Art – erwacht, jedenfalls beim zweiten Mal: Am 14. September meldete der Sender, Guérot werde der Jury für den NDR-Sachbuchpreis angehören; einen Tag später folgte das Dementi wg. der offenbar zwischenzeitlichen Entdeckung, Guérot habe sich „von den Werten der wissenschaftlichen Gemeinschaft“ verabschiedet. Eine Begründung, die den Humboldt-Berliner Politologie-Emeritus Wolfgang Merkel empörte.[9] Meine Empörung ist eine gegenläufige, auch aus der Kenntnis um andere, verschwörungsideologische Texte Guérots gespeiste[10] und an der, gegenwirkend gedacht, pädagogischen Idee der Bildsamkeit und der Hoffnung auf lebenslanges Lernen orientierte.

***

Dieses Zwecks halber empfehle ich meinem in etwa gleichaltrigen Berliner Mit-Emeritus das Anschauen des Videos von Höckes Rede auf dem AfD-Landesparteitag vom 5. November 2022 in Pfiffelbach – eine Art Strafarbeit für Nichtfans, wie ich gerne einräume. Und damit es nicht auch noch eine solche wird für die aufmerksamen Leser*innen dieses Kapitels, lasse ich alle Passagen weg, in denen Höcke seine auf Bündniswechsel abstellende Geraer Rede zum Tag der deutschen Freiheit vom 3. Oktober[11] paraphrasiert und gleichwohl seinen Diener hinbekommt in Richtung Tino Chrupalla („Wir sind eine Partei des Friedens“). Und konzentriere mich auf Minute zwölf, als Höcke mit einem Satz roter Ohren wie ein Schuljunge aufgeregt zu seiner Tasche läuft, mit einem Essay – eben jenen eileitend erwähnten von Ulrike Guérot & Hauke Ritz – zurückkommend, den er, strahlend wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, in die Kamera hält, mit Andacht und spätpubertärer Geste ihren Namen aussprechend („ich hoffe, das war jetzt so einigermaßen richtig, mein Französisch“), als ginge ihm gerade ihr Satz aus einem Ijoma-Mangold-Porträt vom 16. Juni 2022 durch den Kopf:

„Wenn Björn Höcke mein Buch gut findet, dann darf er das gut finden. Darum bin ich noch lange nicht Björn Höcke.“[12]

Wirklich nicht? (Diese Frage geht jetzt an, wie ich sie mal nennen will, Ulrike.) Denn immerhin muss man hier ja bedenken (wie einleitend angesprochen): Der von Höcke am 5. November in Pfiffelbach gelobte Guérot-Essay (aus Platzgründen lassen wir den Namen Ritz einfach mal weg) war nur eine Woche zuvor von Höckes Kumpel Götz Kubitschek auf Sezession mit dem Attribut „atemberaubend“ versehen worden. Und speziell Guérot wurde von Kubitschek persönlich – hallo!, Ellen Kositza mit der Netzstrumpfhose, aufpassen! – mit dem Versprechen nach Schnellroda gelockt, es gelte „Schwamm drüber“ für ihr Versäumnis, nicht schon vorher, etwa auf einer Klassenfahrt, dort abgestiegen zu sein.[13] Um dies mit meinen Erfahrungen zu vergleichen, den Erfahrungen eines durchaus reisewilligen Kaders, den es schon Silvester 2013, jedenfalls meiner Fiktion zufolge[14], in jenes Rittergut lockte zwecks Teilhabe an der Einspielung von Tristesse Droite: mehr Anmache geht nicht. Allein deswegen werde ich allerdings nicht anfangen, von Kubitschek (oder von dessen Bewunderern wie „Leander“[15]) besonders lobend herausgestellte Sätze zu schreiben wie:

„Wir leiten aus amerikanischen Quellen her, daß der russisch-ukrainische Krieg ein lange vorbereiteter amerikanischer Stellvertreterkrieg ist, eine Apotheose jahrzehntelanger amerikanischer Geostrategie, deren eigentliches Ziel die Verfestigung der amerikanischen Dominanz in Europa ist. Europa soll von seinen wirtschaftlichen Adern im Osten abgeschnitten ist.“

Da ist sie also wieder, die AfD-Parole vom „Wirtschaftskrieg“, den der Westen mit seinen Sanktionen wegen des Krim-Krieges vom Zaun gebrochen habe; der von Kubitschek referierte fernere Rat unseres Essay-Doubles geht dahin, „man müsse in Zukunft besser denjenigen ‚draußen‘ halten,  der auf dem europäischen Kontinent und der eurasischen Landmasse nichts verloren habe“; um deutlich zu sein: Dies ist nichts weiter als eine andere Redeweise für Carl Schmitts 1939er Vision von den USA als „raumfremder Macht“ und insoweit belehrter O-Ton Höcke 2018, nur etwas elaborierter.

