Die große Heimsuchung

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Es geht nicht um den Listenplatz von Jakob Augstein, sondern um seine Texte…

Von Rainer Trampert
Jungle World v. 10. Januar 2013

Große Erregung! Überall drängeln sich wieder deutsche Kronzeugen, die Deutschen eine tadellose Gesinnung bescheinigen. In den fünfziger Jahren mussten sie für die »Persilscheine« auf dem Schwarzmarkt Geld berappen. Heute gibt es sie gratis und in jeder Menge. Die Zeit fragt, ob sie »durchdrehen: Israel und seine Lobby«? Die Süddeutsche Zeitung wirft dem Simon-Wiesenthal-Center (SWC) »eine Feinderklärung« vor, die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht »schwere intellektuelle und strategische Fehler« des SWC. Die Frankfurter Rundschau bekennt dümmlich: »Aus Augsteins Texten spricht kein Ressentiment.« Peinlich, daher repräsentativ, solidarisiert sich der Parlamentskorrespondent der Taz mit dem »scharfen, rationalen Kritiker« Jakob Augstein: »Wir Antisemiten!« Der Rundfunk Berlin-Brandenburg nahm Henryk M. Broder aus dem Programm: »Wir reden stattdessen mit einem Antisemitismusexperten.« Augstein selbst immunisiert sich mit dem gebräuchlichsten Gegengift. Er bedauert, dass Juden den großartigen Kampf der Deutschen gegen den Antisemitismus schwächten, was »zwangsläufig der Fall« sei, wenn sie ihn, den deutschen Journalismus, kritisierten. Aber »jeder Kritiker« müsse damit rechnen, »als Anti­semit beschimpft zu werden«. Dieser Reflex ist effektvoll, weil er mehrere Stereotype für den Gegenangriff zentriert. Er macht in routinierter Täter-Opfer-Umkehr den Deutschen zum Opfer der Juden, deklariert Juden zu Verursachern des Antisemitismus und kolportiert das Gerücht von der jüdischen Allmacht. Ja, darf denn keiner mehr Israel kritisieren in einem Land, »wo ›Israelkritik‹ Volkssport ist?« (Titanic)

Dass bürgerliche Medien die jüdische Einrichtung mit Bannfluch belegen und Jakob Augstein ungeprüft als kritischen Journalisten durchwinken, dokumentiert, dass er einer von ihnen ist und sie es ungehörig finden, dass er gemeinsam mit Sudel-Antisemiten aufgelistet wird. Augstein ist reich und repräsentiert die deutsche Medien- (Spiegel, Freitag, Phönix) und Leitkultur. Wie Martin Walser, der vor ihm seinen Ekel vor der »Auschwitzkeule« kundtat, was die versammelten Bildungs- und Großbürger ihm mit stehenden Ovationen dankten. Augstein ist Teil der deutschen Elite, die jedes Jahr den grünen Hügel in Bayreuth hinaufwallt, um hautnah zu erleben, wie der »kulturunfähige« Jude »Beckmesser« in Richard Wagners Meistersingern zuerst ausgelacht und dann über die Bühne geprügelt wird.

