LiteraTeeLesung zu Max Mohr

Wegen Corona musste die Aktion Max Mohr – Frau ohne Reue – Würzburg liest ein Buch 2020 verschoben werden. Eine Lesung wurde nun nachgeholt. Bei begrenzter Teilnehmerzahl lasen Frank Stößel und Israel Schwierz im luftigen Höfchen der Rosenbaumschen Laubhütte im Judenhof…

von Gabriele Stößel

Das Besondere an der diesjährigen Lesung Kostbarkeiten aus Max Mohrs Werk bei einer Schale Tee war, dass die Gäste zum Lesen mit verteilten Rollen eingeladen wurden. Damit diesen das nicht so schwer fiel, kredenzte Stößel ihnen nach den schwermütigen Versen aus Die sieben Sonette nach durchlesenen Nächten im Unterstand einen Eistee, den TeeGschwendner für die Lesungen samt Einmalbechern gestiftet hatte. Nach der Teepause folgte die Komödie Hansen und Jansen oder Die Nordpolflieger für Kinder ab 6 und für Erwachsene unter Mitwirkung von Altbürgermeisterin Anita Feuerbach, Bürgermeister Joachim Kipke, den Vorständen von Würzburg liest ein Buch, Elisabeth Stein-Salomon und Daniel Osthoff, und anderen Freiwilligen. Den Lesenden und den Zuhörern gefiel das offensichtlich so gut, dass sie auch die Verse Die sieben Sonette des neuen Noah abwechselnd lasen.

All das klappte ohne vorige Generalprobe so gut, dass Elisabeth Stein-Salomon meinte: „Max Mohr hätte sich darüber so sehr gefreut, dass er sogleich sein Akkordeon hervorgeholt hätte, um uns fröhlich darauf zu begleiten.“ Größer hätte das Lob für alle gar nicht sein können, was die Gäste auch veranlasste, noch den beiden Zugaben zu lauschen, welche Frank Stößel mit sichtlicher Freude und Empathie vortrug. Zuerst las er Max Mohrs Gedicht Mondvogel. Das hatte Max Mohr seinem Freund, Schriftstellerkollegen und an TBC erkrankten Patienten, David Herbert Lawrence gewidmet, bekannt als Autor des weltbekannten und verfilmten Romans Lady Chatterleys Lover.

Zum Ausklang der lebendigen Lesung und zum ehrenden Gedenken an den Würzburger Arzt und Schriftsteller las Stößel seinen für die Lesung verfassten Brief an Max Mohr – Mein lieber konfessionsloser Freund. Mohr hatte sich nämlich 1931 als verdienter Feldarzt im Ersten Weltkrieg der Illusion hingegeben, wenn er sich bei der Bewerbung um Mitgliedschaft im Reichsverband der Schriftsteller als „konfessionlos“ und „Nichtarier“ bezeichnete, hätte er bessere Chancen, aufgenommen zu werden, so Roland Flade in Max Mohr (1891 – 1937) – eine biografische Skizze, zu finden im Anhang des Romans Frau ohne Reue. Auch seiner Frau Käthe hatte der liberale Jude Max Mohr die Tatsache, dass er Jude sei, erst spät mitgeteilt, so Flade.

Diese Tragik in Max Mohrs Leben, welche ihn 1931 veranlasste, ohne Frau Käthe und Tochter Eva nach Shanghai auszureisen, bevor auch ihn die Nazis vernichtet hätten, erklärte der Historiker Flade so: „Aus der jüdischen Religionsgemeinschaft trat er offensichtlich nicht aus. Für die neuen Machthaber wäre freilich ein solcher Austritt irrelevant gewesen, da Mohr vier jüdische Großeltern hatte und somit als „Volljude“ galt, wie es die Nürnberger Rassengesetze von 1935 bestimmten“.

Noch immer bei blauem Himmel und Sonnenschein verabschiedeten sich Israel Schwierz, Vorsitzender Jüdischen Reformgemeinde Bamberg, und Frank Stößel, Ehrenmitglied der Humanistischen Vereinigung, von ihren dankbaren Gästen, denen das aktive Mitwirken so sehr gefallen hatte, dass sie auch das freundliche Schlusswort von Bürgermeister Joachim Kipke mit kräftigem Applaus quittierten.

Diese Bestätigung ermutigt denn auch, die Max Mohr LiteraTeeLesung entweder in der Alten Synagoge Arnstein oder in der Synagoge Laudenbach der Stadt Karlstadt oder im Refektorium des ehemaligen Klosters Unterzell zu wiederholen, wenn unser Land 2022 die Corona-Pandemie hoffentlich „im Griff“ haben wird. Und wenn man Lesungen wieder in geschlossenen Räumen anbieten darf, dann sollte das mit musikalischer Umrahmung ganz im Sinne des Arztes, Dichters, Naturfreundes und Musikanten Max Mohr geschehen.

Foto: Gabriele Stößel

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