Das wundersame Toleranzverständnis in der fränkischen Gemeinde Ermreuth

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Orthodoxe Juden, getaufte Osmanen, christliche Nachbarn und ein Neo-Nazi: Ein dringend notwendiger Hilferuf…

Von S. Michael Westerholz, Deggenau

Ermreuth, bis 1971 eigenständige Gemeinde im bayerischen Landkreis Forchheim, gehört heute zu Neunkirchen am Brand, zwölf Kilometer östlich von Erlangen gelegen. Inmitten des Dorfes gleich neben der sanierten Synagoge, steht das Haus der Familie Schwarzhaupt: Ein Wohnhaus zwar typisch fränkischen Stils, aber nach dem Einbruch der architektonischen Gleichmacherei auch in  Frankens Dörfern von ungewöhnlicher Seltenheit. Das mit Feldsteinen der Umgebung aufgemauerte Haus hat sich in 150 Jahren  fast unverändert erhalten.  Mit Toilette, die so an die rückwärtige Außenwand angebaut ist, dass Exkremente und Abfälle direkt in den angrenzenden Bach fielen und weggeschwemmt wurden. Mit Wohnung und Laden der geschäftlich vielseitigen, immer Spenden freudigen Familie.

Die Wissenschaftlerin Dr. Rajaa Nadler, die mit außerordentlicher Überzeugungskraft und ehrenamtlichem Engagement mit dazu beigetragen hat, dass die architektonisch einzigartige, sehr große Synagoge Ermreuth wieder zu einem G´tteshaus wurde, gleichzeitig zum Museum der jüdischen Geschichte des Ortes, und der auch die Gründung des Zweckverbandes Synagoge Ermreuth  zum Unterhalt des Bauwerkes zu verdanken ist, kämpft seit Jahren um den Erhalt des Schwarzhaupt-Hauses. „Es wäre als Museum die ideale Ergänzung zu einem Ensemble jüdischer Geschichte in Ermreuth und Franken. Und eine klare Absage an jene Neo-Nazis, die zu Zeiten der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ ausgerechnet im Schloss Ermreuth ihr Hauptquartier hatten.“

Ende September 2010 entscheidet sich, was aus dem Haus wird und was aus den Plänen der agilen, eloquenten Frau und Mutter von zwei Kindern: Im Dorf wächst die Mehrheit jener Bürger, die eine Kostenbeteiligung  der überlebenden jüdischen Ermreuther und deren Nachfahren verlangen. Nur dann wollen sie Ausgaben aus eigenen Spenden und Kassen der öffentlichen Hand zustimmen. Tatsächlich haben sich einige der vertriebenen Juden unter anderem in den USA erstklassig etabliert – unter schwersten Bedingungen und nach traumatischen Erlebnissen in ihrer einstigen, zuletzt mörderischen deutschen Heimat. Sie weigern sich aber, „die Wiederherstellung einstigen Eigentums zu finanzieren, dass uns Verbrecher genommen haben. Und in einem Ort zu investieren, aus dem jüdische Verwandte, Nachbarn, Freunde verschleppt und ermordet wurden. An das, was Deutsche verbrochen habe, müssen Deutsche erinnern, Nachfahren der Täter, nicht der Opfer!“

Dr. Nadler: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das Schwarzhaupt-Anwesen gerettet, saniert und zum Museum bestimmt werden kann. Argumenten von Bürgern, das Haus solle abgerissen, der Standort als Parkplatz hergerichtet und so ein noch schönerer, zusätzlicher Blick auf die Synagoge ermöglicht werden, überzeugen mich nicht. Ich appelliere an die lokalen, regionalen und Landespolitiker, aber auch an wohlmeinende Menschen in aller Welt, den Abriss zu verhindern. Ermreuth hat eine besondere Aufmerksamkeit verdient, weil der Umgang vieler christlicher Nachbarn mit ihren jüdischen Freunden in den Terrorjahren ab 1933 vorbildlich war. In der teilweise symbiotischen Verbindung zwischen Christen und Juden in Emreuth spielte das Schwarzhaupt-Haus eine bedeutende Rolle. Wer immer dies liest – bitte helfen Sie mir und den Interessenten  für die Rettung des Schwarzhaupt-Hauses!“

