„Beleidigung der Opfer des Holocaust“

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Scholz am gestrigen Dienstag in Berlin hat der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, Israel als „Apartheidssystem“ bezeichnet und von „50 Holocausts“ gesprochen, die das Land seit 1947 verübt habe.

Hierzu erklärt die Beauftragte für Holocaust-Gedenken des World Jewish Congress und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch: „Die Äußerung von Mahmud Abbas bei der gestrigen Pressekonferenz in Berlin war eine Beleidigung der Opfer des Holocaust, des israelischen Volkes und seiner deutschen Gastgeber. Die Haltung des israelischen Ministerpräsidenten, der von einer ‚moralischen Schande‘ gesprochen hat, teile ich ausdrücklich.“

Nicht erst nach dieser Grenzüberschreitung, so Knobloch weiter, „muss auch die deutsche Politik wissen, wer ihre Partner in der Palästinensischen Autonomiebehörde sind, und entsprechend handeln. Die klaren Worte des Bundeskanzlers im Anschluss dürfen nicht die einzige Konsequenz bleiben.“

Knobloch betonte außerdem, wer „vor versammelter Presse den israelischen Staat als ‚Apartheidssystem‘ beschimpft und ihm in grotesker Umkehr der Geschichte einen Holocaust vorwirft, der kann kein Gesprächspartner für uns sein. Beim Nie wieder darf es keine Kompromisse geben – niemals und nirgends.“

Mit Entsetzen hat der auch Zentralrat der Juden in Deutschland die Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt zur Kenntnis genommen.

Dazu erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Ich verurteile den Holocaust-Vergleich von Mahmud Abbas auf das Schärfste. Damit relativiert er nicht nur die Schoa und die nationalsozialistische Vernichtungspolitik. Er tritt das Andenken an sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden mit Füßen und beschädigt die Erinnerung an alle Opfer des Holocaust. Solche Äußerungen dürfen nicht unkommentiert stehen gelassen werden. Dass eine Relativierung des Holocaust, gerade in Deutschland, bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt, unwidersprochen bleibt, halte ich für skandalös.“

Darüber hinaus kommentiert Zentralratspräsident Dr. Schuster die Reaktion des Palästinenserchefs auf die Frage, ob er sich anlässlich des 50. Jahrestags des palästinensischen Terroranschlags auf die israelische Olympiamannschaft in München bei Israel entschuldigen werde: „Nicht minder beschämend ist es, dass Mahmud Abbas nicht in der Lage ist, die Ermordung der elf israelischen Sportler bei der Olympiade 1972 in München durch palästinensische Terroristen zu verurteilen. Ich frage mich, wie ein Politiker, der Terror duldet, Partner für Frieden sein soll.“

Gemäß der Arbeitsdefinition Antisemitismus der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) gelten die Leugnung und Relativierung des Holocaust sowie der Vergleich israelischer Politik mit der NS-Terrorherrschaft als Antisemitismus. Die Bundesregierung hat die IHRA-Definition 2017 angenommen.

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft DIG, erklärte:

„Der unverschämte Auftritt des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde in Berlin darf nicht ohne Konsequenzen bleiben!
Deutschland muss diesen Eklat zum Anlass nehmen, endlich seine Zuwendungen an die Palästinensische Autonomiebehörde von der Einstellung von Prämien an Terroristen und Märtyrerrenten an die Hinterbliebenenfamilien getöteter Terroristen abhängig machen. Wir fordern einen Stopp der Zahlungen bis zur Einstellung des Terrorrentensystems. Mindestens sollte es eine jährliche prozentuale Kürzung der Zuwendungen geben, solange die Terrorrenten nicht eingestellt werden.

Deutschland hat vielfach betont, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson sei. Aber was ist das wert, wenn Deutschland ein System finanziert, das Prämien für antiisraelische Terroristen gewährt?

50 Holocauste habe Israel in Palästina verübt, sagte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde gestern auf der Pressekonferenz mit dem Bundeskanzler. Der Vorwurf lautet damit, Israel habe 300 Millionen Palästinenser ermordet, vergast, erschossen, erschlagen oder ausgehungert. Wer meint, derartige Geschmacklosigkeiten seien ein Ausrutscher, beschäftige sich mit Abbas Dissertation.

Er sagte diese Ungeheuerlichkeit als Antwort auf eine Frage zum Olympiaattentat in München 1972. Damit ist die Aussage nicht nur eine Holocaustrelativierung, sondern eine Terrorlegitimierung.

Der Schwarze September, der für das Olympiaattentat verantwortlich war, rekrutierte sich aus der PFLP. Es ist bis heute die größte, nicht-islamistische palästinensische Terrororganisation, lange Zeit die Nr. 2 nach Abbas’ Fatah in der PLO.

Wie soll Israel zu jemand Vertrauen fassen, der sich derart über den palästinensischen Terrorismus äußert?“

Bild oben: Abbas bei einem Treffen mit US-Staatssekretär Antony J. Blinken am 27. März 2022

Ein Kommentar zu “„Beleidigung der Opfer des Holocaust“

  1. Man könnte überlegen, ob Abbas auf Drogen oder Jelzin Niveau war.
    Da ich persönlich nicht davon ausgehe, wußte er, warum er eine solche Aussage tätigte.
    Jetzt kommt natürlich die spannende Frage: Warum!

    Es war ihm sicherlich klar welche Reaktionen weltweit erfolgen würden!
    Wollte er die Gelder aus Deutschland und der EU in Frage stellen, sich in die Paria Ecke stellen; wahrscheinlich nicht!

    So etwas sagt man, wenn das Wasser schon über den Hals reicht! Meiner persönlichen Meinung nach kommt hoffentlich der Thronfolger und nicht das Alternativprogramm.

    Glaube nicht, daß es einen „Palästinenserpräsident Abbas“ in einem Jahr noch gibt.

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