Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. April 2022

Fr., 1. Apr · 01:35-03:00 · arte
Monsieur Max

Februar 1944, die Gestapo dringt in das Kloster Saint-Benoît-sur-Loire ein. Der Dichter Max Jacob wird festgenommen. Er ist ein zum Katholizismus übergetretener homosexueller Jude, der 40 Jahre zuvor zu der Bohème des berühmten Montmartre-Ateliers Bateau-Lavoir gehörte. Er war ein enger Freund Picassos, als dieser noch völlig unbekannt war. Auch Cocteau, Guitry und Jean Marais waren seine Vertrauten, mit denen er seine Zeit in Paris Anfang des 20. Jahrhunderts verbrachte. Er hätte ein sorgenfreies und glückliches Leben geführt, wenn nicht das Jahr 1940 gekommen und er vier Jahre später nicht nach Drancy gebracht worden wäre, wo Millionen auf ihre Deportation Richtung Deutschland warteten. Doch Alice, eine junge Frau, der Max, als sie noch ein Kind war, seine ganze Liebe geschenkt hatte, wagt das Undenkbare, um ihn zu retten.

Fr., 1. Apr · 12:45-13:15 · 3sat
37°Leben – Ultraorthodox? Nein danke!

Das Leben in ultraorthodoxen Gemeinden ist hermetisch und streng geregelt. Viele junge Jüdinnen und Juden wollen aussteigen. Wie schaffen sie den Weg in die Freiheit? Als er sich die Haare rasiert, weil er anders aussehen möchte, wird David (33) aus seiner Gemeinde verbannt. Oriya (23) soll einen Mann heiraten, den sie nicht kennt. Das will sie nicht. Beide verlassen Israel und finden Zuflucht in Dresden bei Rabbi Akiva Weingarten. Zwei Millionen Jüdinnen und Juden leben in sogenannten ultraorthodoxen Gemeinden in Israel, Kalifornien oder auch New York. In ihrem Alltag müssen sie sich an zahlreiche Regeln halten. Handys sind verboten, Computer und Internet sowieso. Die Moderne ist nicht willkommen. Eine besondere Tradition gilt: Die jungen Gemeindemitglieder sollen Familien gründen und viele Kinder bekommen. Ehen werden deshalb früh arrangiert – ein Mann oder eine Frau haben kaum Einfluss auf die Wahl des Partners. Doch wie ergeht es den Menschen, die diese ultraorthodoxen Gemeinschaften verlassen? Wo und wie finden sie ein neues Leben? „37°Leben“ begleitet jüdische Aussteigerinnen und Aussteiger, die einen neuen Lebensweg in Dresden einschlagen. David ist in Me’a Sche’arim aufgewachsen, einem jüdischen Stadtviertel in Jerusalem, in dem fast ausschließlich Ultraorthodoxe leben. Immer stärker wächst in ihm der Drang, aus dem reglementierten Leben auszuscheren. Als er sein Äußeres verändert, wird er daraufhin aus der Gemeinde verbannt. Plötzlich steht er allein da und ist völlig verloren, in einer für ihn fremden Welt. Auch Oriya befolgt jahrelang die Regeln. Schon als junges Mädchen muss sie sich um ihre acht Geschwister kümmern. Das ist ihre Aufgabe als Frau. Aber jemanden zu heiraten, den sie nicht kennt? Das kann sie sich nicht vorstellen und steigt aus. Für Menschen wie David und Oriya hat Rabbi Akiva Weingarten (37) in Dresden die Besht Yeshiva gegründet, eine Art Schule und zugleich auch Wohngemeinschaft – ein Zufluchtsort für Aussteigerinnen und Aussteiger. Dort hilft er ihnen und unterstützt sie auf der Suche nach einer neuen jüdischen Identität – eine Hilfe, die er selbst vor einigen Jahren gut hätte gebrauchen können: Er selbst ist auch aus einer streng orthodoxen Community geflohen und musste seine Ehefrau und Kinder zurücklassen. In seiner Besht können die Aussteiger Deutsch lernen, sich austauschen und herausfinden, was jüdisches Leben überhaupt noch für sie bedeutet. Wie lässt sich ihr neues Leben mit dem jüdischen Glauben vereinbaren? Und – kann Dresden ihr neues Zuhause werden?

Fr., 1. Apr · 20:15-21:45 · 3sat
Ich werde nicht schweigen

Oldenburg, 50er Jahre: Die Kriegswitwe Margarete versucht, für sich und ihre Söhne eine Rente zu erhalten. Scheinbar ohne Grund wird sie vom Amtsarzt Dr. Ahrens in die Psychiatrie eingewiesen. Nach einem Jahr kehrt Margarete traumatisiert und erschöpft zurück, vom Staat entmündigt und von der Gesellschaft stigmatisiert. Sie will beweisen, dass ihre Einweisung ein Irrtum war. Und sie will das Sorgerecht für ihre Kinder zurück. Die Nachbarn im Haus kümmern sich aufdringlich um sie. Während ihres Aufenthaltes in der Heil-und Pflegeanstalt von Wehnen hatten sich die geschwätzige Frau Schröder und der Kriegsveteran Herr Windhorst in Margaretes Wohnung häuslich niedergelassen. Windhorst ist nun gar von Amts wegen zu Margaretes Vormund bestellt. Margarete verfügt nicht einmal über ausreichend Mittel, um ihre Kinder zu besuchen. Die beiden Buben sind bei Margaretes Schwester Erna untergekommen. In der Nachbarschaft und in ihrer eigenen Familie spürt Margarete, dass seit der Einweisung in die Psychiatrie ein Makel an ihr haftet. Nur die junge Antje, die früher ihre Kinder gehütet hat, begegnet Margarete unvoreingenommen. Während der Nazi-Herrschaft war Antjes psychisch kranke Mutter in der Heil- und Pflegeanstalt gestorben. Margarete vertraut sich Antje an. Die schrecklichen Erinnerungen an Wehnen wecken in ihr immer wieder Ängste, aber auch den Willen, sich zur Wehr zu setzen. Dabei begibt sie sich auf dünnes Eis, denn keiner der verantwortlichen Pfleger und Ärzte will zu Margaretes Vorwurf der falschen Einweisung Stellung beziehen.

Sa., 2. Apr · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig: Ulf Nguyen

Ulf Nguyen ist Konvertit. In diesem Frühjahr prüft ein Rabbinatsgericht, ob er – der evangelisch Getaufte – zum Judentum übertreten darf. Täglich lernt er für diese Aufnahmeprüfung. Seine Lehrer sind Rabbiner. Zu konvertieren ist nicht einfach, das Judentum legt viele Pflichten auf. Nicht nur die der Beschneidung. Der Neuling muss Hebräisch lernen, die Essensgewohnheiten ändern, streng nach Traditionen leben. Das verlangt Durchhaltevermögen. Der 50-Jährige, der im sächsischen Pirna wohnt, will ein neues Leben. Bis 2013 leitete er hier einen kleinen Holzbaubetrieb. Dann kam das Elbe-Hochwasser und mit ihm Nguyens Insolvenz. Eine Scheidung folgte, er geriet in eine Lebenskrise. Kurz darauf besuchte er das erste Mal eine Synagoge. Ein jüdischer Freund hatte ihn dazu inspiriert. Ulf Nguyen erinnert sich: Der Gottesdienst, die intellektuellen Gespräche, der gute Kontakt zum Rabbi, das hat mir gefallen und so bin ich da reingewachsen. Vielleicht ist das auch meine provokante Seite, gerade jetzt – in dieser komisch unsicheren Zeit – Jude werden zu wollen. Antisemitismus ist ein Thema. Ulf Nguyen setzt auf Toleranz und Vielfalt. Seine (fünf) Kinder und auch die Exfrau stehen zu ihm und unterstützen seinen Weg.

