Von Spezialdemokraten und Sarrazinokraten

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Eine traurige Kurzgeschichte von der SPD…

Von Ramona Ambs

Soso. Sie wundern sich also, dass Sarrazin in der SPD bleiben darf? Sie finden es skandalös? Ja, ich gebe zu, ich auch ein bißchen, schließlich mag ich die gute alte Tante irgendwie. Aber die Tante ist halt auch nicht mehr das, was sie einst war. Es war nämlich leider absehbar. Alle, die nun rufen, Sarrazins Verbleib sei mit den Grundsätzen der SPD nicht vereinbar, kennen offenbar die Grundsatzprogramme ihrer Partei nicht gut.

Ein Blick in die „Geschichte“ der Grundsatzprogramme der SPD offenbart nämlich manche Überraschung. Dem ersten Eisenacher Programm von 1869 folgten einige. Nach Gothaer, Erfurter und Görlitzer Programm gab es 1925 das sogenannte Heidelberger Programm in dem bereits eine vage Vision der heutigen EU entworfen wurde. Das bekannteste Grundsatzprogramm der SPD – das Godesberger Programm von 1959 – stand noch unter dem Eindruck der NS-Herrschaft. Dennoch findet man darin zum Beispiel kein Bekenntnis dazu, dass Juden zu Deutschland gehören. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus spielten in den Grundsatzprogrammen bis dato überhaupt keine Rolle. Erst 1989 im Berliner Progamm kommen Migranten, die damals noch Ausländer hießen, erstmals vor. Islam oder Judentum wurden namentlich immer noch nicht erwähnt. „Kulturelle Vielfalt bereichert uns“ steht in dem Berliner Programm. Ein Satz, der fast so auch in Sarrazins Buch zu finden ist: „Vielfalt ist grundsätzlich erwünscht“ schreibt Sarrazin auf Seite 57 in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“. Das geht doch schonmal konform, oder?

Aber warum sich mit dem alten Grundsatzprogramm aufhalten. Es gibt seit 2007 schließlich ein Neues. Und das ist richtig lustig. Das Hamburger Programm von 2007 enthält erstmal ein Bekenntnis zur christlich-jüdischen Tradition. Es heisst: „Wir bekennen uns zum jüdisch-christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens. Wir verteidigen die Freiheit des Denkens, des Gewissens, des Glaubens und der Verkündigung. Grundlage und Maßstab dafür ist unsere Verfassung.“ Klingt doch prima. Würde sogar Sarrazin spontan unterschreiben.

Kurios ist allerdings der Versuch die christlich-jüdische Tradition in die vergangenen Grundsatzprogramme hinein zu konstruieren. So liest man im Hamburger Programm von 2007: „Die Sozialdemokratie war von Anbeginn die Demokratiepartei. Sie hat die politische Kultur unseres Landes entscheidend geprägt. In ihr arbeiten Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft, verschiedener religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen zusammen. Sie verstehen sich seit dem Godesberger Programm von 1959 als linke Volkspartei, die ihre Wurzeln in Judentum und Christentum, Humanismus und Aufklärung, marxistischer Gesellschaftsanalyse und den Erfahrungen der Arbeiterbewegung hat.“ Aha. Dumm nur, wenn im Godesberger Programm Judentum oder gar die jüdisch-christliche Tradition (eine Erfindung unserer Zeit) überhaupt nicht vorkommen. Im Godesberger Programm hieß es nämlich noch: „Der demokratische Sozialismus, der in Europa in christlicher Ethik, im Humanismus und in der klassischen Philosophie verwurzelt ist…“ War wohl nichts. Die Juden – in Form von „christlich-jüdischer Tradition“ – hat man bei der SPD eben auch dann erst entdeckt, als man hier angefangen hat, Muslime, mit dem Verweis auf die christlich-jüdischen Traditionen, auszuschließen und zu diskriminieren. Und auch wenn die SPD natürlich nirgendwo in ihrem Grundsatzprogramm fordert, dass man Muslime ausschließen soll, so hinterlässt dennoch die plötzlich übernommene Formel von der jüdisch-christlichen Tradition genau diesen seltsamen Beigeschmack. Und genau darüber sollte sich die alte Tante SPD nun mal dringend Gedanken machen.

