Ahmad Mansours Reflexionen über den „politischen Islam“

Der in Deutschland lebende und arbeitende arabische Israeli Ahmed Mansour ist durch seine kritischen Deutungen des „politischen Islam“ und der Integrationsprobleme medial breiter bekannt geworden. In seinem neuen Buch „Operation Allah – Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will“ finden sich seine neuesten Reflexionen zum Thema. Er enthält zwar keine systematischen Abhandlungen, aber interessante Betrachtungen, welche größere Aufmerksamkeit und Diskussion verdienen.

Von Armin Pfahl-Traughber

Als „islamophoben“ Akteur bezeichnete ihn der „European Islamophobia-Report“: Ahmed Mansour. Dabei definiert er sich selbst als Muslim, aber mehr in einem säkularen Sinne. Ja, das geht, wie er selbst begründet. Sein öffentliches Engagement richtet sich auch nicht gegen den Islam oder die Muslime, sondern gegen die extremistische Minderheit, die gewaltorientierten wie legalistischen Islamisten. Das ignorieren aber die Autoren und Herausgeber des erwähnten Reports, um einen unliebsamen Kritiker eben als „islamophob“ zu diffamieren. Es kann da mit kritischem Blick auch nicht verwundern, dass dessen Macher selbst islamistische Verbindungen aufweisen. Gerade derartige Diffamierungen machen aber Akteure wie Mansour interessant. Sein jüngstes Buch, das übrigens seinen polizeilichen Personenschützern gewidmet ist, trägt „Operation Allah. Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will“ als Titel. Das so betonte Erkenntnisinteresse wird aber nicht systematisch thematisiert, handelt es sich doch um eine essayistische Textsammlung.

Dazu gehört auch eine autobiographische Betrachtung mitten im Buch, worin die Entwicklung des arabischen Israeli selbst von einer islamistischen Ausrichtung hin zu einem säkularen Demokratieverständnis geschildert wird. Meist durchziehen persönliche Eindrücke und Reflexionen die Texte. Bereits zu Beginn macht er auf Diffamierungen gegen seine Person aufmerksam, welche sowohl von Islamisten wie von Linken ausgingen. Dominant seien „Islamophobie“- und „Rassismus“-Vorwürfe, die sich gleichzeitig der Diskussion und Streitkultur entziehen würden. Danach geht der Autor in lockerer Schreibe darauf ein, was eben „politischer Islam“ meint. Die in einer Graphik präsentierte Typologie (vgl. S. 26) ist indessen verunglückt, rechnet sie doch „gewaltbereite Gruppen“ und „gewaltbefürwortende Gruppen“ den „legalistischen Islamisten“ zu. Hier hätte ein weiteres lesendes Augenpaar kritisch intervenieren müssen. Dieser kleine Fehler mindert – es sei an dieser Stelle schon deutlich gesagt – aber nicht die Qualität der Texte.

Danach skizziert der Autor ebenfalls mit leichter Hand die Entwicklung der „Muslimbruderschaft“, die als „Mutterorganisation“ für die strategisch mitunter ganz unterschiedlichen islamistischen Strömungen gilt. Nach dem bereits erwähnten autobiographischen Exkurs geht es ausführlicher um die „islamistische Methode“, worin die jeweiligen Strategien dargestellt werden. Mansour verweist etwa auf die diskursive „Opferrolle“, welche zur Immunisierung vor Kritik dienen soll. Und dann betont er auch, „dass Akteure des politischen Islam von der Politik immer wieder als Partner hofiert werden und sogar als Experten für Themen wie Radikalisierung gelten“ (S. 70). Auch in anderen Beiträgen wird immer wieder auf die Fehler der Politik und das Versagen des Westens hingewiesen. Auch wenn manche Aussagen etwas oberflächlich wirken, ihre Berechtigung kann man ihnen nur schwerlich absprechen. Ebenso angemessen sind die Einwände gegen die Linken, „die ein Geschenk für den politischen Islam sind“ (S. 124).

Denn gerade von dort werden Behauptungen über „Islamophobie“ und „antimuslimischen Rassismus“ verbreitet, welche auch demokratisch-säkulare Kritiker des „politischen Islam“ schmähen würden. Am Ende des Buchs geht es kurz um die besonders beklemmende Situation in Frankreich, wo sich möglicherweise Entwicklungen abzeichnen, die man auch in Deutschland bald ausmachen kann. Und schließlich präsentiert Mansour einige Überlegungen, die Forderungen an die Politik und Grundsätze der Präventionsarbeit enthalten. Dazu gehören eine „Erweiterte Demokratieklausel“ oder eine „Moscheesteuer“, worüber eine breitere öffentliche Diskussion sicherlich lohnt. Ansonsten wäre kritisch darauf hinzuweisen, dass „ich“ zu häufig in den Texten als Wort vorkommt und „Mein Plan für einen wirksamen Kampf gegen Islamismus in Deutschland“ auf dem Klappentext etwas merkwürdig wirkt. Man darf bei dem Band keine systematischen Erörterungen erwarten, aber Mansour präsentiert wie häufig beachtenswerte Reflexionen.

Ahmed Mansour, Operation Allah. Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will, Frankfurt/M. 2022 (S. Fischer-Verlag), 176 S., 21 Euro, Bestellen?

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