So., 3. Apr · 13:45-14:40 · arte
Filmstar mit Charakter – Simone Signoret

Sie war mehr als nur ein schönes Gesicht auf der Kinoleinwand, sie war ein Stück Frankreich: Simone Signoret. Unter dem Namen Simone Kaminker wurde die Tochter einer Französin und eines Polen jüdischer Herkunft am 25. März 1921 in Wiesbaden geboren. Ihr Plan, in Paris Jura zu studieren, scheiterte an den Kriegswirren. Nach Bürotätigkeiten begann sie ihre Karriere als Komparsin – bis zu ihrem Durchbruch 1950 mit Max Ophüls‘ Film „Der Reigen“. Rund 50 Filme realisierte sie in 40 Jahren, darunter die „Die Teuflischen“, „Die Katze“ oder „Goldhelm“. Ein wesentlicher Grund ihres Erfolgs war, dass Signoret sich den Luxus leistete, nur die Rollen zu spielen, die ihr wirklich zusagten. „Ich will tun, was mir gefällt. Und alles lassen, was mich langweilt und anödet. Aber das gilt nicht nur für die Karriere, das gilt für das ganze Leben“, sagte sie. Als ein Höhepunkt ihrer Karriere gilt der Film „Der Weg nach oben“, für den sie den Oscar erhielt, den Darstellerpreis von Cannes sowie den Preis der deutschen Filmkritik. Entschlossen verweigerte sie sich dem Hochglanzimage der Filmwelt. Noch in den 70er Jahren spielte sie in zahlreichen Filmen, unter denen vor allem „Madame Rosa“ hervorragt. Darin spielt sie eine alternde ehemalige Prostituierte, die in einem schäbigen Pariser Mietshaus verlassene Kinder von anderen Dirnen betreut. Kaum eine andere Darstellerin bekannte sich so zum Älterwerden wie sie. Im französischen Kino stand sie für eine bestimmte authentische Art, Frauen zu filmen. Sie hat nie versucht, die Spuren vergehender Schönheit zu konservieren. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Yves Montand gehörte Signoret lange zu den kommunistischen Linksintellektuellen und dem Kreis um den Philosophen Jean-Paul Sartre und sympathisierte eine Zeitlang mit der KP. „Im Film wie in der Wirklichkeit stand sie als Kämpferin gegen die Verletzung der Menschenrechte unter allen Regimen stets an der Spitze“, würdigte der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang Signorets politisches Engagement. Wegen ihrer herzlich-rauen Art wurde Signoret auch die „Löwin“ genannt. Ein Beiname, den ihr wohl ihre Kämpfernatur eingebracht hatte. Nie waren ihre Rollen gekünstelt, sie spielte immer sich selbst: „Eines Tages habe ich zwischen liebreizend und interessant gewählt und mich für interessant entschieden“, sagte sie.

Mo., 4. Apr · 00:50-02:30 · SWR
Vor der Morgenröte

„Vor der Morgenröte“ erzählt aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er von den Nazis in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Der seit Jahren im Exil lebende, weltweit bekannte Schriftsteller Stefan Zweig (Josef Hader) ist im Jahr 1936 Teilnehmer des 14. Kongresses der Autorenvereinigung PEN in Buenos Aires. Man erwartet von ihm ein eindeutiges Statement gegen den europäischen Faschismus und gegen die Rassenpolitik der Nationalsozialisten in Deutschland. In Gesprächen scheut Zweig das klare Urteil und ringt mit sich um die „richtige Haltung“. Er besucht mit seiner Frau Lotte (Aenne Schwarz) seine erste Frau Friederike (Barbara Sukowa) in New York. In ihrer Wohnung treffen sie auf Bekannte, Freunde und Verwandte. Er sieht sich von den Vielen, die ihn um Hilfe vor Verfolgung bitten, überfordert – und zugleich erdrückt ihn die Verantwortung, nur einigen Wenigen helfen zu können. Schon lange hat er nicht mehr unbeschwert schreiben können, und längst hat sich eine bleierne Traurigkeit in seiner Seele ausgebreitet, die immer deutlicher Oberhand über ihn gewinnt. „Vor der Morgenröte“ erzählt episodisch aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Petrópolis sind vier Stationen im Exil von Stefan Zweig, die ihn trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender tropischer Natur keinen Frieden finden lassen und ihm die Heimat nicht ersetzen können. Ein bildgewaltiger historischer Film über einen großen Künstler und dabei ein Film über die Zeit, in der Europa auf der Flucht war. In ihrem ebenso stringenten wie sinnlich opulenten Film zeigt Maria Schrader den weltberühmten Autor in sechs Episoden seines Lebens von seinem ersten Aufenthalt in Brasilien und der Teilnahme am PEN Kongress (Poets, Essayists, Novelists PEN) in Buenos Aires 1936 über den Besuch New Yorks und seiner ersten Frau Friderike im Jahr 1941 bis zu seinem Tod 1942 in Petrópolis. Dort schrieb Zweig sein wohl berühmtestes Werk „Die Schachnovelle“.

Mo., 4. Apr · 01:10-03:23 · Das Erste (ARD)
Sonny Boy – Eine Liebe in dunkler Zeit

Gegen Ende der 1920er-Jahre verlässt der junge Waldemar Nods (Sergio Hasselbaink) seine Heimat Surinam, um im fernen Holland sein Glück zu suchen. Leider findet der fleißige Student keine Unterkunft, denn er hat die falsche Hautfarbe. Doch dann trifft er in Den Haag die aufgeschlossene Rika van der Lans (Ricky Koole), die ihm ein Zimmer vermietet. Die Mutter von vier Kindern hat gerade ihren streng religiösen Mann Willem (Marcel Hensema) verlassen, nachdem dieser sie mit dem Dienstmädchen betrog. Obwohl Rika 17 Jahre älter ist, werden die beiden ein Paar, was ihre schwierige Situation nicht gerade einfacher macht. Rikas Gatte ist zutiefst entsetzt, dass seine Noch-Ehefrau von einem Schwarzen schwanger ist. Er entzieht ihr das Sorgerecht für die Kinder, doch damit nicht genug. Der um seinen Ruf besorgte Vermieter setzt die beiden samt Baby auf die Straße. Mit liebenswürdiger Unterstützung des jüdischen Barbesitzers Sam (Frits Lambrechts) eröffnen Rika und Waldemar im liberalen Vorort Scheveningen eine Pension. Ihr Glück währt nicht lange, denn mit dem Einmarsch der Deutschen beginnt auch in Holland der antisemitische Terror. Dass Rika auf ihrem Dachboden jüdische Flüchtlinge versteckt, bleibt den Nazis nicht lange verborgen. Die mutige Widerstandskämpferin und ihr Mann Waldemar, den sie nach der Scheidung von Willem heiratet, werden in ein Konzentrationslager deportiert. Die berührende Geschichte eines Ehepaares unterschiedlicher Hautfarbe, das in düsteren Zeiten gegen alle Konventionen verstößt, beruht auf einer wahren Begebenheit. Anhand von Originaldokumenten und Gesprächen mit Zeitzeugen rekonstruierte die Journalistin Annejet van der Zijl in ihrem Bestseller das authentische Bild einer couragierten Frau, die an der Seite eines fast 20 Jahre jüngeren Mannes um ihr Recht auf Freiheit und um das Überleben anderer kämpft. Mit ihrer stimmungsvollen Verfilmung zeichnet die Regisseurin und Produzentin Maria Peters ein eindringliches Sittenbild über ein fremdenfeindliches Holland, das bereitwillig mit den Nazis kollaborierte. „Sonny Boy – Eine Liebe in Dunkler Zeit“ ging 2012 als niederländischer Beitrag ins Rennen um den Oscar für den besten nichtentlischsprachigen Film.

