Übergriff auf Gil Ofarim: Ähnliche antisemitische Vorfälle auch in Bayern

Der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern sind bislang 131 antisemitische Vorfälle bekannt geworden, die sich im direkten persönlichen Kontakt ereigneten. In 57 Fällen wurden Betroffene als Juden adressiert und angefeindet.

Wie der Musiker Gil Ofarim berichtete, habe ein Angestellter eines Leipiziger Hotels ihn dazu aufgefordert, seine Davidsternkette zu verdecken, um einchecken zu können.

RIAS Bayern sind bislang 131 antisemitische Vorfälle bekannt geworden, die sich von Angesicht zu Angesicht im direkten persönlichen Kontakt ereigneten. In 57 Fällen wurden die Betroffenen als Juden adressiert und angefeindet. Dabei handelt es sich unter anderem um einen Fall extremer Gewalt, sechs Angriffe, fünf Bedrohungen und vier Fälle antisemitischer Diskriminierung. Oft wurden die Betroffenen anhand jüdischer Symbole wie einem Davidstern oder einer Kippa als Juden identifiziert.

Im August 2019 wurden ein Rabbiner und seine Söhne in München auf offener Straße beschimpft und bespuckt, im März 2021 wurde in München ein Jude, der eine Kippa trug, ebenfalls beleidigt und bespuckt. Im Mai 2021 hielt ein Mann in einer Münchner Gaststätte die Kopfbedeckung eines Gastes für eine Kippa, woraufhin er diesen körperlich angriff und antisemitisch beschimpfte.

41 Vorfälle wurden als „verletzendes Verhalten“ kategorisiert. So beschimpften Jugendliche im Mai 2021 einen Fahrgast in einem Augsburger Bus, der einen Sticker gegen Antisemitismus und für Solidarität mit Israel trug, mit den Worten „Scheißjuden, gut, dass Hitler die Juden vergast hat“.

RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı sagt: „Erfahrungen von Antisemitismus, wie sie Gil Ofarim machen musste, sind auch in Bayern Alltag. Dabei ist davon auszugehen, dass nur ein Bruchteil davon bei RIAS Bayern ankommt. Es ist ungeheuerlich, dass Juden Angst vor Anfeindungen und Angriffen haben müssen und Angst davor haben, ihr Jüdischsein offen zu zeigen. Der Umgang mit diesen Erfahrungen und den davon Betroffenen ist oft von Ignoranz geprägt, es wird ein ‚interreligiöses Problem‘ fantasiert, oder es erfolgen sogar Aufforderungen, keine jüdischen Symbole öffentlich zu tragen, weil man damit den Antisemitismus sozusagen ‚herausfordere‘. Das Problem heisst Antisemitismus und eine solche Opfer-Täter-Umkehr ist letztlich ein Teil davon.“

RIAS Bayern nimmt Meldungen über antisemitische Vorfälle auf und unterstützt Betroffene von Antisemitismus in Bayern. Die Recherche- und Informationsstelle ist beim Verein für Aufklärung und Demokratie (VAD) e.V. angesiedelt und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Antisemitische Vorfälle, auch solche unterhalb der Strafbarkeitsschwelle, können unter www.rias-bayern.de oder per Telefon unter 089 122 234 060 gemeldet werden.

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