Die „Döner-Morde“ und die israelischen Medien

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Die Berichterstattung über Deutschland in israelischen Medien ist spärlich, es sei denn, es geht um aktuelle Politik mit direktem Bezug zu Israel. Die Mordserie deutscher Neo-Nazis fand nur eine erstaunlich geringe Beachtung in den israelischen Medien…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 17. November 2011

In Rundfunk und Fernsehen wurde das das Thema überhaupt nicht aufgegriffen und in den Zeitungen wurde die Morde nur beiläufig erwähnt. Die konservative Zeitung Maariv druckte am Sonntag einen längeren Bericht dazu unter dem Titel „Deutsche Befürchtungen zu Neo-Nazi-Terror einer neuen Sorte“. Der Bericht enthielt allein Information aus internationalen Agenturen.

Der Berliner Korrespondent des Massenblattes Jedijot Achronot, Eldad Beck, berichtete am Sonntag auf Seite 20 über den „Schock in Deutschland: Neo-Nazi Terrorzelle aufgedeckt“. Die Schlagzeile „Ciao Berlusconi“ auf der gleichen Seite war prominenter. Am Dienstag kommentierte Noach Kliger die „Nicht neuen Deutschen“. Er spielte auf die Vorstellung an, dass es seit dem Dritten Reich ein „neues Deutschland“ gebe. Kliger meinte: „Wieder wurde bewiesen, dass die Deutschen nichts aus ihrer schrecklichen Vergangenheit gelernt haben.“ Er zitierte ausgiebig Sprüche der Neo-Nazis bei ihrem Polizeiverhör und monierte verständnislos, wieso die deutsche Regierung immer wieder ein Verbot der Neo-Nazi Parteien verweigert hätten.

Die linksgerichtete Zeitung Haaretz hat eine von der Agentur ap übermittelte Absichtserklärung der Bundeskanzlerin Angela Merkel wiedergegeben, die „rechtsextremistischen Parteien“ verbieten zu wollen. Über die Vorgänge selbst druckte Haaretz lediglich einen ins Hebräische übersetzten Artikel der britischen Zeitung „Guardian“ unter dem Titel „Wut in Deutschland: Der Geheimdienst wusste von der Neo-Nazi-Terrorzelle“.

Ein westlicher Diplomat in Tel Aviv sagte erstaunt zu dem auffälligen Mangel an Berichterstattung: „Man hätte meinen können, dass solche Vorgänge in Deutschland von der israelischen Presse wie gefundenes Fressen aufgegriffen würden.“

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

2 Kommentare

  1. „Ein westlicher Diplomat in Tel Aviv sagte erstaunt zu dem auffälligen Mangel an Berichterstattung: „Man hätte meinen können, dass solche Vorgänge in Deutschland von der israelischen Presse wie gefundenes Fressen aufgegriffen würden.““

    „…erstaunt…“
    …reagiert in der Regel ein mit einem Umstand nicht hinreichend Vertrauter.

    Einen „auffälligen Mangel an Berichterstattung“ könnte man u.U. als Indiz für „überreich und sattsam vorhandene Information pur“ interpretieren.

    Zu deutsch:

    „Die“ wissen „womöglich“ zu gut, „was wirklich abgeht beim Kampf gegen Onkel Adolf“. 
    (Dies war eine subjektive Interpretation, eine These, eine mehr oder weniger „versteckte“
    Behauptung)  

  2. Ich weiß nicht, ob die Bezeichnung „Döner-Morde“ besser (= weniger rassistisch) wird, wenn man sie in Anführungszeichen setzt. <a href=“http://test.hagalil.com/2011/11/14/doener-morde/“>Siehe auch</a>. 

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