Abiturfeier wegen Kopftuchstreit abgesagt

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In der traditionsreichen deutsch-katholischen Schmidtschule im arabischen Ostteil Jerusalems musste wegen Drohungen aus muslimischen Kreisen infolge eines Kopftuch-Streits die Abiturfeier kurzfristig abgesagt werden…

Von Ulrich W. Sahm

Die 1886 gegründete, zum Deutschen Verein vom Heiligen Lande gehörende katholische Schmidtschule mit rund 500 arabischen Schülerinnen ließ am Sonntag ihre geplante Abitursfeier ausfallen. Die Mehrheit der Schülerinnen sind muslimisch. Es habe Hinweise auf Störungen gegeben, die ernst genommen werden mussten. Die Schule habe kein Risiko eingehen wollen und deshalb den für die Kinder und die Eltern traurigen Beschluss gefasst. Weil es sich um eine Schule für palästinensische Kinder im arabischen Ostteil der Stadt handelt, hätte die Schule aus guten Gründen nicht die israelische Polizei zum Schutz der Veranstaltung rufen können, um sich nicht zu kompromittieren.

Die Schuluniform der Mädchen sieht kein Kopftuch vor und gemäß den Schulregeln sei es auch den Lehrerinnen verboten, ein typisch muslimisches Kopftuch zu tragen. Vor einigen Wochen gab es „erste Probleme“ als eine altgediente Lehrerin ankündigte, künftig ein Kopftuch tragen zu wollen. Gemäß einer arabischsprachigen Internetseite sei die Lehrerin nach über 20 Dienstjahren entlassen und vom Schulgelände verwiesen worden.

Während in der deutschen Gemeinde Jerusalems Gerüchte über einen Streik an der Schmidt-Schule kursieren, hat es angeblich nur ein „sit-in“ von muslimischen Schülerinnen und Eltern gegeben. Der Unterricht konnte ungestört weiter aufrecht erhalten werden. Einen schmerzhaften Einschnitt gab es erst mit der Absage der Abitursfeier. Die Schulleitung steht jetzt wegen dem Kopftuchstreit vor einem unlösbaren Dilemma. Ein protestantischer Deutscher in Jerusalem sagte: „Falls die Schule das Kopftuch zu lässt, würde die letzte christliche Bastion in Jerusalem geschliffen werden. Halten die aber am Kopftuch-Verbot fest, dann gibt es eine Konfrontation mit den Moslems.“

Ein Kenner der Spannungen zwischen Moslems und Christen in der palästinensischen Gesellschaft erklärte, dass die meisten Moslems durchaus abwägen könnten. Außer für die Fanatiker der Hamas, deren Einfluss in Ostjerusalem immer spürbarer wird, würden viele Muslime bei der Alternative zwischen Kopftuch und guter Erziehung einen Schulbesuch auf der Eliteschule vorziehen.

Der Jerusalemer Vertreter des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande Bernd Mussinghoff, unterstrich, dass es zu keinem Zeitpunkt konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Abiturfeier gegeben habe. Vielmehr habe man sich entschlossen, die Abiturfeier zu verschieben, um diese für die Schülerinnen wichtige Veranstaltung nicht mit der aktuellen Situation in der Schule zu belasten.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com