Weder Deutschlands Elite noch sein Tresenpublikum nimmt es hin, dass Juden den deutschen Journalisten, der über Nacht ein kritischer geworden sein soll, auf die Liste setzen. Zudem Juden aus den USA, wo jeder Präsidentschaftskandidat »sich vor Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen« zu sichern habe, so Augstein. Zwar hat der Kandidat sich bei tausend Gruppen beliebt zu machen, auch bei Schwulen, ohne dass sie in den Geruch kämen, die Welt zu beherrschen. Aber bei Juden ist das anders. »Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr«, schreibt Augstein, »Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen«. Deutsche Politik, Justiz, Wirtschaft – das alles wird von Jerusalem gesteuert? Ob dieser Ohnmacht stellt er verzweifelte Resignation zur Schau: »Israel bekommt das, was es will.« Erst hätten »die Deutschen Hunderte von Millionen überwiesen (…). Später haben sie U-Boote hinterhergeschickt.« Für Jerusalem setze man alle »Regeln der guten Haushaltspolitik und der marktwirtschaftlichen Ordnung (…) außer Kraft«. Auch deren Charakter will er uns nicht verheimlichen. Als Angela Merkel einmal »kurz versucht« habe, eine kleine Gegenleistung »für die deutsche Großzügigkeit« zu bekommen, hätten sie gelacht. Und »als die Israelis mit dem Lachen fertig waren«, da war auch Merkel fertig. Für Gregor Gysi sind die Appelle an die jüdische Weltherrschaft und Arglist gute Gründe, Augstein als »herausragenden und kritischen Journalisten« zu würdigen. Vielleicht mögen sie sich – wegen der Kalauer. Okay, Gysi hat die Partei zusammenzuhalten. Hielte er Augstein für einen Antisemiten, müsste er gegen die Hälfte seiner Genossen Ausschlussanträge stellen.

Der antisemitische Verschwörer muss nichts wissen, nur seinen Eingebungen folgen. Wer wissen wolle, wer hinter dem Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Bengasi steckt, müsse nur fragen: »Wer profitiert davon?« Israel, flüstert die Eingebung. Überall zünden zornige junge Männer amerikanische Fahnen an, »aber die Brandstifter sitzen anderswo«, weiß er jetzt, und deshalb seien islamistische Milizen, die mit schwerem Kriegsgerät die US-Botschaft zerstört und fliehende Botschaftsangehörige ermordet haben, »ebenso Opfer wie die Toten von Bengasi«, Opfer von »Wahnsinnigen und Skrupellosen« in der Knesset, denen die Toten gerade gelegen kamen, weil sie gerade »immer heftiger« darauf drängten, den Iran zu bombardieren. Ach ja, die Wut begann nach dem Mohammed-Film des Kopten. Schnell fragt Augstein: »Kann man sich vorstellen, dass der (…) Kopte in anderem als im eigenen Auftrag handelte?« Wir ahnen, dass der Kopte ohne Hilfe aus Israel zu gar nichts fähig war, oder vielleicht doch, »zumindest traut man ( …)  der israelischen Regierung« so etwas zu.

Der verkehrte Opferritus impliziert, dass mit jeder Hamas-Rakete die jüdische Generalschuld wächst. Wer bei Verstand ist, fragt sich: Was soll es Israel nützen, von der Welt gehasst zu werden? Warum soll Israel, wenn es Atombunker im schiitischen Iran bombardieren will, die Sunniten gegen sich aufbringen? Warum soll ein Kopte nicht fähig sein, schlechte Filme zu drehen? Augsteins antisemitischer Okkultismus taugt nicht mal fürs Astro-TV, wird aber von allen Medien, die als seriös gelten, als kritischer Journalismus gewürdigt. Wo lebe ich?

Augsteins größter Wurf ist die Opfer-Täter-Umkehr. Benjamin Netanyahu führe »die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs«, schreibt er. Die Nähe zum »anschwellenden Bocksgesang« von Botho Strauß, mit dem der ausdrücken will, dass Stammeskulturen sich durch die Tötung Fremder naturhaft regenerieren, ist kalkuliert. Er fügt bestätigend hinzu, dass Israel eben »außer Gewalt kaum eine Antwort« kenne. Sein Held Günter Grass habe zu Recht geschrieben, dass Israel »den ohnehin brüchigen Weltfrieden« gefährde und einen Plan schmiede, der »das iranische Volk auslöschen« könne. »Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt,« schreibt Augstein, »dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.« Religiöse Erlöserrhetorik aus Dankbarkeit und Bewunderung! Grass hat den Deutschen den auf ihnen lastenden Fluch genommen. Sie können nun – unter Berufung auf ihren Nobelpreisträger – Juden des beabsichtigten Völkermords und der Gefährdung des Weltfriedens bezichtigen, können die schlimmsten Taten der Deutschen auf Juden projizieren. »Es musste gesagt werden«, atmet Augstein auf. Grass spielt in diesem Bühnenstück den »Arier«, der vor der jüdischen Bluttat warnt, und Augstein den Jünger, der ihn als Messias anbetet. Diese »Zeilen« werden einmal »zu seinen wirkmächtigsten Worten zählen«, wie bei dem anderen die Bergpredigt. Versöhnt mit der eigenen SS-Vergangenheit, lässt es sich ruhig sterben.