Mo., 4. Apr · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Osteuropa nach dem Holocaust

Ein Kriegsziel der Nazis waren die reichen Kornkammern der Ukraine. Ausgerechnet dort stießen die Nazis auf Millionen osteuropäische Juden, die in kleinen Städtchen, den Schtetln, oft ein sehr traditionelles, religiöses Leben führten. Noch bevor das systematische Morden in den großen Vernichtungslagern wie Auschwitz begann, ermordeten Sonderkommandos der Nazis in diesem „Holocaust durch Kugeln“ rund zwei Millionen Menschen, schätzt man heute. Die Radio-Bremen-Dokumentation „Osteuropa nach dem Holocaust – vom Verschwinden der Schtetl“ reist zu den letzten noch existierenden Schauplätzen einer ehemals reichen jüdischen Kultur, aber auch eines monströsen Verbrechens. Rivka Yoselevska gehört zu denen, die erschossen wurden, aber sie konnte sich aus der Grube befreien und als eine der wenigen Überlebenden vom Massenmord berichten, der vieltausendfach in Osteuropa stattgefunden hat. „Dann wurde ich erschossen,“ erzählt sie in einem Interview von 1981. „Ich fiel in die Grube, immer mehr Körper fielen auf mich. Ich hatte das Gefühl, ich ertrinke. Ertrinke im Blut der eigenen Leute.“ 95 % der Juden Galiziens, heute gelegen in Südpolen und der Westukraine, wurden so in Gruben „geschossen“. Zurück blieben blutdurchtränkte Erde, tausende Massengräber und verwaiste Schtetl. Hunderte Synagogen und Friedhöfe fielen der Vernichtungswut der Deutschen zum Opfer, doch vieles blieb auch einfach stehen. „Die Menschen (…) leben buchstäblich auf diesem Blut, das dort vergossen ist und leben auch oft mit dem Wissen, dass ihre Eltern oder Großeltern da mitgemacht haben. Dass sie womöglich in einem jüdischen Haus wohnen, dass sie womöglich jüdische Möbel haben, einen jüdischen Tisch oder eine jüdische Decke“, sagt Magdalena Waligórska, Expertin für osteuropäische Geschichte. Christian Herrmann, Autor aus Köln, bereist schon seit Jahren die jüdischen Schtetl in Osteuropa und fotografiert, was von ihnen übrigblieb. In den Synagogen befinden sich heute Turnhallen, Kinos oder eine Schnapsfabrik. Fanden die Häuser keine Nachnutzung, fielen sie in sich zusammen und wurden oft abgerissen. Heute ist vom ehemals blühenden jüdischen Leben in Osteuropa fast nichts mehr übrig. Gibt es noch Rabbiner, kommen sie oft aus Israel oder den USA, sie haben Mühe, mehr als die zehn Männer, die dafür nötig sind, zu einem Gottesdienst zusammen zu bekommen. Dennoch gibt es viele Menschen in Osteuropa, die sich um den Erhalt des jüdischen Erbes bemühen. So versucht zum Beispiel Sasha Nazar, die Jakob Glanzer Schul zu retten, eine der letzten Synagogen im ehemaligen Lemberg, heute dem ukrainischen Lwiw. Viele Massengräber sind bis heute unbekannt und das Erbe der Schtetl ist massiv bedroht. In ein paar Jahren werden weitere Synagogen und historische Häuser der jüdischen Bevölkerung verschwunden sein.

Di., 5. Apr · 20:15-21:50 · arte
„Die Wilden“ in den Menschenzoos

Zwischen 1810 und 1940 haben Menschen in ganz Europa, den USA und in Japan andere Menschen aus fernen Ländern als „primitive Wilde“ ausgestellt. Über ein Jahrhundert lang wurden in Welt- oder Kolonialausstellungen, Zoos, im Zirkus oder in nachgebauten Dörfern von Ureinwohnern knapp 35.000 Personen vor mehr als anderthalb Milliarden Besuchern präsentiert. Mit Hilfe von bisher unveröffentlichtem Archivmaterial zeigt der Dokumentarfilm, wie durch die Menschenzoos der Rassismus populär und alltäglich wurde. Die Besucher kamen, um immer exotischere, immer furchterregendere Wilde zu sehen, die entsprechend in Szene gesetzt wurden. Kinder, Frauen und Männer wurden zur Schau gestellt, um eine Hierarchie der „Rassen“ zu fördern und um die Kolonialisierung der Welt zu rechtfertigen. Zum ersten Mal ruft ein Dokumentarfilm jenes Stück vergessene Menschheitsgeschichte in Erinnerung und zeichnet das Schicksal von sechs solcher zur Schau gestellten Personen nach. Sie heißen Petite Capeline, Ureinwohnerin Feuerlands, Tambo, Aborigine aus Australien, Moliko, Kalina aus Französisch-Guayana, Ota Benga, Pygmäe aus dem Kongo, Jean Thiam, Wolof aus dem Senegal, und Marius Kaloie, Kanake aus Neukaledonien. Ihre Geschichte wurde dank der Arbeit von Historikern und mit Hilfe der Unterstützung ihrer Nachkommen rekonstruiert. Die Berichte über ihre Schicksale bilden das Phänomen der Völkerschauen in ihrem historischen Kontext ab: das Aufstreben und die Entwicklung der großen Kolonialmächte. Anhand von Analysen und Kommentaren sachkundiger Experten beleuchtet der Dokumentarfilm auch die Ursprünge des Rassismus am Übergang von einem angeblich wissenschaftlichen Rassismus (1850) zum Alltagsrassismus (1930).

Di., 5. Apr · 23:20-00:05 · Das Erste (ARD)
Ringen um Erinnerung – Der Wiederaufbau der Hamburger Synagoge

Was ist wichtiger: ein Mahnmal zur Erinnerung an den Holocaust oder ein Ort aktiven jüdischen Lebens? Das ist, überspitzt, die Frage, vor der die Jüdische Gemeinde in Hamburg und die Stadt Hamburg derzeit stehen. Denn die Gemeinde hat Großes vor: Sie will die Bornplatzsynagoge wieder aufbauen, jene riesige Synagoge aus dem Kaiserreich, die die Nationalsozialisten 1938 in der Reichspogromnacht zerstörten. Das Ziel: einen sichtbaren Ort schaffen, mitten in Hamburg, dort, wo vor der Auslöschung jüdischen Lebens ein ganzes Viertel von der Gemeinde und eben jener 40 Meter hohen Synagogenkuppel geprägt war. Hier war das Zentrum jüdischen Lebens in der Stadt, und hierhin will die Jüdische Gemeinde wieder zurückkehren. Vor anderthalb Jahren sammelte die Initiative „Wiederaufbau Bornplatzsynagoge“ mehr als 100.000 Unterschriften für dieses Projekt von Menschen in ganz Deutschland. Unterstützung kommt auch aus der Politik. Die Hamburgische Bürgerschaft stimmte den Plänen einstimmig zu und der Deutsche Bundestag bewilligte bereits 65 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Doch es gibt auch scharfe Kritik, denn der Platz, auf dem die alte Synagoge stand, ist seit fast 40 Jahren auch ein Mahnmal. Im Boden liegt ein großes Mosaik, das das Deckengewölbe der zerstörten Synagoge nachzeichnet. Die Pläne sehen vor, dass dieses Mahnmal weichen muss oder zumindest zum Teil überbaut wird. Kritikerinnen und Kritiker sowie Historikerinnen und Historiker, oft selbst jüdisch, werfen deshalb der Jüdischen Gemeinde und der Hamburger Politik Geschichtsvergessenheit vor. Der Historiker Moshe Zimmermann, dessen Eltern aus Hamburg fliehen mussten, spricht gar von einer „Ohrfeige für die früheren jüdischen Mitbürger“. Eine Wunde müsse schmerzen, der leere Platz an die Gräuel der Nationalsozialisten erinnern. Die Jüdische Gemeinde ihrerseits sieht in dem Mahnmal eher einen Platzhalter – eben für die neue alte Synagoge. Ihr Gemeindevorstand, Philipp Stricharz, meint: „Wer aber jetzt sagt, das Bodenmosaik ist praktisch ein Heiligtum, das unantastbar ist, hat es völlig missverstanden.“ Natürlich wolle man an den Holocaust, an die Shoah, erinnern, doch dafür benötige man keinen leeren Platz, sondern Leben und Austausch. Und das soll im Neubau der Synagoge stattfinden. Ein Treffpunkt für die Hamburgerinnen und Hamburger, Juden und Nichtjuden, ein Platz des Kennenlernens und des Austauschs. Und auch Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Stadt, ist sich sicher: „Das heißt ja nicht, dass damit Geschichte oder die Schreckenstaten der Nazizeit in irgendeiner Weise relativiert oder verharmlost werden, sondern es entsteht dort wieder etwas, was schon mal dort war und zerstört wurde von den Nazis. Und das ist für mich von der Symbolik, aber auch dann vom faktischen Tun, der konsequente Schritt, um auch zu zeigen, wir sind hier und ihr kriegt uns nicht klein!“ Wie also Umgehen mit den großen Plänen? Was soll mit dem Mahnmal passieren? Kann, darf, muss es weichen, um jüdische Zukunft zu sichern? Und – wer ist zuständig für Mahnung und Erinnerung?
© Bild: NDR/Christian Johannes Becker, Mit VR-Brille kann man sich die „neue“ Synagoge bereits anschauen