So klein der Ortsteil Ermreuth mit seinen 921 Einwohnern (2006) im abseitigen, langgestreckten, von Ostbäumen dicht gesäumten oberen Schwabachtal auch ist – seine Geschichte schwankt doch zwischen „eindrucksvoll“  und  „einzigartig bis zum blanken Entsetzen!“ 

Eindrucksvoll war zum Beispiel  der christlich-jüdische Zusammenhalt. Er wurde ausgerechnet und zum Glück jüdischer Mitbürger in den Jahren der Gewaltherrschaft ab 1933 sichtbar und teils mutig demonstriert. Erkennbar wurden aber auch, fortdauernd bis in die Gegenwart, Sinn und  Wahnsinn des Begriffs „TOLERANZ“

  •  so wie Patrizier und  Adelsherrschaften sie verstanden, denen Ermreuth einst gehörte. 
  • So, wie die überwiegend evangelische Bevölkerung sie praktizierte, aus der zum Beispiel im Februar 1939 eine große Gruppe flüchtende jüdische Ermreuther auf dem Nürnberger Hauptbahnhof ins rettende Ausland verabschiedete – zum wütenden Entsetzen des Ermeuther Nazi-Bürgermeisters Johann Oßmann, der das ausdrücklich verboten hatte.
  • Und so, wie der Neo-Nazi Karl-Heinz Hoffmann sie verstanden haben wollte, als er nach dem untilgbaren Mordverbrechen an sechs Millionen Juden – darunter 15 aus Ermreuth –  in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit seiner berüchtigten rechtsextremistischen  „WEHRSPORTGRUPPE HOFFMANN  (WSG)“  in weiten Teilen Frankens Angst und Schrecken verbreitete. Erklärtes Ziel Hoffmanns und seiner  Mittäter. „Deutschland den Deutschen!“

 

1.Teil

Die Ermreuther Gemeinde- und Schlosshistorie

Ein Spross der Adelsfamilie Egloffstein dürfte Ermreuth im 11. Jahrhundert gegründet haben. 1128 wurde der Ort erstmals urkundlich genannt. Im Jahr 1400 kaufte die Nürnberger Patrizierfamilie  Muffel  erst eine Hälfte des Orts. Ab 1464 bis 1549 besaß sie ihn ganz. Der erstmals 1387 in Nürnberg genannte Familienname – den damals Nikolaus Muffel trug, genannt „Hängemaul“ – geht laut dem Namensforscher Hans Bahlow  „auf den oberdeutschen Begriff für einen mürrischen/muff(l)igen Menschen zurück“ – kein gutes Entrée des Ortes in die Weltgeschichte. 

Denn sicher ist, der um 1525 herrschende Stefan  Muffel  muss ein mürrisch-muff(l)iger Herr gewesen sein: Jedenfalls brannten seine erbosten Untertanen im seinerzeitigen Bauernaufstand sein Schloss in Ermreuth nieder. Nach der Niederlage der hernach grausam bestraften Bauern baute der Muffel das Schloss wieder auf. Im 18. Jahrhundert setzten die von Künsberg/Künßberg ein Geschoss obendrauf und einen mächtigen Treppenturm an die Fassade. Wann die Sage aufkam, ein „schwarzer Schlossgeist“ setze sich späten Gästen  der Taverne auf den Rücken und bedrücke sie bis zur Panik, ist unklar: Erfahrene Sagendeuter glauben eher an einen unwirrschen Schlossherrn Muffel, der seine Bauern lieber ausgeruht sah – schließlich sicherten sie ihm den Unterhalt – garantiert keinen armseligen! Der letzte der Ermreuther Künsberg/Künßberg übrigens, als fröhlicher Zecher bekannt, hatte es denn auch prompt nicht mit weißen Mäusen – wie bis heute üblich unter Alkoholikern! – sondern mit einem Möpschen zu tun: Einem „schwarzen Hündchen mit gelben Extremitäten“, das dem alten Schlossherrn kurz vor seinem Tod erschien!

Erster Exkurs in die Intoleranz

Im Jahre 1858 verkauften die Künsberg/Künßberg Schloss Ermreuth an den Hammerwerksbesitzer Schäff aus Erlangen. Und während von der Toleranz mindestens eines Künsberg/Künßberg auf dem von 1632 bis 1858 als Rittergut bezeichneten   Ort samt Schloss Ermreuth  noch zu reden sein wird, verbindet sich mit den Schäff kaum 65 Jahre später indirekt ein schlimmer Akt der Intoleranz, der Adolf Hitler gezielt in die Hände spielte.

