Pill Mayer Stiftung verleiht Förderpreise für interkulturellen Dialog

Angesichts herausragender Bewerbungen vergibt die Pill Mayer Stiftung dieses Jahr gleich drei Förderpreise. Sie würdigt damit beispielhafte Kulturprojekte, die sich für den interkulturellen Dialog einsetzen. Die mit je 1000 € dotierten Preise gehen nach Berlin, Hamburg und Ravensburg.
Eine der drei Auszeichnungen geht an die bubales aus Berlin und damit das einzige professionelle jüdische und interkulturelle Puppentheater in Deutschland. Es ist eine Art „Jüdische Sesamstraße“, das live und in Videos zu erleben ist. Mit fantasievollen Stoffpuppen, einer mobilen Theaterbühne und pfiffigen Songs führen die bubales ihr Publikum durch die Welt der jüdischen Feiertage und Traditionen.
Klein und Groß lernen auf spielerisch-kreative Weise eine andere Kultur näher kennen und erfahren mit viel Spaß und Witz ganz nebenbei etwas über jüdische Bräuche. Zugleich vermitteln die Theaterpuppen, dass Vielfalt und Toleranz etwas Selbstverständliches sind. So erweisen sich die bunten bubales als ideales Medium, um Menschen für Neues zu öffnen und Brücken zwischen ihnen zu bauen.

Schüleraustausch Palästina und Hamburg

Ein weiterer Förderpreisträger ist der seit elf Jahren bestehende Austausch zwischen Schulen in Hamburg und Palästina, der für Völkerverständigung und Weltoffenheit steht. Dieses Jahr geht es um das Fotoprojekt „Pictures of Community”. Hierbei setzen sich die Schülerinnen und Schüler in Hamburg und anschließend im Westjordanland in gemischten Gruppen inhaltlich und künstlerisch mit dem Begriff „Gemeinschaft“ auseinander. Ihre Ergebnisse werden sie dann in einer Fotografie-Ausstellung präsentieren.

Schüleraustausch Palästina und Hamburg: Besuch der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem, © Stadtteilschule und Gymnasium Finkenwerder

Das Leben in Gastfamilien ermöglicht den Heranwachsenden wertvolle interkulturelle und interreligiöse Begegnungen und vermittelt zudem landeskundliches Wissen. Der künstlerische und kulturelle Austausch zwischen den palästinensischen und den hamburgischen Jugendlichen erleichtert so auf niedrigschwelliger Ebene das gegenseitige Kennenlernen und Verständnis.

Tanzen verbindet alle Nationen

Seit sieben Jahren veranstaltet die ballett-werkstatt Bettina Owczarek in Kooperation mit dem Verein Tanz & Kultur e. V. in Ravensburg regelmäßige Workshops. Prämiert wird das Programm „Tanzen verbindet alle Nationen“, das Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen internationale Tanzstile präsentiert. Dabei werden nicht nur die einzelnen Schritte der Tänze erlernt, sondern auch kulturelle Hintergründe und Geschichte weitergegeben.

Ukrainische und deutsche Kinder und Erwachsene beim Workshop „Tanzen verbindet alle Nationen“, © Foto Bettina Owczarek

Seit Kurzem unterrichtet hier die aus Ternopil (UA) stammende Tanzlehrerin Olesia Kramar Folklore aus ihrer Heimat. Ukrainische Kinder und Jugendliche dürfen kostenfrei an allen laufenden Kursen teilnehmen. Der interkulturelle Dialog zu gleichaltrigen Kindern aus Ravensburg wird so über die Sprache des Tanzes möglich. Die ballett-werkstatt Bettina Owczarek bietet damit vor dem Krieg Geflüchteten eine Plattform, um die deutsche Kultur kennenzulernen und sich leichter einzuleben. Und umgekehrt erhalten auch die Einheimischen über das Medium Tanz Einblicke in die ukrainische Kultur.

Bemerkenswerte Bewerbungen

Dieses Jahr gingen 13 Anträge aus Berlin, Bischofswerda, Düsseldorf, Hamburg, Kassel, Leipzig, Radolfzell, Ravensburg und Wien ein. Die Bewerbungen deckten die gesamte Breite künstlerisch-kreativen Schaffens ab: Es ging um interkulturelle Kunst- und Kulturwerkstätten, Theater- und Tanzworkshops, online-Fotoprojekte, interkulturelle Comics, Schüleraustausch, Sprachenerwerb mit Rapmusik, internationale Kunstprojekte in Kleinstädten und interreligiöse Musical Camps. Ziel aller Vorhaben ist, Kulturen, Generationen und Religionen füreinander zu öffnen und damit für Völkerverständigung, Friedensdialog und Demokratieerziehung einzustehen.

Wie die Stiftungsvertreter in ihrer Pressemitteilung schreiben, standen sie auch 2022 vor einer außerordentlichen Herausforderung. „Es gab zwar weniger Bewerbungen, dafür war die Auswahl der diesjährigen Preisträger noch schwieriger als bisher. Wir sind sehr beeindruckt von dem überaus einfallsreichen Engagement, das bei sämtlichen Kandidaten zum Ausdruck kommt und das sich auch durch die enormen Herausforderungen der Coronapandemie nicht beirren ließ. Berührend viel Engagement und Herzblut war in allen Anträgen spürbar.“

Pill Mayer Stiftung

Seit über zehn Jahren fördert die in Wolfegg im Allgäu beheimatete Pill Mayer Stiftung interkulturelle Kulturprojekte für Kinder und Jugendliche. Sie ist davon überzeugt, dass ideenreiche Kulturarbeit eine verbindende Brücke zwischen Menschen sein kann. Die Stiftung unterstützt die Freude am Entdecken kultureller Vielfalt und setzt sich für interkulturelles Lernen ein. Damit leistet sie einen Beitrag zur respektvollen, bereichernden Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen für ein positives Miteinander.

Bild oben: Figuren des jüdischen und interkulturellen Puppentheaters bubales, © bubales, Foto Gershom Tripp

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