Zu diesen Gedanken gehört auch Folgendes: Wenn unter dem Punkt „Sicherheit in Freiheit“ im aktuellen Grundsatzprogramm nichts von national befreiten Zonen, Gewalt gegen Minderheiten hier und der zunehmenden Gewaltbereitschaft von Rechtsextremisten steht, dafür aber viel von „Zwangsverheiratung & Co.“ zu lesen ist, kann man davon ausgehen, dass der sarrazinsche Geist durch die Hintertüre längst bei einigen Genossen angekommen sein dürfte:

„Jede Form von Gewalt, wie auch immer motiviert sie sein mag, ist ein Angriff auf die solidarische Bürgergesellschaft, egal ob es sich um Gewalt unter Männern oder häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder handelt. Zwangsverheiratung, Zwangsprostitution oder so genannte Ehrenmorde an Frauen müssen verhindert oder geahndet werden. Für religiös begründeten Extremismus ist in unserem Land kein Platz. Menschenrechte lassen sich auch durch Berufung auf religiöse Regeln oder Traditionen nicht außer Kraft setzen, hier liegt die Grenze unserer Toleranz gegenüber anderen Kulturen.“

Und sonst haben wir keine Probleme in diesem Land? Wo liegt denn die sozialdemokratische Toleranzgrenze bei Anschlägen auf Synagogen und Moscheen, bei Gewalt gegen Menschen mit anderer Hautfarbe und anderer Religion? Ist das kein Thema, das auch Erwähnung in einem Grundsatzprogramm finden sollte?

Aber ich will mal nicht so sein. Eigentlich hab ich Euch ja sogar ein bißchen lieb. Deshalb, liebe SPDler, ich kann Euch helfen. Ich habe dann nämlich doch noch eine Stelle in Eurem Grundsatzprogramm gefunden, mit der Sarrazins Äußerungen nun definitiv nicht konform gehen. Es handelt sich um diesen flotten Vierzeiler: „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ächten Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Sie haben Deutschland in seine schlimmste Katastrophe geführt. Wir werden deshalb immer dafür kämpfen, dass unser Land nie wieder in Barbarei abgleitet.“

Puuuuh, gerade nochmal gut gegangen. Damit könnt Ihr ihn loswerden! Was an Sarrazins Äußerungen rassistisch ist, könnt Ihr hier bei haGalil mehrfach nachlesen. (Nur für den Fall, dass Ihr es selbst nicht mehr erkennen solltet.) Schließlich können wir die gute alte Tante ja dann doch nicht im Stich lassen…

Die Grundsatzprogramme der SPD findet man hier:
http://www.spd.de/Politik/grundsatzprogramm/

21 Kommentare

  1. Es ist bedauerlich, dass die SPD nicht mehr die Kraft findet, einen Hetzer wie Herrn Sarrazin aus ihrer Mitte auszuscheiden. Das zeigt, dass die Lage (Wähler schwinden!!!) ihr bzw. ihrer Führung mittlerweile so kritisch erscheint, dass sie meint, auf die rassistisch nur all zu gerne mit Sarrazin fröhlich mitjodelnden Stammtische nicht mehr verzichten zu können. Dabei scheint sie jedoch zu übersehen,…

    Schau mal, Peter Brückner 1980:

