Was bleibt?

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Der Besuch von Söhnen, Enkeln und Urenkeln ehemaliger jüdischer Bürger Eislebens, vom 16. Oktober bis zum 23. Oktober 2022 in der Lutherstadt

Von Rüdiger Seidel, Verein Eisleber Synagoge e.V.

Lange haben wir den Besuch von Izhak Barak, seiner Frau Shoshana und seinem Sohn Ziv aus Rishon Le Zion, als Nachfahren der Burakfamilie, Frau Dr. Rolly Rosen und ihre Tochter Gal Rosen aus Haifa, die Nachfahren von Willy Rosenthal und Giora Hirsch und seine Lebensgefährtin Liona und Micky Hirsch, die Schwester von Giora aus dem Norden Israels, Kafar Giladi, als Nachfahren des letzten Kantors der Eisleber Synagogengemeinde, Gustav Mosbach und seiner Frau Hedwig, vorbereitet und nun war es soweit.

Am Montag 11.00 Uhr, wurden als erste Aktion in Eisleben, die Stolpersteine für die Familie Burak gesetzt. Der Sohn von Paul Burak, Izhak Barak, seine Frau und sein Enkel Ziv und die anderen Gäste waren anwesend.

Nachdem das Memorandum verlesen wurde, hielt Izhak eine kleine Rede, in der er seinen Dank zum Ausdruck, hier an der Stelle, wo das Haus der Buraks stand, jetzt zu stehen und der Familie zu gedenken.

Izhak Barak bei seiner kurzen Rede
v.l. Shoshana, Ziv und Izhak Barak, dahinter Dr. Thon, Frau Kettner, Frau Hellmich, Herr Edel.

Am Abend trafen sich die Mitglieder des Vereins und die Gäste im Hotel zum Grafen und machten sich bekannt. Jeder stellte sich vor und so lernten wir uns näher kennen. Natürlich kam es dabei auch zu persönlichen Gesprächen, die von der gegenseitigen Neugier geprägt war.

Am Dienstag wurden die Gäste in die Synagoge eingeladen, um dort vor der Kamera von ihren Vorfahren zu erzählen und auch über sich und die Familie.

Am Nachmittag fuhren wir nach Quedlinburg, in den Harz und bestaunten die Fachwerkhäuser und die alten Gassen und Gemäuer. Die Gäste waren erstaunt eine Stadt in dieser Vielfalt zu sehen.

Hier vor dem Rathaus von Qedlinburg
(v.l. Micky, Giora Hirsch, Lior und die Fanilie Barak mit Izhak, Shoshana und Ziv)

Die Gäste kauften sich dann noch Harzer Hexen, die Micky schon lange sammelt. Wir fuhren danach wieder nach Eisleben und manche Geschichte wurde noch auf der Fahrt erzählt.

Am Mittwoch war der eigentliche Höhepunkt der Woche. Die Gäste waren ab 11.25 Uhr in drei Klassen des M.-Luther-Gymnasiums und sprachen über ihre Familie, über das Leben in Israel und beantworteten Fragen der Schüler.
Danach begann die Eröffnungsveranstaltung der neuen Ausstellung des Vereins Eisleber Synagoge in der Aula des Gymnasiums, Haus II.
Neben dem Landrat, Herrn Schröder, sprach Izhak Barak ein paar begrüßende Worte und es waren viele Gäste anwesend.
Es waren neben den Lehrern und Schülern des Gymnasiums auch die Gestalterin Frau Ute Holstein aus Leipzig und den Architekten Herrn Friebe begrüßen. Des weiteren Herrn Dr. Hans-Reinhardt Hunger unseren Statiker, sowie der Dr. Bernd Ulbrich, von der M.-Mendelsohn-Gesellschaft in Dessau willkommen heißen.

Hier stehen Izhak Barak und der Statiker für unsere Synagoge Herr Dr. H.-R-. Hunger vor dem Rollup für seine Familie

Am Donnerstag fuhren wir mit einigen Vereinsmitgliedern nach Halle und hatten dort ein Treffen in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Halle. Zuerst waren wir zur Vorstellung in der Synagoge, um dann den angrenzenden alten jüdischen Friedhof zu besichtigen, auf dem auch Eisleber beerdigt sind.

Bei den Erklärungen über die Gemeinde und die Geschichte dieses Hauses.

Wir gedachten auch der Opfer und den Geschädigten des antisemitischen Angriffs vom 9. Oktober 2019 und legten einen Blumenstrauß nieder.

Dann sind wir weiter gefahren, zur Polizeiinspektion Halle und wurden von den führenden Personen empfangen und betreut. Wir wurden von den „Geheimnissen“ der Polizeiarbeit unterrichtet und saßen in der Zentrale des operativen Dienstes und es gab eine Menge Fragen über die Arbeit der Polizei während den Bedingungen des Anschlages von 2019. Alle Beteiligten waren begeistert von den technischen Bedingungen der Polizeiarbeit. Es war ein sehr interessanter und schöner Tag gewesen, obwohl viele Aspekte von ernstem Charakter waren.

Am Freitag sind wir vormittags Gäste beim Bürgermeister von Eisleben, Carsten Staub gewesen, der sich und die Stadt kurz vorstellte. Auch die israelische Gäste stellten sich vor und hatten auch einige fragen. So kam es zu der Frage von Izhak Barak, warum in Eisleben keine Straße nach jüdischen ehemaligen Eislebern benannt ist. Der Bürgermeister sagte dazu, dass es zwar in den 90er Jahren Straßenumbenennungen gab, aber da waren die Kenntnisse über ehemalige jüdische Mitbürger noch nicht erforscht. Er will bei Neuerschließungen daran denken und bedankte sich für den Hinweis.

Am Nachmittag waren die Gäste bei dem Landrat eingeladen. Auch dieser Besuch verlief mit der Vorstellung der Arbeit des Landrates und des Kreises Mansfeld-Südharz. Die Gespräche gingen dann zu Partnerschaften zwischen israelischen und deutschen (Mansfeld-Südharzbezogen) Institutionen, Schulen, Vereinen, wo der Landrat meinte, dass Schulen, junge Menschen über solche Partnerschaften ins Gespräch kommen sollten. In den Begegnungen wurden von Seiten der israelischen Gäste Erinnerungsgeschenke überreicht, die der Bürgermeister und der Landrat dankend annahm. Am Nachmittag sind wir nach Aschersleben gefahren , die Stadt besichtigt und Kaffee getrunken und Kuchen gegessen.

Am Samstag führen wir mit unseren Gästen nach Dresden in die Gemäldegalerie Alter Meister. Die Gäste waren erstaunt über so viele Gemälde von Rubens, Raffael, Vermeer; Rembrandt; da Messina; Bellotto; Giorgione und vielen anderen bekannten Malern.

Nach einer kurzen Mittagspause gingen wir über die Elbterassen zur Frauenkirche und dann zur neuen Synagoge in Dresden. Danach lieferten wir Rolly Rosen und ihre Tochter Gal auf dem Dresdner Bahnhof ab, sie übernachteten in Berlin bei Freunden und der Rest nachte sich auf den Weg nach Eisleben.

Damit hatten wir den letzten Tag gestaltet und die letzte kurze Nacht bracht uns dann die Fahrt zum Flughafen BER nach Berlin. Wir verabschiedeten und mit den Wünschen für ein baldiges Wiedersehen.