Eine Frau

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© Copyright: Unafilm

Ein nachdenklicher, bewegender Dokumentarfilm über Fragen der Identität, Wunden des Exils und das Erinnern

Was bedeutet es für eine Frau, ihre Eltern zu verlieren und eine eigene Familie zu gründen, um dann allein zu bleiben? Was bedeutet es, von Land zu Land, von Sprache zu Sprache zu ziehen? Die Filmemacherin Jeanine Meerapfel, seit 2015 Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin, sucht nach Antworten auf diese Fragen, indem sie der Geschichte ihrer Mutter, Marie-Louise Chatelaine, folgt, vom Burgund ins Elsass, vom Elsass nach Deutschland, Holland und schließlich nach Argentinien, wo sie selbst geboren wurde.

Alle ihre Filme, egal ob Spielfilm oder Dokumentation, drehen sich um Emigration und Exil, Argentinien ist ebenfalls immer wieder ein Thema. „Eine Frau“ vereint alle diese großen Themen und ist dabei einerseits ein sehr intimer Film, der die Geschichte der eigenen Familie und der Mutter offenlegt, aber andererseits ein universaler Film über Flucht/Exil und Neuanfang. 

Die Dokumentation ist auch ein Film über das Erinnern. Immer wieder prüft Jeanine Meerapfel die eigene Erinnerung, fügt Versatzstücke zusammen, stößt an die Grenzen der Erinnerung. Wie fühlte sich die Haut der Mutter an, die Arme der Mutter, die sie umarmten? „Wie arm ist Erinnerung, dass sie dieses Gefühl nicht aufbewahren kann.“ Die Erinnerung an Aussehen, Situationen und Ereignisse wird oft von Bildern überlagert, die wir von Fotografien kennen. „Die Bilder haben die wirkliche Erinnerung okkupiert. Die Reproduktion der Wirklichkeit, hat die Wirklichkeit ersetzt“. Besonders intensiv sind auch die Begegnungen mit den neuen Bewohnern der einstigen Wohnhäuser von Meerapfels Mutter, die ihr die Türen öffnen, sich filmen lassen, die Erinnerung einlassen. 

Ein großartiger Film, nachdenklich und leise, berührend und einfühlsam, unbedingt sehenswert. (al)

–> Spielplan und Termine mit der Regisseurin

Bild oben: © Copyright: Unafilm