    »Wenn seine „Partei“ einem der skizzierten Widersprüche erliegt — nur noch Friede oder nur noch Gewalt ist, nur noch Theorie oder nur noch Parteilichkeit, wenn die eigene Gruppierung das Problem des „Infamen“ wegrationalisiert, verharmlost oder selbst infam wird — dann muss der Einzelne seiner „Partei“ gegenüber jene Leistung erbringen, die er, störrisch gegenüber dem Ganzen, dem Herrschaftszusammenhang, längst erbracht hat: die, nicht mitzumachen. Die Tugend, gegebenenfalls nicht mitzumachen, in der Kindheit eingeübt — das erst wäre, individuell und „links“, Autonomie.«
     

  2. Es ist bedauerlich, dass die SPD nicht mehr die Kraft findet, einen Hetzer wie Herrn Sarrazin aus ihrer Mitte auszuscheiden. Das zeigt, dass die Lage (Wähler schwinden!!!) ihr bzw. ihrer Führung mittlerweile so kritisch erscheint, dass sie meint, auf die rassistisch nur all zu gerne mit Sarrazin fröhlich mitjodelnden Stammtische nicht mehr verzichten zu können. Dabei scheint sie jedoch zu übersehen, dass sie anderenorts mindestens ebensoviele (wenn nicht mehr) Wähler verliert, die von diesem Unsinn (auch wenn er weitgehend auf das letzte Kapitel des Buches beschränkt bleibt) so angewidert sind, dass sie sich abwenden. Ich gebe zu, dass meine (früher fast uneingeschränkte) Bewunderung von Helmut Schmidt eher einer Verwunderung Platz gemacht hat. Und so bleibt eins zu konstatieren: Ich WAR seit ich wählen darf SPD-Wähler. Aber ich WAR es. Das ist Vergangenheit. Für mich, der aus einer von den Nazis verfolgten Sippe stammt, (obwohl „wir“ doch seit Hunderten von Jahren ach so „arisch“, aber eben gegen die Nazis, ihre Politik, ihre Haltung, ihr Denken waren) ist die SPD durch ihr unverständliches Festhalten an einem schlimmen Volksverhetzer nicht länger wählbar. Ich suche nach Alternativen.
    Vielleicht kann mir Herr Lagodinsky Bescheid geben, falls er vor mir fündig werden sollte.

  3. Danke „jim“ für Ihre Buchempfehlung. Aber ob ich das Buch „verstehen können werde“ werden wir wohl nie erfahren …

    Lustiger weise regen sich doch gerade diejenigen Leute über Sarrazin auf, die nur die reisserisch aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate der empörten Gutmenschen-Journallie kennen.
    Der Mann ist Sozialdemokrat und sprich die großen soziale Probleme unserer Zeit an. Wirklich gefährlich würde ich es finden, diese Probleme weiterhin totzuschweigen, so wie es der linke Flügel der SPD, die Grünen und die LINKE gerne hätten. Dies kennt man ja bereits ausreichend aus faschistischen und kommunistischen Diktaturen.
    Außerdem machen die kritisierten Zitate nur einen kleinen Bruchteil seines Buches aus 😉

  4. Lieber Gert Weisskirchen,
    nun,- ich habe das nicht vergessen, aber erinnert sich die SPD da auch noch dran?
    Jüdischer Ethik entspricht es jedenfalls nicht andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft (oder sarrazinisch: ihrer Gene) zu diskreditieren und sie zu beleidigen…von daher fehlt mir ganz entschieden hier eine eindeutige Positionierung der SPD in Sachen Sarrazin(wenn man es denn mit der jüdischen Tradition in der SPD ernst meinte). Oder wenigstens einen ehrlichen und offenen Disput dazu. Beides fehlt- und deshalb hat-so traurig das auch ist- Sergey Lagodinski richtig gehandelt. Und was die Kurzgeschichte angeht- ich kann nichts dafür, dass die Juden in Form(ulierung) von jüdisch-christlicher Tradition erstmals 2007 in den Grundsatzprogrammen vorkommen (und nur darüber hatte ich berichtet). Ãœber die positiven Verknüpfungen von Juden und SPD wurde hier bei haGalil ja auch schon erzählt: http://buecher.hagalil.com/2009/03/erler/ …nur ist die Frage, was die heutige SPD daraus macht….

