Krise der Clans! Ist Bolsonaro noch systemrelevant?

Bolsonaro: „Explosionsartiger Anstieg von Homosexuellen durch WHO“. Pandemieexperte: „Bolsonaro ist vorbildhaft“. Gauland: „Internationaler Kampf für alternative Wahrheit“…

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Von Fredy Yandorf

Nachdem der brasilianische Präsident Jair Messias Bolsonaro im Zuge der Corona-Krise überraschend eingeräumt hat, zwar Messias zu heißen, aber nicht der Messias zu sein, hört man vermehrt Stimmen, die bezweifeln, dass er damit noch systemrelevant ist. „Ich habe Bolsonaro gewählt, weil ich dachte, dass er die Wiederkunft Christi ist. Dass er es ist nicht ist, enttäuscht mich maßlos“, formuliert eine Anhängerin, die an Bolsonaro und die evangelikale Pfingstkirche glaubt. Zudem habe sie nun auch Zweifel daran, ob der zurückgetretene Justizminister Sergio Moro wirklich „Judas“ sei, wie Bolsonaro es behauptet, wenn dieser selbst gar nicht Christus ist.

Kippt nun die Stimmung gegen den engagierten Clan-Boss? Bolsonaro begegnet der Kritik an ihm mit Gelassenheit: „Es stimmt zwar, dass ich nicht so direkt Christus bin. Dennoch bin ich ein Mann der Wahrheit, der von dunklen Mächten bedroht wird.“ Brasilien könne sich aber in dieser finsteren Welt zu 100 Prozent auf ihn verlassen: „Mein System steht! Mit der Ernennung von Rolando de Souza zum neuen Polizeichef ist bewiesen, dass mein Clan seine Relevanz nicht verloren hat!“ Die Presse, die etwas anderes behauptet, sei „ein Feind Brasiliens“, der „den Mund halten“ soll.

Auch inhaltlich würde er seiner Linie zu 100 Prozent treu bleiben; Bolsonaro: „Nicht nur bin ich ein entschiedener Kämpfer gegen den überflüssigen Regenwald –ich werde auch in der gegenwärtigen Krise dringend gebraucht: Ich bin der erste, der offengelegt hat, dass die WHO Homosexualität und Masturbation befördert. Wir müssen in Brasilien einen explosionsartigen Anstieg von Homosexuellen und Masturbierenden verzeichnen, seit die WHO begonnen hat, hier Einfluss auszuüben.“ Die Dämonisierung des eigentlich harmlosen Corona-Virus sei nur eine Ablenkungsstrategie, mit der die WHO ihre „wahren diabolischen Machenschaften, die Verbreitung der Sünde“, verdecke.

Dem kann auch ein deutscher Pandemieexperte zustimmen, der lieber anonym bleiben möchte, weil er uns sonst verklagen würde. Er führt aus: „Durch die WHO und dem mit ihr eng verbandelten Pharma-Clan wird ein Test gepusht, der Corona relevant gemacht hat. Würde es diesen Test nicht geben, hätten wir von Corona überhaupt nichts bemerkt. Bolsonaro hat also völlig recht, dass es der WHO in erster Linie um Selbstbefriedigung geht. Der Test muss dringend bekämpft werden, um Corona zu ignorieren. Bolsonaro ist darin vorbildhaft.“

Auch ein deutscher Clan sichert dem angefochtenen Präsidenten seine Unterstützung zu. „Es ist typisch, dass einem aufrechten Mann wie Bolsonaro die Systemrelevanz abgesprochen wird. Auch wir sind Opfer der Lügenpresse, die uns täglich kreuzigt und unsere Erlöserqualitäten einfach negiert“, so der Clan-Sheriff der AfD, Alexander Gauland, verbittert. Dabei werde keine Partei so gebraucht wie die AfD, die Deutschland immer wieder vor dem „sicheren Untergang“ bewahre. Gauland erklärt: „Nur ich bin es gewesen, der kürzlich deutlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass der 8. Mai ein Tag der absoluten Niederlage und ein Verlust von vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten gewesen ist. Wie Bolsonaro bin auch ich ein Verkündiger von Fakten, von denen niemand sonst etwas weiß. Bolsonaro ist unser Bruder im internationalen Kampf für die alternative Wahrheit, die die Welt dringend braucht, um erlöst zu werden. Ich bin bereit, mich weiter in diesem Kampf uneingeschränkt zu opfern!“

Wir danken Jair Messias Bolsonaro und Alexander Gauland für ihre selbstlosen Opfer und werden den internationalen Kampf der Clans in dieser Krise weiter mit aufrichtigem Interesse verfolgen.

Bild oben: Bolsonaro im April 2019 mit seiner typischen Handgeste, einer Pistole, die er dann symbolisch abdrückt. Foto: Palácio do Planalto, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Dieser Text ist eine Satire; die zitierten Äußerungen sind nie in dieser Weise gefallen, sondern parodieren argumentative Muster und Diskursfiguren– das ist erlaubt.

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