Die Schäff, die das Rittergut Ermreuth bald zur Zertrümmerung an Juden und zwei Katholiken verkauften,  breiteten sich nämlich unter anderem nach Ingolstadt aus, wo sie bis vor wenigen Jahren eine Brauerei eigneten.  Ein  Nachfahre erbte den DONAUKURIER, die Ingolstädter Lokalzeitung. Seine Mutter war eine geborene Reißmüller, deren Mutter eine geborene Liebl – und da öffnete sich jener Kreis, der in der Gegenwart zu Karl-Heinz Hoffmann führt, dem bereits erwähnten „Wehrsport Hoffmann“, dem berüchtigten Neo-Nazi mit Wohnsitz Schloss Ermreuth. Der Schäff-Schwiegervater Dr. Liebl in Ingolstadt verdiente sich als außerordentlich engagierter, sozialer und erfolgreicher Arzt mit einer eigenen Klinik großen Respekt und hohes Ansehen: Er behandelte nämlich häufig Arme, vor allem Schwangere, kostenlos. Aber derselbe Wohltäter, der Hitler sieben Mal in seinem Haus zu Gast hatte,  war auch Mitgründer der deutschen NS-Ärzteschaft, die jüdische Ärzte oft mit Gewalt aus den Universitäten, Krankenhäusern, Kurkliniken und eigenen Praxen vertrieb. Und er verschaffte Adolf Hitler mit der von ihm gegründeten ersten NS-Tageszeitung Deutschlands eine ungemein wirkungs- und bedeutungsvolle Plattform für jene Machtergreifung, die das schiere Grauen über die Welt brachte.

Zweiter Exkurs in die Intoleranz

Schäffs Nachfolger  öffneten dem nationalen Radikalismus den Einzug ins Schloss Ermreuth: Angefangen nach dem Ersten Weltkrieg  mit dem „STAHLHELM“, der das Schloss als Versammlungszentrum nutzte: Als Gast erschien denn auch jener unselige General Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (1865 bis 1937), der die auch für die deutschen Juden so folgenreiche, verleumderische Legende vom „Dolchstoß der Heimatfront in den Rücksen der deutschen Soldaten“ (mit-) erfunden hatte.

  • „DER STAHLHELM – Bund der Frontsoldaten“, war 1918 als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei  (DNVP) gegründet worden. Jüdische Frontsoldaten wurden nicht aufgenommen. Weil die Sieger des Ersten Weltkrieges den Deutschen lediglich ein 100.000-Mann-Heer zugestanden hatten, sahen sich die „STAHLHELMER“ als militärische Reserve. Sogar bei radikalen Nazis der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts umstritten, mit der SA oft in heftigem verbalem und körperlichen Streit, wurden sie 1934 „freiwillig gleichgeschaltet“. Ewiggestrige und Neo-Nazis versuchen auch heute noch, das längst verweste politische Intoleranzgebilde wieder zu beleben.   
  • Der General  und Vizechef der deutschen Obersten Heeresleitung (OHL) des Ersten Weltkriegs, Ludendorff, hatte sich bis kurz vor dessen dramatischen Ende im November 1918 wie ein Diktator aufgespielt: Paul von Hindenburg diente ihm als Befehlsfassade, den militärisch desorientierten Kaiser Wilhelm II. dirigierte er nach Belieben und seinen Vorstellungen von politischer Führung. Erst neu berufene Reichskanzler bändigten den hochfahrenden Kriegsverlierer.  Als „Der Führer“ Adolf Hitler  ihm in den dreißiger Jahren zum Generalfeldmarschall (jedoch ohne Kampfauftrag und Befehlsgewalt in der Wehrmacht!) ernennen wollte, lehnte Ludendorff es ab, „von einem Gefreiten den Marschallstab entgegenzunehmen!“  Dabei hatte er 1923 an Hitlers Seite am gescheiterten Putsch in München teilgenommen, sich in der „Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) engagiert und sich ärger als viele Nazis antisemitisch gebärdet. Unter dem Einfluss seiner zweiten Frau glitt er in seinen letzten Lebensjahren immer tiefer in ein antichristlich-antijüdisches heidnisches Sektierertum ab. 