  5. Liebe Ramona,
    Thilo Sarrazin hat sich selbst aus der Sozialdemokratie ausgeschlossen, denn: in ihr darf kein Platz sein für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.
    Was mir weh tut ist Ihre ahistorische `Kurzgeschichte´ der SPD. Sie scheinen zu vergessen: Die Sozialdemokratie war entscheidend mitgegründet worden von Menschen jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens. Jüdinnen und Juden haben bis zum Tod der Demokratie in Deutschland 1933 Programmatik und Praxis der SPD geprägt. Diese Traditionslinie ist von Sergey Lagodinsky neu geknüpft worden. Furchtbar am Opportunismus des Augenblicks ist die Selbsttäuschung, eine lokale Schiedskommission könne schlichten, was als Streit aber ausgetragen werden muss. Mit Taktik allein können inhaltliche Kontroversen nie „geschlichtet“ werden. Nun ist größeres Unheil angerichtet worden. Das schlimmste dabei ist, dass Sergey Lagodinsky die SPD verlässt und Thilo Sarrazin in ihr (noch) bleibt. Die Neu-Aufnahme dieser für die Sozialdemokratie entscheidende Traditionslinie hat einen schweren Rückschlag erlitten.

    • Lieber Herr Weiskirchen,

      ich war auch mal ein paar Jahre Mitglied der alten roten Tante. Ich bin im letzten Jahrtausend wieder ausgetreten – Grund: der Rechtsrutsch in der Asylpolitik der SPD. Auf mein ‚Kündigungsschreiben‘ an die ‚Baracke‘ erhielt ich eine sehr erhellende Antwort aus der Parteizentrale:

      1) Mein Beharren auf traditionelle SPD-Werte bezeuge mein politisches Verständnis auf „Volkshochschulniveau“. (Es war mir ein großes Vergnügen, diese Antwort möglichst vielen Volkshochschullehrern zukommen zu lassen 🙂 )

      2) wurde ich belehrt: Politik (also die echte – nicht die auf Volkshochschulniveau) heisst nicht, eine Meinung zu vertreten, sondern Mehrheiten zu bekommen.

      Wenn ich nun vor diesem Hintergrund den Fall Sarazin betrachte, ist es nur konsequent:
      1.000 Mitdenkende und Mitfühlende zu verlieren ist besser als
      10.000 Idioten am Stammtisch

  6. Sehen sie, DAS ist das Problem…die Leute reden völlig aneinander vorbei.
     
    Mein Argument ist The Bell-Curve, auf welche sich dieser Mensch in weiten Teilen seiner kruden Thesen bezieht um bei Eugenik zu landen. Insofern redet keiner am anderen vorbei, denn es wird kräftig ausgeblendet. Sowohl von Ihnen als auch, und zwar wider besseren Wissens,  von den Verantwortlichen in der SPD – und das ist der himmelschreiende Skandal!

  7. Laut them roten Wowereit ist Berlins Armut ja sogar ein Pfund mit dem sich’s wuchern läßt.
    „Arm aber sexy“
    Das find ich viel unsäglicher!
     
     

  8. Es wäre für mich jetzt klug, Kontakt zu einem Juden zu suchen. Dieser käme dann immerhin auf einen IQ von 90 – d.h. zusammen hätten wir auf einen IQ von 165 (hihi). Dann könnten wir vielleicht folgende Fragen beantworten:
    – wenn man für drei Richter, die ihren Dienst beenden nur zwei wieder einstellt, welche Auswirkungen hat das für den Rechtsstaat? Ist Berlin durch Sarrazins Sparpolitik nicht ärmer geworden – immerhin gehört zur Bilanz nicht nur die monetäre Bilanz der Stadtkasse? Vielleicht reicht der zusammengenommene IQ von 165 für ein wirtschaftliches Gegenmodell Berlin betreffend aus ….
    Und weniger wichtig: was fand oder findet Lea Rosh an Sarrazin so „süß“???