Da dem Juden weder Völkermord noch Weltkrieg anzulasten ist, konzipieren Augstein und Grass eine fiktive Welt, in der Juden es umso mörderischer treiben würden. Die dreißig realen Kriege auf der Welt, mit denen Israel nicht das Geringste zu tun hat, werden ignoriert, so dass Krieg führende Staaten auch nicht als Kriegsgefahr in Erscheinung treten. Der Iran und Saudi-Arabien bekriegen sich im Irak und in Syrien, Syrien schießt auf die Türkei, die Türkei holt die Nato zur Hilfe, im Kongo morden Stellvertretermilizen, Afghanistan, Sudan, die USA entsenden Flugzeugträger nach Asien, wo China Gewässer beansprucht, die US-Verbündete für sich reklamieren. Die realen Kriege und bedrohlichen Konflikte stellen in der Scheinwelt des Antisemiten kein Risiko dar – es gibt sie nicht, auch nicht die Opfer. Der Antisemit verhält sich zwangsläufig gegenüber anderen rassistisch, weil ihm ein einziger, von Israel getöteter Hamas-Krieger wertvoller ist als eine Million Tote mit schwarzer Haut.

Die Opfer-Täter-Umkehr begegnet uns auch in der Bewertung des Nahost-Konflikts. Manisch soll die israelische Regierung »die einzige« sein, »die gegenwärtig den Weltfrieden (…) gefährdet«, »den sogenannten arabischen Frühling für sich ausnutzt« und »vor allem den Krieg in Syrien fördert« (Freitag). Für den Antisemiten fördert Israel den arabischen Frühling und den Krieg in Syrien und ist gegen beide. Die Propaganda kann auf die Verkümmerung des Intellekts keine Rücksicht nehmen. Für Augstein ist die Bewaffnung Israels nicht Schutz vor Staaten, die jede Woche ihre Absicht verkünden, die Juden zu vernichten, sondern eine Bedrohung für die Verkünder. So werde der Iran durch Israel »genötigt«, »eine eigene Bombe zu haben«, und jede Waffe für Israel erhöhe den Druck auf »arabische Nachbarstaaten, selbst zum Mittel der nuklearen Aufrüstung zu greifen«. Den erklärten Feinden Israels die atomare Aufrüstung ans Herz zu legen und Israel die Entwaffnung zu gönnen, nimmt gedanklich die Vernichtung der Juden in Kauf.

Augstein scheut nicht einmal Begriffe, die Israel in die Nähe des Dritten Reichs rücken. Er propagiert Gaza als »Endzeit des Menschlichen«, als »ein Gefängnis. Ein Lager (!)«, wo Menschen »zusammengepfercht hausen«. Die Gaza-Bewohner haben eine Lebenserwartung von 74 Jahren, so hoch wie in Ungarn und höher als in der Türkei und in über hundert Staaten, und sie können, wenn ihnen danach ist, Raketen abschießen, um Juden zu töten. Diese Lager-Metaphorik ist genauso unanständig wie die Bluttaten, die Augstein in seinem Freitag von Eingeweihten kolportieren lässt. Da tun Juden ständig harmlosen Menschen Gewalt an, »allen voran Kinder und Frauen«. Da will sich ein Kind einen Geburtstagskuchen kaufen, »als sein junges Leben« durch Kugeln aus einer israelischen Waffe beendet wird. Alles erinnert an den »Kindsmord« im Mittelalter.