Dritter Exkurs in die Intoleranz

In den Terrorjahren der Nazis und ihrer (1996 von  dem US-Soziologie- und Politikwissenschaftler Daniel Goldhagen, *1959, entlarvten) „willigen Vollstrecker“  der Verbrechens-Ideologie Hitlers und dessen  von einer klaren Mehrheit gebilligten mörderischen Staatsziele befand sich im Schloss Ermreuth eine NSDAP-Kreisführerschule. Deren Absolventen griffen die Juden des Ortes häufig an. Wahrscheinlich einige von ihnen schändeten schon 1936 den 1711 angelegten  jüdischen Friedhof: Nach dem Krieg wiesen Ermreuther gerne alle Mitschuld von sich – es seien durchweg auswärtige Nazis gewesen, die in dem Ort gewütet hätten! Jedenfalls erwies sich neben unleugbaren mutigen Toleranzbeispielen christlicher Nachbarn der jüdischen Mitbürger (worüber in einem weiteren Teil dieser Dokumentation noch zu sprechen sein wird) die unmittelbare faschistische Intoleranz als mächtiger: In Scharen verließen sogar uralt eingesessene, total integrierte jüdische Familien den Ort, einige zu ihrem lebensrettenden Glück auch Deutschland so schnell wie möglich.

Kriegsende – aber kein Platz für Toleranz

Den Nazilehrern und ihren Schülern folgten nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Vertriebene und Flüchtlinge aus den verlorenen deutschen Ostgebieten  ins Schloss. Deren Sprecher  in den blitzschnell  gegründeten, durchweg bis heute existierenden Verbänden, waren nicht selten Mitschuldige am totalen Zusammenbruch der Deutschen, Altnazis, radikal Völkische, Antisemiten, Opportunisten und Glücksritter. Als sie 1950 ihre „Charta der Vertriebenen“ beschlossen, gelobten sie das Selbstverständliche, zum Beispiel:

  • Verzicht auf Rache und Vergeltung;
  • den Wiederaufbau Deutschlands.
  • Ferner  forderten sie die Schaffung eines geeinten Europas und die Durchsetzung eines weltweit gültigen  „Rechtes auf Heimat!“

 Sie fanden aber kein Wort zu den Ursachen ihres seelischen Leides, ihrer körperlichen Leiden und ihrer existenziellen und materiellen Verluste: 

  • Zum Unrecht und zu den Morden an Millionen Unschuldiger im deutschen Namen;
  • zu den ungeheuerlichen Zerstörungen in Europa und Afrika;
  • zu den Massen-Vertreibungen ganzer Völkerschaften vor allem in Mittel- und Osteuropa;
  • zur gezielten Vernichtung  der Existenzen von Abermillionen Menschen;
  • zu den traumatischen Folgen des Vernichtungskriegs, den die Deutschen wie schon 1914 erneut  1939 grundlos begonnen hatten.

 „Sie leckten ihre Wunden. Aber sie weigerten sich, die selbstschuldnerischen Ursachen dafür anzuschauen und zu gestehen – leider bis heute“, klagten Einsichtige anlässlich von Feiern des „Bundes der Vertriebenen – BdV“ zum 60. Jahrestag  dieser Charta.  

Die Sudetendeutschen waren gar noch weitergegangen: Sie hatten die Bestrafung der Schuldigen verlangt – jedoch offen gelassen, ob sie dazu nur Tschechen, oder auch Deutsche rechneten, zum Beispiel jene, die 1938 mit psychischer Gewalt und unter furchtbaren Drohungen die tschechische Zustimmung zum Einmarsch der Deutschen in Böhmen erzwungen und ihren Sieg in dem verlogenen  „MÜNCHNER ABKOMMEN“  völkerrechtlich abgesichert hatten.

Nach einem versöhnlichen Zwischenspiel – die personifizierte Intoleranz bezieht das Schloss

Als die meist zwangsweise einquartierten Flüchtlinge und Vertriebenen nach und nach aus Ermreuth abzogen, das ihnen weder Arbeitsplätze noch passenden individuellen Wohnraum bieten konnte, wurde das Schloss zum Heimkehrerheim ausgebaut und schließlich zum BRK-Altersheim. Dieses Zwischenspiel endete gegen Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre: Da schlüpfte der bereits erwähnte Rechtsextremist Karl-Heinz  Hoffmann bei seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Franziska im Schloss unter: Als seine Strohfrau hatte sie es erworben. Er sonnte sich in dem Schreckensimage, das er in vielen Jahren sorgsam aufgebaut hatte. Unter Seinesgleichen  feierte man ihn, verzieh man ihm  so manche Feigheit, so manchen Verrat an Spezln, die für ihn buchstäblich ins Feuer gegangen waren. Für die meisten  Ermreuther, die ihn nicht eingeladen hatten und nur selten sahen, war er die personifizierte Intoleranz.