  9. Nun ja…Sie argumentieren jetzt mit Kevin B. McDonald und der Holokaustdebatte und der Berliner auf der anderen Seite denkt zuerst an Katastrophen wie die Rütli-Schule und wie er versuchen muß sein Kind in eine Klasse zu bringen wo nicht so viel Ausländerkinder sind damit sein deutsches Kind eine Chance auf eine normale, gute Ausbildung hat.

    Sehen sie, DAS ist das Problem…die Leute reden völlig aneinander vorbei.
     
     
     

  10. …und wieder anderen Berlinern spricht er aus der Seele…tja so ist das mit der Meinungsvielfalt.

    Ja, Daniel, es ist ein großes, ein bedrohliches Problem. Es ist nicht nur „unser“ Problem, es ist ein Problem für die gesamte deutsche, letzlich auch die europäische Gesellschaft. Schon mal von einem gewissen Kevin B. MacDonald gehört? Auf ihn zB, bezieht sich Sarrazin in der IQ Debatte:
     
    http://holocaustcontroversies.blogspot.com/2007/08/kevin-macdonald-old-whine-in-new.html

    In this regard, MacDonald shares a fallacy espoused by Scientific Racists such as Charles Murray, the co-author of The Bell Curve, which holds that principled opposition to racism is unscientific. In the view of MacDonald and Murray, there are no intrinsic rational reasons why antisemitism and racism must always be opposed. Moreover, there may be occasions when these attitudes are necessary in order to protect society as a whole from the low IQ’s of blacks or the group conspiracies of Jews.

    MacDonald’s links with Scientific Racism are not only theoretical. In 1995, his book A People that Shall Dwell Alone was reviewed favourably by Hans Eysenck, who had gained notoriety in the early 1970’s for his support of Arthur Jensen and as the author of Race, Intelligence And Education, a neo-eugenicist forerunner of The Bell Curve. Eysenck’s links to Scientific Racism are discussed here:

  11. Thilo Sarrazin hat uns in Berlin über Jahre demoralisiert. Seine Anwürfe gingen immer gegen Randgruppen, um nicht „Schwache“ zu sagen, ob Hartz4er oder „Kopftuchmädchen“. Den Hartz4ern riet er, die Heizung herunterzudrehen und  einen Pullover anzuziehen – während er selbst – ich konnte ihn auf einer Veranstaltung in der Urania (liebe Nichtberliner: ein Veranstaltungsort) danach fragen – die Solidarbeitragsgelder zur Schuldendeckung und nicht zur Investitionen nutzte.

  12. Angst vor der Wahrheit.
    Die Daemonisierung Sarrazins, die auch hier wieder eine ihrer Zahlreichen fortsetzungen findet ist lediglich ein Zeichen der Ohnmacht im Angesicht der Wahrheiten, die er ausspricht.
    Die Gefahren und Probleme, die er diskutiert sind vorhanden und beduerfen einer Reaktion.
    Ihre jahrelange Ignoranz hat uns in die heutige Situation gebracht. Sarrazin ist kein Rassist und das wissen alle Menschen, die sich ernsthaft mit seinen Aeusserungen beschaeftigt haben. Auch die ihm nachgesagte Bemerkung in Hinsicht auf die genetische Nachweisbarkeit der Zugehoerigkeit zum juedischen Volk (Konvertiten ausgenommen) ist schlichtweg korrekt. Zudem war es aus dem Zusammenhang gerissen.
    Sich von juedischer Seite immer mit der Gesamtheit der Muslime in das „Minderheitsboot“ zu setzen ist absurd. Wir wissen sehr genau welche Gefahr von Seiten der Mehrheit der Muslime droht, die den Juden negativ gegenueberstehen. Das ist kein Rassismus sondern lediglich die traurige Wahrheit, dafuer reicht es aus mal in unseren europaeischen Nachbarlaendern vorbeizuschauen. Niemand – auch Herr Sarrazin nicht –  bestreitet, dass sich das vielleicht einmal aendert.
    Aber sicher wird sich das nicht aendern, wenn es immerzu totgeschwiegen wird. Besser waere es, wenn die juedische Gemeinschaft in Deutschland sich offen gegen die Aggression von der islamischen Seite her wendet, damit die Menschen beginnen es wahrzunehmen.