Mi., 6. Apr · 20:15-21:00 · 3sat
Antisemiten sind immer die anderen

Nie wieder Antisemitismus: Angesichts fast zwei Jahrtausenden institutionalisiertem Judenhass ist dieser Slogan Wunschdenken. Darin sind sich alle einig, die sich den Kampf gegen Antisemitismus aufs Banner geschrieben haben. Doch es gibt neue Strategien – in Bildung, Politik und Gesetzgebung – und die zeigen Früchte. Was sind die neuen Strategien gegen den Judenhass in Deutschland? „Die Rothschild-Seuche lässt sich nicht wegimpfen“, stand bei einer Demonstration gegen die Coronamaßnahmen auf einem Plakat der Querdenker. Der Antisemitismus treibt neue Blüten, nicht erst seit Beginn der COVID-Krise. Auf der Straße und im Netz wird von unterschiedlichsten Seiten gegen Juden gehetzt. Doch seit dem Anschlag von Halle sind Politik und Zivilgesellschaft wachgeworden. Jährlich gibt die Bundesregierung für Extremismusprävention und Demokratieförderung 125 Millionen Euro aus. Wer entwickelt die Programme und Projekte? Gerade im Netz ist dem Antisemitismus nur schwer beizukommen. Der Antisemitismusforscher Matthias Becker von der Technischen Universität in Berlin geht neue Wege. Mit europäischen Partneruniversitäten entwickelt er eine KI, die Antisemitismus im Netz erforschen und dekodieren soll – denn dort ist Judenhass oft nur versteckt zu finden. Der „salonfähige“ Antisemitismus, so Becker, sei tot und trage im Nachkriegsdeutschland neue Kleider. Niemand will heute mehr als Antisemit gelten. „Die Antisemiten“, meint Michael Blume, der engagierte Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, „sind immer die anderen“. Besonders in der Mitte der Gesellschaft werden judenfeindliche Tendenzen meist verleugnet. Doch Blume lässt nicht locker und legt den Finger in die Wunden, die er sieht – sei es muslimischer Judenhass in den Schulen oder Israel-bezogener Antisemitismus, der heute alles Übel der Welt im Jüdischen Staat sieht. Der Zentralrat der Juden in Deutschland geht mit „Meet a Jew“ neue Wege: Das Programm schickt Jüdinnen und Juden in Schulen und in die Öffentlichkeit. Nichts baue antisemitische Vorurteile besser ab als direkte Begegnungen. Bisher haben Zeitzeugen die Erinnerung an den Holocaust aufrechterhalten. Doch bald werden die letzten Zeitzeugen nicht mehr leben. In Israel porträtiert ein Fotograf Holocaustüberlebende aus einem sehr persönlichen, lebensbejahenden Blickwinkel. Seine Bilder sind Beispiele für eine neue, emotionale Erinnerungskultur. Judenhassern und Holocaustleugnern, meint er, sei nicht mit Geschichtsunterricht beizukommen. In Berlin machen „Die Demokratielotsen“ mit arabischen Migranten Filme – auch Filme, die den in muslimischen Gesellschaften oft tief verwurzelten Antisemitismus ins Visier nehmen. So wie „Meet a Jew“ werden sie von der Bundesregierung unterstützt. Auch Kirchen gehen in die Offensive. Christian Staffa ist Antisemitismusbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er setzt auf Bildung und auf den schonungslosen Umgang mit der eigenen antisemitischen Geschichte der Kirchen. Im Brandenburgischen Neuruppin hat er mit einer ganzen Schule einen zweitätigen Schwerpunkt zum Thema Judenhass organisiert.

Do., 7. Apr · 20:15-21:00 · 3sat
WissenHoch2: Die Macht der Vorurteile

Menschen jeglicher Hautfarbe und Herkunft sind im Erbgut zu mehr als 99,99 Prozent gleich. Dennoch ist Rassismus im vermeintlich aufgeklärten Deutschland tief verwurzelt. Woran liegt das? Rassistische Denkmuster werden von Menschen und Institutionen reproduziert und durch digitale Technik verstärkt. Sie werden, wie andere kulturelle Verhaltensmuster auch, sehr früh übernommen. Doch weil Rassismus gelernt ist, kann er auch wieder verlernt werden. Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir strukturellen Rassismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen anerkennen und bereit sind, uns intensiv damit auseinanderzusetzen. Die Bildersuche bei Twitter und Google bevorzugt weiße Menschen. Die Gesichtserkennung von Mobiltelefonen kann Asiatinnen nicht voneinander unterscheiden, und Automaten der Bundesdruckerei scheitern daran, biometrische Fotos von Schwarzen zu erstellen. Ähnlich sieht es in der Medizin aus: Fast alle Symptome werden in der Fachliteratur und in Vorlesungen an weißen Menschen abgebildet und beschrieben. Viele Krankheiten werden bei Schwarzen und „People of Color“ später diagnostiziert. Diese erhalten bei gleicher Diagnose niedriger dosierte Schmerzmedikamente, und sie werden ärztlich weniger gut betreut. Die Folge ist eine höhere Sterblichkeit – das zeigt auch die aktuelle COVID-19-Pandemie. Dass Menschen unterschiedlich aussehen, ist eine Folge von Migration und der Anpassungsfähigkeit des Homo sapiens an eine neue Umwelt – und kein Ausdruck von genetischer Andersartigkeit. Menschliche „Rassen“ gibt es nicht, deshalb soll der Begriff aus dem Grundgesetz gestrichen werden. „People of Color“ oder „Menschen of Color“ beschreibt Individuen und Gruppen, die aufgrund körperlicher und kultureller Fremdzuschreibungen der weißen Dominanzgesellschaft als „anders“ definiert werden und so vielfältigen Formen von Rassismus ausgesetzt sind. Wissenschaftliche Studien und Schilderungen von Schwarzen, Musliminnen und Muslimen und anderen „People of Color“ über Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, im Berufsleben, in der Schule und bei Polizeikontrollen dokumentieren dies. Die Annahme einer weißen Überlegenheit ist kein Problem am Rand unserer Gesellschaft, sondern selbst bei Menschen, die erklärtermaßen nicht rassistisch sein möchten, durch Mainstream-Rollenbilder in Schule und Medien geprägt. Wenn wir uns der Vorurteile bewusst werden, kann es gelingen, ihre Macht zu brechen und Rassismus zu „verlernen“.