Jakob Augstein ist weder harmlos, noch geht es ihm um Kritik an der israelischen Politik. Er erfüllt alle geläufigen Kriterien des Antisemitismus. Man stößt auf das Vorurteilssyndrom bis zu wahnhaften Projektionen, die modernen Synonyme für Judenheit: Israel oder Jerusalem, den Griff nach der Weltherrschaft, die Störung eines vermeintlichen Weltfriedens, die jüdische Verantwortung für den nächsten Weltkrieg, die Täter-Opfer-Umkehr bis zum unterstellten Völkermord, auf jüdische Blutbäder und Kindsmorde. Die Fragen, ob Augstein auf die Liste gehört oder der richtige Zeuge gefunden wurde, lenken nur ab. Man sollte den Initiatoren der Liste danken, dass sie die Weltöffentlichkeit auf den smarten Dauerhetzer aus Deutschlands Top-Medien aufmerksam gemacht haben.

13 Kommentare

  1. @Dave
    Mir ist der korrekte Jargon nicht derart geläufig wie ihnen. Für einen Anti-antisemitischen Knigge, von ihnen geschrieben, wäre ich sehr dankbar. ^^
    Jakob Augstein könnten sie auch gleich einen schicken. Das könnte zukünftige Missverständnisse vermeiden.

  2. Ihr Jidden habt vielleicht Probleme. ^^
    Unser einer (die Deutschen) haben heutzutage wirklich andere Sorgen als uns irgendwelchen Hasstiraden, aufgrund eines kleinen Volkes, hinzugeben. Man könnte wirklich von einem „Täter-Opfer-Umkehr“ sprechen. Anbetracht dessen das die Mehrheit von euch einem paranoidem Wahn verfallen ist, praktisch jedem Deutschen hysterisch als einen insgeheimen Antisemiten, welcher im Verborgenen diabolische antisemitische Pläne häckt, zu sehen. Früher waren es die Deutschen welche den Juden geheime böse Absichten unterstellten.

    Aber ich finde die Sprachwahl im Punkto „Opfer“ ja schon spannend gewählt. Das sich ein Jude in meiner Gegenwart als „Opfer“ fühlt, einfach weil ich Deutscher bin, hat ja schon was psychotisches.

  3. Statt über Buße zu reden wäre es besser über historische Verantwortung zu reden. Z.B. in dem man einen Verteidigungspakt ähnlich der Nato mit Israel schliesst.
    Das wäre ein Schritt Verantwortung zu übernehmen und in die Zukunft zu gehen.

  4. @ente, wenn ich jemanden als „anders“ bezeichne, dann grenze ich ihn aus oder lege den ersten Grundstein dafür. Hier die Mehrheit, dort der Andere mit dem besonderen Gen, der anderen Hautfarbe, dem höheren- oder niedrigeren IQ. Stelle ich den Anderen als „Klüger“ da, dann provoziere ich Ressentiments, da ich ja dann der Mehrheit unterstelle „Dümmer“ zu sein – ein wunderbarer Samen für die Neidkultur. Diese Spielchen laufen tagtäglich vermutlich weltweit in irgendwelchen Klassenzimmern ab. Hier der Streber, der verprügelt werden muss. Dort der Dümmere der verachtet und ebenfalls verprügelt werden muss. Da wieder der Ärmere der sowieso verachtet gehört usw. usf. Und seien wir mal ehrlich, was interessiert in einem politisch – polemischen Buch die Humangenetik, das ist was für Wissenschaftler, wenn es darum geht, warum z.B. manche Menschen in der Erbtheorie bessere Antigene gegen eine Krankheit haben oder warum in manchen Familien bestimmte Krankheiten gehäuft auftreten usw.. Aber allein schon die allumfassende, kollektive Klassifzierung im Bezug zu Wertigkeiten am Arbeitsmarkt (!!!) disqualifiziert das Geschreibsel von Thilo S. und manch anderem seiner für mich nichts anderes als braunroten Freunde.