Selbst gut informierte Ermreuther wissen nicht, wem das jüngst verkaufte,  heruntergekommene  Schloss heute gehört. Dr. Rajaa Nadler vom „Zweckverband Synagoge Ermreuth“ und ihr engagierter Ehemann hörten jedoch einen Namen des angeblichen Käufers. „Er lebt  in einem Nachbarort – wenn er´s ist, wäre das Schloss endlich in den guten Händen eines unzweifelhaft demokratisch agierenden Mitmenschen!“  Hoffmann, körperlich schon seit einigen Jahren ein selten sichtbares Schreckgespenst, soll jedoch noch ein Wohnrecht in dem für Franken so typischen Sandstein-Bauwerk haben.   

>> Fortsetzung

3 Kommentare

  1. Antisemitismus ist in Bayern besonders hoch
    27.11.2008 17:04 Uhr


    Berlin (AZ) – Jeder neunte Deutsche hat laut einer neuen Studie Vorurteile gegen Juden. Besonders hoch ist dabei der Anteil in Bayern. Dort teile etwa jeder sechste Einwohner (16,6 Prozent) antisemitische Positionen, ergab eine am Donnerstag in Berlin vorgestellte Erhebung der Universität Leipzig zu rechtsextremistischen Einstellungen.

    Danach waren auch in Baden-Württemberg mit 13,3 Prozent solche antijüdischen Tendenzen im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ verbreitet, gefolgt von Thüringen (12,9 Prozent) und Nordrhein- Westfalen (9,8 Prozent). Am geringsten waren antisemitische Stimmungen in Brandenburg (1,1 Prozent) und im Saarland (1,5 Prozent).
    Im Bundesdurchschnitt waren laut Studie fast 18 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Einfluss von Juden auch heute noch zu groß sei. Knapp 15 Prozent stimmten der These zu, Juden arbeiteten für ihre Ziele mehr als andere «mit üblen Tricks». Fast eben so viele meinten, Juden hätten «etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns».
    Wie die Untersuchung im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert- Stiftung weiter ergab, finden rechtsextreme Positionen in breiten Bevölkerungsgruppen weiter viel Rückhalt. 15 Prozent seien chauvinistisch, also aggressiv nationalistisch, eingestellt, gut ein Fünftel ausländerfeindlich. Allerdings sei gegenüber früheren Befragungen dabei ein leichter Rückgang zu verzeichnen, erklärten die Leipziger Wissenschaftler Prof. Elmar Brähler und Oliver Decker. Diese Entwicklung sei möglicherweise auch ein Erfolg der vielfältigen Projekte gegen den Rechtsextremismus. «Man sollte nicht zu laut jubeln: Die Veränderung des wirtschaftlichen Klimas wird auch bei der politischen Einstellung Folgen haben», warnte Brähler.
     
    http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/Artikel,-Antisemitismus-Juden-Bayern-_arid,1401077_regid,2_puid,2_pageid,4289.html

  2. @Scytale
     
    Sie outen sich schon wieder als das, was Sie sind, ein uneinsichtiger, deutschnationaler Ignorant und Verharmloser. Jeder, der Zeitung liest, weiß doch, dass in unserem schönen Deutschland Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stetig zunehmen. Vor allem unser Lederhosenlaptopwunderland Bayern steht in Bezug auf Judenhass und Verharmlosung des NS ganz oben, wie die Studien der angesehenen Friedr. Ebert Stiftung 2006 und 2008 zeigten.
     