Do., 7. Apr · 23:40-00:25 · 3sat
Israel – hip und heilig

Tel Aviv: die Stadt, die niemals schläft. Das New York des Nahen Ostens, voller Lebensfreude, offen, tolerant – und verdammt laut. Auch in Jerusalem geht es nicht wirklich leise zu. Drei Weltreligionen treffen hier auf engstem Raum zusammen, hier wird Gott überall und immer gefeiert. Filmautorin Natascha Rhein und Kameramann Steffen Heyermann erkunden Israel in sieben Tagen auf eigene Faust – eine Reise zum Miterleben und Nachreisen. Etwas Ruhe gibt es am Toten Meer, doch das einzigartige Naturwunder verschwindet jedes Jahr ein bisschen mehr. Kulinarisch ist Israel ein absolutes Highlight. Die israelische Küche ist so vielfältig wie die Israelis selbst.

Fr., 8. Apr · 08:05-08:25 · WDR
Planet Schule: Wasser ist Zukunft: Der Jordan – Fluss des Friedens?

Der Jordan ist die wichtigste Wasserquelle für Jordanier, Israelis und Palästinenser. Doch die intensive Landwirtschaft gräbt dem heiligen Fluss das Wasser ab. Seit Jahren arbeiten Aktivisten einer Umweltorganisation über alle Grenzen hinweg daran, den Jordan und das Tote Meer zu retten – für den Schutz der Natur und den Frieden in der Region.

Fr., 8. Apr · 16:55-17:50 · arte
Samaritaner am Scheideweg

Schauplatz des Films sind die Anhöhen von Nablus im Westjordanland. Hier begleitet der Film Abood Cohen, den Enkel eines samaritanischen Priesters. Er gehört zur jungen Generation der Samaritaner und muss gegen das Aussterben dieses strikt endogamen Volkes kämpfen. Im Gegensatz zu den älteren haben die jüngeren Mitglieder der Samaritaner studiert, sind vernetzter, sprechen Arabisch, Althebräisch und Englisch. Sie wollen die Regeln ihrer Religionsgemeinschaft erneuern, Tradition und Moderne miteinander verbinden. Der Film zeigt Abood im Austausch mit seinen Großeltern und seinem besten Freund Bretoo. Die Diskussionen zwischen den beiden jungen Menschen liefern Einblicke in der Schwierigkeit der Samaritaner, zwischen Israelis und Palästinensern ihren Platz zu finden – auch wenn sie die doppelte Staatsangehörigkeit haben. Sie sind apolitisch und erleben ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft auf sehr unterschiedliche Weise: Der eine empfindet sie als erdrückend, der andere als beruhigend. Natürlich stellen sie sich Fragen über ihre Zukunft. Ein Highlight des Films ist die Osterzeremonie der Samaritaner auf dem ihnen heiligen Berg Garizim.

Fr., 8. Apr · 20:15-21:45 · 3sat
Elser

Georg Elser hätte beinahe die Welt verändert: 1939 wagt er einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler, der nur knapp misslingt. Beim Versuch, in die Schweiz zu fliehen, wird Elser festgenommen. Es folgen tagelange Verhöre und schwere Folter. Nach fünf Jahren Haft in den KZs Sachsenhausen und Dachau wird Elser hingerichtet. In Rückblenden erzählt der Film sein Leben. Wie er zur Einsicht kam, dass er etwas tun muss und den Anschlag auf Hitler minutiös plant. Am 8. November 1939 wird ein Mann an der Grenze zur Schweiz wegen des Besitzes verdächtiger Gegenstände festgenommen. Nur Minuten später explodiert im Münchner Bürgerbräukeller unmittelbar hinter dem Pult, an dem Hitler seine Jubiläumsrede hielt, eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod. Der festgenommene Mann ist Georg Elser, ein Schreiner aus dem schwäbischen Königsbronn. Als man bei ihm eine Karte des Anschlagsorts und Sprengzünder findet, wird er dem Chef der Kripo im Reichssicherheitshauptamt, Arthur Nebe, und dem Gestapochef Heinrich Müller zum Verhör überstellt. Von ihnen erfährt Elser, dass sein Vorhaben gescheitert ist – dass der Mann, den er töten wollte, den Bürgerbräukeller 13 Minuten vor der Explosion verlassen hat. Tagelang wird Elser von Nebe und Müller verhört, tagelang hält er ihren Fragen stand. Bis er schließlich gesteht und die Geschichte seiner Tat schildert. Er wird gefoltert, weil Nebe und Müller ihm nicht glauben, dass er seine Tat ganz allein beging. Nach den Verhören kommt er in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau, wo Georg Elser schließlich auf Befehl Hitlers am 9. April 1945 ermordet wird – nur wenige Tage vor Kriegsende. Wer war dieser Mann, der aus einfachen Verhältnissen kam, der aber die Gefahr, die von Hitler ausging, deutlicher erkannte als die meisten anderen? Der bereit war zu handeln, als diese anderen mitliefen oder schwiegen? Regisseur Oliver Hirschbiegel und die Autoren Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer erzählen die packende Geschichte eines Handwerkers, der trotz schwerster innerer Konflikte in Kauf nahm, durch seine Tat auch andere Menschen zu töten als denjenigen, dem sie eigentlich galt.

Sa., 9. Apr · 07:30-08:00 · RBB
Heimat gesucht! Israelis in Berlin

Vielen Israelis macht es ihr Land nicht leicht: Hin- und hergerissen zwischen ihrer Kultur und dem andauernden Konflikt samt Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück in der Fremde. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht das Leben in der Diaspora mit ihrer Identität? Der Film begleitet ein gewerbetreibendes Ehepaar, das seit zehn Jahren hier lebt, eine Stadtführerin, die inzwischen 34 Jahre in Berlin zu Hause ist und ein schwules Literaten-Paar, das gerade ankommt. So verschieden sie sind, eines eint sie: die Suche nach Heimat. Mehr als acht Millionen Juden leben über den Globus verstreut in der Diaspora. Etwa so viele wie im heutigen Israel. Auch aus dem Gelobten Land selbst zieht es viele in die Fremde. Ihnen ist ihr kleines Land keine einfache Heimat: Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Kultur und dem andauernden Nahostkonflikt mit seinen Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück woanders. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht die Fremde mit ihrer Identität? Bekommt das Jüdische hier vielleicht eine andere Bedeutung? Der Film begleitet Israelis, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten, aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Berlin gekommen sind: Ein gewerbetreibendes Ehepaar, eine Stadtführerin und zwei Literaten, die neu in der Stadt sind. Bei allen Unterschieden, eines eint sie: die Suche nach einem friedlichen und toleranten Ort zum Leben. Shahar und Noam sind vor zehn Jahren nach Berlin gezogen. Ohne deutschen Pass und finanzielle Unterstützung haben sie ein kleines Label für nachhaltige (upcycling) Leder- und Mode-Accessoires etabliert. Sie entwerfen ihre Produkte selbst und verkaufen sie auf Kunstgewerbe- und Weihnachtsmärkten in verschiedenen deutschen Städten. Vor zwei Jahren kam eine kleine Berlinerin zur Welt, was ihr Leben ziemlich auf den Kopf gestellt hat. Nirit und der 22-jährige Joel sind Mutter und Sohn. Sie kam 1987 nach Berlin, lange bevor Berlin unter Israelis „populär“ wurde. Nachdem sie Deutsch gelernt und studiert hatte, zog sie (zunächst mit ihrem deutschen Mann) zwei Söhne groß. Seit Jahren ist sie vielleicht die versierteste Stadtführerin für jüdische Themen. Darüber hinaus recherchiert sie für einen Dokumentarfilm zum Judentum in der DDR. Joel studiert Philosophie und versteht sich, obwohl auch israelischer Staatsbürger, als jüdischer Deutscher. Neben seinem Studium arbeitet er im Bundestag als hebräisch-sprachiger Besucherbetreuer. Dory und Moshe sind Autoren und unter interessierten Israelis durchaus bekannt. Während sich Dory als Übersetzer und Dichter betätigt, schreibt Moshe Romane. Vor gut anderthalb Jahren kam das schwule Paar aus Tel Aviv nach Berlin. Davor lebten sie in Paris. Während Moshe an einem Roman arbeitet, der in Berlin spielt, forscht Dory u.a. nach seiner aus Berlin stammenden Familie. Er hat Anfragen an Archive gestellt und eine Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee entdeckt.

