Gold von gestern…

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Bambi. Baaambi. Wer braucht schon einen Bambi. Das ist Gold von gestern…

Von Ramona Ambs

Das ist doch nur ein kleines goldenes Stück Reh, von denen die meisten ohnehin aufm Klo landen und sich jeden Scheiß anschauen müssen. Die armen Bambies. Ja, ich rede von den goldenen kleinen Dingern, die als ältester deutscher Medienpreis alljährlich unters Volk verteilt werden. Und in früheren Jahren meist auch an wirklich verdiente kreative Köpfe im Medienbereich. Aber irgendwie ist diese Zeit vorbei.

Insbesondere seit Bambis als Sonderpreise mit originellen Namen versehen wurden: „Millenium-Bambi“, „Integrations-Bambi“, oder den „Bambi für schwer verwundeten Soldaten“ oder auch den „Courage-Bambi“…

Letzeren, also den Courage Bambi, erhielt Tom Cruise für seine Rolle als Stauffenberg. Eigentlich hätte man da schon stutzig werden können. Erstens war seinerzeit der Film noch gar nicht gelaufen und zweitens fragte sich so mancher, was an diesem Filmprojekt sooo mutig sein soll, dass man dafür einen Bambi kreiert… egal, noch peinlicher als die Verleihung dieses Courage-Bambis war dann die Laudatio, die seinerzeit Frank Schirrmacher hielt. Darin hieß es: „Tom Cruise nahm sich nämlich eines Themas an, das mir sehr am Herzen liegt, (…): Ich spreche vom deutschen Widerstand gegen Hitler. Es hat mich immer bedrückt, dass es beinahe unmöglich war, das Ausland darauf aufmerksam zu machen, dass es auch innerhalb Deutschlands Menschen gab, die ihr Leben riskierten, um sich den Nazis zu widersetzen. Es bedurfte eines Querdenkers, um dieses Vorurteil zu durchbrechen. Es bedurfte eines Weltstars, um sich damit im Ausland Gehör zu verschaffen. Durch seine Entscheidung, Graf Stauffenberg sein Gesicht zu leihen, wird Tom Cruise das Bild, das die Welt sich von uns Deutschen macht, verändern. Das Ansehen des Landes zu retten, gerade auch im Ausland, war einer der wichtigsten Beweggründe Stauffenbergs bei seiner Tat“.

Eben. Das Ansehen Deutschlands… und nicht etwa die Opfer der Nazis… Aber egal,- wenn natürlich das Ansehen Deutschlands in der Welt von einem Hollywoodstar gerettet wird, dann muss schon mal ein Bambi dafür herhalten, zumal sich diese goldigen Rehkitze ja nicht wehren können…

Später erhielt Bushido dann den Integrationsbambi. Das war damals, 2011, schon extrem witzig, – wird es aber natürlich nun immer mehr. Denn irgendwie integriert der Herr Bushido nur die negativen deutschen Eigenschaften… Hass auf Minderheiten, Schwule und Politiker, dazu noch ein bißchen Frauenverachtung und tataaaa: fertig ist der hässliche Deutsche. Äh, also der hässliche Bushido mein ich. Ja, der Typ mit dem Talibanbart in dem neuen Mercedes-Werbe-Clip!

So hatte man sich das wohl nicht vorgestellt. Naja, zu spät.

Da nutzt es auch nichts, dass man im letzten Jahr den gleichnamigen Bambi an Daniel Alter verliehen hat. (Böse Zungen sagen ja, ein Jude ist dann gut integriert, wenn er sich erst verprügeln lässt und danach dennoch noch freundlich bleibt…)

Jedenfalls bleibt die Sache mit dem Integrationsbambi schwierig… und eben nicht nur für das Mini-Reh, das DIESEN Namen trägt.

Das Bambi – an sich – ist nun wohl leider endgültig im Eimer. Denn egal, welche Namen die Bambis haben, sie sehen eigentlich alle gleich aus: golden, glorreich und rehig. Aber wenn nun jemand bei Bendzko, Cro oder sonst einem Bambiträger aufs Klo geht, dann kann es sein, dass die Stars hernach gefragt werden, welchen Scheißpolitiker sie schonmal zum Abschuss frei gegeben hätten… oder ob sie schön still gehalten haben, als sie verprügelt wurden. ..oder oder oder.. irgendwie peinlich.

Wahrscheinlich werden die Bambis zukünftig versteckt. Eigentlich schade um die goldenen Kitze…

4 Kommentare

  1. Davon abgesehen: Es ist natürlich auch eine simple PR-Action: Jede Nachricht ist eine gute Nachricht, jeder Skandal pusht die Verkaufszahlen… Das funktioniert immer.