    Hier, extra für Sie, Scytale, zur Erinnerung:
     
    Fremdenfeindlichkeit hat Hochkonjunktur
    Heitmeyer-Studie „Deutsche Zustände“ 2006 kommt zu erschreckendem Ergebnis: Jeder Zweite ist anfällig

    Einer neuen Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld zufolge ist knapp die Hälfte der Deutschen fremdenfeindlich eingestellt. Die Studie „Deutsche Zustände“ zur „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ unter Leitung des Soziologen Wilhelm Heitmeyer läuft seit 2002 und ist auf zehn Jahre angelegt.
    1740 Bundesbürger ohne Migrationshintergrund wurden von Heitmeyer und seinen Mitarbeitern im vergangenen Jahr zu ihren Einstellungen gegenüber Ausländern, Muslimen, Juden, Obdachlosen, Behinderten und Homosexuellen befragt. Die Forscher haben Belege dafür gesammelt, dass die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Dabei sei Fremdenfeindlichkeit in ländlichen Gebieten stärker verbreitet als in Städten; in Gegenden, in denen kaum Ausländer leben, stärker als in solchen mit hohem Ausländeranteil, im Osten stärker als im Westen Deutschlands.
    Damit widerspricht die Studie den kürzlich veröffentlichten Erhebungen der Friedrich-Ebert- Stiftung, die in Westdeutschland eine höhere Ausländerfeindlichkeit festgestellt hatte als im Osten des Landes. Die geringste Fremdenfeindlichkeit findet sich der Studie zufolge mit 37 Prozent in Berlin.
    Der Politologe Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin hatte der erwähnten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgeworfen, politisch motiviert, von suggestiver Fragemethodik und damit unseriös zu sein. Auch gegenüber der Bielefelder Studie könnte solche Kritik laut werden. Denn als Beleg für Fremdenfeindlichkeit gilt darin schon die Verneinung der Frage, ob der Islam eine „bewundernswerte Kultur“ hervorgebracht habe.
    Als menschenfeindlich wurde etwa auch ausgelegt, Obdachlose als „unangenehm“ zu empfinden, was 33 Prozent der Befragten tun. Doch damit ist noch nicht gesagt, ob diese 33 Prozent autoritäre Maßnahmen oder nicht vielmehr Hilfsangebote für Obdachlose befürworten.
    In einem Radiointerview versuchte Heitmeyer, möglicher Kritik entgegenzuwirken: Es gebe, so der Wissenschaftler, kein „objektives Maß“ für Fremdenfeindlichkeit, die Prozentzahlen an sich sagten wenig aus, man müsse als Sozialforscher immer dazu sagen, was genau man als Fremdenfeindlichkeit definiere und welche Fragen gestellt worden sind. Solcher Definitionsbedarf scheint besonders beim Thema Antisemitismus zu bestehen.
    Die Heitmeyer-Studie verzeichnete seit 2002 einen Rückgang dessen, was sie als „klassischen“ Antisemitismus bezeichnet (im Unterschied zum „neuen“ Antisemitismus, der sich als Israelkritik ausgibt), von knapp 22 Prozent auf 14.
    Dieser „klassische“ Antisemitismus drücke sich in Einstellungen aus wie zum Beispiel, dass Juden in Deutschland zu viel Einfluss hätten oder durch ihr eigenes Verhalten eine Mitschuld an ihrer Verfolgung trügen. Doch nach dem Libanonkrieg stiegen die Werte wieder auf den Stand von 2002.
    Der Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Antizionismus wurde in der Studie noch nicht ausreichend erforscht. Dabei hatten 2003 in einer Umfrage 65 Prozent der Deutschen angegeben, dass sie Israel für die größte Gefahr für den Weltfrieden hielten. Oft werden auch Juden weltweit für die Politik Israels verantwortlich gemacht. Ingesamt zeigte sich Heitmeyer überrascht über den Wiederanstieg des klassischen Antisemitismus: Dieser „dürfte eigentlich gar nicht sein“. Zur Verbindung zwischen Antisemitismus und Antizionismus wolle er mit seinen Mitarbeitern weiter forschen und 2007 eine neue Studie vorlegen.
    Ingo Way
    Aus Jüdische Allgemeine Nr. 51 vom 21.12.06

     
    außerdem:
    http://library.fes.de/pdf-files/akademie/bayern/04968.pdf

    Und Sie Trottel, Scytale, fragen sich auch noch, ob sich die „Brut“ vermehrt.
     
    Herzlichen Dank an Herrn Westerholz für seinen wertvollen Beitrag, auf dessen Fortsetzung ich schon gespannt bin.
     
    RS

     

  3. Der Artikel ist ganz nett, aber ab wann ist denn nun das Toleranzverständnis wundersam? Das Fehlen von Toleranz so zu bezeichnen… Ich weiß ja nicht…
     
    Bedenkt man das hohe Alter Herrn Hoffmanns wird das Schlossgespenst wohl bald ausgetrieben sein, es sei denn diese Brut hat sich vermehrt.

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