Wie real ist ein israelischer Schlag gegen Iran?

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Die Medien-Spekulationen über einen „unmittelbar“ bevorstehenden israelischen Militärschlag gegen Iran treiben seit einem Jahrzehnt die seltsamsten Blüten. Langstreckenflüge der israelischen Luftwaffe bis Gibraltar, zusammen mit der deutschen Luftwaffe, galten ebenso als „untrügliche Zeichen“ wie Auftanken in der Luft, was jedes NATO-Mitglied ebenso regelmäßig übt…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 26. Januar 2012

Zunächst die Fakten: Israel befürchtet das Schlimmste, falls Iran eine Atombombe und die notwendigen Trägersysteme (Raketen) besitzt, um das „zionistische Regime von der Weltkarte zu löschen“. Die Kombination ideologisch motivierter Absicht, Israel zu vernichten, und praktischer Versuche, die ultimative Waffe zu erlangen, bestimmten Israels diplomatische Bemühungen, die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen aufzufordern. Indem israelische Politiker das Thema bei jeder Gelegenheit und Kontakten mit dem Ausland auf die Tagesordnung setzten, war klar, dass Israel nie glaubte, die von Iran ausgehende Gefahr alleine meistern zu können. Die Amerikaner haben schon vor über zehn Jahren Israels Befürchtungen verstanden. Die Europäer reagierten darauf mit großer Verspätung, unter anderem nach „Drohungen“ des amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney, die „unberechenbaren“ Israelis nicht zügeln zu können. So entstand der Eindruck, als ob nicht der Iran eine Bedrohung für den Weltfrieden darstellt, sondern eher Israels Reaktion darauf. Teilweise wird bis heute Israels vermeintliches Säbelrasseln für bare Münze gehalten, während Irans Drohungen als „Rhetorik“ abgetan und dessen Atomprogramm bestritten oder verniedlicht werden. Das änderte sich spürbar erst mit dem Weggang von Muhammad Baradei von der Spitze der Wiener Atombehörde IAEI.

Tatsache ist, dass Iran die Lehre aus der israelischen Zerstörung des irakischen Reaktors Osirak 1981 bei Bagdad gezogen hat. Teheran verteilte seine Atomanlagen über das ganze Land, teilweise in unzerstörbare unterirdische Bunker und an geheime Orte. Wie der geheime mit der Beobachtung Irans beauftragte Offizier der israelischen Armee in einem Interview mit diesem Korrespondenten verriet, gebe es keine Gewissheit, alle relevanten iranischen Atomanlagen auf einen Schlag zerstören zu können. Ein unvollständiger Schlag könne Iran animieren, an geheimen Orten die Produktion einer Atombombe zu forcieren.

Ob Israel tatsächlich einen wirksamen Militärschlag durchführen kann, ist allein wegen der Geografie mehr als fraglich. Israelische Kampfflugzeuge müssten die Türkei, Syrien, Jordanien, Irak oder Saudi Arabien überfliegen, also feindliche Flugzonen. Wegen der Entfernungen und der zahlreichen Ziele im Iran müssten sehr viele Kampfflugzeuge eingesetzt und im Fluge aufgetankt werden, um heil wieder zurück zu kehren. Hinzu kommen politische Bedenken wie amerikanischer Widerspruch oder Reaktionen arabischer „Freunde“ des Irans, etwa der mit 10.000 Raketen aufgerüsteten Hisbollah im Libanon. Wie realistisch ein israelischer Schlag ist, können deshalb wohl nur die israelischen Verantwortlichen selber beurteilen.

Andererseits droht der Iran mit einer Schließung der Straße von Hormus, also jener Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des Weltbedarfs an Erdöl nach Japan, Europa, Australien und in andere Länder per Tanker transportiert wird. Aus gutem Grund haben die Amerikaner drei Flugzeugträger in Richtung Persischem Golf gelenkt. Auf jenen Flugzeugträgern sind die gleichen Kampfflugzeuge mit identischen bunkerbrechenden Bomben und vielleicht gar Atombomben stationiert, über die auch Israel verfügt.

In israelischen Medien läuft tatsächlich seit Wochen eine Debatte über einen möglichen Militärschlag gegen Iran. Ex-Generale und Ex-Geheimdienstchefs melden sich zu Wort und warnen vor verheerenden Folgen für die „Stabilität“ des ohnehin instabilen Nahen Osten.

Ein Kommentator bemerkte, dass sich bisher nur Gegner eines israelischen Militärschlags zu Wort gemeldet hätten, aber noch kein Befürworter. Die verantwortlichen Politiker schweigen, zumal ein „Überraschungsschlag“ nur selten vorher öffentlich diskutiert wird.

Das offizielle Israel befürwortet scharfe Sanktionen gegen Iran, wie sie jetzt beschlossen worden sind. Es forderte von den USA und der EU diplomatische Schritte, um den Iran von seinem Atomprogramm abzubringen. Militärische Drohungen wurden nur mit der ominösen Formel ausgesprochen, wie man sie auch in Washington und Paris hören kann: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“.