  2. Arye Sharuz Shalicar, er wuchs in Berlin als iranischstämmiger Jude inmitten von arabisch-palästinensischen Jugendgangs auf, wirkte dort u.a. als Sprayer – heute ist er Sprecher der israelischen Armee – , hat kürzlich zu Bushido eine wohl zutreffende Analyse und Prognose erstellt:
    Welt am Sonntag: Bushido wird von der Polizei dem Berliner Abou Chaker-Clan zugeordnet, Mitglieder einer libanesisch-palästinensischen Großfamilie aus Neukölln. Sagt Ihnen der Name noch was?
    Shalicar: Natürlich. An denen kommt man in einem gewissen Milieu in Berlin nicht vorbei. Ich habe mit einzelnen Mitgliedern dieser Familie selbst nicht die besten Erfahrungen gemacht. Die sind in der Lage, aus dem Stand ein paar hundert Männer zu mobilisieren, die dann irgendwo auftauchen. Vor Schulen, Restaurants, Clubs, wo auch immer. In Neukölln dominieren sie ganze Straßenzüge, darüber hinaus viele Läden, Imbisse, Geschäfte. (…)
    Diese Connection ist seit langem bekannt. Ich habe erst vor einigen Wochen mit alten Freunden in Berlin telefoniert, die mir erzählten, dass man mit Bushido besser keinen Ärger anfängt, weil er über den Clan 500 Mann mobilisieren könne. Bushidos Karriere wäre sicher anders gelaufen, wenn er sich nicht mit dem einen oder anderen Arabischen Clan verbrüdert hätte.
    Welt am Sonntag: Laut „Stern“ hat Bushido einem hochrangigen Mitglied des Clans eine umfassende Generalvollmacht erteilt. Wie interpretieren Sie das?
    Shalicar: Damit hat er sich mit Haut und Haaren an diese Großfamilie verkauft. Wenn er singt, Platten macht, Geld verdient, dann für die. Das ist schon krass: Bushido ist nicht mehr Herr seines Lebens. Darüber entscheidet jetzt derjenige, auf den die Generalvollmacht ausgestellt ist.
    Welt am Sonntag: Was steckt dahinter? Bushido betont seine Freundschaft zu Mitgliedern dieser Familie.
    Shalicar: Das mag er so empfinden. Aber ich bezweifle, ob das wahre Freundschaft ist. Im Grunde handelt es sich, bei allen Umarmungen und Beteuerungen, um ein kühles Geschäft. Der Deal funktioniert aber nur so lange, wie Bushido eine Marke ist und Geld reinspült. Für den Clan ist Bushido im Moment noch ein wertvolles Asset. Er hatte Zugang zur Prominenz, zuletzt sogar zur Politik. Bushido ist sozusagen die Brücke vom Neuköllner Milieu in das schicke Berlin-Mitte und in die Villenviertel. (…)

    Welt am Sonntag: In einem neuen Youtube-Video spricht Bushido plötzlich über seinen Glauben und den Islam. Er sagt, er gehe jeden Freitag in die Moschee. War er als Jugendlicher auch schon religiös?
    Shalicar: Um das zu beurteilen, kannte ich ihn nicht gut genug. Aber er wäre nicht der Erste, der plötzlich die Religion für sich entdeckt, teilweise auch als „Flucht“ vor dem harten Alltag. Ich hoffe nur, dass er die positiven Punkte der Religion aufnimmt und nicht plötzlich radikalislamische Hasstiraden von sich gibt. (…)
    Welt am Sonntag: Bereuen Sie eigentlich, Berlin und der Bundesrepublik den Rücken gekehrt zu haben?
    Shalicar: Überhaupt nicht. Inzwischen ist auch mein kleiner Bruder hier. Darüber bin ich sehr froh. Mein Bruder war wie ich oft antisemitischen Angegriffen ausgesetzt. Da blieb es nicht bei verbalen Anfeindungen. Ich bin froh, dass er dem Wedding und dem Hass nun auch den Rücken gekehrt hat, bevor es womöglich zu einer Katastrophe gekommen wäre.

    http://www.welt.de/vermischtes/article115458071/Bushido-ist-nicht-mehr-Herr-seines-Lebens.html

    Weiterhin: Spiegel TV: Bushido und die Mafia 21.04.2013
    http://www.youtube.com/watch?v=5jHJprdvY_8

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