    • Hallo Franz,

      du hast alles richtig beschrieben, von erstem Wort bis letztem. Was können wir, Juden und Deutsche, tun? Gibt es in Deutschland solche politische Partei, die richtige Lösung für diese Probleme hat und diese Lösung realisieren kann? Oder, mindestens, die richtige Vorstellung hat in welche Richtung wir gehen müssen?

  13. Worum es in Hinblick auf diesen Neurotiker geht:
     
    http://test.hagalil.com/2011/04/24/psychoanalyse-und-geschichte/

    Der subjektive Gewinn der Übernahme entsprechender Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster liegt, ganz allgemein gesprochen, in dem damit einhergehenden Versprechen, Konfliktfreiheit durch »Reinigung« des psychischen Raumes und des sozialen Krisengeländes zu erlangen.
    […]
    »Reinheit, Harmonie und Identität sind hier zusammengedacht, begleitet von einer paranoischen Angst, daß Fremdes bedrohlich und wuchernd einfallen könnte, um das Reine zu zerstören« (Bohleber 1998, S. 95).
     
    Vielleicht sollten Sie „Xanor“, dieses Buch – obgleich ich vermute, dass Sie es nicht verstehen können werden – lesen: http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga/detail/3837920550

  14. Nein Frau „Ramona Amb“, ich finde das ganz und gar nicht skandalös. Empört wäre ich gewesen, wenn Herr Sarrazin ausgeschlossen worden wäre, denn dann hätte die SPD ein Niveau erreicht, dass definitiv unter die 20%-Hürde gehört.
    Wussten Sie eigentlich, dass er auch die Zustimmung von Helmut Schmidt findet – der absolut für die alte SPD steht, die Sie ja so vermissen?

    Ziemlich peinlich finde ich, dass Sie als „Beweis“ für Herrn Sarrazins „Rassismus“ auf Ihren eigenen, dürftigen Beitrag vom August 2010 auf Hagalil verlinken, der noch dazu sehr kontrovers kommentiert wurde.

    Herr Sarrazin ist definitiv nicht rassistisch, sondern verstößt lediglich gegen den von Menschen wie Ihnen definierten „gutmenschlichen“ Maulkorb, der das an- und aussprechen von Mißständen verbieten will – aus welchen Gründen auch immer.
    Natürlich ist ja auch Alice Schwartzer rassistisch, da sie 70% der Vergewaltiger bei ihrer ethnischen Herkunft benennt – oder nicht, Frau „Ramona Amb“?

    Dass Herr Sarrazin kein Konservativer sondern ein Sozialdemokrat ist, macht es natürlich schwer, die wirkungsvollste Waffe der selbsternannten „Gutmenschen“, den Vorfurf des Rassismus, zu schwingen. Trotzdem tun Sie es - mit äußerst dürftiger Argumentationsführung und mit dem daraus resultierenden, völlig daneben gegangenen Ergebnis.

    Vielleicht sollten Sie, Frau „Ramona Amb“, Sarrazins Buch wirklich mal im Ganzen lesen? Aber ich vermute, Ihnen ist dieses, eher für Volks- und Betriebswirte geschriebene Buch, einfach zu kompliziert …

  15. Liebe Ramona, schön gerade (für einige zu Ostern) die Parteiengeschichte dieses Landes zu lehren!
    Zwei der im Bundestag vertretenen Parteien kennen jahrzehnte (eigentlich jahrhundertelang) die Schuldigen!
    Bei einer weiteren flog der Verantwortliche nach Flugblatt auch.
    Dann hätten wir noch die free palästine Freund(innen)e, oder die bekannte immer Palästinenserheimstättenostfraktion. 