Grundsätzlich nimmt Israel wegen schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit die Auslöschungsdrohungen des Iran sehr ernst. Die sechs Millionen Juden Israels wollen keinen zweiten Holocaust hinnehmen.
Deshalb hat Israel zusammen mit den USA für viele Milliarden Dollar die Arrow-Abwehrrakete gegen feindliche ballistische Raketen entwickelt. So ist Israel heute gegen feindliche Raketenangriffe besser geschützt als jedes andere Land der Welt, als Europa, die arabischen Staaten oder amerikanische Stützpunkte in der Region. Denn Patriotraketen, die in Polen und anderswo zum Schutz gegen eine mögliche iranische Bedrohung aufgestellt werden wollten, haben sich während des Golfkriegs von 1991 gegen irakische Scudraketen als unzuverlässig erwiesen. Im Falle einer anfliegenden Rakete mit atomarem Sprengkopf kann und will sich jedoch niemand einen Fehltreffer leisten. Das winzige Israel schon gar nicht.

Tatsache ist freilich auch, dass arabische Länder, darunter Saudi Arabien, die Golfstaaten und Ägypten aufrüsten, aus Angst vor Iran als atomarer Hegemonialmacht. Ebenso fällt auf, dass die USA in jüngster Zeit mit ihren Flugzeugträgern militärisch aktiv geworden sind. Es ist deshalb kaum anzunehmen, dass Israel einen logistisch schwierigen und politisch problematischen Alleingang wagen würde, solange mit Sanktionen und arabischer Aufrüstung alles versucht wird, den Iran umzustimmen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

4 Kommentare

  1. Schauderhaft, wie gestern in zahlreichen Medien Direktreaktionen der obersten „Geistlichen“ Irans Antwort auf deren „umstrittene“ Atomexperimente zelebriert wurd – „das zionistische Krebsgeschwür muss entfernt werden und wird entfernt“ …DEUTLICHER …UNMISSVERSTÄNDLICHER geht’s gar net!!! Man sollte Besagtes dann auch ENDLICH  so zur Kenntnis nehmen ..da gibt’s NIX misszuverstehen …schliesslich war das ja keineswegs irgendeine „föllereibehaftete  Trunkenheitspartieaufnahme“ NEIN …Herr A. sass „schäfchenhaft“ wohlhörig unter einer „Meute“ „geistlicher“??? und politischer machtvoller Verantwortlicher IRANS im Publikum …Fraglich nur, welcher GEIST denen da wohl innewohnen mag???
     

  2. Die Erfahrungen der Juden in der Welt mit ihrer Verlässlichkeit sind hinreichend und einschlägig. Daher ist ihre Politik des überlebenwollens in allen Bereichen nachvollziehbar und gerechtfertigt. Kein anderes Volk in dieser schlimmen und bösen Welt musste jemals solche Erfahrungen machen. Und, wenn jemand wie A-aus Iran einschlägige Drohungen ausstösst muss er damit rechnen, dass er für voll genommen wird, und nicht mehr nicht wie Hitler in München. Das sollte der A aus I wissen und verinnerlichen. Diese Gabe ist ihm aber nicht gegeben, wie allen verblendeten Menschen und das macht ihn so masslos gefährlich, wie Hitler. 

  3. Holocaust-Leugnung:

    „Die islamistische Holocaust-Leugnung hat eine innere Logik, wenn es in perfidester Form darum geht zu behaupten, dass die Israelis diejenigen sind, die „Massenmord“ an den Palästinensern begehen. Am 26. Oktober 2011 warf IRIB der deutschen Regierung vor, dass sie „Nachforschungen über den Holocaust“ bestrafe. Unter „Nachforschungen“ versteht das iranische Regime Geschichtsrevisionismus im Stil Robert Faurissons. Während iranische Islamisten sich auf rechtsextremistische Holocaust-Leugner berufen, werfen sie nun über ihr Sprachrohr IRIB der deutschen Regierung vor „diejenigen, die sich mit den Tatsachen des Holocaust beschäftigen bzw. ihn aufgrund von Nachforschungen in Frage stellen“, zu bestrafen.
    German-IRIB veröffentlicht stattdessen Holocaust leugnende Reden des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, der beklagt, dass manche Länder „im Namen des Holocaust den Zionisten weiterhin Schmerzensgeld“ zahlen. (30.September 2011) IRIB relativiert den Holocaust, wenn beispielsweise den “Zionisten” vorgeworfen wird, mit Hitler kooperiert zu haben. IRIB behauptet, dass die Zionisten am Holocaust mitgewirkt hätten, um „eine Heimat für die Juden zu fordern“. (22.Dezember 2010)“

