Die „Späher-APP“ der AfD

Sinnvolles Instrument zur Staatszersetzung oder Spielzeug der völkischen Elite?

*Satire*, Herr Seehofer, *Satire*, *Satire*

Von Fredy Yandorf

Im unermüdlichen Kampf gegen die Corona-Pandemie-Maßnahmen und die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist der AfD ein neuer Coup gelungen: Sie präsentiert eine App zum Zeitgeschehen. Im Google-Playstore kann man seit einigen Tagen für 1 Euro 19 die „Späher-APP“ erwerben, die den Nutzer eines Smartphones warnt, wenn sich ihm jemand nähert, der die „Corona-Warn-App“ der Bundessregierung installiert hat. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Corona-Pandemie-Maßnahmen, denn die Wahrscheinlichkeit, einem Nutzer der „Corona-Warn-App“ zu begegnen, steigt täglich an. Wenn man nun die „Späher-APP“ der AfD installiert hat, kann man sofort individuelle Schutzmaßnahmen ergreifen. So kann man sich zum Beispiel unmittelbar nach Erhalt der Warnmeldung kreischend auf den Boden schmeißen, sein Smartphone fluchend zertretend, oder schreiend wegrennen. AfD-Politiker Peter Felser, dessen IT-Firma die App programmiert hat, erläutert: „Diese Maßnahmen sind nur Empfehlungen, aber auch nur die Anwendung einer dieser Maßnahmen verhindert mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem näheren Kontakt mit anderen Menschen kommt.“ (Ein Selbstversuch im Supermarkt konnte dies bestätigen.)

„Der Staat will uns überwachen“, erklärt der Rechtsintellektuelle Alexander Gauland, „deswegen überwachen wir, in welchem Umfang der Staat überwacht und setzen damit der Überwachung die Überwachung entgegen.“ Man müsse diese App deswegen „dialektisch im Sinne Hegels“ betrachten. „Auch bei unserer App müssen die Nutzer ihren Standort und Bluetooths aktivieren und senden somit im Grunde dieselben Signale aus, die die Corona-Warn-App der Regierung sendet. Doch unsere App ist von der AfD programmiert und ist damit kein Instrument der Regierung, sondern eine Waffe gegen das System, weil die AfD dagegen ist“, erläutert der Fraktions-Führer der AfD die Synthese des durchdachten Projekts.

Doch wie bei vielen Errungenschaften der AfD ist ihr Sinn nicht jedem Menschen in gleicher Weise zugänglich, sondern scheint sich ganz unmittelbar nur einer völkischen Elite zu erschließen. Die bislang niedrigen Downloadzahlen der „Späher-APP“ (100+) scheinen Beleg für diesen Missstand zu sein und lassen es fraglich erscheinen, ob sie ihre staatszersetzende Wirkung voll entfalten kann. Björn Höcke: „Wir müssen in der Propaganda nachbessern.“ Bei allen Projekten der AfD sei die Zuwanderung das zentrale Problem: „Ich habe immer davor gewarnt, dass Menschen, die sich schon in die Diktaturen ihrer Heimatländer nicht integrieren und deswegen fliehen, auch für die Propaganda der AfD nicht anfällig sein werden. Dieses Problem wird jetzt eklatant“, klagt der Faschist. Als nächstes größeres IT-Projekt habe die AfD deswegen eine App geplant, die den Nutzer warnt, wenn sich ihm Geflüchtete, Juden, Neger oder andere Exoten nähern – doch sei eine solche App komplizierter zu realisieren: „Der Staat hat es bislang sträflich versäumt, von seinen Bürgern zu verlangen, dass man auf seinem Smartphone seine Rassenzugehörigkeit vermerkt. Das Racial Profiling unserer Polizei ist zwar ein guter Ansatz, aber nicht ausgefeilt genug“, führt Höcke aus. Es sei aber eine App denkbar, die den Schädelumfang des Gegenübers misst und daraus ein rassisches Profil errechnet: „Wir sind mit verschiedenen rassistischen Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen im Gespräch, um diese Schädel-App zeitnah umzusetzen“, berichtet Höcke zuversichtlich und verrät: „Wir hoffen, u.a. die profilierten Wissenschafts-Autoren Attila Hildmann und Thilo Sarrazin für dieses Projekt zu gewinnen. Die Schädel-App der AfD kommt.“ Wir freuen uns.

Dieser Text ist eine Satire; die zitierten Äußerungen sind nie in dieser Weise gefallen, sondern parodieren argumentative Muster und Diskursfiguren– das ist erlaubt.

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