Sa., 9. Apr · 18:45-19:30 · PHOENIX
mein ausland – Ausgegrenzt

Wo immer Araber sind, da gibt es Terror-Attacken. Und ihr erwartet tatsächlich, dass ihr in unsere Nachtclubs dürft? / Ich unterstütze keinen Terror, ich bin gegen Gewalt. Aber 70 Jahre Besatzung natürlich gibt es da Widerstand. Der Rap-Song Lets talk straight ist ein dialogischer Schlagabtausch eines jüdischen und eines arabischen Israeli, voller bitterer Vorwürfe. Die beiden Musiker von DUGRI nehmen kein Blatt vor den Mund und benennen die Gräben, die durch die israelische Gesellschaft gehen. In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber – das sind mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Sie werden als arabische Israelis oder israelische Palästinenser bezeichnet. So verwundert es nicht, dass viele von ihnen selbst nicht immer wissen, wo sie stehen. Zwar ist ihr Schicksal eng mit dem ihrer palästinensischen Familien in der West Bank und in Gaza verbunden, dennoch sind sie seit der Staatsgründung Israels 1948 eigene Wege gegangen, als viele Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. In Israel hat man ihnen schon immer misstraut, sie hinter vorgehaltener Hand als fünfte Kolonne der Palästinenser innerhalb Israels angesehen. Sie selbst hatten umgekehrt von jeher Schwierigkeiten sich mit dem jüdischen Staat zu identifizieren, gegen den Palästinenser und Araber immer wieder Krieg und Intifada geführt haben. Die meisten haben sich inzwischen mit den Staat Israel arrangiert und profitieren von dessen Wohlfahrt und Wohlstand. Dennoch fühlen sie sich diskriminiert und in allen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Sie sind israelische Bürger zweiter Klasse. Im vergangenen Mai brach sich der Unmut während des Gazakrieges Bahn. In vielen gemischt arabisch-jüdischen Städten kam es zu massiven gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Viele sind immer noch erschüttert über diesen unerwarteten Ausbruch von Gewalt. Eines zeigt er auf jeden Fall: Israel kann seine arabische Minderheit nicht weiter ausgrenzen. Ein gesellschaftlicher Entwicklungsprozess ist in Gang gekommen – nicht nur weil eine arabisch-islamischen Partei erstmals in der Regierung vertreten ist. Die mein ausland-Reportage Ausgegrenzt stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar, zwischen Benachteiligung und Ablehnung – auch der eigenen. Michael Bewerunge, Studioleiter des ZDF in Israel, hat einige von ihnen getroffen. Menschen, die um ihre eigene Identität kämpfen und um Anerkennung und Wohlstand. Zum Beispiel die beiden Rapper, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Uriya Rosenman und Sameh Zakout, einer Jude, der andere arabischer Israeli. Inzwischen ziemlich beste Freunde. Sie fanden sich zu einem Video-Projekt zusammen, dass am Jahrestag des Endes des Gaza-Krieges 2021 veröffentlicht wurde und in den sozialen Medien sofort viral ging. Ein Jude und ein Araber sitzen sich in einer Autowerkstatt gegenüber und werfen sich alles an Vorurteilen und Bitterkeit an den Kopf, die es in ihrem Verhältnis gibt. Ihre soziale Initiative Lets talk Straight will durch Musik und Bildungsprojekte zu einer besseren gemeinsamen Zukunft von jüdischen und arabischen Israelis beitragen. Als ihr größtes Problem wird von den arabischen Israelis Gewalt und Mord im arabischen Sektor angesehen. Dass die israelische Gesellschaft jahrzehntelang nichts dagegen unternommen hat, wird selbst vom Ministerpräsident Bennett und seinem Polizeiminister nicht bezweifelt. Umgekehrt vertrauen arabische Israelis der israelischen Polizei nicht, weil sie oft nicht ernst genommen oder misshandelt werden. Michael Bewerunge zeigt am Beispiel von Wadfa Aljabaly, einer Mutter aus Taibe, deren Sohn ermordet wurde, welche Rolle die Gewalt in arabischen Communities spielt. In vielen Bereichen fehlt aber auch die rechtliche Gleichstellung. Um den Zuzug von Palästinensern aus der Westbank und Gaza zu verhindern, wird ihnen bei einer Heirat mit einem Israeli die Staatsbürgerschaft verweigert. Damit sind sie in Israel in vielerlei Weise rechtlos. Bei vielen Menschen hat das zu einem Trauma geführt, so wie bei Familie von Tayseer und Lana Khatib aus der nordisraelischen Hafenstadt Akko. Sie müssen seit 16 Jahren damit leben, dass Ehefrau Lana aus Jenin in der Westbank in Israel nur eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung hat und so gut wie keine Rechte besitzt. Und doch tut sich etwas in Israels Gesellschaft. Seit letztem Jahr sitzt mit Ra´am, der Vereinigten Arabischen Liste, erstmals eine arabisch-islamische Partei in der Regierung. Ihr Führer Mansour Abbas hat milliardenschwere Projekte für die arabische Minderheit ausgehandelt. Können Abbas und Menschen wie Uriya Rosenman und Sameh Zakout vielleicht doch etwas bewirken?

Mo., 11. Apr · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Jud Süß 2.0

Antisemitismus ist wieder auf dem Vormarsch. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steigt auch die Zahl judenfeindlicher Inhalte im Internet. Die visuellen Wurzeln dieses neuen Antisemitismus finden sich in den Bilderwelten des Nationalsozialismus: Wirken die Feindbilder perfider NS-Propagandafilme bis in den digitalen Mainstream von heute hinein? Alte antijüdische Feindbilder und Verschwörungsmythen werden im digitalen Raum recycled. Millionenfach werden antisemitische Inhalte gepostet und geteilt. Antisemitische Memes, mediale Codes und Bilderwelten erreichen damit völlig neue Zielgruppen und wirken tief in die Gesellschaft hinein. Messenger-Dienste werden zu Resonanzräumen für Hass und Hetze. Es gibt Anzeichen, dass judenfeindliche Online-Radikalisierung zu physischer Gewalt wie z. B. dem Anschlag auf die Synagoge von Halle 2019 führen kann. Filmemacher Felix Moeller dokumentiert die visuellen Wurzeln dieses neuen Antisemitismus und wirft dabei den historischen Blick zurück auf die Bildpropaganda des Nationalsozialismus: Wirken Klischees, Stereotypen und Narrative von NS-Filmen wie „Jud Süß“ bis ins Heute hinein? Wo finden sich Kontinuitäten der Filmsprache dieser noch heute nicht freigegebenen NS-Propagandawerke zu Inhalten auf rechten Plattformen oder in Wahlkampagnen rechtsextremer Politiker? „Jud Süß 2.0” decodiert diese alten und neuen Stereotypen und folgt den Spuren der judenfeindlichen Verschwörungserzählungen, die so direkt an alte Feindbilder aus Joseph Goebbels‘ Propagandaministerium anzuknüpfen scheinen.

