Atomare Gefahr in Israel

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In Israel gibt es zwei Atomreaktoren, ein reiner Forschungsreaktor in Nachal Sorek zwischen Tel Aviv und Aschdod sowie ein weiterer „Forschungsreaktor“ bei Dimona in der Negewwüste. Gemäß ausländischen Presseangaben wird in Dimona Plutonium für den Bau von Atombomben produziert…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. März 2011 

Angeblich verfügt Israel über 200 oder 300 Atombomben. Das offizielle Israel hat nie öffentlich eingestanden, Atombomben zu besitzen, dieses aber auch nicht dementiert. Diese Doppeldeutigkeit ist bewusste Politik und hatte im Falle von Ägypten unter Anwar el Sadat zu dem Friedensvertrag geführt. Sadat war nach eigenen Angaben überzeugt davon, dass Israel eine Atommacht sei. Der ägyptische Präsident hielt den jüdischen Staat für „unbesiegbar“ und hielt es deshalb auch wirtschaftlich für sinnvoller, Frieden zu schließen, anstatt den Kriegszustand fortzusetzen.

Seinen Strom, maximal 14.600 Megawatt, bezieht Israel aus mehreren Kraftwerken entlang der Küste. Die Hälfte des Stroms wird aus importierter Kohle gewonnen. Weitere Energiequellen sind aus Ägypten geliertes Erdgas und Schweröl. Alternative Energien wie Wind und Sonne werden bisher kaum eingesetzt. Pflicht ist allerdings seit vielen Jahren bei jedem Neubau die Einrichtung von Wassertanks mit primitiven Solarplatten (Wasserröhre auf schwarzem Untergrund und einer Glasplatte), sodass die Sonne den Israelis immerhin heißes Wasser kostenlos spendet. Weil die Stromproduktion an heißen Tagen bis an die Grenzen der Kapazitäten der bestehenden Kraftwerke gelangt, sind die Israelis immer wieder aufgefordert, tagsüber keine stromfressenden Geräte wie Waschmaschine oder Backofen einzuschalten. Wegen einem zunehmenden Umweltbewusstsein wächst in Israel der Widerstand gegen die mit Kohle oder Schweröl betriebenen Kraftwerke. Überdurchschnittlich viele Kinder leiden an Asthma im Einzugsgebiet jener Kraftwerke.

So wird immer wieder vorgeschlagen, Atomkraftwerke zu errichten, weil sie am saubersten arbeiten. Gleichzeitig kommen Bedenken auf wegen akuter Erdbebengefahr. Die Jordansenke und das Tote Meer sind Teil des afro-syrischen Bruchs, wo zwei Erdplatten aufeinander stoßen. Experten behaupten, dass im Heiligen Land alle 50 Jahre mit einem schweren Erdbeben zu rechnen sei. Erdbeben sind schon in biblischer Zeit registriert worden. Die Städte Sodom und Gomorrah dürften durch ein heftiges Erdbeben zerstört worden sein. An vielen historischen Städten wie sind die Spuren schwerer Erdbeben leicht zu erkennen, wenn da ganze Säulenreihen in eine Richtung umgestürzt am Boden liegen. 1927 hat das letzte große Erdbeben mit einer Stärke von 6,3 die Stadt Saffed in Galiläa völlig zerstört. In Jerusalem sind damals Teile der El Aksa Moschee eingestürzt. In der für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Krypta unter der Moschee am Südende des Tempelberges haben die Briten 1927 wuchtige Betonsäulen einziehen müssen, um das Gebäude zu stützen. Die Briten mussten damals auch das Grab Jesu in der Grabeskirche mit hässlichen Metallschienen verstärken. Die  verschandeln bis heute die Heilige Stätte. 2004 erschütterte ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,4 ganz Israel und benachbarte Länder. Bei der Gelegenheit stürzte die Rampe zu dem Mugrabi Tor des Tempelberges in sich ein, weil Schnee und Regen das Erdreich und die historischen Trümmer unter der Rampe gelockert hatten. Weil Jerusalem in seiner 3000-jährigen Geschichte etwa 19 Mal dem Erdboden gleich gemacht worden ist, vor allem durch Eroberungskriege, ist nach Ansicht die historische Altstadt besonders einsturzgefährdet. Denn die meisten Häuser sind auf den Trümmern ihrer Vorgänger errichtet worden und stehen nicht auf dem Felsen verankert.

„Die Frage ist nicht, ob es ein schweres Erdbeben in Israel gibt, sondern lediglich wann“, sagen israelische Geologen. Seit den siebziger Jahren gibt es in Israel Vorschriften, Neubauten erdbebensicher zu bauen. Doch ältere Häuser sind den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. Zu jeder Hausratsversicherung in Israel gehört automatisch auch eine Erdbeben-Klausel. 

Dennoch wünscht sich Uzi Elam, Leiter der Abteilung für die Erforschung und Entwicklung von Waffen im israelischen Verteidigungsministerium, möglichst viele Atomkraftwerke, um Israel mit billigem und sauberem Strom zu segnen. Am Sonntag erklärte er im Rundfunk, dass es im winzigen Israel durchaus Gegenden gebe, in denen nicht mit Erdbeben zu rechnen sei. Konkret erwähnte er Schivta in der Negewwüste. Doch eine kurze Recherche ergab, dass die byzantinische Stadt Schivta im 6. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und danach verlassen wurde. Befragt, ob von Israels Atomreaktor in Dimona im Falle eines Unglücks oder eines Erdbebens Gefahr ausgehen könnte, winkte Elam ab. Im Vergleich zu den Kraftwerken in Japan, in denen hunderte Tonnen Uran als Treibstoff verwendet würden, um Tausende Megawatt Strom zu produzieren, könne der Reaktor von Dimona „gemäß ausländischen Quellen“ bestenfalls 24 Megawatt erzeugen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com