    Und nun zum Thema Buße, also ich höre immer davon, sagen Sie mir bitte mal, wo die denn tatsächlich kollektiv stattfindet?
    Für mich ist diese ewige Thematisierung der Buße ein Gewand, um eben genau eines zu erreichen – den Schlussstrich – und ist dieser erst mal gezogen, dann darf und kann man endlich mal wieder so richtig was böses tun, falls man nicht auch mal aus Fehlern gelernt hätte. Wenn ich die Buße immer als wiederkehrende Last darstelle – obwohl ich weder bei deutschen Firmen, noch am immensen (gut fallenden, das hat aber nichts mit Buße zu tun) Wohlstand eine Derartige wenigstens ansatzweise adäquat wahrnehme, provoziere ich doch genau, insbesondere bei denen, die später geboren sind, Ressentiments dagegen. Und was erreiche ich letztlich damit für ein Ziel?

    • Dave, genau darum ging es. Ein Großteil der Augsteinkritiker unterstellen diesem einen sekundären, tertiären oder sonstigen Antisemtismus, während locker flockig von eben Diesen eine klipp und klar antisemitische Äußerung, als z.B. „gelegentlich spinnt“, minimalisiert wird. Wenn man anfängt Gruppen positive Gene zuzuordnen, ist es meistens nicht weit bis zum Umkehrschluß.
      Dies ist keine Neidkultur sondern Rassismus und Jeder, der weitere Aussagen von Sarrazin über Minderheiten und Entwicklung deutscher Stadtteile mit dieser Kenntnis unterstützt und dessen Begründungen wohl akzeptiert, scheint diesen Gedankengang zu lieben.

      Manche sprechen dann von dem biologischen Aspekt Augsteins Äußerungen (gell Uri).

  5. Nach Küntzel und Trampert möchte ich doch mal den, zumindest in diesem Zusammenhang, recht unverdächtigen Lizas Welt blog zu Wort kommen lassen:
    inhttp://lizaswelt.net/2013/01/05/freispruch-fuer-deutschland/:

    „Die besagte Liste umfasst in Wahrheit nämlich die »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« – also die zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres –, ist also wesentlich eher eine Sammlung markanter Zitate als ein Fahndungsaufruf. Und das Ziel ist es dabei offenkundig auch weniger, eine Rangliste entlang der machtbedingten Gefährlichkeit der Urheber dieser Zitate zu erstellen, als vielmehr, plakativ zu verdeutlichen, wie beängstigend groß das Spektrum des Judenhasses weltweit ist und wie sich der massenkompatible Antisemitismus in den einzelnen politischen Lagern äußert, selbst bei vermeintlich unverdächtigen, seriösen Akteuren. So erklärt sich auch, warum bei der Erstveröffentlichung der »Top Ten« im Jahr 2010 die renommierte amerikanische Journalistin Helen Thomas, immerhin dienstältestes Mitglied des White House Press Corps, auf dem ersten Platz landete und ein Jahr später der griechische Komponist und Politiker Mikis Theodorakis, eine Ikone der Linken, Dritter wurde. Ebenfalls in den letzten Jahren dabei: ein Mitglied der EU-Kommission, ein populärer Filmregisseur, ein prominenter Pastor und sogar die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter“.

    Kann mich auch gar nicht mehr an die begeisterten Angriffe und Entschuldigungen von Broder an Sarrazin erinnern, der gerade erst auf der LISTE erschien, ganz im Gegenteil:

    „Damit hatte sich Sarrazin am Allerheiligsten der deutschen Geschichte vergangen, dem Holocaust. Was aber, wenn er im Grunde recht hätte? Könnte es sein, dass der „fortschrittliche“ Teil der deutschen Politik aus Angst vor einer neuen konservativen „Machtergreifung“ mit dem Wunsch nach Selbstentmachtung reagiert?