Di., 12. Apr · 19:40-20:15 · arte
Re: Hass, Liebe, Heimat – Glückssuche auf Jüdisch

Patrycja (28) und Eryk (24) haben Polen und ihrer Heimatstadt Wrocław den Rücken gekehrt. Zunehmend hatten die beiden sich dort wegen des wachsenden Antisemitismus unwohl gefühlt. Auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität beginnen sie ein neues Leben in Tel Aviv: mit ganz neuen Herausforderungen – neue Sprache, neues Land, neue Jobs. Aber das junge Paar ist voller Tatendrang und Zuversicht, den Neustart zu schaffen. Dabei hilft ihnen auch ein enges Netzwerk aus anderen osteuropäischen Einwanderern. Jan (34) ist einer von ihren Freunden. Schon vor zehn Jahren kam er von Wrocław nach Tel Aviv und besitzt mittlerweile die israelische Staatsangehörigkeit. Jan arbeitet als Fremdenführer in ganz Israel. Wie sieht er das Land seiner Träume nach der anfänglichen Euphorie? Über 4.000 Kilometer westlich von Israel steht Eyal (25) auf der Bühne eines kleinen, dunklen Comedy-Clubs. Der israelische Ex-Soldat hat das Gelobte Land aus Frust über den Dauerkonflikt mit Palästina verlassen und versucht nun sein Glück als Stand-up Comedian in Berlin. Beliebtestes Thema für seine Witze: Deutsche, Juden, Nazis und der Holocaust. „Lachen ist eine Form der Therapie“, sagt der junge Israeli. Aber das allein sichert ihm nicht seinen Lebensunterhalt. Eyal jobbt im Falafel-Restaurant von Bashar (48), einem arabischen Israeli, der in Israel als Anwalt für Menschenrechte sehr erfolgreich war, bis er in Deutschland etwas Neues anfangen wollte. Der Araber und der Jude, in der Fremde finden sie ihre Gemeinsamkeiten. Die Liebe zu Falafel und Hummus ist eine davon.

Di., 12. Apr · 20:15-21:05 · arte
Eine Geschichte des Antisemitismus (1/4) So begann es: 38 – 1144

Wo nahm der Antisemitismus seinen Anfang? Warum konnte er sich weiterverbreiten? Warum entstand die erste große Welle antijüdischer Gewalt ausgerechnet im antiken Alexandria, als die Römer die Macht übernahmen? Wie setzte sich der Antijudaismus in den christlichen und in den muslimischen Zivilisationen fest? Wie konnte Granada nach einem 300-jährigen Goldenen Zeitalter auf der Iberischen Halbinsel zum Schauplatz eines Massakers werden, dem ersten Pogrom auf europäischem Boden? Warum kam es während der Kreuzzüge zu organisierten Judenpogromen? Der Gang durch das erste Jahrtausend erzählt nicht nur von den Anfängen des Antisemitismus, sondern auch vom beginnenden Kampf gegen diese Anfeindungen, vom Schutz der Juden durch die Karolinger, von der Unterstützung durch die maurischen Könige in Spanien bis zum Aufruf des Abts Bernhard von Clairvaux (1090-1153), der blutigen Judenverfolgung während der Kreuzzüge ein Ende zu bereiten.

Di., 12. Apr · 21:05-22:05 · arte
Eine Geschichte des Antisemitismus (2/4) Ablehnung: 1144 – 1791

Auf welchem Bild tauchte zum ersten Mal in der Malerei des Mittelalters eine auffallende Nase auf, mit der Menschen jüdischen Glaubens hinfort dargestellt werden sollten? Wie überschritt diese Stigmatisierung die Grenzen der Ikonographie, um zum ersten diskriminierenden Erkennungsmerkmal der Geschichte zu werden? Woher kommt das Klischee vom „reichen, wuchertreibenden Juden“? Wie wurde der Hass auf Juden zum politischen Werkzeug für ihre Vertreibung aus einem Großteil Europas? In den von ihrer jüdischen Bevölkerung verlassenen Königreichen entwickelte sich ein neues, paradoxes Phänomen: ein Antijudaismus ohne Juden – obwohl schon lange keine Juden mehr in einer Region leben, blüht der Antijudaismus. Im Spanien der Inquisition kommt es zur Unterdrückung der Marranen, also jener Juden, die gewaltsam zur Konversion zum Christentum gezwungen worden waren. Im Osten Europas fanden Juden zunächst Zuflucht. Doch dann wurden antijüdische Bilder immer beliebter, und die Ritualmordlegenden erblühten in Polen. Die Episode kommt zum Abschluss mit der Französischen Revolution 1789, die für immer das Schicksal der Juden auf der Welt verändern wird.

Di., 12. Apr · 22:05-23:00 · arte
Eine Geschichte des Antisemitismus (3/4) (3): Emanzipation – Shoah: 1791 – 1945

Im 19. Jahrhundert tauchten neue, politisch und rassistisch motivierte Formen des Hasses auf Menschen jüdischen Glaubens auf. Ein neuer Begriff wurde dafür geprägt: Antisemitismus. Vorgebliche Kritik am aufstrebenden Kapitalismus des industriellen Zeitalters, die auf falscher Personalisierung und der Leugnung komplexer ökonomischer Zusammenhänge beruhte, wurde zum Kern des modernen Antisemitismus. Das sogenannte Weltjudentum war geboren und wurde gerne auch in Karikaturen angesehener großer europäischer Tageszeitungen dargestellt. Die sogenannte Dreyfus-Affäre (1894), als der aus dem Elsass stammende Offizier Alfred Dreyfus als Spion für das Deutsche Reich beschuldigt und zur Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt wurde, beförderte die Karikatur in ein neues Zeitalter und verlagerte den Kampf gegen den Antisemitismus in die Politik. Dieser Kampf nahm eine neue Dimension an, als mitten in Paris auf dem Boulevard Saint-Michel der ukrainische General Symon Petljura von dem jüdischen Anarchisten Schlomo Schwartzbard erschossen wurde. Während des Ukrainischen Unabhängigkeitskrieges war es zu Judenpogromen gekommen, der Attentäter machte Petljura dafür verantwortlich.

Di., 12. Apr · 23:00-00:00 · arte
Eine Geschichte des Antisemitismus (4/4) (4): Der neue Antisemitismus: 1945 bis heute

Als Anfang 1945 die Lager nacheinander befreit wurden, kam das ganze Ausmaß der Nazi-Gräuel ans Licht, der millionenfache Mord an Jüdinnen und Juden. Diese Morde wurden als Holocaust bezeichnet, „ganz verbrannt“ meint dieses Wort im Griechischen. „Shoah“, der hebräische Begriff für den Völkermord an etwa 6,3 Millionen europäischen Juden, bedeutet „das große Unheil“. Aber gleich nach dem Krieg keimte der Antisemitismus wieder auf. Im Pogrom von Kielce im Südosten Polens wurden am 4. Juli 1946 40 Menschen jüdischen Glaubens, Überlebende der Shoah, ermordet. Auslöser des Pogroms war die angebliche Entführung eines neunjährigen Jungen, Henryk Blaszczyk. In der Folge des Pogroms kam es zu einer Emigrationswelle aus Polen nach Deutschland und Frankreich. Nach der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 wurden in den arabischen Ländern Juden, deren Vorfahren oft über tausend Jahre in diesen Ländern lebten, gezwungen, auszuwandern. Zurück blieb ein Antisemitismus ohne Juden, für den sich niemand mehr zu schämen schien. Der Vatikan setzte dem 2.000-jährigen Antijudaismus offiziell ein Ende. Antizionismus und Negationismus, also die Leugnung des Holocaust, wurden zu neuen Ausdrucksformen des Antisemitismus. Mit dem 21. Jahrhundert begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Antisemitismus. Noch nie zuvor wurde Judenfeindlichkeit so stark angeprangert, strafrechtlich verfolgt und verurteilt. Und doch ist die Feindschaft gegenüber Juden zurück: Antisemitismus ist heute sehr sichtbar, teils offen, teils verdeckt, sehr oft laut und in unterschiedlichen neuen Erscheinungsformen.