    „Zwar ist nicht bekannt, wie viele Bürger der Bundesrepublik der antisemitischen Hasspropaganda des Iran lauschen und diese lesen, aber es gibt eine lange Liste von Interviewpartnern, die IRIB in Deutschland hoffähig machen. Immerhin haben berühmte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Journalismus diesem antisemitischen Sender Interviews gegeben: Andreas von Bülow, Shraga Elam, Jochen Hippler, Haiko Hasan Hoffmann, Wolfgang Huber, Jamal Karsli, Gudrun Krämer, Felicia Langer, Mohssen Massarrat, Georg Meggle, Wolf-Dieter Narr, Otfried Nassauer, Yavuz Özoguz, Peter Phillip, Irmgard Pinn, Ruprecht Polenz, Sabine Schiffer, Peter Scholl-Latour, Peter Schütt, Udo Steinbach, Willi Wimmer, Gerhard Wisnewski und Andreas Zumach. “

    „Falls manche dieser Persönlichkeiten über German-IRIB einen mäßigenden Einfluss nehmen wollten, muss heute festgestellt werden, dass sie mit diesem Vorhaben gescheitert sind. Wie groß der Konsumentenkreis unter den in Deutschland lebenden Muslimen ist, lässt sich nur erahnen.“

    Wahied Wahdat-Hagh ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der European Foundation for Democracy (EFD) in Brüssel.
    http://europeandemocracy.org/

    http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/1525/

  4. Iranischer Antisemitismus auf Deutsch

    „Die Propaganda des iranischen Regimes zielt nicht nur auf die eigene Bevölkerung. Der Sender „Islamic Republic of Iran Broadcasting“ (IRIB) kann weltweit empfangen werden, er sendet in deutscher und in weiteren 26 Sprachen. Das deutsche Programm von IRIB zeichnet sich durch antisemitische Hetze aus. IRIB hat einen Sitz im Bundespressehaus Berlin.
    Der islamistische Antisemitismus ist ein Bestandteil der iranischen Herrschaftsideologie. Auch in Deutschland leben Islamisten, German-IRIB bietet ihnen Hasspropaganda „Made in Iran“. Zu dieser Hasspropaganda gehören die Verherrlichung der terroristischen Gewalt, die als „Widerstand“ verbrämt wird, ferner die Leugnung des Holocaust, um Israel und die westlichen Demokratien zu verteufeln und das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen.“

    „Antisemitische Vernichtungsdrohungen gegen Israel: Der Iran erkennt das Existenzrecht Israels nicht an und ruft zur Vernichtung Israels auf. Wie die offizielle iranische Politik stellt der deutschsprachige Dienst von IRIB das Existenzrecht Israels in Frage. Israel wird dämonisiert und der islamistische Terrorismus verherrlicht. “

    „Wie die Politik der totalitären Diktatur der “Islamischen Republik” verherrlicht IRIB die terroristische Gewalt und verteidigt die terroristischen Aktionen der palästinensischen Organisationen, von der marxistisch-leninistischen PFLP bis zur Hamas und der Gruppe Islamischer Jihad. Die Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad seien gegründet worden, um „den Kampf gegen das zionistische Regime bis zur völligen Befreiung Palästinas fortzusetzen“ (IRIB, 17.November 2011). Selbstverständlich werden auch die Aktionen der libanesischen Hizbollah verherrlicht. Der Tod von islamistischen Terroristen wird als „Märtyrertod“ glorifiziert, als ob Terroristen wirklich Vorbilder für Muslime auch in Deutschland sein könnten.“

    „IRIB spiegelt die totalitäre Ideologie des im Iran als Staatsdoktrin herrschenden khomeinistischen Islamismus wieder. Für IRIB gehören daher die islamistischen Terrorbewegungen zu einer Widerstandsbewegung, die die Sharia als Staatsgesetz einführen will. Am 7. Oktober 2011 wurde Ayatollah Ahmad Khatami, als Leiter der Freitagsgebets in Teheran einer der wichtigsten Propagandisten des Regimes, in German-IRIB affirmativ mit folgenden Sätzen zitiert: „Manche Länder sind bestrebt, durch die Ãœberlassung von weniger als 18 Prozent der besetzten Gebiete an die palästinensische Regierung dem zionistischen Regime eine Legalität zu verleihen, damit dieses Krebsgeschwür in der Region weiterhin bestehen bleibt.”

    „Tatsächlich hatte Ayatollah Khomeini schon in den sechziger Jahren die Zerstörung Israels gefordert (siehe dazu: Wahied Wahdat-Hagh, Der islamistische Totalitarismus. Berlin 2012). Sein Nachfolger Ali Khamenei sagte am 4. Juni 2010: „Der Imam (Khomeini) sagte direkt, dass Israel ein Krebsgeschwür ist. Was macht man mit einem Krebsgeschwür? Gibt es ein Heilmittel, außer das Geschwür herauszuschneiden?“
    http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/1525/ 

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