Die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen feiert ihren 70. Geburtstag

Wir haben dieses Jahr in Deutschland ein wichtiges Jubiläum gefeiert: Der Zentralrat der Juden freute sich seines 70-jährigen Bestehens. Aber auch in unserem Nachbarland Polen wurde eine jüdische Organisation feierlich geehrt. Die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen (polnisch Towarzystwo Społeczno-Kulturalne Żydów w Polsce, TSKŻ; jiddisch Ḳulṭur-Gezelshafṭlekher Farband fun di Yidn in Poyln) ist nämlich auch 70 geworden….

Von Justyna Michniuk

Die TSKŻ ist eine säkulare jüdische Gesellschaft, die am 29.10.1950 gegründet wurde. Die Nachkriegszeit in Polen war grausam: Die Juden, die überlebt hatten, besaßen oft keine Familie mehr und kein Zuhause. In dem neuen polnischen Staat, der gerade entstanden war, sahen sie sich häufig erneut antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Einige sind gleich nach Israel ausgewandert, andere sind geblieben und haben versucht, sich in der neuen Realität zurecht zu finden. Dabei war die TSKŻ eine wichtige Stütze, die vielen half, auf die Beine zu kommen und das Leben neu zu gestalten.

Erster Vorsitzender der TSKŻ wurde Grzegorz Smolar. Er hieß eigentlich Hirsch Smolar und war Journalist und Schriftsteller und zählte zu den Widerstandskämpfern des Minsker Ghettos. Die Funktion des Vorsitzenden der TSKŻ bekleidete er von 1950 bis 1962. Obwohl die Zeiten schwer waren und viele sich nicht als Juden outen wollten, wuchs die TSKŻ und hatte bald ein breites Angebot für Erwachsene und Kinder. Währenddessen sich die Eltern z. B. zum Chorsingen trafen, lernten die Kinder Jiddisch, bastelten oder lernten die jüdische Kultur und Geschichte besser kennen. Es wurden auch Sommerlager für Kinder organisiert, unter anderen an der Ostsee in Poronin, Słupsk oder in den Masuren, z. B in Mrągowo. Smolar wurde 1968 im Zuge der antisemitischen Kampagne während der sog. März-Unruhen aus allen Ämtern entlassen und emigrierte später nach Israel, wo er 1993 starb.

Gegenwärtig hat die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen ungefähr 2700 Mitglieder und ist damit die größte jüdische Organisation in Polen. Die Vertretungen der TSKŻ findet man in 17 polnischen Städten wie z. B. neben Warschau auch in Łódź, Katowice, Legnica, Lublin oder Żary. Seit 2006 ist Artur Hofman, polnischer Regisseur und Chefredakteur der Zeitschift Słowo żydowskie (jiddisch דאָס ייִדישע וואָרט, Dos Jidisze Wort, deutsch Das jiddische Wort), der Vorsitzende der Organisation.

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