Do., 14. Apr · 10:55-11:55 · SWR
Planet Wissen: Gerettet und gestrandet – Jüdische Displaced Person nach 1945 in Bayern

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs stranden vor allem in der amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland Hunderttausende Überlebende des Holocaust, der Shoa. Einerseits die Jüdinnen und Juden, die Deportation und Massenmord im Untergrund, in Verstecken oder in den Konzentrationslagern überlebten, andererseits immer mehr Jüdinnen und Juden aus Osteuropa und der Sowjetunion, die vor allem ab 1946 vor erneuten Pogromen fliehen. Vor allem in München und in Bayern entstehen in kürzester Zeit zahlreiche jüdische DP-Camps, selbstverwaltete Lager mit Kultur- und Sportangeboten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und militärischem Trainingsorten. Denn die meisten jüdischen DPs haben vorerst ein Ziel: Die Ausreise in den neu zu gründenden und militärisch abzusichernden Staat Israel. Gäste im Studio: Dr, Evita Wiecki, Historikerin, Ludwig-Maximilians-Universität München Jim Tobias, Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Do., 14. Apr · 23:40-00:30 · 3sat
Das Heilige Grab Jesu Christi – Ein ewiger Streit

Die Kirche vom Heiligen Grab in Jerusalem ist eine der heiligsten Stätten der Christenheit. Der Film führt hinter die Kulissen der Kirche und zu den Menschen, die dort leben. Sechs christliche Glaubensgemeinschaften leben und beten hier: Griechisch-Orthodoxe, Katholiken, Armenier, Kopten, Syrisch-Orthodoxe und Äthiopier. Ihr Zusammenleben unterliegt Regeln – von unterschiedlichen Gebetszeiten bis zur räumlichen Aufteilung der Kirche. Die Schlüsselgewalt des im Jahr 335 nach Christus eingeweihten Gotteshauses teilen sich zwei muslimische Familien. Eine hütet den uralten Schlüssel, die andere öffnet das Tor. In der Grabeskirche kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Dabei geht es um jeden Quadratmeter, um den sich Priester und Mönche teilweise sogar handgreiflich streiten. Einer der Protagonisten ist der armenische Pater Samuel. Er bezeichnet die Kirche als seine Heimat, die er gegen die benachbarte griechisch-orthodoxe Gemeinschaft „verteidigen“ muss. Der koptische Priester Antonius und der äthiopische Pater Zion sind weitere Protagonisten des Films. Vor allem zwischen den Kopten und den Äthiopiern gibt es immer wieder Streit. Für die Sicherheit und die Respektierung des fragilen Status quo zwischen Christen, Muslimen und dem Staat Israel ist die israelische Polizei verantwortlich, unter der Leitung des christlichen Polizeioffiziers Johnny Kassabri.

Fr., 15. Apr · 09:30-10:15 · WDR
Der Jesuswanderweg

Es gibt kaum ein spannenderes Land als Israel – und kaum jemanden, der unsere Kultur mehr geprägt hat als Jesus. Was war dieser Jesus eigentlich für ein Mensch? Und was findet man heute noch, wenn man sich auf Spurensuche macht in dem Land, in dem er gelebt und gewirkt hat? Wie war das Leben damals, in einer Zeit, in der es weder Autos, Handys noch GPS gab? Jesus und seine Nachfolger Tage, Monate lang zu Fuß unterwegs waren? Dennis Wilms pilgert los, im Kopf und zu Fuß, auf einem Wanderweg quer durch Galiläa nach Nazareth, zum See Genezareth und auf den Berg Arbel. Er nimmt den Zuschauer mit. 65 Kilometer, über matschige Wege, durch wunderschöne Landschaften mit fantastischen Aussichten, aber auch auf steinigen Feldwegen, mit Blasen an den Füßen.

Fr., 15. Apr · 14:15-16:25 · arte
Ein Dorf wehrt sich

1945: Nach und nach werden Deutschland und Österreich von den Nazis befreit. Doch in Altaussee im Salzkammergut ist ihre Herrschaft noch nicht zu Ende. Hier haben sich Nazigrößen wie Ernst Kaltenbruner, Chef der Gestapo, in der Nähe des alten Salzbergwerks verschanzt. In dessen Stollen lagern Kunstschätze, die in ganz Europa für das geplante Führermuseum in Linz geraubt wurden. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, ordnet die Sprengung an, damit die Meisterwerke nicht in die Hände der Alliierten fallen. Doch bei den Bergleuten beginnt sich Widerstand zu regen. Aber im Gegensatz zu seinem Freund Franz, der mit seiner Frau Elsa die Deserteure und Partisanen in den Bergen heimlich versorgt, versucht der eigenbrötlerische Sepp, sich möglichst aus allem rauszuhalten. Erst als sein Freund von der Gestapo erschossen wird und wie ein Hund verscharrt werden soll, kommt er aus der Reserve … Zusammen mit den Bewohnern des kleinen Dorfs stellt er sich gegen den Befehl des Gauleiters und versucht die Sprengung des Bergs in letzter Minute zu verhindern, um die Mine als ihre Existenzgrundlage zu sichern. Dabei begibt sich die Dorfgemeinschaft in große Gefahr, denn auf Widerstand steht immer noch die Todesstrafe …

Fr., 15. Apr · 23:45-01:30 · Das Erste (ARD)
Der Trafikant

Österreich, in den späten 1930er Jahren: Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) kommt aus dem Salzkammergut nach Wien, um bei dem „Trafikanten“ Otto Trsnjek (Johannes Krisch) in die Lehre zu gehen. In dem Tabakgeschäft des Kriegsinvaliden lernt er die bürgerlichen Kreise kennen, die sich sogar die berühmten Importzigarren aus Cuba leisten können, die Franz in liebevoller Handarbeit frischhalten muss. Unter den Stammkunden ist der hochangesehene Psychologe Sigmund Freud (Bruno Ganz), zu dem der junge Mann schon bald Vertrauen fasst. An ihn wendet sich Franz, als er sich unglücklich in die böhmische Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) verliebt. Dass die Liebe selbst dem berühmten Psychoanalytiker unlösbare Rätsel aufgibt, hilft dem unerfahrenen Franz leider nicht weiter. Als Österreich im Jahr 1938 für den Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich stimmt, beginnen schwere Zeiten für Franz und seinen Meister, der politisch aufrecht bleibt und weiterhin jüdische Kunden bedient. Erst verwüsten antisemitische Schläger den Laden, dann wird Otto aus fadenscheinigen Gründen verhaftet. Nun muss Franz auf sich allein gestellt das Geschäft führen und für Trsnjek kämpfen. Rat sucht er bei dem 82-jährigen Freud, der jedoch selbst in Gefahr ist. „Der Trafikant“ erzählt die Geschichte des Erwachsenwerdens eines jungen Mannes zu Zeiten des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Der Nachwuchsschauspieler Simon Morzé beeindruckt als Trafik-Lehrling Franz Huchel, der im Sog der dramatischen Ereignisse seinen Weg finden muss. Eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet ihn mit Sigmund Freud, gespielt von Bruno Ganz. In Zentrum des liebevoll gezeichneten Zeitporträts steht die Trafik, ein für Wien typischer Tabakladen. Die Verfilmung von Robert Seethalers Bestseller zeichnet sich durch eine poetische Erzählweise mit bittersüßem Tonfall aus, die auf berührende Weise das aufkommende Unheil der nationalsozialistischen Diktatur in Österreich, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg erahnen lässt.