    Es scheint, als würden die Deutschen sich selber nicht über den Weg trauen, wie ein geheilter Alkoholiker, der um jede Kneipe einen großen Bogen macht. Sie suchen Schutz unter dem europäischen Dach und exekutieren lieber absurde Anweisungen aus Brüssel, statt sich auf den eigenen Sachverstand zu verlassen. Jakob Augstein hat diese Haltung sehr schön auf den Punkt gebracht: „Es wäre für Deutschland besser, mit den Partnern in Europa das Falsche zu tun, als allein auf dem Richtigen zu beharren.“

    Im Gegensatz dazu leistet sich Sarrazin den Luxus eigener Gedanken. Möglich, dass er gelegentlich spinnt. Man kann ihn dafür kritisieren, ihm aber das Wort verbieten zu wollen, zeugt von einer totalitären Gesinnung seiner Kritiker, die ansonsten bei jeder Gelegenheit für den „Dialog der Kulturen“ ohne Vorbedingungen plädieren. In jedem Fall hat Sarrazin wieder einmal einen sehr deutschen Nerv getroffen. Es gibt keine Tabus, aber doch einiges, über das man besser nicht einmal laut nachdenken sollte.“ http://www.welt.de/kultur/article106355851/Sarrazin-hat-einen-sehr-deutschen-Nerv-getroffen.html

    „5
    “All Jews have a certain gene … that makes them different from other people.” -August 2010
    Thilo Sarrazin, Central Bank Executive for the German Government“ SWC

    Huch!

  6. Den braunen deutschen Sumpf sehr, sehr treffend beschrieben. Liest man den Text, so wird einen deutlich, dass der heutige deutsche Antisemitismus den gleichen hasserfüllten und wahnhaften Halluzinationen verfallen ist, wie unter den Nazis und vorher.

  7. Ich möchte bzgl. Persilschein einmal eine Märchengschichte erzählen, die handelt von einem intellektuellen Schriftsteller weit über der grossen See mit dem richtigen Glauben der seinerzeit von einem Verlag beauftragt wurde ein Buch über eine Region, in der so einiges nicht so wirklich tolles passiert ist, zu schreiben – vielleicht, so dachte man, wird das ein schönes, nettes Buch – gut ein paar Kritiken hier und da aber auf jeden Fall mit einem positiven Resumee – , welches unter dem neuen Begriff des Standortmarketings fallen würde. Unser Held, nennen wir ihn Tubio T. wurde also beauftragt und durfte es sich so richtig gut gehen lassen. Der Verlag bezahlte ihm die schönsten Hotels und sorgte sich gut um ihn in der freudigen Erwartung Tubio würde das goutieren und ein schönes Buch mit ein paar wenigen kritischen Anmerkungen zu schreiben. So kam Tubio in diese verrufene Region, bereiste sie und stellte gewisse Dinge fest, die er, so wie er es erlebte, eifrig aufschrieb. Tubio ging mit dem Manuskript zum Verlag und dieser war ob des doch deutlich kritischeren Ergebnisses sehr aufgebracht, es gab den einen oder anderen Wortwechsel und man scheute auch vor Beleidigungen nicht. Schliesslich kam es dann dazu, dass Tubios Erkenntnisse nicht veröffentlicht wurden und Tubio zu einem anderen Verlag gehen musste, der dann sein Buch druckte. In diesem Märchen stellte sich dann heraus, dass Tubio eigentlich ein Held ist, er blieb authentisch und schrieb das, was er sah. Und die Moral von der Geschicht – authentische Menschen lohnt zu goutieren nicht. Aber da es sich nur um ein Märchen handelt, kann auch rein gar nichts, von dem, was in diesen Phantasien und Zeilen stehen mag, wahr sein. Denn eines ist klar‘ – ein Märchen, ja das ist niemals wahr!

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