    Höchste Zeit den Sozis mal die Grenzen aufzuzeigen. Schon weit vor dem bemängelten Godesberger Programm wollten die sich ständig um irgendwelche Minderheiten kümmern. Was für ein gesellschaftspolitischer Anspruch? Sind die noch normal? Immer diese östlichen Fremden, kein deutsch können, aber Obstverkaufen. Wurde schon vor 90jahren hauptsächlich in Bayern bemängelt. Auch da waren die Sozis Schuld!

  16. Unglaublich, dass es Sergey Lagodinsky zu einem eigenen Artikel auf Spiegel Online gebracht hat. Wäre er nicht jüdisch und würde das bei seinem Austritt nicht so vor sich her tragen, würde kein Hahn außerhalb seines Ortsvereins danach krähen.
    Ein Rauswurf Sarrazins wäre ein Armutszeugnis für die SPD gewesen.

  17. Jüdischer Genosse verlässt aus Protest die SPD
     
    Nicht alle belassen es bei verbalem Protest: Der Gründer des „Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten“, Sergey Lagodinsky, hat die SPD wegen der Sarrazin-Entscheidung verlassen. In einem Brief an SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, der der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt, schreibt er, „als jüdischer Mensch“ habe er die Möglichkeit gesehen, „die lange Tradition der Juden in Deutschland wiederzubeleben, nunmehr gemeinsam mit anderen Minderheiten und Mehrheiten in unserem Lande“. Diese Hoffnung aber sei „mit der plötzlichen Rücknahme des Antrags zum Ausschluss des Immer-noch-Genossen Sarrazin gescheitert“.

    Lagodinsky betont: „Ich kann es in einer Partei mit einem Sarrazin aushalten, aber ich kann es nicht in einer Partei aushalten, die sich aus Angst vor dem Stammtisch einem Sarrazin nicht stellen will. Oder noch schlimmer: die nicht mal weiß, ob sie das will.“ Der Umgang mit Thilo Sarrazin sei bezeichnend „für die allgemeine Orientierungslosigkeit der Partei im Umgang mit Vielfalt als brennendem Thema unserer Gegenwart. Während die Anhänger Sarrazins triumphieren, stoßen sich zahlreiche Sarrazin-Kritiker ihre Köpfe wund gegen diese Wand der Verschwiegenheit, in die sich die Spitze eingemauert hat.“ Selten hätten die Facebook-Diskussionen ratloser gewirkt, selten seien zahlreiche junge SPD-Mitglieder betrübter und beschämter über die eigene Partei gewesen als jetzt, schrieb Lagodinsky.

     

  18. Nun ja….dafür hat die SPD das Recht auf freie Meinungsäußerung respektiert und vor allem die Meinung der breiten Parteibasis welche die Meinung Sarrazins ganz offen teilt.

    Außerdem, Sarrazin würde nicht lange parteilos bleiben…da warten schon ganz andere Kaliber darauf sich mit ihm als nun ungebundene Gallionsfigur zu verbünden und eine Wähleralternative zu starten.
    Ob das im Sinne der dauerempörten Gutmenschen ist wage ich zu bezweifeln.

    Das bloße Rausschmeißen einer unliebsamen Person läßt den Geist dahinter, die eine sehr verbreitete Meinung ist, nicht einfach verschwinden.
    Viele Politiker haben viel zu lange den Vogel Strauß gespielt, das Brodeln „dort unten“ ignoriert und/oder verunglimpft.

    Die SPD macht da nicht mehr mit…eigentlich gut für sie!

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