So betrachtet gibt es keinerlei Anlass, Guérot, dieser offenkundig irgendwo falsch abgebogenen Hochbegabten, beizustehen, und dies auch noch mit dem Hinweis, bei ihren Kritikern handele es sich auffällig häufig um Männer, wie Susanne Gaschke am 27. 11. 2022 in der NZZ darzutun suchte.[16] Schade nur, dass Gaschke bei dieser Gelegenheit das zu dieser Zeit vier Wochen alte Urteil der Leserin Sabine Haag zu Endspiel Europa außer Betracht ließ:

„Propaganda direkt aus dem Kreml.“[17]

Männern geht diese schlichte weibliche Klarsicht zumeist ab, vielleicht, weil sie es irgendwie sexy finden, nicht immer nur Schmitt oder gar Maskulisten wie Jack Donovan lesen zu müssen, um ihrem Bedürfnis, sich toll zu finden, Auftrieb geben zu können.

Zu dieser Art Männern gehört, darin lässt sein Auftritt am 5. September in Pfiffelbach keinen Zweifel, auch und vor allem Björn Höcke. Ihn sich beim Schachspiel mit Ulrike Guérot vorzustellen, seinen vom Verfassungsschutz als verdächtig eingeschätzten Flügel hängenlassend, erfordert einiges an Phantasie. Wie heiß es dabei wird, haben beide allerdings wohl nicht mehr in der Hand. Und dies sage ich, wie immer bei Nietzsche, nicht als Wünschender, sondern als Befürchtender. Der allerdings, als Wunscherfüller, noch eines beantworten können muss, ausgehend vom Motto, das, wie hier verraten werden darf, einem Brief des Studiosi aus Bonn an seine Schwester vom 11. Juni 1867 entnommen wurde:

„Suchen wir denn bei unserem Forschen Ruhe, Frieden, Glück? Nein, nur die Wahrheit, und wäre sie höchst abschreckend und häßlich.“ (2: 60)

Elisabeth Förster-Nietzsche hat, wie wir alle wissen könnten und im Dritten Reich jeden zweiten Tag von den Folgen her im Völkischen Beobachter studierbar war, diesen Rat in den Wind geschlagen. Aber kann dies ein Grund sein, dieses Zitat nicht in der Aula der Bonner Universität zu platzieren, zwecks Erinnerung an den größten ihrer Alumni zu Ungunsten der bei Letzteren dargebotenen Trivialitäten und mit dem Ziel der Vermeidung von Abstürzen wie jenen der Ulrike Guérot? Die derart schnell so hoch zu fliegen hoffte, dass ihr ein griechischer Gott, wie mir scheint, schließlich die Flügel versengen musste.

Foto oben: Björn Höcke bei Wahlkampfkundgebung in Neubrandenburg, 12.8.2016, (c) redoc – research & documentation

Autor: Prof. Dr. Christian Niemeyer, Berlin / Dresden

Text: Entwickelt aus Kapitel 5 meines neuen Buches Die AfD und ihr Think Tank im Sog von Trumps & Putins Untergang. Eine Analyse mit Stil- und Denkmitteln Nietzsches. Beltz Juventa: Weinheim Basel 2023 (i.E.). Dort auch sämtliche Literaturnachweise. 

[1] www.hagalil.com/2023/01/spott-light-hoecke-1/ sowie www.hagalil.co,/2023/01/spott-light-hoecke-2/
[2] Aus: Editorial, Zeitschrift für Sozialpädagogik 9 (2011), H. 2, S. 114.
[3] www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/ulrike-guerot-bei-markus-lanz-wer-fuer-den-frieden-ist-ist-jetzt-auch-feind-li.233689
[4] www.facebook.com/Bjoern.Hoecke.AfD/videos/1279216056199303
[5] www.spiegel.de/heinrich-august-winkler-ueber-robert-menasse-europas-falsche-freunde-a-174045.html
[6] www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ulrike-guerot-weitere-plagiate-bei-bonner-professorin-gefunden-18086527.html?GEPC=s9
[7] www.zeit.de/kultur/2022-08/ulrike-guerot-plagiat-politik-professorin
[8] S. www.hagalil.com/2022/08/winnetou/
[9] www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/debatte/medien-von-unseren-werten-entfernt-ndr-wirft-ulrike-guerot-aus-sachbuchpreis-jury-li.267918
[10] Blog.gwup.net/2022/03/19/verschwoerung-fakten-die-radikalisierung-der-ulrike-guerot/
[11] www.pi-news.net/2022/10/hoeckes-rede-zum-tag-der-deutschen-freiheit-am-3-oktober-in-gera/
[12] www.berliner-zeitung.de/news/ulrike-guerot-wenn-bjoern-hoecke-mein-buch-gut-findet-dann-darf-er-das-gut-finden-li.236845
[13] Sezession.de/66990/ulrike-guerot-und-hauke-ritz-endspiel-europa-1
[14] www.hagalil.com/2021/08/tristesse-droite-reloaded/
[15] Er empfiehlt am 31. Oktober, 21:04 Sätze wie: „Studiert man die westlichen Kriegsvorbereitungen genau, wird deutlich, dass der Ukraine die Rolle zukam, stellvertretend für den Westen einen Krieg mit Russland zu beginnen.“
[16] www.nzz.ch/international/an-der-politikwissenschaftlerin-ulrike-guerot-scheiden-sich-die-geister-Id.1713770
[17] www.amazon.de/product-reviews/3864893909/ref=acr_dpx_hist_1?ie=UTF8&filterByStar

Kommentar verfassen